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Ferien vom Krieg in Bergisch Gladbach

Gewaltige Speeranlagen wie hier in Bethlehem trennen Palästina von Israel.

Ferien vom Krieg“ ist ein Projekt des Kommitees für Grundrechte und Demokratie e.V. in Deutschland. Es bringt  junge Israelis und Palästinenser außerhalb der Grenzen ihrer Länder zusammen in einen Dialog, der anders nicht möglich wäre. In der Tat machen die Teilnehmer Ferien vom Krieg, denn viele von ihnen kennen kein anderes Land als ihr eigenes und bekommen somit die Möglichkeit, „Ferien“ zu machen und dabei mit der anderen Seite ins Gespräch zu kommen.

Dieses Jahr reisen zwei der 1600 Teilnehmer vom letzten Jahr durch Deutschland und erzählen von ihren Erfahrungen mit dem Nahostkonflikt und dem Projekt.

Unter dem Motto „There must be another way“ (= Es gibt einen anderen Weg) erzählen eine junge Israelin, Eliana Almog aus Tel Aviv, und ein junger palästinensischer Arzt, Mohammad Awad aus Ramallah, über ihre Erfahrungen. Am Freitagabend waren sie im Q1 zu Gast.

Eliana erzählte erschreckend und demütig offen von der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Lage in Israel. Sie erfuhr zum ersten Mal mit dreizehn Jahren, dass ihr Heimatland eine Besatzungsmacht im Nachbargebiet ist. Ihre Aufmerksamkeit lenkte sie nun verstärkt auf dieses Thema. Sie könne nicht stolz auf ihr Land sein, sagte sie mehrmals. Dafür sei der Kurs der israelischen Regierung zu sehr darauf fixiert, den Konflikt am Leben zu erhalten, aus welchen Gründen auch immer.

Die Gesellschaft, wie sie findet, hat eine sehr kritische und ablehnende Haltung gegenüber diesem Konflikt und damit auch gegenüber den Palästinensern. „Wir sind ein sehr  rassistisches Land, die Gesellschaft driftet immer mehr nach rechts ab, hinzu kommt der Konflikt mit dem Iran. Es ist sehr gefährlich für Israel momentan, innen- wie außenpolitisch, genau das versuche ich zu ändern. Mir liegt viel an meinem Land und ich möchte es beschützen“, bemerkte sie.

Wir erfuhren von ihr, dass sie, wie jeder israelischer Staatsbürger, in der Armee gedient hatte und sich dort in einen Soldaten verliebte. Als er bei einem Kampfeinsatz im Südlibanon getötet wurde, schwor sie sich, dass er der letzte sein sollte, der in diesem Konflikt sein Leben lässt. Das führte Eliana in dieses Projekt, in dem sie auf Mohammad traf.

Eins muss ich vorweg nehmen: Dieser Abend hat meine Sicht auf die Dinge nochmals geändert und ich habe den Saal mit „There IS another way“ verlassen.

Mohammad bemerkte direkt zu Beginn, dass „dieses Projekt mein Leben von grundauf verändert hat“. Es wurde emotional, als er davon erzählte, wie seine familiären Hintergrunde mit in dieses Projekt spielten und dass er einen persönlichen Antrieb habe, dass sich „einiges grundlegend in Israel und Palästina ändert“. Immer wieder war er selbst sehr ergriffen und ließ uns daran teilhaben, wie sehr in alles, was er bis jetzt erlebt hat, geprägt aber auch motiviert hat, immer weiter zu machen.

Er sagte, er hätte sich nie in seinem Leben vorstellen können, einmal mit einer Israelin befreundet zu sein, geschweigedenn überhaupt zu sprechen. Heute ist sein bester Freund ein Israeli. „Das ist ein Zeichen, das ist symbolisch dafür, dass es einen andere Weg gibt in diesem Konflikt“, sagte er sichtlich bewegt.

Die beiden haben es über alle politischen, ideologischen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg geschafft, ein Zeichen zu setzen für eine andere Sichtweise auf die Dinge, ein Zeichen für den Frieden zwischen Israel und Palästina. In der anschließenden Dialogrunde mit uns zeigte sich, wie sehr die Menschen daran interessiert sind, dass sich die Lage in dieser Region bessert. „Ihr seid heute hier und ihr müsst es in die Welt hinaustragen, damit viele Menschen davon erfahren“, appelierte Eliana an uns. Wir sind „nur Menschen“, zitierte Mohammad einen Freund.

Und weil wir nur Menschen sind und alle in einer freien, demokratischen und friedlichen Welt leben wollen, wird es einen anderen Weg geben, das habe ich den beiden versprochen.

Fabian Felder

...ist Medienmensch, Freier Journalist, Student der Islamwissenschaft und Arabischen Sprache in Bonn, verwurzelt in Bergisch Gladbach, aber leidenschaftlich in der (arabischen) Welt unterwegs.

7 Kommentare zu “Ferien vom Krieg in Bergisch Gladbach”

  1. Anonymous

    Hallo Fabian,

    ich bin beeindruckt! Ein ausgezeichneter Situationsbericht, der einen sehr
    nachdenklich stimmt.Schön das sich auch junge Leute mit einem schicksal-
    haften Thema beschäftigen.

    Marion Decker

  2. Annelise Butterweck

    Lieber Fabian, auch mir hat Dein Bericht, auch die anderen Berichte in Kompakt sehr gut gefallen.Ich freue mich, dass nicht nur wir Alten, sondern ganz Junge in diese Friedensprojekte einsteigen!Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen! Wenn ich das unserer Palästinensewrin Suraya Hoffmann erzähle, wird sie das sehr freuen. Vielleicht sehen wir Dich und Deine Freunde auch mal bei uns in Nahost-Friedenskreis, der im Herbst bsein dreißigjähriges Bestehen feiern kann und in dem nei gegründeten Cafe Palestine im Allerweltshaus Köln-Ehrenfeld, Körnerstr. 77.
    Vor allem werde ich jetzt auch Deinen Bericht an Helga Dieter, die Initiatorin von “Ferien vom Krieg”,weiterleiten und anregen, ein Hörbild von den Erfahrungen, von denen die beiden berichten, zu machen.

  3. I. Wasser

    Hallo Fabian,
    ich bin beeindruckt von deiner Schilderung zum Besuch der beiden Friedensvermittler des Israel Palästina Konfliktes. Auf deine Weise unterstützt du ihre Aufgabe
    mit sehr viel Energie und Kreativität.

    Vielen Dank dafür
    I. Wasser

  4. Sabine Werner

    Lieber Fabian Felder!

    Sehr vielen Dank für den ausgezeichneten Bericht von “Ferien vom Krieg” mit Eliana und Mohammad. Ich war im Allerweltshaus in Köln dabei, am 21.4. und fuhr mit dem Gefühl nach Hause, dass die Beiden eine große Friedensmission erfüllen. Sie erreichen die jungen Menschen, und das gerade ist so wichtig. Ich war und bin noch sehr beeindruckt von Eliana
    und Mohammad. Viele Grüße von Sabine Werner von FrauenWegeNahost

  5. Ulrike Vestring

    Lieber Fabian Felder,
    vielen Dank für diesen hervorrganden Bericht über den Abend mir Eliana aus Israel und Mohammad aus Palästina am vergangenen Freitag, 19. April. Bergisch Gladbach war die erste Station der von FrauenWegeNahost geplanten Rundreise unter dem Motte “There Must be Another Way”, und wir freuen uns, dass er die Zuihörerinnen und Zuhörer so beeindruckt hat. Übrigens haben wir es genauso am nächsten Tag bei der Veranstaltung im Allerweltshaus in Köln-Ehrenfeld erlebt. Auch Menschen, die sich seit Jahren mit dem Nahost-Problem beschäftigen, waren beeindruckt und tief betroffen über die schicksalhafte Erfahrung, die die Teilnahme an Ferien vom Krieg für die Beiden bedeutet.
    Noch einmal herzlichen Dank für den gleichzeitig informativen und anrührenden Bericht. Wir werden ihn gern in die geplante Dokumentation über die bundesweite Rundreise aufnehmen.
    Mit Friedensgrüßen
    Ulrike Vestring, FrauenWegeNahost.

  6. Engelbert M. Müller

    Entschuldigung! Offensichtlich gibt es noch mehr Namen mit an am Ende. Ich meinte natürlich Fabian, nicht Sebastian. Führe meinen Fehler einfach auf meine Begeisterung über deinen Artikel und das Projekt “Ferien vom Krieg” zurück!

  7. Engelbert M. Müller

    Lieber Sebastian, ich gratuliere dir ganz herzlich zu deinem engagierten und bewegenden Artikel.
    Engelbert Manfred Müller

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