Der 1. FC Köln kommt heute zu einem Spiel gegen Bergisch Gladbachs Stadtauswahl, morgen und übermorgen folgt ein Tag der Schulen und ein Tag der Vereine in der frisch sanierten Belkaw-Arena. Ein wunderschöner Naturrasenplatz, ein Kunstrasenplatz und eine generalüberholte Tartanbahn stehen den Fußballern und Leichtathleten der Stadt zur Verfügung, finanziert durch einen Kraftakt von Steuerzahlern und Vereinen. Fristgerecht und im Budget. Wenn das kein Grund zur Feier ist.

Und doch trübt Ärger das Fest. Die Sportpolitiker sind sauer, die Vertreter des SV Bergisch Gladbach 09 gehen in Sack und Asche. Denn ausgerechnet der Vorzeige-Verein der Stadt hat gepatzt und seinen vertraglich vereinbarten Beitrag für die Stadionsanierung nicht überwiesen. Kann er auch gar nicht, denn sein Finanzierungsmodell ist schon vor Monaten geplatzt.

Wie es kam, dass ausgerechnet der große SV 09 an einer Aufgabe scheiterte, die kleinere Vereine wie der TV Herkenrath schulterten, ist eigentlich schnell erzählt. Die Suche nach dem Schwarzen Peter hat dagegen gerade erst begonnen. Und nach einer Lösung aus dem Schlamassel.

Stadtkämmerer Jürgen Mumdey blättert im Gespräch mit dem Bürgerportal zunächst mal den Kalender zurück. Ursprünglich habe die Stadtverwaltung ja nur den Naturrasenplatz und die Tartanbahn renovieren wollen. Dann seien es die Vereine gewesen, die eine große Lösung mit zusätzlichem Kunstrasenplatz wollten.

Was sinnvoll wäre, darüber stritten sich der SV 09 und der TV Herkenrath kräftig. Der SV 09 wollte einen guten und für die Stadt pflegeleichten Kunstrasen in der Belkaw-Arena. Gerade mal 38 Stunden im Jahr spielt die eigene 1. Mannschaft (damals noch Regionalliga West) in der Arena – die mit einem strapazierfähigen Kunstrasen für andere Vereine und Schulen fast rund um die Uhr zur Verfügung gestanden hätte.

Für den TV Herkenrath sind dagegen die Leichtatlethen im Vordergrund, die bei ihren Runden ums Stadion durch Schüsse der Fußballer gefährdet werden könnten. Daher forderte der TVH die Sanierung des Stadions und einen separaten Kunstrasenplatz.

Die Maxi-Lösung, gemeinsam finanziert

Ein historisches Foto vom 5.9.2012: (v.l.) Uwe Berthold, 1.FFC; Uwe Tillmann, TV Herkenrath; Rainer Adolphs, SSV; Bürgermeister Lutz Urbach; Patrick Esser, SV 09 (Foto: Cityweb/Daub)

Es war dann, Rainer Adolphs, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, der einen Kompromiss auf maximalem Niveau fand. Der sah vor, dass die Stadt 830.000 Euro zahlt – und die Vereine die restlichen 200.000 Euro aufbringen für das städtische Stadion. Der SV 09 sagte schriftlich zu, 135.000 Euro zu zahlen. Der TV Herkenrath war mit 55.000 Euro dabei, der FFC und der Stadtsportverband mit jeweils 5000 Euro.

In der Sitzung des Sportausschusses vom 20. September 2012 gab es viel Lob für das Konzept, aber auch Fragen zur Finanzierung. Laut Protokoll antwortete Mumdey auf eine entsprechende Frage, „die Finanzierungskonzepte der jeweiligen Vereine bzw. Zuschussgeber würden selbstverständlich vorher auf Schlüssigkeit geprüft“.

Bis zum 1.7.2013 mussten die Vereine ihren Beitrag überweisen. Was auch alle taten. Nur der SV 09 nicht. Er habe keinen Grund gehabt, an der Zahlungsfähigkeit und der Potenz des SV 09 zu zweifeln, sagt Mumdey heute. Also habe man zwar mal nachgehört, gemahnt – sich aber keine großen Sorgen gemacht.

Doch dann, schildert Mumdey, sei am 18. September ein Brief von Hans Georg Assmann ins Rathaus geflattert, dem Vizepräsidenten des Vereins. Er habe den Zahlungswillen bestätigt – nur leider könne man derzeit nicht zahlen. Mumdey versuchte, mit Assmann einen Termin zu vereinbaren, scheiterte aber vorerst an der Urlaubsplanung aller Beteiligten. Der Vorfall blieb zunächst im Rathaus, erreichte dann aber doch den Sportausschuss – und landete Anfang dieser Woche im Kölner Stadt-Anzeiger, der ausgerechnet in der Festwoche titelte: „Finanzierung platzt“.

Der Hintergrund scheint simpel. Das Finanzierungsmodell, dass der damalige Vorstand unter Patrick Esser 2012 aufgestellt und der Stadt präsentiert hatte, sah einen Kredit bei der staatlichen KfW vor, zum supergünstigen Zinssatz von 1,9 Prozent. Nur – und das muss sich nach der jetzt geäußerten Ansicht von Kämmerer Mumdey eigentlich auch ziemlich schnell herausgestellt haben, vergibt die KfW solche vergünstigten Darlehen nur an die Eigentümer einer Immobilie selbst.

Das Stadion gehört der Stadt, nicht dem Verein. Damit fiel dieses Modell flach.

„Eine saublöde Sache“

Aber was ist in der Zwischenzeit, bis zum 17.9.2013, als Assmann seinen Brief abschickte, geschehen? Assmann ist im Urlaub auch auch Patrick Duske, seit Mai 2013 Vorstandsvorsitzender des SV 09, will sich dazu nicht äußern. All das sei unter der Ägide seines Vorgängers Esser geschehen. Allerdings auch unter der Aufsicht des Verwaltungsrates, an dessen Spitze Michael Hahn steht, Chef der milliardenschweren Hahn-Gruppe.

Auch Michael Hahn will auf Anfrage des Bürgerportals nichts sagen. Laut KSTA bedeutet für ihn die KfW-Absage den „Fortfall der Geschäftsgrundlage“. Mehr noch, Hahn verlangt von der Stadt, gegenüber der sein Verein gerade vertragsbrüchig geworden ist, sich zu bewegen. Er sei nicht bereit, „wesentliche Verschlechterungen der Konditionen zu akzeptieren.“

Für weitere Auskünfte verweist Hahn uns auf Verwaltungsratmitglied Rolf Menzel. Der ist inzwischen Chef des Leverkusener Energieversorgers EVL, war aber bis Ende 2011 Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises und damit Finanzaufseher der Kommunen. Eine Topbesetzung für diesen Fall also.

Verbal gibt sich Menzel ausgesprochen zerknirscht. Die Geschichte sei „ein riesiger Imageschaden“ für den SV 09, räumt er ein. Allerdings – auch er selbst sei erst seit drei Monaten mit dieser “saublöden Sache“ befasst, habe vorher davon nichts gewusst. Die Stadtverwaltung sei seit mindestens zehn Wochen informiert. Ein Widerspruch zu Mumdeys Aussage, aber wie dort die interne Kommunikation laufe, könne er auch nicht sagen, erläutert Menzel.

Zwei weitere Kandidaten für den Schwarzen Peter

Damit liegt der Ball im Strafraum von Ex-Vorstand Patrick Esser. Doch der präsentiert eine andere Darstellung als bislang in der Öffentlichkeit bekannt. Und einen, wenn nicht sogar zwei neue potenzielle Schwarze Peter.

Laut Esser hatte die Hausbank des SV 09 – deren Namen er nicht nennen will – dem Verein im September 2012 ein schriftliches Angebot gemacht, ihn bei der Finanzierung durch einen abgesicherten Kredit der KfW zu unterstützen. Das sei die Basis gewesen, um der Stadt Bergisch Gladbach mitzuteilen, dass die Finanzierung stehe – und dass man es über KfW bzw. NRW-Bank versuchen wolle.

Bei der Antragstellung habe sich dann gezeigt, dass der TV Herkenrath den gleichen Weg gehen wolle. Da es sich um dasselbe Projekt handele, so die Hausbank, müssten SV 09 und TVH einen gemeinsamen Antrag stellen. Also habe der SV 09 einen Kredit über 190.000 Euro für beide beantragen wollen, der TVH verpflichtete sich am 13. November 2012 schriftlich dazu.

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Soweit, so Esser, so gut. Der SV habe seine Zahlen schon im Oktober 2012 geliefert, zur Zufriedenheit der Hausbank. Dagegen waren die Angaben des TV Herkenrath nicht vollständig. Die Bank habe den SV 09  mehrfach um Geduld gebeten, der Antrag wurde vorerst nicht gestellt. Und dann irgendwann, im Mai 2013, habe der TVH mitgeteilt, dass er nicht mehr an dem gemeinsamen Kredit interessiert sei.

Erst dann, Anfang Juni,  habe die Hausbank den SV-09-Antrag bei der KfW eingereicht, der im Juli abgelehnt wurde. Das war offenbar der Zeitpunkt, als dem neuen Vorstand unter Duske klar wurde, wie ernst die Sache ist – und den Fachmann Menzel einschaltete. Ob und wieweit die Stadtverwaltung informiert wurde, ist strittig.

Patrick Esser war da schon nicht mehr SV-09-Vorsitzender. Seinen Rücktritt, der mit dieser Sache nichts zu tun habe, habe er schon im Januar angekündigt und im Mai vollzogen, betont der Messebau-Unternehmer. Dass das Problem nicht noch in seiner Amtszeit aufgepoppt ist, bedauert er heute – denn dann hätte er das selbst geklärt. Aber auch jetzt arbeite er mit Menzel und Hahn an einer Lösung und werde an der Verwaltungsratssitzung am 15. Oktober teilnehmen.

Was den Schwarzen Peter angeht, da räumt Esser eine Mitverantwortung des SV 09 ein – „weil wir uns haben hinhalten lassen”.  Vom TV Herkenrath, meint er. Und wenn für Kämmerer Mumdey klar gewesen sei, dass die KfW den Vereinsantrag ablehnten musste, dann sei das um so mehr ein Grund für die Stadt gewesen, den Verein in die eigene günstige Finanzierung einzubinden. Allerdings hat die Stadt die Arena-Sanierung bislang gar nicht fremdfinanziert und nutzt keine KfW-Darlehen, an denen die Vereine partizipieren könnten.

Zur Rolle der eigenen Bank sagt Esser nichts.

Die geheimnisvolle Hausbank

Mumdey wiederum führt an, dass es für die Stadtverwaltung keinen Grund gab, an der Finanzkompetenz des SV 09 zu zweifeln. Dass der SV sich an die KfW wenden wolle, davon sei ihm nichts bekannt gewesen. Und er verrät auch, was Esser nicht sagen will: dass die Hausbank des SV 09 natürlich die Kreissparkasse Köln ist. Die Kreissparkasse gab zunächst keine Stellungnahme ab.

Damit ist das Spiel um den Schwarzen Peter im vollen Gange, ein Ende bislang nicht absehbar. Uwe Tillmann, Vorsitzender des TV Herkenrath und beim Jugendamt beschäftigt, konnte bislang nicht befragt werden – und auch Rainer Adolphs, Chef des Stadtsportbundes nicht. Der gab jedoch im KSTA sein Befremden zu Protokoll. Es könne nicht sein, dass der SV eine Extrawurst bekomme, während die anderen Vereine ihren Pflichten nachkommen müssten.

Allerdings – dabei geht es „nur“ um Vergangenheitsbewältigung. Denn trotz der allgemeinen Verärgerung betonen alle Befragten nahezu wortgleich, nun gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, die für die Stadt keinen einzigen Euro Mehrausgaben bedeuten dürfe.

Nach vorne schauen – und „die Sache geradeziehen“

Mumdey, von Bürgermeister Lutz Urbach beauftragt, „die Sache geradezuziehen“, will genau das machen. In seinem Amt als Stadtkämmerer komme es immer mal wieder vor, dass Leistungen nicht erbracht würden. Dann müsse man halt nach Lösungen suchen, die für alle tragbar sind.

Allerdings ist der Spielraum für die Stadt, mitten im Haushaltssicherungskonzept, sehr gering. Aber das weiß auch SV-Unterhändler Menzel sehr genau. Gerade darum, so der Ex-Landrat, habe er sich im Verwaltungsrat in dieser Situation für die Verhandlungen zur Verfügung gestellt. Der Verein werde seinen Beitrag bis zum letzten Euro zahlen. Vieleicht über ein Mietmodell, über eine Stundung, über Bürgschaften der Vereinsmitglieder, wie auch immer.

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Den Weg, den der TV Herkenrath am Ende gegangen ist, wird der SV 09 auf jeden Fall nicht gehen können. Die Herkenrather haben, berichtet Menzel, für ihren Kredit ihre eigene Sportanlage verpfändet. Das hatte der SV 09 bereits bei der Finanzierung des eigenen Kunstrasenplatzes an der Flora gemacht – und diese Option ausgereizt.

Isotec-Sportpark – neue Einnahmen winken, neuer Streit droht

Aber wenn all das geklärt ist, dann können sich die Beteiligten auch noch um den nächsten potenziellen Konfliktpunkt kümmern. Beziehungsweise um die nächste Einkommensquelle.

Denn der SV 09 hat bereits das Unternehmen Isotec (Gründer ist Verwaltungsratmitglied Horst Becker) als Sponsor für den neuen Kunstrasenplatz gewonnen – der in den Verlautbarungen des SV 09 schon als „Isotec Sportpark“ firmiert. Allerdings: auch dieser Teil der Sportanlage gehört der Stadt. Und die hat, so Mumdey, von einer Vereinbarung mit Isotec offiziell noch gar nichts gehört.

Der SV 09 geht laut Menzel davon aus, dass für einen Sponsorenvertrag mit Isotec das gleiche gilt wir für die Vereinbarung mit der Belkaw: zehn Prozent der Einnahmen gehen an die Stadt, 90 Prozent an den Verein. Dazu Mumdey: „Schauen wir mal.“

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Watzlawek,

    die genauen Daten kenne ich nicht. Die Verhandlungen liefen natürlich über unseren Vorsitzenden und Kassierer, die beide aktuell nicht im Lande sind. Daher musste ich solche Angriffe richtigstellen. Ich werde mal nachfragen wenn sie wieder da sind.Die Vorstandssitzung in der ich informiert wurde ist schon Monate her. So wie ich das verstanden habe hat die Bank auf einen gemeinsamen Kredit gedrängt , was wir gar nicht wollten und wir waren dann praktisch gezwungen zu einer anderen Bank zu gehen. Vermutlich wusste die Bank dass sie der 09 ohne unsere Sicherheiten gar keinen Kredit geben konnte.

    Die KFW Kredite waren soweit ich weiss schon für die allerersten Planungen vor etwa zwei Jahren vorgesehen, als die gesamte Finanzierung noch mittels eines Schattenkredites über 09 laufen sollte. Ich fand das damals schon sehr merkwürdig wie das funktionieren sollte und dieses Modell wurde dann auch schon vor über einem Jahr verworfen, wobei ich das so verstanden hatte, dass damals schon klar wurde , dass es keine KFW Kredite für 09 geben könnte.

    Unser ehemliger Vorsitzender Gerd Neu hatte schon in der entscheidenden Sitzung des Sportausschusses kritisch nachgefragt, ob die Stadt denn die Finanzierungsmodelle der Vereine geprüft hatte, was bejaht wurde……. nachzulesen im Sitzungsprotokoll

  2. Lieber Herr Schmitt, danke für Ihren Kommentar. Eine Nachfrage hätte ich dennoch: wann ist dem TV Herkenrath klar geworden, dass ein gemeinsamer KfW-Kredit nicht funktioniert. Und wann ist das dem SV 09 mitgeteilt worden?

  3. Liebe In-gl,

    ich bin Abteilungsleiter beim TV Herkenrath. Ich finde es schon ziemlich anmaßend wenn der SV09 jetzt ausgerechnet uns für ihr Versagen verantwortlich machen will.

    1. ein KFW- Kredit wäre auch mit uns niemals möglich gewesen, weil die Vorraussetzungen einfach nicht gegeben sind (wie man seit über einem Jahr mit so etwas planen kann ohne zu merken dass man die Bedingungen gar nicht erfüllt, muss mir mal jemand erklären)

    2. Ein gemeinsamer Kredit mit SV09 war ein Vorschlag der Bank und ganz sicher nicht unsere Idee ! Wir haben das abgelehnt weil wir dann für die Schulden der SV09 mit unserem Vermögen mitgehaftet hätten. Wenn man bedenkt, dass die SV09 in den Vergangenheit schon mehrfach praktisch pleite war und nur mit Hilfe der Stadt gerettet wurde konnten wir das Risiko auf keinen Fall eingehen. Wir mussten dann zu einer anderen Bank gehen.

    3. Es ist absolut inakzeptabel wenn SV09 jetzt (wieder einmal) bessere Konditionen erhält als wir und die anderen Vereine. SV09 kriegt jedes Jahr Zuschüsse für die Platzanlage an der Flora die man einfach aufrechnen könnte . Ebenso erhält sie ca. 60.000 € im Jahr für die Namensrechte des (städtischen !!) Stadions von der Belkaw. Da ist also genug Spielraum.

    4.Wieso die Einnahmen aus den Namensrechten des Stadions jetzt auch wieder zu 90% an die SV09 und nur 10% an die Stadt gehen sollen, obwohl wir mit anderen die Renovierung des Stadions mitfinanzieren ist eigentlich nicht zu rechtfertigen