Zu seinem 95. Geburtstag widmet Bergisch Gladbach dem Künstler Heinrich J. Jarczyk eine Kabinettausstellung im Kunstmuseum Villa Zanders. Die Ausstellung ruft auch ein Stück deutsch-deutsche Geschichte in Erinnerung. Im Vorfeld der Eöffnung am 13. August geben wir einen Überblick über das Leben und die Arbeiten des Künstlers.

Dr. Heinrich J. Jarczyk ist einer der renommiertesten Künstler unserer Stadt Bergisch Gladbach. Ausstellungen seiner Bilder waren im In- und Ausland zu sehen, in New York, Washington, Paris, Seoul, Görlitz, Neisse, Maastricht, Berlin, München, Leipzig, Köln, Aachen  und Bergisch Gladbach (Villa Zanders 2005).

Insgesamt kann der Künstler auf über 50 Einzelausstellungen auf mehreren Kontinenten zurückblicken. Jarczyk ist Träger des Neisser Kulturpreises 1992 und repräsentierte sein Land auf der Biennale Internazionale Dell´Arte Contemporanea 1999 in Florenz.

Erster Zeichenunterricht

Heinrich J. Jarczyk wurde 1925 in Neisse in Oberschlesien geboren, am humanistischen Gymnasium „Carolinum“  erhielt er seinen ersten Zeichenunterricht. Um während der Kriegsgefangenschaft in Belgien die Entwendung seines Skizzenbuches durch einen kanadischen Wachoffizier zu kompensieren, begann Jarczyk die Zeichnungen und Radierungen der Sehenswürdigkeiten seiner Geburtsstadt aus der Erinnerung zu rekonstruieren.

Ein heutiger Vergleich jener Zeichnungen mit Bildern der tatsächlichen Straßen und Gebäude des alten Neisse zeigen seine geradezu unheimliche Fähigkeit, optische Eindrücke im Gedächtnis zu behalten. Manche Arbeiten weisen eine derart exakte Wiedergabe architektonischer Einzelheiten auf, dass man eine Entstehung an anderer Stelle als vor Ort für unmöglich hält.

Heinrich Jarczyk, Berlin Bornholmer Straße, 1987

Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker

Nach der Kriegszeit studierte Jarczyk in München Chemie, Biologie und Kunstgeschichte, promovierte und war für die Max-Planck-Gesellschaft, die deutsche Forschungsgemeinschaft sowie für die Bayer AG tätig. Die zum Teil mehrjährigen beruflichen Aufenthalte in Ägypten, Südamerika und den Vereinigten Staaten und seine Studienaufenthalte in den westeuropäischen Ländern prägten Heinrich J. Jarczyk nachhaltig.

Ausstellung in der Villa Zanders
Heinrich J. Jarczyk: Ihr glücklichen Augen …
14.08. – 13.09.2020
Eintritt während der gesamten Laufzeit frei!
Mehr Infos auf der Website der Villa Zanders

Seit 1985 ist Heinrich J. Jarczyk mit Christiane Jarczyk verheiratet, die 16 Jahre am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium unterrichtete. Bergisch Gladbach, die Stadt im Grünen, wurde für das Paar zur Wahlheimat. Jarczyk ist aktives Mitglied des National Arts Club in New York und der Münchener Künstler Genossenschaft kgl. priv. 1868.

Berliner Mauer

Zu den Techniken des Künstlers zählen Radierung, Federzeichnung, Öl und Aquarell, mit denen er gleichermaßen vortrefflich in einer Mischung aus naturgetreuer Wiedergabe und künstlerischem Empfinden einen neuen Blick auf menschliche Figuren, Landschaften, Architektur und historische Momente eröffnet.

Aus Jarczyks umfangreichen Oeuvre werden 42 Arbeiten gezeigt, darunter das visionäre Berlinbild  und zwei Bilder „Berlin, Bornholmer Straße“, wo am ehemaligen Grenzübergang am 9. November 1989 um 23:30 Uhr die Passkontrollen eingestellt wurden und über den erstmals Tausende DDR-Bürger die Gelegenheit nutzten, nach West-Berlin zu kommen.

Heimrich Jarczyk: Berlin, Bornholmer Straße 1989

Das erste Bild (siehe weiter oben) entstand 1987, es hält den sehnsuchtsvollen Blick einer älteren Dame an der Grenze des französischen Sektors fest, das zweite Bild zeigt das Wiedersehen einer getrennten Familie und die offene Grenze.

So wird mit der Ausstellungseröffnung in der Villa Zanders am Jahrestag des am 13.8.1961 begonnenen Baus der Berliner Mauer auch ein Stück deutsch-deutscher Geschichte in Erinnerung gerufen.

Für Jarczyk hat das Ende der Berliner Mauer eine persönliche Bedeutung, die sein innerstes Selbst berührt. Mit dem Bild „Berlin im November 1989“ stellt der Künstler seine visuelle Interpretation der Zerstörung des Teilungssymbols vor. Vom Beginn der Tyrannei in den 30er Jahren teilte sich der Weg Deutschlands in eine weitere Diktatur und den demokratischen Teil Deutschlands auf der Westseite des Brandenburger Tores.

Sensibilität gegenüber Licht und Schatten

Die Menschen, die ein Leben lang von außen reguliert und konditioniert wurden, verlassen den Osten wie die Menschen, die aus Platos Höhle entsteigen – unsicher, noch nicht fähig, zu sehen. Im Zentrum des Bildes ein menschliches Gehirn mit verschiedenen Lichtschattierungen, Helligkeit neben Dunkel.  

Alle dargestellten Ereignisse sind Manifestationen des menschlichen Willens, das Gute wie das Böse sind in Reichweite der Menschheit.  Heinrich J. Jarczyk zeigt mit diesem Bild, wo wir stehen. Die Frage, ob wir in der Zukunft das Licht der Vernunft sehen, bleibt offen.

Raymond J. Steiner, Herausgeber der ART TIMES, schreibt über Heinrich J. Jarczyk: „So ist es seine Sensibilität gegenüber Licht und Schatten, Stimmung und innerstem Wesen, die seine Kunst über die Wahrnehmung durch Auge und Geist hinausträgt.”

Gerd Josmann

ist Mathematiker und Informatiker, ehemaliger Schulleiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und stellvertretender Vorsitzender der katholischen Erziehungsberatung e.V. Berg. Gladbach.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.