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Villa Zanders: Schenkungen sorgen für Ausbau der Sammlungen

Die Sammlungen des Kunstmuseum Villa Zanders wachsen beständig an. Welche Kunstwerke in den vergangenen zwei Jahren hinzu gekommen sind zeigt die aktuelle Ausstellung „Herzlich Willkommen!“ Sie macht aber auch deutlich, dass die Entwicklung des Sammlungsbestandes vor allem auf Schenkungen angewiesen ist.

Bis Ende Oktober sind die Neuzugänge in den Kabinetträumen der Villa Zanders ausgestellt. Sie ergänzen die Sammlung Kunst aus Papier sowie die grafische Sammlung. Zu sehen sind internationale Künstler:innen. Aber auch lokale Kreative finden Eingang in den Sammlungsbestand.

Wie die Arbeit „druba 1″ (2021) der Bergisch Gladbacher Künstlerin Claudia Betzin. Ein feines, hintersinniges Werk aus Stoffbrettern. Es sei in einer französischen Partnerstadt entstanden, die ebenso wie Bergisch Gladbach vom Struturwandel betroffen sei und die Stoffproduktion habe einstellen müssen, schildert Petra Oelschlägel, Direktorin des Kunstmuseums.

Claudia Betzin, druba 1, 2021, Stoffbretter aus Karton, eingeschnitten, Acrylfarbe, Nylonfäden, Foto: Holger Crump

Betzin nutzt die Stoffbretter – Basis von Stoffballen – und arbeitet elegante Muster heraus, die an Schnittmusterbögen erinnern. Die Arbeit wurde 2021 durch den Galerie + Schloss e.V. erworben.

Interessante Parallelen tun sich da zu Hans Hartung auf, der mit Lithografien vertreten ist und mit kraftvollem Strich überzeugt.

Hartung ist kein Unbekannter, gilt er doch als Wegbereiter des Informel (Stilrichtung der abstrakten Kunst) und Teilnehmer der ersten Documenta-Kunstausstellungen.

Ein Glücksfall, dass der Künstler mit diesen Arbeiten nun in der Sammlung der Villa Zanders vertreten ist. Die beiden gezeigten Werke sind eine Schenkung von Siegmund Grewenig aus Köln.

Hans Hartung, L-9-1974, 1974, Lithografie, Foto: Holger Crump

Die Kunstwerke finden auf unterschiedliche Weise den Weg ins Museum. „Gesa Lange hat sich mit der hier gezeigten Arbeit für das Ausstellungsprojekt und die Zusammenarbeit mit unserem Haus bedankt“, berichtet Petra Oelschlägel über eine Schenkung der Künstlerin.

Inspiriert von der Historie des Ortes und der Villa Zanders habe sie Papier der Firma Zanders ersteigert und es in der ihr eigenen Art mit Nadel und Faden bearbeitet.

Gesa Lange, Sutura charta parvus 1, 2022, Faden auf Transparentpapier Zanders T 2000 Ro, Foto: Holger Crump

Mit der Arbeit von Christine Reifenberger komme Farbe in die Sammlung aus Papier, freut sich die Direktorin. Ein großformatiges Blatt, von beiden Seiten getränkt mit Farbe, Wasser, Pigment, anschließend geknautscht und gestaucht und getrocknet.

All dies hinterlässt seine Spuren, macht den Entstehungsprozess deutlich. Ein sinnliches Kunstwerk, das Perspektiven bietet und dem Werkstoff Papier spannende Dimensionen entlockt.

Christine Reifenberger, Purpur und weißschwarzer Kranz, 2021, Eitempera auf Papier, Foto: Holger Crump

Reifenbergers Werk ist eine der wenigen Neuerwerbung des Kunstmuseums. In der aktuellen Ausstellung sind es gerade zwei eigene Ankäufe, die ausgestellt werden. Der Etat für Neuerwerbungen ist nicht sonderlich hoch, lag lange Jahre bei 2.000 Euro pro Jahr. Für die Haushaltsjahre 2021 bis 2024 ist er mittlerweile um 8.000 Euro pro Jahr angehoben wurden.

Gleichwohl: Um die Sammlungen deutlich auszubauen, ist das Haus auf andere Wege angewiesen.

Herzlich Willkommen!
Neuerwerbungen und Schenkungen im Kunstmuseum Villa Zanders

Noch bis Oktober 2022, Eintritt frei
Dienstag und Freitag 14 bis 1800 Uhr, Mittwoch und Samstag 10 bis 1800 Uhr, Donnerstag 14 bis 2000 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 1800 Uhr
Weitere Infos und Liste der gezeigten Künstler:innen auf der Webseite des Kunstmuseums

„Wir freuen uns über hochkarätige Schenkungen“, erklärt Petra Oelschlägel beim Gang durch die Ausstellung. „Wir haben großes Glück dass viele Künstler:innen das Haus sehr schätzen.“ Aber auch Sammler:innen würden dem Kunstmuseum immer wieder Werke vermachen.

Herbert Zangs, Ohne Titel aus der Serie der Anti-Bücher (III.174, 1974), ca. 1976, Karton, viellagig geschnitten, Nägel, Schrauben, Sicherheitsnadeln, Grafi und Acryl, 2021, Schenkung aus Privatbesitz Düsseldorf. Hartung war ein Bekannter von Günther Grass und fand als Maler Lankens Eingang in den Roman „Die Blechtrommel“, Foto: Holger Crump

„Sie wissen, dass die Arbeiten hier vor Ort wissenschaftlich und konversatorisch betreut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das ist den Sammlern wichtig, wenn sie sich von Arbeiten trennen wollen.“

Neue Leitung der Artothek: Ellen Altmann ist seit Juni 2022 neue Leiterin der Artothek in der Villa Zanders, dem Ausleihangebot von Kunstwerken für Private.

Altmann ist der Artothek bereits seit der Gründung verbunden. Ihr 2021 verstorbener Mann Klaus Altmann war Mitbegründer und langjähriger Leiter der Artothek. Ellen Altmann begleitete ihn beim Auf- und Ausbau und verfügt auch als Sammlerin über entsprechende Expertise. Die Leitung der Artothek war nach dem plötzlichen Tod von Winfried Köchling wieder vakant geworden.

Der Ausleihservice in der Villa Zanders wird von Ehrenamtler:innen betrieben. Aktuell sucht das Team nach weiteren Kunstbegeisterten, welche die Arbeit zugunsten des Galerie + Schloss e.V. unterstützen wollen. Interessenten melden sich gerne bei der Leiterin der Geschäftsstelle des Vereins Sabine Elsa Müller unter buero@galerieundschloss.de

Ob Schenkungen von Sammler:innen und Künstler:innn, „das ist einfach eine Anerkennung unserer Arbeit hier im Kunstmuseum“, freut sich Oelschlägel. Für sie ist der Fokus auf Kunst aus Papier in Bergisch Gladbach nur konsequent, eine Weiterentwicklung des Erbes der Stadt.

Ohne die Papiermacher hätte es Bergisch Gladbach, wie es sich heute darstellt, nie gegeben.

„Und gerade der haptische Aspekt des Papiers hat im digitalen Zeitalter eine entscheidende Bedeutung“, ist sich die Direktorin sicher. „Es schafft eine Nähe zum Betrachter, zu dem was er sieht.“

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