Die Kölner Lokalausgabe der Bildzeitung brachte den Ball am Mittwoch ins Rollen:

Favorit für die Nachfolge von Herbert Winkelhog, Sprecher der Geschäftsführung der Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB), sei Rolf Menzel, seit 2004 Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises. Bereits im Dezember hatte Bild berichtet, Winkelhog wolle mit dem Auslaufen seines Fünf-Jahres-Vertrages im Mai 2011 aufhören, aus privaten Gründen. Die AWB ist ein Tochterunternehmen der Kölner Stadtwerke und macht ein Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro.

Nun sei die rheinische CDU dabei, die Nachfolge für den lukrativen Posten hinter den Kulissen auszuhandeln – obwohl die Ratsfraktionen der klüngel-geplagten Stadt Köln vereinbart hatten, Personalentscheidungen von diesem Kaliber von professionellen Personalberatern vorbereiten zu lassen. Immerhin geht es bei den AWB um die Führungsposition eines 1400 Mitarbeiter starken Unternehmens.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Geschichte um mehr als ein Gerücht.

Das bestätigt Rolf Menzel schriftlich dem Bürgerportal, betont aber ausdrücklich, dass alles seinen geordneten Gang gehe und die Sache keinesfalls entschieden sei.

Der Landrat wörtlich:

„Es ist richtig, dass es Gespräche mit mir gegeben hat. Diese wurden über ein  Personalberatungsbüro geführt. Aber eine Entscheidung ist für beide Beteiligten noch offen, deshalb möchte ich mich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern und bitte hierfür um Verständnis.“

Tatsächlich ist Menzel für diese Stelle beruflich gut positioniert. Der  Diplom-Verwaltungswirt hatte zunächst in verschiedenen Kreisverwaltungen gearbeitet, wurde 1989 Beigeordneter der Gemeinde Kürten und wechselte 1994  als Geschäftsführer zur Bergischen Wertstoff-Sammelgesellschaft (BWS) in Engelskirchen.

1995 wechselte er erneut in den öffentlichen Dienst als Fachbereichsleiter für Finanzen in Leverkusen. Dort wurde er 1997 Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Leverkusen (AWL). Die fusionierte 2002 mit dem  Bergischen Abfallwirtschaftsverband (BAV) zur AVEA, der Menzel ebenfalls als Geschäftsführer vorstand.

2004 nominierte ihn die CDU, der er seit 1994 angehört, zum Spitzenkandidaten für die Kandidatur als Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises, die er dann auch gewann. Im August 2009 wurde er für weitere sechs Jahre gewählt, seine Amtszeit dauert also eigentlich bis 2015. Doch nun denkt Menzel offenbar über die Rückkehr in einen kommunalen Wirtschaftsbetrieb nach.

Noch ist nichts entschieden. Doch für die Politik im Rheinisch-Bergischen Kreis hätte das weitere Konsequenzen. Denn, so berichtet erneut die Bildzeitung, für Menzels Nachfolge im Kreishaus stünde bereits sein Parteifreund Rainer Deppe in den Startlöchern, bislang Landtagsabgeordneter für den Norden des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Rainer Deppe, der erst im vergangenen Jahr zum Landtagsabgeordneten wiedergewählt wurde, ist ein echter Multifunktionär. So ist er Mitglied des Kreistages, Vorsitzender des Regionalrates und Kreisvorsitzender des CDU. Entsprechend viele Posten könnten frei werden, sollte Menzel tatsächlich nach Köln gehen und Deppe am Rübezahlwald einziehen.

Derzeit dementiert Deppe solche Pläne, aber ganz offensichlich hält er sich eine Hintertür offen. Der BLZ sagte er:

„Da ist überhaupt nichts dran. Das ist auch derzeit überhaupt keine Frage, denn es muss ja erstmal entschieden werden, ob Herr Menzel überhaupt nach Köln geht. Wenn er unser Landrat bleibt, dann ist er auch unser CDU-Kandidat für die Wahl 2015.“

Gegenüber der Rheinischen Post wollte Deppe sich nicht zu dem Bäumchen-Wechsel-Spiel äußern. Eher vieldeutig sagte er, er sei “immer mit Herz und Seele für den Rheinisch-Bergischen Kreis im Einsatz”. Sollte er dennoch sein Landtagsmandat abgeben, stünde seine Nachfolgerin bereits fest:  Marie-Luise Fasse würde für die CDU nachrücken.

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Foto: CDU RheinBerg

„Es ist richtig, dass es Gespräche mit mir gegeben hat. Diese wurden über ein Personalberatungsbüro geführt. Aber eine Entscheidung ist für beide Beteiligten noch offen, deshalb möchte ich mich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern und bitte hierfür um Verständnis.“

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Zur Nachfolgeregelung eines Landrates wüssten wir gerne mehr. Darüber würden im Rheinisch-Bergischen Kreis tatsächlich nur CDU-Mitglieder entscheiden?

  2. Eines kann keiner bestreiten: Menzel wäre für den Job qualifiziert. Wenn man die Medien liest wird klar, dass er von einem Personalbüro angesprochen worden. Sicherlich nicht wegen seiner CDU-Mitgliedschaft, sondern seiner beruflichen Qualifikation.
    Ob es richtig ist, Mitten in einer Wahlperiode zu gehen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Gesetz lässt es zu und dann ist es auch rechtens.

    Natürlich ist das ärgerlich, wenn es so früh veröffentlicht wird, weiß einer, wer das lanciert hat? Ein Schelm, wer dabei böses denkt.

    Und wer Nachfolger Menzels würde, entscheiden einzig und alleine die Mitglieder der CDU der betroffenen Städte und Gemeinden in einer Mitgliederversammlung.

  3. Berufliche Veränderung gehört zum Arbeitsalltag, das muss auch für kommunale Führungskräfte gelten. Wenn in einer so frühen Phase schon öffentlich wird, was besser eine Zeit noch hätte reifen können, ist das ärgerlich. Da wo das Herz schlägt – da gehört man hin. Die Erkenntnis dazu kann plötzlich kommen.