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Peter Baeumle-Courth, wohnhaft in Moitzfeld, beruflich tätig an der FHDW (Fachhochschule der Wirtschaft). Mehr unter baeumle-courth.eu oder im Blog blog.baeumle-courth.eu.
Seit 2004 Mitglied des Rates der Stadt Bergisch Gladbach; seit Juni 2014 (3.) stellvertretender Bürgermeister.

6 Kommentare zu “Wohnen am Wald oder Wirtschaft statt Wald?”

  1. Huusmeister

    Bitte beachten Sie auch die Kommentare zum gleichen Thema, die zum aktuellen Beitrag “Offener Brief – Anwohner werfen Stadt Willkür vor”: http://in-gl.de/2011/10/15/offener-brief-lustheide/

  2. Günter ziffus

    Zur Planung des Gewerbes im Bereich Lustheide ist aus verschiedener Sicht etwas zu sagen. Zunächst, dass der Bereich zu den hässlichsten Eingangstoren der Stadt gehört. 1990 beantragte die damalige CDU-Ratsfrau Mömkes, zur Verschönerung die Allee auf Kölner Seite bis zum Neufelder Weg zu verlängern. Leider lehnte ihre eigene Fraktion dies 1992 bei der endgültigen Entscheidung ab. Mehrere weitere Versuche der Grünen scheiterten bis heute. Ende der 90-er Jahre beantragten dann einige BürgerInnen, im Bereich der Wasserdelle bauen zu dürfen. Ihrem Antrag wurde von der Ratsmehrheit aus CDU und FDP stattgegeben. Dafür fiel ein weiteres Stück Wald der Säge zum Opfer. Wer einmal hinter diesen neuen Häusern entlang geht, stellt fest, dass auch auf den angrenzenden noch unbebauten Privatgrundstücken der Wald ziemlich ausgedünnt ist. So groß scheint das Interesse auf privater Seite am Schutz durch den Wald denn doch nicht zu sein, wenn es um eigene Baugrundstücke geht.
    Wer die Frage nach der Notwendigkeit weiterer Gewerbeflächen in GL anschneidet, findet aber eine ganze Reihe von “Leichen” im Keller. Im Gebiet Zanders gibt es ungenutzte Flächen und im Bereich nördlich der S-Bahn auch. Und ob die Betriebshöfe der Stadt weitab in Obereschbach direkt an der A 4 und an der Ferdinandstraße bleiben müssen oder nicht besser ins Köttgengelände nördlich der S-Bahn gehörten, da ja keiner haben will, steht zur Diskussion. Es gibt also eine Menge zu beraten, bevor man an einen Wald gehen sollte. So schön nah er auch an der A 4 liegt.

    Günter Ziffus

  3. Daniel Fos

    Herrn M und Herrn Steinbuechel kann ich nur zustimmen. Die aktuelle Situation ist im Sommer mit den fahrenden LKW auf der Autobahn bereits eine gerade noch so zu akzeptierende Lautstärke. Man kann nur hoffen, dass sich die Grünen durchsetzen und das Waldstück erhalten können.

    3 bis 5 ha mehr Gewerbegebiet, vorallem mit Kanibalisierungseffekt zum innerstädtischen Gewerbegebiet, werden wohl kaum nachhaltig großzügige Beträge in die Stadtkasse von Bergisch Gladbach fließen lassen, ohne Auswirkung auf Kriminalität, Lärm, Müll und erhöhtes Verkehrsaufkommen zu haben.

    Auch ein Transport der Güter über die Lustheide einfach “nieder zu labbern” ist realitätsfern. Ein wendender oder ausfahrender LKW auf dieser Strasse wird problemlos einen Stau bis auf die A4 verursachen, was die Einfahrt nach Bergisch Gladbach für die hohe Anzahl an Pendler nicht gerade angenehmer macht.

    Übrigens ist es sehr interessant zu lesen wie Herr Dlugosch Benachteiligten helfen will, mit der Argumentation, dass er es hinnimmt Andere zu benachteiligen, um den aktuell sozial Benachteiligten (angeblich) zu helfen.

    Die Linkspartei sollte sich ersthaft über das Wording Gedanken machen! Eine Disqualifikation auf ganzer Ebene.

  4. M

    “Eine Wohnidylle” ist die Lustheide nicht, denn der LKW-Verkehr tagsüber und auch nachts bzw. in den späten Abendstunden eine sehr starke Beieinträchtigung der Wohnqualität darstellt. Außerdem ist der Autobahnlärm trotz des derzeit noch vorhandenen Waldes doch sehr gut wahrnehmbar.
    Es ist sicher wichtig neue Gewerbeflächen zu erschließen, jedoch sollten dabei die vorhandenen Wohngebiete bewohnbar bleiben. Daher sollten die neuen Gewerbegebiete nicht unmittelbar an die Wohngebiete anschließen und schon gar nicht an solche Wohngebiete, die sowieso schon sehr stark durch Imissionen beeinträchtigt sind.
    Ich habe volles Verständnis für die Menschen, die auf Barrikaden gehen, wenn in ihrer direkten Nachbarschaft, ohne ihre Einverständnis etwas errichtet wird, was langfristig die Wohnqualität erheblich beeinträchtigt. Und mal erhlich, würden Sie eine LKW-Zufahrt zu einem Gewerbegebiet unter Ihrem Schlafzimmerfenster gleich befürworten, weil damit die Einnahmen der Stadt – möglicherweise – steigen würden? Nein, niemand wünscht sich das und daher ist es auch wichtig das gerechte Lösungen für alle Beteiligten gefunden werden. Und damit aus Beteiligten nicht so schnell Betroffene werden, ist es auch wichtig, dass sich Bürgerinitiativen bilden und Ihre Sicht der Dinge beleuchten, um wenigstens einen kleinen demokratischen Beitrag zu den Entscheidungsprozessen der heutigen Politk zu leisten.

  5. D. Steinbuechel

    In seiner letzten Sitzung, am 04.10.2011, befasste sich der Planungsausschuss des Rates der Stadt Bergisch Gladbach mit der Änderung des Flächennutzungsplans (Nr. 175/6540) und der Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 6540 rund um das Gewerbegebiet Lustheide. Geplant ist ein Gebiet zwischen 3,5 bis 5,0 ha.

    In der Berichterstattung rund um diesen Tagesordnungspunkt kam der Standpunkt von Bündnis 90 die Grünen leider neuerlich fast vollständig unter die Räder.

    Im fraktionsinternen Arbeitkreis Planung haben wir diesen Tagesordnungspunkt umfassend diskutiert und uns vorerst mehrheitlich für eine Enthaltung ausgesprochen.

    Den Weg zu dieser Entscheidung möchte ich auf diesem Wege näher bringen:

     Bekannter Weise hat die Stadt Bergisch Gladbach massive Haushaltsdefizite. Jahr für Jahr muss daher an den sog. freiwilligen Leistungen gespart werden.
    Ein Weg diesem Defizit entgegen zu wirken ist es, die Einnahmen der Stadt zu erhöhen. Einnahmen aus der Gewerbesteuer fließen in den städtischen Haushalt.
    Um Einnahmen aus Gewerbesteuer erzielen zu können, muss sich die Stadt Bergisch Gladbach darum bemühen, vorhandenes Gewerbe zu halten und neue Gewerbebetriebe anzusiedeln. Hierfür gilt es attraktive Flächen mit guter Verkehrsverbindung anzubieten.
    Zu einer solchen Fläche zählt das o. g. Gebiet, wegen seiner Nähe zur Autobahn A4.
     In der Vergangenheit wurden bei der Planung der vorhandenen Gewerbegebiete Fehler gemacht. Die vorhandenen Gewerbegebiete liegen im gesamten Stadtgebiet verteilt und sind oftmals fernab ordentlicher Verkehrsanbindungen. Diese Problematik beschert uns seit Jahren die leidige Diskussion um den Autobahnzubringer auf dem alten Bahndamm.
     Betriebe in Gladbach zu halten und neue anzusiedeln, bedeutet auch den Erhalt und die Schaffung von Arbeitplätzen.

     Wir vertreten die Auffassung, dass für Bergisch Gladbach ein Gewerbekonzept aufgestellt werden muss, um das zukünftige Vorgehen besser planen zu können. Insbesondere gilt es den zukünftigen Bedarf von Gewerbeflächen zu ermitteln.
     Um das hier geplante Gebiet umsetzen zu können, bedürfte es der Inanspruchnahme von rund 5 ha Mischwald der großteils im Landschaftsschutz liegt.
    Derzeit bildet dieses Waldgebiet eine Pufferzone zwischen der vorhandenen Wohnbebauung und der Autobahn A4 sowie zwischen den Siedlungs-/Gewerbefläschen und dem Flora-Fauna-Habitat-/Vogelschutzgebiet.
    Ein adäquater Ausgleich für einen Eingriff in dieses Mischwaldgebiet ist kaum möglich.
     Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW sowie der Landschaftsbeirat des Rheinisch Bergischen Kreises schreiben der Waldfläche eine große Bedeutung für das Stadtklima und den Lärmschutz zu.

    In dem nun folgenden Verfahren wird u. a. ein Umweltgutachten erstellt. Dieses Gutachten sowie das städtische Freiraumkonzept werden wir in unsere weiteren Beratungen und Abstimmungsverhalten sorgsam einfließen lassen.

    Mit unserer Enthaltung wollen wir dem Rechnung tragen, dass wir derzeit kein Gewerbeflächenkonzept vorliegen haben, also zu diesem Zeitpunkt keine sachliche Abwägung mit den Belangen des Natur- und Umweltschutzes durchführen können, die für eine Zustimmung oder eine Ablehnung eines solchen Planvorhabens jedoch notwendig ist.

    Dirk Steinbüchel
    Planungspolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion

  6. Rainer Dlugosch

    Bei jeder größeren Planung gehen betroffene Nachbarn regelmäßig auf die Barrikaden, wenn sie sich in ihrer Wohnidylle gestört fühlen. Gleichwohl unterstützt auch unsere Fraktion das sinnvolle Planungsvorhaben, weil 1. Gewebegebiete heute in die Nähe von Aufobahnanschlüssen gehören und 2. die Stadt Bergisch Gladbach attraktive Gewebegebiete ausweisen muss, um mehr Gewerbebetriebe anzulocken und mehr Gewerbsteuer zu generieren. Lustheide ist dafür ein idealer Standort in Bergisch Gladbach, das sehen auch wir so. Wir fordern mehr Ausgaben für Soziales, Familie mit Kindern und Kinder und sind dann freilich auch für notwendige und sinnvolle planerische Maßnahmen, die die Einnahmesituation der Stadt nachhaltig verbessern, ansässige Firmen bei Expansionen unterstützen und Arbeitsplätze schaffen. Da besteht in Bezug auf die bisherigen vergleichsweise viel zu geringen Gewerbesteuereinnahmen dringender Handlungsbedarf. Allein von “Schöner Wohnen” können wir alles, was an Infrastruktur dazu gehört, eben nicht finanzieren und allen wird man es eh nie recht machen können. Mir ist mehr verfügbares Geld auch für die benachteiligten Bevölkerungsschichten unserer Stadt wichtiger, als wenige betroffene aber priviligierte Wohnghrundstücke in ihrer Idylle zu bewahren. Anderenfalls dürfte man die Akte “neue Gewerbeansiedlung ” in Bergisch Gladbach für immer schließen.

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