Impressionen der Ausstellung Masaki Hagino im Partout - Kunstkabinett, Foto: Dieter Zehner

Das Kunstkabinett in Herkenrath zeigt erstmals in einer Galerie-Einzelausstellung Werke des jungen japanischen Malers Masaki Hagino. Zu sehen sind mehrschichtige, multiperspektivische Bildkompositionen in Mischtechniken. Ein gelungener Versuch, die Subjektivität der Wahrnehmung zu visualisieren.

Wahrnehmung ist ein vielschichtiger Prozess. Sie ist geprägt durch Emotionen, durch Erlebnisse, Erfahrungen, Wissen, mitunter auch durch Vorurteile und individuelle Perspektiven.

Diesem Phänomen spürt der japanische Künstler Masaki Hagino mit seinen Arbeiten nach: „In der Darstellung meiner Kunst geht es um das Bild, das sich der Mensch von der Wirklichkeit durch seine Wahrnehmung macht.“

Die Emotionen, Erlebnisse und Erfahrungen versteht Hagino als Filter, welche die Wahrnehmung prägen. Mit seinen Arbeiten hat er einen klugen Weg gefunden, diese Vorstellungen sichtbar zu machen.

Masaki Hagino: Der sinnliche Wald in mir VIII, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 150 cm, 2017, Foto: Masaki Hagino

Masaki Hagino – Es weilt im Inneren
Kunstausstellung im Partout Kunstkabinett Herkenrath
14.05.2021 bis 14.08.2021
di, do, fr von 16 bis 19 Uhr, sa 11 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung
Infos zum Künstler, zu den Öffnungsbedingungen und zur Terminvergabe unter
www.partout-kunstgeschichte.de

In seinen Bildkompositionen trägt er abwechselnd mehrere Schichten von Paraffin und Farbe auf. Er unterteilt damit den Bildraum nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Tiefe – quasi wie übereinandergelegte Dias. Nach und nach entstehen auf diese Weise Formen und Strukturen, die an die Natur erinnern. „Wald“ als Metapher für die Struktur der Seele ist eines der Kernthemen.

Durch die Technik schafft Hagino zugleich Werke von ungemeiner Plastizität. Die mehrschichtigen Bilder bestechen durch Multiperspektiven, inspiriert vom Kubismus und der asiatischen Malerei. Sie oszillieren zwischen Fläche und Dreidimensionalität.

Angebot zur Assoziation

So spannt er in seinen Arbeiten Räume auf, die Hagino als Angebot an den Betrachter verstanden wissen will. Er glaubt, dass sein Werk erst dann vollendet sein wird, wenn es eine Verbindung mit den Emotionen und Gedanken der Menschen eingeht.

In der Tat laden die Werke zu Assoziationen ein, öffnen Fenster in eine vermeintliche Natur, sind so als Dreh- und Angelpunkt zwischen Künstler und Betrachter zu verstehen.

Es geht dabei nicht um die Frage „Was will der Künstler sagen“. Vielmehr um Antworten, die der Betrachter in der Auseinandersetzung mit dem Bild bei sich findet. Hagino tritt hinter seine Arbeiten zurück.

Tipp der Redaktion: Galerien wie das Partout – Kunstkabinett öffnen ihre Türen nicht nur für Sammler. Jede/r Kunstinteressierte ist eingeladen, die ausgestellten Werke zu besichtigen, mit Künstlern oder Ausstellungsmachern ins Gespräch zu kommen. Zur Besichtigung der Ausstellung bitte einen Termin vereinbaren. Kontakt und Infos unter www.partout-kunstgeschichte.de.

Exzellente Werkauswahl

Das Partout Kunstkabinett zeigt den Künstler erstmals in einer Galerie-Einzelausstellung. Zu sehen sind neben aktuellen Arbeiten auch Frühwerke. Sie machen deutlich, wie Hagino seine Bildsprache über die Fotografie entwickelte.

Die exzellente Werkauswahl der Galeristin und Kunsthistorikerin Dr. Ursula Clemens-Schierbaum präsentiert selbstbewusste Studien („study 0-8“, 2018) neben Experimenten in der Technik der Cyanotypie, ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen („blue print“, 2010-11).

Zu sehen sind auch mehrlagige Glasgemälde, die das Prinzip seiner Arbeiten verdeutlichen („Der transparente Wald in mir III“, 2020). Und Arbeiten unter dem Titel „Vage Räumlichkeit“, die seine Vorgehensweise extrem reduziert auf hohem künstlerischen Niveau wiedergeben.

All dies ist gruppiert um das Epizentrum der Schau, die Serie „Der Wald in mir“. „Tiefgründige Bilder, die zugleich eine frohe sinnliche Leichtigkeit ausstrahlen“, erklärt die Galeristin.

Masaki Hagino
Geboren 1987 in Nagoya, Japan. Kunst- und Designstudium an der Städtischen Universität Nagoya, Studium der Kunstfotografie an der Penn State University of Visual Arts (Philadelphia/USA). Kunststudium Malerei/Grafik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Mehrere Abschlüsse mit Auszeichnungen. Seit 2008 zahlreiche internationale Einzel- und Gruppenausstellungen.

Die Kunstschau wird unterstützt durch „Neustart Kultur“, ein Sonderprogramm zur Wiederbelebung der durch die Pandemie betroffenen Kunst- und Kulturszene.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Masaki Hagino – Es weilt im Inneren (Mai 2021, Deutsch, Englisch, Japanisch, herausgegeben von Partout Kunstkabinett, Bergisch Gladbach). Vorwort von Dr. Ursula Clemens-Schierbaum, Einführung in das Werk durch Kunsthistorikerin Maria Eicker. Erhältlich in der Galerie.


Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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