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Belkaw verdoppelt Gaspreise

Zum 1. Oktober wird auch der regionale Versorger Belkaw die heftig gestiegenen Gaspreise weitergeben: Viele Haushalte in Bergisch Gladbach und Umgebung, die Verträge mit dem Grundversorger haben, müssen dann mit einem Aufschlag von mehr als 100 Prozent rechnen. Weitere Erhöhungen sind absehbar.

Die Belkaw wird den Gaspreis für ihre Bestandskund:innen in zwei Monaten im Tarif „FairRegio basis“ von derzeit 7,84 auf 17,99 Cent erhöhen, teilt ein Sprecher des Mutterkonzerns RheinEnergie mit. Das entspricht einem Anstieg des Verbrauchspreises um 130 Prozent. Im Tarif „Fair Region plus“ klettert der Preis sogar um 138 Prozent auf 17,48 Cent.

Die Belastung für kleinere Haushalte erhöht sich nicht ganz so stark, da die Grundpreise (für Zähler und Anschluss) konstant bleiben. Nach Angaben der RheinEnergie muss ein Haushalt mit einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden im Jahr (FairRegio basis) daher mit einem Anstieg der Gesamtkosten von 949 auf 1.960 Euro rechnen. Das ist ein Plus von 107 Prozent.

In einer größeren Wohnung oder einem kleineren Einfamilienhaus mit 15.000 Kilowattstunden Jahresbedarf erhöhten sich die Jahreskosten von 1337 um gut 1500 Euro auf rund 2.860 Euro, eine Teuerung von 114 Prozent.

Bei größeren Wohnungen schlägt der hohe Verbrauchspreis stärker durch, wer 20.000 Kilowatt verbraucht zahlt künftig monatlich 169 Euro oder 124 Prozent mehr. Auf das ganze Jahr gerechnet sind das dann 2028 Euro mehr als zur Zeit.

Nur Kund:innen mit einem laufenden Festpreisvertrag bleiben von diesem Preissprung verschont, erläutert die RheinEnergie auf Nachfrage.

Versorger gibt hohe Weltmarktpreise weiter

Die RheinEnergie begründet den Preissprung mit einem noch deutlich höheren Anstieg ihrer Einkaufspreise. Die allgemeinen Beschaffungskosten für Erdgas sei innerhalb eines Jahres um 450 Prozent gestiegen. Davon seien auch die Belkaw bzw. RheinEnergie trotz ihrer langfristigen Lieferverträge betroffen – und geben nun einen Teil der Mehrkosten weiter.

Gleichzeitig führe die Belkaw die zeitweise getrennten Grundversorgungspreise für Bestands- und Neukunden auf der Basis gesetzlicher Änderungen wieder zusammen.

Abschlagszahlungen steigen, Rücklagen bilden

Die Belkaw kündigt an, in den kommenden Tagen ihre Kund:innen anzuschreiben – und dabei auch über die Anpassung der monatlichen Abschlagszahlungen zu informieren.

Sie empfiehlt Mieter:innen, die ihre Gaskosten über die Nebenkosten bezahlen, schon jetzt Rücklagen zu bilden. Denn die Nebenkostenabrechnungen werden unweigerlich zu Nachzahlungen führen.

So können Sie Gas einsparen

Einen Teil der Mehrkosten kann man durch die Verringerung des Verbrauchs ausgleichen. Die Verbraucherzentrale hat allgemeine Gas-Spartipps und detaillierte Hinweise zur Optimierung der Heizung.

Wer eine genaue Aufstellung der Zählerstände nach altem und neuem Preis wünsche könne seinen Zähler zum Stichtag 1. Oktober ablesen und der Belkaw mitteilen, am einfachsten über den OnlineService, teilt das Unternehmen mit.

Weitere Erhöhungen absehbar

Belkaw und RheinEnergie weisen gleichzeitig darauf hin, dass weiter steigenden Kosten zu erwarten ist. Abgesehen von den nicht vorhersehbaren Weltmarktpreisen können dazu zwei Umlagen führen, die die Bundesregierung gerade mit einer Novelle des Energie-Sicherungsgesetz eingeführt hat (mehr Informationen dazu u.a. beim Deutschlandfunk oder der Tagesschau).

Diese Umlagen sollen bis zum 1. Oktober in Kraft treten, sie sind bei der Preiserhöhung der Belkaw aber noch nicht berücksichtig – und sie würden alle Kunden betreffen, auch diejenigen mit einem Festpreisvertrag.

In der ersten Umlage geht es darum, die Mehrkosten der Gasbeschaffung auf alle Endkunden zu verteilen. Wie hoch sie ausfällt ist noch nicht entschieden, das Bundeswirtschaftsministerium hatte eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde genannt – was für einen 4-Personen-Haushalt einige hundert Euro pro Jahr bedeuten würde. Das entspricht bei 20.000 kw/h pro Jahr einer Mehrbelastung zwischen knapp 400 und 1200 Euro.

Eine zweite Umlage soll es für die Füllung der Gasspeicher geben, hier sind die Auswirkungen noch offen.

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