Flechtenblüten

Flechtenblüte

Flechtenblüten, die wie rote Schalen

sich auf schlanke Stängel wagen,

und ein Perspektivenwechsel

lässt sie palmenartig ragen.

Wie Geschwüre gleich daneben

kohlkopfartig blasses Leben,

das auf Muskeln längsgestreift

auf feuchten Buchen Himmel greift.

Versunken in das Winzigkleine,

suchst du auch das große Eine.

Sternenhimmel über Wüste,

weite Brust und kühle Luft,

wo dein Geist das Eine grüßte,

nichts mehr schreit und nichts mehr ruft,

wo die Klarheit fast beklemmte,

nichts mehr Blick und Ohren hemmte.

Suchst du auch das große Eine,

niemals bleibst du gern alleine.

Schicksale, die dir erzählten

tausend menschliche Gesichter,

tausend Hände, die dich wählten,

deine Augen zu verpflichten,

sie dem Leben zu bewahren

in des Seins endlosen Scharen.

Brüder in der Einsamkeit,

jedoch von dem Einen weit.

Nur im liebenden Umarmen

des andern weichen Leibs, des  warmen,

hast du häufig es besessen:

glückliches vereint Vergessen

gemeinsamen Verlorenseins.

In Milliarden Galaxien eins

fühltet ihr euch winzigklein

und zugleich als Ein-zig-sein.

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Den Gedichtband “Flechtenblüten” und weitere Bände mit Gedichten, Erzählungen und mit einem Roman  von Engelbert Manfred Müller kann man in unserer Stadtbücherei ausleihen. Hier finden Sie einen Link zum Onlinekatalog, in dem Sie nur den Verfassernamen einzugeben brauchen.