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Soll die Musikschule völlig ausbluten?

Der Etatentwurf 2018 sieht vor, dass an Max-Bruch-Musikschule weitere feste Stellen in prekäre Honorarverhältnisse umgewandelt werden. Dieser Automatismus ist den Dozenten nicht zuzumuten und ein Himmelfahrtskommando für die ganze Schule. Da gibt es nur einen Ausweg.

Der vorliegende Haushaltsentwurf für 2018 sieht vor, dass an der Städtischen Max-Bruch-Musikschule weitere 3,25 feste Stellen wegfallen und stattdessen durch Honorarlehrkräfte ersetzt werden sollen.

Dieses im Zuge der Haushaltssicherung vor vielen Jahren beschlossene Konzept ist mittlerweile zum Automatismus geworden. Jahr für Jahr werden so freiwerdende Stellen abgebaut. Benannt wurde dieses Prinzip kurioserweise auch noch nach der damaligen Leiterin der Musikschule in Himmelheber-Konzept.

Hinweis der Redaktion: Die Autorin der Mitglieder der Grünen Ratsfraktion

Aber nüchtern betrachtet wird da rein gar nichts in den Himmel gehoben, vielmehr entpuppt sich das Prozedere als ungebremstes Himmelfahrtskommando für die Musikschule. Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte sind nun über Honorarverträge „angestellt“, in – und das muss einfach so drastisch gesagt werden – prekären und ausbeuterischen Verhältnissen.

Augenscheinlich ins Bett gehörende Lehrkräfte schleppen sich zu ihrem Unterricht, weil Unterrichtsausfall wegen Krankheit nicht bezahlt wird und etwa drei Monate Gehalt fallen von vornherein weg, weil die Ferien natürlich auch nicht bezahlt werden. Die Beiträge der Eltern laufen aber natürlich weiter.

Will sich die Stadt wirklich weiter auf Kosten der Honorarlehrer sanieren? Und wollen Eltern weiter akzeptieren, dass ihre Kinder von Lehrern unterrichtet werden, die trotz ihrer herausragenden Qualifikation so mies bezahlt werden? Auch hier sollte gelten: gleicher Lohn für gleiche Arbeit (liebe SPD! und CDU).

Zum Finale der Feiern zum 40. Jubiläum bot die Musikschule drei starke Ensembles auf: die Swinging Friends, die Saitentänzer und das Blue Art Orchestra zeigen eindrucksvoll, was eine städtische Musikschule leisten kann. BürgerportalTV bringt drei Stunden Konzert auf den Punkt und lässt viele Beteiligte zu Wort kommen:

Ein Gegenargument lautet, dass Kultur eine freiwillige Leistung der Stadt und sowieso nur etwas für die Elite sei. Dazu sei angemerkt, dass nach meiner Wahrnehmung die Stadt an einem Punkt des Sparens angekommen ist, an dem sie aufpassen muss, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt nicht zerbricht.

Und es geht hier auf keinen Fall darum, Jugendförderung, Sport nebst Kunstrasenplätzen und Stadiontribünen gegen die Kultur aufzurechnen oder das weitere Zusammenstreichen einer für uns allen wichtigen Stadtverwaltung dagegenzusetzen.

Wir brauchen all dies! Und wenn all dies zusammen nicht geht, dann muss die Stadt etwas an ihrer Einnahmeseite tun!

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