Um die Jahreswende steht bei vielen Männerchören wieder die Frage an: wie soll es weiter gehen?
Wenn sie nicht zu den erfreulichen Ausnahmen gehören, bangen sie um ihre Existenz. Ihre Bemühungen um jugendlichen Nachwuchs zeigen nur spärlichen Erfolg. Warum? Die Zeiten haben sich einfach geändert.
Die Männerchöre als erste weltliche Laienchorbewegung erfreuten sich in ihren Anfängen eines regen Zulaufs. Es ging den jungen Männern um Unterhaltung, das gesellige Vereinsleben, um eine gesellschaftlich anerkannte Freizeitbeschäftigung. Es gab nicht das reiche Angebot an Ablenkung und auch nicht die beruflichen Anspannungen wie heute. Dagegen gibt es in unseren Tagen mehr rüstige (auch stimmgesunde) Senioren als je zuvor. Die haben Zeit und suchen ziemlich genau das, was früher die Jungen in die Vereine brachte: Geselligkeit und eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung vor Ort.
Die Chöre sollten deshalb den Wandel der Zeiten akzeptieren und sich auf einen hohen Altersdurchschnitt ihrer Mitglieder einstellen. Gibt es Rezepte für den Fortbestand traditionsreicher ortsgebundener Vereine mit hohem Altersdurchschnitt?
Die Eigenart und persönliche Note
Werbeleute kennen den Begriff des Unique Selling Point = einzigartiges Verkaufsargument. Sie wissen, dass es für eine erfolgreiche Werbung darauf ankommt, wenigstens ein Merkmal des Produkts herauszustellen, das eine Alleinstellung besitzt, eine Andersartigkeit, eine Unverwechselbarkeit. Das gilt in ähnlicher Weise auch für Chöre. Konzentration auf eine Liedrichtung, die dem Altersdurchschnitt Rechnung trägt und die der Chor glaubwürdig verkörpern kann. Ein Chor aus überwiegend Senioren ist beispielsweise kaum gut beraten, Tanzlieder aus Musicals vorzutragen oder den Negro Sound einer Gospelgruppe erreichen zu wollen. Wenn sich dagegen Chöre mit älteren Sängern im norddeutschen Raum auf Shanties verlegen, dann kann das
glaubwürdig wirken und zu einem Markenzeichen werden, um ein Beispiel zu nennen.
Originalität und Individualität gehen vor dem Prinzip „für jeden Geschmack etwas“. Welche Liedrichtung soll konsequent verfolgt werden? Das gibt Debatten, aber langfristig verhilft es dem Chor zu Attraktivität über den engeren Raum hinaus und zieht möglicherweise auch jüngeren Nachwuchs an.
Dreistimmige Chorsätze
Chormusik besteht im Wesentlichen aus Dreiklängen, wobei der 4. Ton im üblichen 4stimmigen Satz meistens aus einer Verdoppelung eines der Dreiklang-Töne besteht. Es lässt sich also auch 3stimmig wohlklingend harmonisch singen. Der Vorteil dabei: kleine Chöre bleiben singfähig. Der Chorsatz kann um 2-3 Töne niedriger ausfallen, sodass weniger hohe Tenöre für die tragende Melodie notwendig sind. Die Oberstimme kann auch von 2. Tenören oder hohen Baritonstimmen übernommen werden. Das ergibt sich aus der engeren Dreistimmigkeit, und die Bässe rutschen dabei auch nicht zu tief „in den Keller“.
Die Dreistimmigkeit eignet sich nicht nur für zahlenmäßig kleine Vereine sondern auch für solche, die unter dem Mangel an hohen Tenorstimmen leiden. Ein Nebeneffekt: 3 Stimmen lassen sich schneller einstudieren als 4.
Intermelodie-Chorsätze
Überall dort, wo es ein Übergewicht an Mittelstimmen gibt (1. Bass), bietet sich eine bisher wenig
praktizierte chorische Singweise an. Lediglich in der Barbershop-Bewegung findet sich dieses Prinzip, allerdings mit „Zutaten“, die für hiesige Chöre wenig geeignet sind.
Intermelodie bedeutet, die Melodie liegt konsequent in einer mittleren Stimmlage zwischen einer
begleitenden Oberstimme (Tenor) und Unterstimme (Bass). Die Sätze orientieren sich am harmonischen Hörempfinden der Chorsänger und bewegen sich im Stimmumfang wie die erwähnten 3stimmigen Chorsätze.
Die Intermelodie-Singweise bietet eine Reihe von Vorteilen. Inzwischen hat sich ein Seniorenchor der Max-Bruch-Musikschule Bergisch Gladbach, der dieses Prinzip anwendet, fest etabliert. Interessierte Sänger oder auch Vereinsvorsitzende sind herzlich eingeladen, an einer „Schnupperprobe“ teilzunehmen. Proben am Dienstagvormittag, 10:00 Uhr, im Haus der Musik,
Langemarckweg 14. Weitere Auskünfte unter Tel. 02202-25037-0; e-mail: info@musikschulebergischgladbach.de




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