Frauen sind bei der Kreisverwaltung in der Überzahl. Solange, bis es in die Führungspositionen geht. Mit dem neuen Gleichstellungsplan legt der Rheinisch-Bergische Kreis erfreuliche Zahlen vor, zeigt aber auch auf, was alles zu tun bleibt – vor allem beim Thema Eltern- und Teilzeit. Eine Analyse mit Infografiken.

Zwei Ziele hat sich der Rheinisch-Bergische Kreis (RBK) für die kommenden drei Jahre gesteckt: Mehr Frauen in der Führungsebene und die Vereinbarung von Familie und Beruf auch für Väter. Das geht aus dem Gleichstellungsplan 2018 bis 2021 hervor. Darin präsentiert der Kreis die aktuellen Zahlen zur Verteilung von Frauen und Männern in der Verwaltung und definiert, wie es weitergehen soll. 

Frauen, Männer und die Führungsebene

Betrachtet man die Gesamtzahl der Beschäftigten im Rheinisch-Bergischen Kreis, sind die Frauen klar in der Überzahl – Tendenz steigend. Von 2001 bis 2017 hat sich ihr Anteil von 54 auf 63 Prozent erhöht.

Das ist schön und gut, doch in welchen Positionen arbeiten diese Frauen? Der Kreis unterscheidet formell nach so genannten Laufbahngruppen, denen jeweils eine Entgeltgruppe (EG) zugeordnet ist, also der Verdienst entsprechend der Karrierestufe.

Hier sieht die Aufteilung wie folgt aus: Klarer Frauenüberschuss im mittleren Dienst; deutlich mehr Frauen als Männer im gehobenen Dienst; fast Gleichstand im höheren Dienst.

 

Bei den Führungspositionen, die nicht nur im höheren Dienst liegen, sind es 80 Männer und 55 Frauen. 41 Prozent Frauenanteil – das ist natürlich ein guter Wert. Deutlich besser als in den meisten Unternehmen.

Aber er entspricht eben auch noch nicht dem Gesamtanteil der Frauen in der Kreisverwaltung. Im Gleichstellungsplan steht dazu selbstkritisch: „Sie sind weiterhin unterrepräsentiert.“

Auszubildende: Der Nachwuchs ist weiblich

Ein bisschen hofft der Kreis darauf, dass sich das Problem sozusagen von selber erledigt: „Aufgrund des demographischen Wandels werden in den kommenden Jahren viele Beschäftigte – darunter auch (männliche) Führungskräfte – in den Ruhestand gehen. Für Frauen eröffnen sich hiermit Chancen, sich aktiv auf Führungspositionen zu bewerben.“

Wenn man sich anschaut, wer denn so nachkommt, ist diese Hoffnung vielleicht nicht unbegründet: Von den 47 Auszubildenden, die Ende 2017 beim Kreis beschäftigt waren, sind 32 weiblich, also 68 Prozent. 

Elternzeit: Noch immer zu 80 Prozent Frauensache

Beim zweiten Schwerpunkt des Gleichstellungsplans ist die Ausgangslage deutlich schlechter: die Vereinbarung von Familie und Beruf auch für Väter. Von den 50 Beschäftigten, die im Jahr 2017 Elternzeit genommen haben, waren 40 weiblich. Das ist eine Quote von 80 Prozent. 

 

Aus den Zahlen geht nicht hervor, wie viel Elternzeit die 50 Beschäftigten jeweils genommen haben. Gut möglich, dass es bei den Mitarbeiterinnen 12 und bei den Mitarbeitern zwei Monate waren. Aber das ist wohl eine andere Geschichte. Oder?

Die Herausforderung, vor der der RBK bei diesem Thema steht, ist es, Männern wie Frauen Sicherheit zu geben und deutlich zu machen, dass Elternzeit keinen Karriereknick bedeutet. Am besten anhand konkreter Beispiele und mithilfe von Vorbildern. Besonders schön natürlich in Führungspositionen. Aber das ist womöglich schon Material für den nächsten Gleichstellungsplan.

Teilzeit: Nur für 6,7 Prozent der Männer ein Thema

Auch das Thema Teilzeit fällt unter den Schwerpunkt „Vereinbarung von Familie und Beruf auch für Väter“. Und auch hier besteht viel Aufholbedarf: 50,3 Prozent der Frauen (in absoluten Zahlen: 325), aber nur 6,7 Prozent der Männer (absolut: 25) arbeiten beim RBK in Teilzeit.

Sie können in der Grafik zwischen den Reitern „Frauen“ und „Männer“ wählen:

 

Übrigens: Von den insgesamt 55 Frauen in Führungspositionen arbeiten neun in Teilzeit. Bei den Männern ist davon keine Rede.

Hier gibt es den Gleichstellungsbericht für die Jahre 2018 bis 2021 zum Nachlesen.

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Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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