Wenigstens einen Wandertag hatten wir uns für die Herbstferien vorgenommen – und immerhin, der Wetterbericht hatte für den Tag ein paar Stunden Sonnenschein versprochen. Doch schon die Anfahrt durch eine der schönsten Ecken des Bergischen Landes zu unserem Startpunkt machte klar: Das wird ein trüber Tag. Doch gerade bei diesem Licht entwickelt die Landschaft einen ganz eigenen Reiz.
Startpunkt unserer Wanderung ist Delling, jener schon so häufig beschriebene und gepriesene Weiler östlich von Kürten. Und tatsächlich ist das nicht nur ein besonders netter Ort, sondern mit seinem weitverzweigten Netz von Wanderwegen ein hervorragender Startpunkt für Spaziergänge und Wanderungen jeder Art. Wir haben ein Rudel Kinder im Schlepptau und nehmen uns daher mit einem Rundkurs von 15 km nicht allzuviel vor.
Los gehts, wir folgen über weite Strecken dem örtlichen Wanderweg A1, zunächst aber den Markierungen K und L. Gleich hinter Delling in östlicher Richtung kommt gleich der anstrengenste Teil der Strecke: durch einen Nadel- und später Mischwald geht es andauernd und recht steil hinauf. Auf dem Gipfel bei Hembach erwarten uns ganze Schonungen von Tannen, die zwar noch ein paar Jahre haben, aber schon jetzt mit blauen und gelben Preisschildern für den Weihnachtsmarkt geschmückt sind.
Kloster Ommerborn
Ein paar hundert Meter weiter treten wir aus dem Wald heraus und können zum ersten Mal weit über das Land blicken, soweit der Dunst es zulässt. Rechts scheint durch die Bäume hindurch der Turm von Kloster Ommerborn.
Ein sehr großer, inzwischen aber ziemlich vernachlässigter Bau (1922) des Eucharistiner-Ordnens, der wohl zum Verkauf steht. Vor der kleinen alten Kapelle legen wir die erste Rast ein. Nach einem kurzen Blick in die Kapelle geht es an einem gewaltigen Freilichtaltar für die berühmten Ommerborner Prozessionen vorbei. Hier wäre auch genug Platz für eine Papstmesse!
Weil wir den Weg zwischen den allmählich verfallenden Häusern rund um das Kloster in Richtung Süden nicht gleich finden, gehen wir ein Stückchen entlang der erstaunlich befahrenen Landstraße (L129), durch die nicht wirklich anheimelnden Dörfer Ober- und Mittelsteinbach. Doch schon in Mittelsteinbach biegen wir wieder rechts ein und steigen durch Laubwälder und Weiden mit einem schönen Weitblick über Lindlar hinweg Richtung Linde ins Tal hinab.
Eine Dampflok im Wald, ein Viadukt im Verfall
In Linde machen wir einen kleinen Abstecher von der Route weiter in südlicher Richtung (an der Kirche in Linde einmal links auf die Hauptstraße, dann wieder rechts talwärts) und gelangen unvermittelt zur ” Straße Am Bahnhof”.
Tatsächlich liegt hier, ziemlich versteckt, der alte, längst stillgelegte Bahnhof von Linde. Er ist inzwischen privat bewohnt und von einem hohen Zaun umgeben – doch der gibt den Blick auf eine imposante Dampflok frei, die hier allmählich vergammelt.
Vom Bahnhof aus folgen wir dem Schotterbeet des aufgelassenen Bahndamms der einstigen Sülztalbahn, der nach ein paar hundert Meter zum alten Viadukt führt – hoch über Straße und Lindlarer Sülz, und durchaus schon ziemlich baufällig.
Die Sülztalbahn führte einst von Köln bis Lindlar, wurde hinter Bergisch Gladbach aber schon in den 60er Jahren stillgelegt. Der inzwischen verstorbene Besitzer des Bahnhofs Linde wollte dort mal eine Museumsbahn einrichten; auch sollte über den Bahndamm ein Radweg gebaut werden – nichts davon wurde realisiert.
Weite Blicke über das Olpe-Tal
Zurück auf unserer Wanderroute folgen wir auf einem Pfad in der Böschung ein Stückchen der Hauptstraße Richtung Westen, bevor es noch einmal tief hinab ins Tal des Ommerbach führt.
Dort passieren wir den kleinen Weiler Müllersommer, der ein wenig an Bullerbü erinnert, und wandern entlang der zahlreichen Pferde- und Kuhweiden sanft bergan nach Unterbersten. Nur ein kleines Stück geht über die K31, bevor wir gleich kurz nach dem Gasthof Fuchs links abbiegen. Hier erwartet uns gleich ein kleiner Rastplatz direkt neben einem alten Wegkreuz, das sich vor der dunstigen Landschaft in den Vordergrund reckt.
Ein weiteres schönes Fotomotiv bietet kurz danach auch die Kuhherde, hinter der sich das Tal des Olpe-Bach und der Blick auf die Kirche von Olpe ausbreitet.
Noch ist die Kirche im Dunst kaum auszumachen – doch dann zeigt sich, dass auf die Wettervorhersagen doch noch Verlass ist: gegen 14 Uhr schafft es die Sonne endlich, sich durch den Dunst zu bahnen.
Durchs Tal hinauf nach Delling
Unser Weg führt nun steil bergab nach Büchel und dann entlang des Olpe-Bachs und an der ehemaligen Schultheismühle vorbei, über einen schmalen Pfad das letzte Stückchen hinauf nach Delling. Eine letzte Biegung, und wir stehen an der Ziegenwiese, die an die Kirche von Delling grenzt.
Ein Blick auf die Uhr: 4,5 Stunden für eine unangestrengte Wanderung mit zahlreichen, wenn auch kurzen (kühlen) Pausen. Da bleibt noch genug Zeit für einen Blick in die Kirche – und eine sehr angenehme Brotzeit in der Traditions-Gaststätte “In der Delling”. Aber dazu mehr in einem anderen Beitrag.
Informationen:
- Am Wanderparkplatz in Delling gibt es eine Info-Tafel mit Wanderwegen.
- Delling für Wanderer
- KSTA-Tippeltour 275: Von Linde nach Delling
- Die alte Sülztalbahn
- Eucharistiner-Kloster Ommerborn
- Zur bewegten Geschichte der Kirche in Delling
Einkehrmöglichkeiten:
- In der Delling
- Haus Burger, Linde
- Landhaus Fuchs, Unterbersten
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