Die Bewohner von Pflegeheimen sind durch Corona besonders gefährdet. Daher hat der Kreis RheinBerg jetzt einen Aufnahmestopp angeordnet. Jeder Neuzugang muss jetzt zunächst durch eine zweiwöchige Quarantäne, dafür richtet der Kreis eigene Kurzzeitpflegestellen ein.

Wie gefährlich es für die Menschen in Seniorenheimen kommen kann, zeigen zum Beispiel einige Fälle in Köln. Eines landesweiten Aufnahmestopp gibt es zwar noch nicht, dennoch ist der Kreis RheinBerg diesen Schritt am Mittwoch mit einer eigenen Allgemeinverfügung gegangen.

„Um die Bewohner bestmöglich zu versorgen und die Regeleinrichtungen zu schützen, ist eine Neu- oder Wiederaufnahme von Bewohnern nur möglich, nachdem diese sich in vierzehntägiger Quarantäne befunden haben”, heißt es in einer Mitteilung des Kreises vom Donnerstag.

Wenn die Pflegeheime über eine entsprechenden Isolierstation oder ein Isolierzimmer verfügen, könne diese Quarantäne dort durchgeführt werden, heißt es in der Mitteilung weiter.

Neue Einrichtungen für die Quarantänezeit

Für alle anderen Fälle richtet der Kreis selbst mehrere Kurzzeit-Pflegeeinrichtungen mit einem Quarantänekonzept ein, die schon bald ihre Arbeit aufnehmen sollen. Dort sollen die Bewohner:innen die Quarantänezeit unter besonderer Betreuung von entsprechendem Fachpersonal verbringen.

Zudem werden sie vor Ablauf der vierzehntägigen Quarantänezeit getestet; nur bei einem negativem Ergebnis können sie in das Pflegeheim aufgenommen werden.

Damit sollen sowohl die Bewohner:innen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen besonders gefährdet sind, größtmöglich geschützt werden als auch das Pflegepersonal.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Quarantäne und Testung der aufzunehmenden Personen ist sicher eine sehr sinnvolle Maßnahme, aber von „größtmöglichem Schutz“ kann man wohl erst nach Testung auch des Personals sprechen. NRW-Gesundheitsminister Laumann hat auf der heutigen Pressekonferenz erklärt, dass von den derzeit 220 in NRW durch Covid19 Verstorbenen allein 79 Tote aus Altenheimen stammen. In dieser Konferenz hat er auch ausgeführt, dass NRW zur Zeit eine Testkapazität von 20.000 Testungen/Tag hat, die aber NICHT ausgeschöpft wird, weil man sich streng an die RKI-Vorgaben halte, nur Personen mit ganz eindeutigen Symptomen, ermittelte Kontaktpersonen und solchen aus Risikogebieten zu testen. Nach den Todesfällen will er jetzt aber auch darauf drängen, dass das Altenheimpersonal getestet wird. Wieviele Todesfälle durch rechtzeitige Testung des Personals hätten vermieden werden können lässt sich schwer abschätzen

  2. In einer Krise, wie wir sie derzeit erleben, ist es natürlich, dass sich der allergrößte Teil der Menschen hinter den Regierungen versammeln und zunächst einmal vertrauensvoll die getroffenen Regelungen unterstützen. Und es besteht selbstverständlich überhaupt kein Zweifel, dass sich die zuständigen Behörden in erster Linie um die aktuellen Probleme kümmern.

    Doch kritisches Hinterfragen muss auch in solchen Situationen erlaubt bleiben. Ganz besonders, wenn man von einem Aufnahmestopp für Pflegeheime und von der dortigen dramatischen Situation liest.

    Zunächst muss man feststellen, dass der allergrößte Teil der Bürger die Auflagen zur Vermeidung eines nicht zu bewältigen Andrangs auf die Kliniken akzeptieren und beachten. Es sind schließlich starke Eingriffe in die Grundrechte. Supermärkte und andere Versorger haben sich inzwischen sehr gut auf die schwierige Situation eingestellt, was aufgrund der Räumlichkeiten und der beschäftigten Personen nicht immer einfach ist. Mit größter Sorgfalt leisten Mediziner, Kranken- und Altenpfleger ihren Dienst. Freiwillige unterstützen die Bemühungen in vielfältiger, oft kreativer Weise. Ihnen allen gebührt unser Dank.

    Auch vor diesem Hintergrund ist das Vertrauen in die von der Politik veranlassten Maßnahmen so groß, dass für die Einschränkungen trotz zu erwartender wirtschaftlicher Verwerfungen größtes Verständnis aufgebracht wird. So wäre etwa die Hälfte der Bürger sogar mit der Installation einer App auf ihrem Mobilfunkgerät einverstanden, die, wenn auch über Bluetooth, in der Lage ist, ihre Standorte zu erfassen. Vor einem halben Jahr hätte allein eine solche Idee größten Widerstand hervorgerufen.

    Großer Widerstand regt sich auch nicht, zumindest wird er wenig sichtbar, wenn die Landesregierung unter Zugrundelegung eines entsprechenden Bundesgesetzes einen Gesetzentwurf vorgelegt, der bei Pandemien eine massive Beschneidung der Grundrechte bedeuten würde. Verfassungsrechtler schlagen aber Alarm. Ihnen fehlen deutliche Befristungsregelungen des Gesetzes sowie Definitionen, wie eine epidemische Lage von landesweiter Tragweite definiert wird. Selbst Erklärungen des Robert-Koch-Institutes, das man bei der Beurteilung eines solchen Zustandes heranziehen würde, lassen viele Fragen offen. Und wir wissen aus der augenblicklichen Situation, dass schon bei der Definition des Zahlenmaterials ungenügende Klarheit herrscht.

    Jedenfalls gibt das Parlament bzw. die politische Mehrheit im Parlament mit der Feststellung einer solchen Lage seine Hoheit an die Behörden ab. Dieses Muster setzt sich durchaus bis in die Kommunalpolitik fort, denn auch hier gibt es eine starke Einschränkung der parlamentarischen Arbeit, schon allein, weil sie einer öffentlichen Kontrolle entzogen bleibt.

    Im Schnellverfahren wurde das Bundesgesetz beschlossen und auch das entsprechende Landesgesetz in NRW soll möglichst bald verabschiedet werden. Das klingt zunächst einmal verständlich. Weniger nachvollziehbar aber wird es, wenn man ein paar Jahre zurückblickt:

    Nämlich auf den Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz aus dem Jahre 2012. Mit diesem Bericht hatte die Bundesregierung den Bundestag über die Auswirkungen einer Pandemie durch das Virus Modi-SARS ausführlich unterrichtet. Die Federführung hatte wiederum das Robert-Koch-Institut, dessen damaliger Bericht sich wie eine Beschreibung der heutigen Situation liest. Er zeigt durch eine Pandemie entstehende Probleme durch fehlendes Personal, fehlende Gerätschaften oder etwa die Notwendigkeit auf, Großveranstaltungen verbieten zu müssen, was leider im Fall von Corona nicht zeitgerecht geschah. Stellung bezogen wird auch zur Versorgung von Krankenhäusern, Ärzten und Pflege mit persönlichen Schutzausrüstungen sowie Desinfektionsmitteln.

    Wörtlich heißt es:
    “Darüber hinaus sind mit Blick auf vielfältige internationale Verflechtungen auch Versorgungsleistungen aus anderen Ländern für Deutschland von großer Bedeutung. Zahlreiche Güter und Dienste werden weltweit jeweils von nur wenigen Schlüsselproduzenten bereitgestellt. Somit könnten Ausfälle im Bereich importierter Güter und Rohstoffe auch in Deutschland zu spürbaren Engpässen und Kaskadeneffekten führen.”

    Leider eine zutreffende Analyse, denn persönliche Schutzkleidung für Krankenhäuser und die Altenpflege sind zur Zeit Mangelware, mit verheerenden Folgen für Patienten, Mediziner und Pfleger. Einen tieferen Einblick gibt dieser Beitrag des ZDF vom 1. April 2020:
    https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-katastrophenschutz-am-limit-100.html

    Die Analyse aus dem Jahr 2012 (Bundestagsdrucksache 17/12051) war also keineswegs eine Fiktion, sondern hat sich bitter als wahr erfüllt. Es ist deshalb auch im Augenblick nicht verwerflich zu fragen, welche Konsequenzen in den letzten acht Jahren eigentlich aus dem Bericht gezogen worden sind. Sind Materialien eingelagert worden, um sie im Notfall bereitzustellen? Anscheinend nicht. Wurden durch mangelhafte Vorsorge Menschen gefährdet? Ja, denn die Ausbreitung des Virus gerade in Seniorenheimen dürfte auch auf den Mangel an persönlicher Schutzkleidung zurückzuführen sein.

    Ich komme auf meinen Ausgangspunkt zurück. Es darf nicht sein, dass in diesen schweren Zeiten eine kritische Betrachtung der Lage nicht opportun oder gar unerwünscht ist. Selbstverständlich hat das Wohl der Menschen, insbesondere auch derjenigen, die in der medizinischen Versorgung und in der Grundversorgung tätig sind, im Fokus zu stehen.

    Aber später muss eine Aufarbeitung der Geschehnisse vor Ausbruch der Corona-Krise erfolgen. Vor allen Dingen müssen daraus Konsequenzen gezogen werden.