Ich brauche eine Aufwertung. In meinem Alter ist eine echte berufliche Karriere nicht mehr wahrscheinlich. Aber ich muss etwas für mein Ego tun: Eine Auszeichnung muss her!

Das Bergisch Gladbacher „Institut für Wissenschaftsberatung“ mit der Vermittlung akademischer Titel ist leider nicht mehr, die Manager sind verurteilt, es war auch zu teuer. Im Internet werde ich fündig: Ebay. Oder noch besser „The California Church & University Institute“ (CCU) aus Tampa, Florida. Die CCU bietet schöne Titel an und schreibt, dass in Deutschland dieser kirchliche h.c. geführt werden darf. Ich muss dran glauben. Es ist ja schließlich eine kirchliche Institution.

„Titel kaufen leicht gemacht! So bekommen Sie Ihren Doktortitel oder Professorentitel ohne Studium.“ Und später heißt es: „Im Wesentlichen liegt unsere Ausrichtung darin, Ihnen Doktor- sowie Ehrenprofessortitel nach Erwerb zu verleihen.“ Gegen eine Gebühr ehrenhalber verliehen. Toll.

„Master of the Univers“? Bieten sie leider gar nicht an. Wie wär es mit einem Bachelor Degree h.c.? Nee, das schmückt nicht so richtig. Ein Doktor h.c. sollte es schon sein. Die Liste sieht gut aus.

Dr. h.c. of Immortality – wunderbar. Goethe schrieb schon achtzehnhunderttobak, dass „Unsterblichkeit nicht jedermanns Sache“ sei. Ein Adelstitel täte es auch: von und zu Reiner Thor. Allerdings – seit Karl Theodor von und zu G. mit seiner dubiosen Doktorarbeit beeindruckt diese Kombination nicht mehr so richtig.

Dr. h.c. of Divinity – Göttlichkeit! Für nur 35 Euro! Aber da ich Agnostiker bin, haut das nicht ganz hin. Dr. h.c. of Aromatherapy – geht gar nicht, wenngleich – ein Geschmäckle hat der Titel schon. Dr. h.c. of Masturbation – das wäre zwar ehrlich, aber zu verräterisch. Dr. h.c. of Mental Healing – Geistesheilung, könnte ich brauchen und deswegen auch glaubwürdig vertreten. Schon damals bei meinen Studien der Medizin hat mir die Apotheken-Rundschau („Lesen, was gesund macht“) sehr geholfen. Dr. h.c. of Decoration Art? Hübsch. Oder Visual Arts? Das mach ich! Für relativ kleine Münze. Oder lasse ich mir den Dr. h.c. schenken? Dann könnte ich immer sagen, ich hätte nix davon gewusst.

Werden die Leute mir den Titel abnehmen? Egal. Der Verzicht auf diese schöne Auszeichnung käme aber einer Selbstverzwergung gleich. Der Titel muss sein, mein Ego braucht das. Jetzt.

Ich fange an mit Dr. h.c. of Visual Arts. Und wenn sich meine Fans und Gegner von dem Schlag erholt haben, dann lege ich mit einem Professor honoris causa nach. Kostet zur Zeit 65 Euro. Davon erholen sie sich nie: Prof. Dr. h.c. Reiner Thor. Whow.

Reiner Thor

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

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