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Ein idealer Standort – und ein paar Alternativen

Feuerwehrleiter Jörg Köhler (l.) und sein Chef Frank Stein (r.)

Bei einer Bürgerversammlung haben Feuerwehrchef Jörg Köhler und Dezernent Frank Stein noch einmal die Kriterien für einen guten Standort für die neue Feuerwache Süd erklärt. Dabei zeigte sich, dass das Areal in Frankenforst fast ideal ist. Aber es gibt doch noch einige Alternativen.

Gut 60 Bürger, viele Ratsmitglieder und Feuerwehrleute waren am Dienstagabend ins Feuerwehrgerätehaus in Refrath gekommen, um sich über das Thema „neue Feuerwehrwache Süd” zu informieren.

Der Leiter der Feuerwehr, Jörg Köhler, und seine Kollegen erläuterten sehr anschaulich, was die Anforderungen an einen guten Standort – als Ersatz für die marode und viel zu kleine Wache an der Wipperfürther Straße in Bensberg – sind: 6000 Quadratmeter in zentraler Lage zwischen Bensberg und Refrath, direkt ans Straßennetz angeschlossen und erwerbbar.

Hinweis der Redaktion: Die Feuerwehr hat auf ihrer Website einen eigenen Bericht. Die Präsentation der Feuerwehr ist auf der städtischen Seite zu sehen. 

Der wichtigste Punkt: jedes brennende Haus im Einsatzgebiet muss innerhalb von sieben Minuten in voller Mannschaftsstärke erreichbar sein.

Moitzfeld: Geprüft und verworfen

Ausführlich ging Köhler auf die vielen möglichen Areale ein – die geprüft und dann wieder verworfen worden waren. Lange hatten Stadt und Feuerwehr auf das Gelände der ehemaligen Gaststätte Bockenberg gesetzt, bis mehrere Gutachter nachgewiesen hatten, dass dieses Hanggrundstück technisch nicht geeignet ist.

Daher habe die Feuerwache Süd bei der Aufstellung des Flächennutzungplans auch keine Rolle gespielt, berichtet der zuständige Dezernent Frank Stein auf Nachfrage. Mit dem Bockenberg gab es ja ein bereis bebautes Areal.

Rund um die Anschlussstelle Moitzfeld hatte die Feuerwehr mindestens acht weitere Grundstücke geprüft. Entweder waren sie aus Feuerwehr-Sicht nicht geeignet, oder die privaten Eigentümer waren nicht zum Verkauf bereit. Oder nur zu überteuerte Preise – die Stadt darf Grundstücke nur bis zum Bodenrichtwert kaufen.

Ein fast ideales Areal in Frankenforst

Daher richtete die Feuerwehr, so rekapitulierte Köhler weiter, ihren Blick auf den Stadtteil Frankenforst. Zunächst auf die Kölner Straße, doch auch dort fand sie kein freies Grundstück.

Erst dann habe man das jetzt favorisierte Grundstück im Wald, im Dreieck zwischen Frankenforster Straße, Rather Weg und Autobahn, unter die Lupe genommen. Technisch gesehen ideal, so Köhler: 6000 Quadratmeter nehmen nur ein Drittel der Fläche ein, ein Gebäude könnte parallel zur Königsforster Straße optimal platziert werden, ohne den ganzen Wald roden zu müssen – und dank der Nähe der Autobahn sei auch Refrath schnell zu erreichen.

Köhler zeigte einer erste grobe Skizze, wie die Feuerwache im Wald platziert werden könnte; die Ausfahrt ginge direkt auf die Rather Straße (unten).

Die Feuerwehr selbst werde für die Anwohner nicht für zusätzlichen Lärm sorgen, betonte Köhler. Eine intelligente Ampelschaltung sorge dafür, dass die Feuerwehrautos bei einem Einsatz ohne Martinshorn ausrücken können. Zwischen Wache und den Wohnhäusern an der Frankenforster Straße bleibe ein Streifen Wald stehen.


Die  Grobszkizze zeigt, wieviel Waldfläche die Feuerwache im Frankenforst in Anspruch nehmen würde. Oben die Frankenforster Straße, unten der Rather Weg

Ob der Verlust von einem Teil des Waldes den Lärmschutz gegenüber der Autobahn beeinträchtigt, das könne jedoch erst durch Gutachten festgestellt werden, sagte der Feuerwehrchef. Ohnehin müssten vor einer konkreten Planung noch sehr viele Gutachten erarbeitet werden. Wenn die zu dem Schluss kommen, dass ein Eingriff in den Wald nicht gerechtfertigt sei, werde es eben nichts mit dem Standort.

Einen Plan B habe er nicht, sagte Köhler, dieser Standort sei in der Reihenfolge der geprüften Standorte bereits „Plan N”.

Die Alternativen

So ganz stimmt das allerdings nicht, wird in der Diskussion deutlich. Köhler wie Stein betonen, dass sie noch einmal alle Optionen prüfen, alle bislang nicht verkaufsbereiten Grundstückseigentümer noch einmal fragen wollen und für neue Vorschläge offen seien.

Darüber hinaus gebe es einige weitere Optionen, die noch nicht ganz geklärt sind:

Plan O: Das Gelände der Arzneimittelfabrik Rowa Wagner (früher Frankenforster Hof) gleich nebenan. Hier gebe es zwar noch immer eine Produktion, so Köhler, aber das Areal sei feuerwehrtechnisch optimal und ein Abriss des Gebäudes aus Denkmalschutzgründen nicht ausgeschlossen. Daher geht  jetzt eine Kaufanfrage an die Eigentümer.

Plan P: Noch nicht abschließend geklärt ist zudem, ob die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) an der Brüderstraße nicht doch bereit ist,  einen ausreichend großen Teil ihres Geländes zur Verfügung zu stellen. Auch hier will die Stadt jetzt eine Kaufanfrage abgeben.

Plan Q: Grundsätzlich denkbar sei es auch, das zehn Jahre alte Feuerwehrgerätehaus an der Steinbreche abzureißen und den Marktplatz mit einer neuen Feuerwache komplett zuzubauen. Machbar, aber politisch wohl nicht opportun, deutet Köhler an.

Aber auch an der Königsforster Straße gibt es noch zwei Varianten.

Die denkbaren Varianten: Im Dreieck nordöstlich der Auffahrtschleife (gün,Plan N), an der Steinbreche (rot, Plan Q), im potenziellen Gewerbegebiet links der Auffahrschleife (gelb, Plan R), auf der rechten Seite des Rather Wegs (grün, Plan S). Außerdem eingezeichnet die das Rowa-Gelände (Plan O) und potenzielle Flächen auf dem BASt-Gelände (rot, Plan  P)

Plan R: Zum einen könnte die Feuerwehr das Gewerbegebiet in Anspruch nehmen, dass im FNP eingezeichnet ist, gegen das sich aber ebenfalls kräftiger Widerstand der Anwohner regt. Zudem wäre von dort aus die Anfahrt zur Autobahn länger und der Eingriff in den Wald substanzieller.

Plan S: Das letzte Argument spreche auch gegen eine Waldfläche genau gegenüber der jetzt präferierten Fläche, auf der anderen Seite des Rather Wegs. Der Feuerwehr sei es egal, auf welcher Seite der Straße sie platziert werde, betonte Köhler. Daher solle man jetzt erst einmal die Gutachter ihre Arbeit machen und am Ende die Politik entscheiden lassen.

Geduldig hatte Köhler über mehr als zwei Stunden lang alle Frage beantwortet, sich aber auch klar gegen Unterstellung gewehrt („Wir haben keine Spaß daran, Wald abzuholzen”) – und am Ende einigen Applaus geerntet.

Vorschläge für andere Standorte (mindestens 5000 Quadratmeter, aus Refrath, Bensberg, Herkenrath gut erreichbar) nimmt Frank Stein entgegen, per Mail an f.stein@stadt-gl.de. „Es gibt keine Tabus, wir werden alles prüfen”, sagte der Dezernet, „aber nach 15 jahren müssen wir endlich mal ein Stück vorwärts kommen, sonst bekommen wir mit der Sicherheit der Bürger ein Problem.”

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