Den Beschränkungen, die Corona der Kultur auferlegt, haben viele Künstler Auftritte im Netz entgegen gesetzt. Andere, wie der Cellist Holger Faust-Peters von der Max-Bruch-Musikschule, haben sich dem verweigert und auf eine temporäre Stille gesetzt. Dennoch findet Faust-Peters einen Weg, für den Kulturkurier zu spielen und gleichzeitig einen Impuls des Innenhaltens und der Stille zu setzen.

Holger Faust-Peters ist Leiter Fachbereichs Streicher und Dirigent des Kammerorchesters der Max-Bruch-Musikschule. Mit Cello und Gambe tritt er als Solist und in mehreren Ensembles auf, bis Corona auch ihm die Möglichkeit öffentlicher Auftritte nimmt.

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Er lehnt es jedoch ab, per Livestream oder Video aus dem Wohnzimmer aufzutreten, seine Kunst im Netz zu verschenken. Statt dessen schlägt Faust-Peters vor, „für eine Zeit die Ruhe zu genießen und eben durch ein Nichts-Sagen das Bedürfnis zu wecken, eines Tages wieder Musik live hören zu können, zu dürfen.”

Dennoch spielt Faust-Peters jetzt für den #KulturKurier. Aber ein Stück, das diese Ruhe, das Nichts-Sagen, auf besondere Art in den Vordergrund stellt: 4’33” von John Milton Cage.

Cages radikale musikalische Aussage habe ihn schon lange geprägt, sein stilles Stück habe ihn besonders fasziniert und oft habe er sich gefragt, wie man es überzeugend interpretieren kann, erzählt Faust-Peters.

Diese Video, aufgenommen Ende April, während des Corona-Shutdowns, zeigt seinen Versuch. Wer genau hinhört, stellt fest, dass die Aufnahme nicht völlig still ist.

Faust-Peters lädt dazu ein, sich auszuprobieren: „Es könnte sein, dass es mehr Spaß macht, den Ton meiner Aufnahme auszuschalten und die eigene Umgebung wahrzunehmen, oder beides gleichzeitig zu hören. Oder noch weitere Klänge, die nicht zu vordergründig sind, hinzuzufügen.”

Bei der Beschäftigung mit dem Stück habe sich Faust-Peters von Cages „Vortrag über nichts” aus der Mitte des letzten Jahrhunderts inspirieren lassen, folgende Auszüge empfiehlt er:

„Jeder Augenblick ist absolut, lebendig und bedeutsam.”

„Ich habe nichts zu sagen und ich sage es und das ist Poesie wie ich sie brauche.(…) Wir brauchen diese Stille nicht zu fürchten.”

„Wenn man etwas macht, was nichts zu sein hat, muss, wer es macht, das Material, das er wählt, lieben und Geduld damit haben. Sonst macht er aufmerksam auf’s Material, das etwas Bestimmtes ist, während es nichts war, das gemacht werden sollte.”

„Eine Methode ist eine Kontrolle. Da ist zu viel da da. Da ist zu wenig nichts drin.”

„Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass wir nirgendwo hingelangen. Langsam (…) gelangen wir nirgendwo hin und das ist ein Vergnügen.”

Mehr Informationen über Holger Faust-Peters finden Sie auf seiner Website.

Hintergrund: John Cage, 4’33”

4’33 ist das wohl berühmteste Stück des US-amerikanischen Komponisten und Künstlers John Milton Cage. Es spielt mit der – vermeintlichen – Stille: Denn der Inhalt definiert sich nicht durch eine Lautlosigkeit, sondern ist geprägt durch die Umgebungsgeräusche. Eine Anregung zum Nachdenken über Stille und Musik.

Quelle und mehr Infos

© Copyright 1960 by Henmar Press, Inc., New York. mit freundlicher Genehmigung von C.F. Peters Ltd & Co. KG.

Hintergrund: Der #Kulturkurier … .

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