Die Villa Zanders. Bild: Axel Müller

SchuldenKrisen (wie unsere derzeitige irgendwie noch immer nicht beendete) gefährden einmal mehr die kommunale Kunst- und Kulturförderung. Öffnungszeiten und Programme örtlicher Kunstgalerien (Villa Zanders), Kulturzentren (Bergischer Löwe), Museen (Bensberg) und Büchereien werden eingeschränkt, manche „Kulturtempel“ (Jugendzentren) werden gar geschlossen. Viele Programme werden vorwiegend von Ehrenamtlern bewältigt.

Und für freie Künstler gibt es immer weniger öffentliche Gelder. Aussagen ihrer Bilder, Bücher und Darstellungen lassen häufiger das notwendig Provozierende vermissen.

Doch an Kunst muss sich der Leser und Betrachter reiben können. Kompromisse sind bereits glatt geschliffen.

Kulturpolitik muss offenbar Kompromissloses durch Kompromisse realisieren. Und das nicht zu letzt, da vor allem in Deutschland zurzeit alles auf Konsens aus ist und selbst Wahlkämpfer eher das Gemeinsame suchen. So sind sich offenbar Politiker aller Parteien einig:

Kulturpolitik ist Sparpolitik.

Schon Theodor Heuss kannte die Schwierigkeit, mit Kultur Politik zu machen. Allerdings hielt er, Politik ohne Kultur nicht für möglich.

Die in Demokratien gewählte Form der Kunstförderung sollte daher folgerichtig auf die Freiheit von Kunst und Künstlern und nicht vor allem auf die Freiheit des Marktes setzen. Nur so kann kompromisslos frei bleiben, was kompromisslos frei sein muss.

Der durch quotenabhängige Massenmedien beeinflusste Geschmack der Mehrheiten bestimmt, was sich an Kunst (Marktgesetzen folgend) massenhaft an Massen verkaufen lässt. Kompromisslose Kunst aber trifft gerade nicht den Massengeschmack und benötigt daher kompromisslos öffentliche Förderung.

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Durch Einsparungen in der kommunalen Bildungs- und Kulturpolitik werden immer weniger Menschen immer weniger an anspruchsvoll originelle Kunst und kulturelle Bildung herangeführt. Künstler unterwerfen sich, um erfolgreich ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, dem Markt, dem (billigen) Massengeschmack und/oder den Erwartungen reicher Kunstsammler.

Kompromisslos frei können Künstler unter solchen Bedingungen kaum arbeiten und Kunst kann somit der Gesellschaft immer seltener den notwendig provozierenden Spiegel vorhalten, um gesellschaftliche Reflexion anzuregen.

Politik ist Umgang mit Macht.

Veränderungen bedeuten Machtverluste für jene, die im sicheren Besitz der Macht bleiben wollen. Kreative Kunstideen wirken subversiv sowie subtil und folgen kaum jener Logik, die zwecks Machterhalt zu (machtpoltischer) Vernunft erklärt wird.

Nicht von ungefähr waren einst machthungrige Kriegsfürsten selten der Kunst und Kultur zugetan, taten sich aber als Plünderer und Eroberer von Kunstschätzen hervor, da sie ausschließlich der materielle Wert dieser Schätze interessierte.

Auch heute sind Kunstwerke sichere Wertanlagen, sicherer als jene zinsarmen Anlageformen, zu denen Banken raten.

Betriebswirte, Stadtmarketing, Wirtschaftssoziologen und Kulturpolitiker streiten darüber, ob Kultur nun harter oder weicher Standortfaktor sei. Zum Glück sehen manche Manager in höheren Etagen größerer Unternehmen bei allem Ökonomismus Kunst nicht nur als finanzielle Wertanlage sondern haben auch ideele Ansprüche an die Kunstszene.

Und die Kommunen brauchen für Unternehmensansiedlungen so genanntes hochwertiges Humankapital, sprich qualifizertes Personal. Das aber hat kulturelle Ansprüche. Daher gilt dem kommunalen Wirtschafts- und Kulturpolitiker Kunst und Kultur wenigstens als weicher Standortfaktor. Dass im Bereich Kunst auch Arbeitsplätze (als harter Standortfaktor) zu vergeben sind, spricht sich immer noch sehr langsam herum.

Künstler und kunstnah Tätige sollten lieber das Klischee weltfremder Idealisten bedienen. Als solche können sie kaum Einfluss auf die harte (Macht-)Realität nehmen.

Der Kapitalismus gerät zurzeit immer mehr in de Ruf, inhuman zu sein. Er soll daher ein menschliches Anlitz zeigen. Das eröffnet Chancen. Kommunale Kunst- und Kulturpolitik könnte der gescheiterten Wirtschafts- und Finanzpolitik ein notwendiges Gegengewicht entgegensetzen.

Unsere derzeitigen Krisen sind nur vordergründig finanzielle. Eigentlich sind sie allesamt Teile einer kulturellen Wertekrise.

Beim Geld dürfen Menschlichkeit und die Freundschaft eben gerade nicht aufhören. Und wenn, dann nur, weil sie mit Geld ohnehin nicht zu bezahlen sind.

Doch nicht Geld ist unmoralisch. Allein die Art damit umzugehen kann höchst inhuman sein.

Kunst und Kultur sind gefragt, menschliche Werte zu entwickeln und zu vermitteln, die offenbar an Börsen und in Banken verspielt wurden. Eine entsprechend gezielte kommunale Kulturpolitik wäre somit ein wesentlicher Beitrag zur einer humanen, demokratischen und integrationswilligen Gesellschaft.
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Anmerkung der Redaktion: Ausgangspunkt für diesen Beitrag war eine Aussage des Intendanten des Bensberger Puppenpavillion, Gerd J. Pohl, der beim Bergisch Gladbacher “Stadt- und Kulturfest” eine nennenswerte Kulturkomponente vermisste. Diesem Urteil schlossen sich unter anderem Karl Feldkamp  als ehemaliger Vorsitzender des Stadtverbandes Kultur und Martine Dupont als ehemalige Vorsitzende des AdK an. Dem hielten andere Gruppenmitlieder wie Helga Niekammer (Bensberg im Blick) entgegen, eine Verengung des Kulturbegriffes werde einer Veranstaltung wie dem Stadtfest nicht gerecht.

Daher haben wir Karl Feldkamp gebeten, seine Ansichten zum Thema Kultur, Kommerz und kommunaler Spardruck aufzuschreiben – um eine substanzielle Debatte anzustoßen. Diese Debatte ist eröffnet, bitte nutzen Sie das Kommentarfeld unten oder die Facebook-Gruppe “Kultur in Bergisch Gladbach” als offenen Forum.

KFeldkamp

1943 in Lübeck geboren, wohnte lange in Frankenforst, lebt inzwischen in Wallefeld. Er arbeitet als selbständiger Supervisor und freier Autor, schreibt Gedichte, Geschichten, Kolumnen, Sachbeiträge, Rezensionen.

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3 Kommentare

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  1. Ich mag die Kultur rund um Bergisch Gladbach eigentlich mehr als die Kölner Kultur. Hier zeichnet sich noch Urwüchsigkeit ab, etwas was ich in Köln nur noch selten antreffe. Störend ist, es wird einfach zu wenig über die Events berichtet. Vorteil ist, der Bergisch Gladbacher bleibt unter sich und hat nicht mit “Kopp un A…” zu tun, wie es in größeren und bekannteren Events der Fall ist. Der Künstler aber, der gerne zeigt was er kann, was er geleistet hat und dem es vielleicht sogar um mehr Präsensz geht, bleibt ein wenig auf der Strecke. So ist mir in letzter Zeit mehrfach gesagt worden: “Wie da war was los? Warum haste denn nix gesagt, ich wäre gerne mitgekommen!” Bin ich die Lokalpresse? Bin ich der Terminplaner meiner Freunde und Bekannten? Man bemerkt hier deutlich, es muß mehr publik gemacht werden, was vom Publikum entdeckt werden soll.

    Die Problematik der sich häufenden Veranstaltungen ist aber nicht neu und nicht nur in Bergisch Gladbach anzutreffen. Es gibt Wochenenden die sind einfach rundum ausgebucht, hier wie dort. Wichtig ist einfach die Werbung! Wer gerne mehr Publikum ziehen möchte, der muß alle Medien ausschöpfen und dazu zählen heutzutage auch Seiten wie Facebook, Panoramio, Bürgerportale, my Heimat usw….
    Die Haus an Haus Blättchen, die ich wunderbar finde, landen bei den meisten potentiellen Lesern leider in der Altpapiertonne bevor noch jemand hinein gesehen hat und dies hat das breitgefächerte Programm nicht verdient. Mehr Präsenz erreicht man einfach durch gute Kontakte zu Medienvertretern und den Künstlern selbst. Dadurch entsteht dann auch eine bessere Koordination.

  2. Deinen Ausführungen kann ich mich nur anschließen. Bergisch Gladbach ist eine Ansammlung ehemals selbstständiger Dörfer und Kleinstädte. Und das bildet sich in der Präsentation von Kunst und Kultur noch immer ab.

  3. Ich sehe das Problem in der Gladbacher Kultur in der Ungebündeltheit, Indifferenz und Planlosigkeit. Bis auf wenige Ausnahmen wird vermengt mit populären Ereignissen, wie Stadtfest oder Ähnliches, oder es findet alles auf einmal statt. Dann ist das Niveau innerhalb der Veranstaltungen sehr unterschiedlich. Kurz und gut, es gibt keine Linie, jeder kocht sein eigenes Süppchen in Konkurrenz mit zahlreichen Veranstaltungen, die sich immer zu bestimmten Zeitpunkten häufen. Ein städtischer Fulltime Kulturbeauftragter, der die Veranstaltungen umsichtig und versiert organisiert und vor allem erst einmal Linie reinbringt, wäre absolut nötig, und das ist unser Nachteil gegenüber Köln, wo das Bekenntnis und die Organisation besonders unterstützt wird und nicht mit Kirmes Stadtfest, Jugenfest oder Seniorenwoche durcheinandergerät, sondern ein als Veranstaltung der Sonderklasse auch mit den entsprechenden Werbemaßnahmen (mittels Presse, die auf kulturelle Highlights in besonderer Weise reagiert, wie im Kölner Teil die derzeitige “Cityleaks”). Durch die oben erwähnte Planlosigkeit, werden viele Veranstaltungen “billig und wertlos” gemacht, was diese oft nicht verdienen.