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Der Grundsicherungsrentner und sein Heimplatz

Dieses Thema beschäftigt mich sehr. Obwohl ich 40 Jahre lang Rentenbeiträge bezahlt habe, werden meine Rentenbezüge mal gerade knapp über dem heutigen Grundsicherunsbetrag (Hartz IV) liegen. Wenn ich Glück habe. Wenn die Gesetzeslage so bleibt wie heute. Wenn 2014 überhaupt noch Geld für mich in der Rentenkasse ist.

Für Zusatzversicherungen für den Krankheitsfall bleibt mir schon heute nichts mehr übrig. Und der Kauf von Medikamenten, die von der Kasse bereits nicht mehr übernommen werden, belastet meinen Etat ungemein. Gut dass es Versandapotheken gibt, sonst fiele es mir schwer mich im Krankheitsfall mit Medikamenten zu versorgen.

Im letzten Quartal 2010 habe ich meine Mutter im Heim unterbringen müssen. Sie bekommt ein paar Hundert Euro mehr Rente als mir derzeit in Aussicht gestellt werden. Aber ihren Heimplatz kann sie ohne Sozialhilfe, ohne Pflegewohngeld und ohne das Geld aus der Pflegekasse nicht bezahlen.

Bei all den Anträgen die gestellt werden mussten, ist mir klar geworden, dass nur wenige Menschen in der Lage sind, den Heimplatz ohne Unterstützung aus den Sozialkassen zu bezahlen. Ich wage zu behaupten – beweisen kann ich das nicht – dass die, die das können, eine begnadete Minderheit sind.

Wir haben erst 2011. Der Anteil alter Menschen in der Bevölkerung wird ansteigen, das weiß man genau. Der Anteil an Singles darunter wird sehr groß sein, denn wenn ich das richtig in Erinnerung habe bestehen unsere Städte bereits zu ca. 50% aus Singlehaushalten. Das bedeutet, das viele derer die in den nächsten 10 bis 20 Jahren in Rente gehen niemanden haben werden, der sich um sie kümmern kann. Das bedeutet, dass auf die Sozialkassen eine immense Belastung zukommt. Unwahrscheinlich, dass sie das stemmen werden.

Ich habe den Eindruck, dass diese kommende finanzielle und soziale Katastrophe vielen verantwortlichen Politikern klar ist. Ich bin sicher, dass sie auch den Kranken- und Pflegekassen klar ist. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass sich jemand darum kümmert oder dass überhaupt jemand daran arbeitet. Das Gesundheitswesen soll seit zig Jahren reformiert werden, aber man fummelt nur hier und da mal was dran herum. Das Gesundheitsministerium kann man knicken. Die Rententöpfe sind so gut wie leer.

Das Alter wird überall als besinnliche, ruhige Zeit beworben, in der man die Früchte seiner Arbeit bei guter Gesundheit genießen kann. Ich fürchte, das wird sich ändern. Möglicherweise werden wir dann nicht nur Junkies und Alkoholiker unter den Obdachlosen haben, sondern auch stinknormale Rentner? Weil keiner mehr weiß, wohin mit ihnen?