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Bergisch Gladbachs Firmen in der „Krise“: Größere Probleme als Gas und Strom

Die IHK hatte nach ihrer Herbstumfrage ein dunkles Stimmungsbild der Wirtschaft in Rhein-Berg gezeichnet. Tatsächlich haben viele Branchen existenzielle Sorgen, strukturelle Themen wie Fachkräfte und Lieferketten plagen alle und führen bis zur Geschäftsaufgabe. Aber unter dem Strich sind die Unternehmer:innen, die wir befragt haben, wenigstens verhalten optimistisch. Mit wenigen Ausnahmen.

Wir haben eine Umfrage bei rund 80 Unternehmen über alle Branchen hinweg gemacht – und dokumentieren die Aussagen derjenigen, die Antworten geliefert haben. Vertreten sind Handwerk und Handel, Industrie, Dienstleistungen und Gastronomie.

In der Gesamtschau ergibt sich ein sehr differenziertes Bild, mit viel Schatten und etwas Licht. Einige sprechen von einem „sehr guten Geschäft“, ein Handwerke kündigt die Geschäftsaufgabe an.

Bei den Antworten wird klar, dass die akuten Krisen drohen, sehr viel tiefere, strukturelle Probleme zu verdecken. Vor allem ein Thema treibt ohne Ausnahme jedes Unternehmen um: der sich verschärfende Mangel an Fachkräften.

In Richtung Politik – sowohl auf Bundes- wie auf Lokal-Ebene – gibt es einige Wünsche.

Machen Sie sich selbst ein Bild – und nutzen Sie das Kommentarfeld ganz unten.

Das Gronauer Wirtshaus ist für seine Gänse bekannt. Foto: Thomas Merkenich

Gastronomie: Gans müsste eigentlich noch teurer sein

In der Gastronomie geht es in diesem Winter in vielen Betrieben um die Existenz, sagt Udo Güldenberg, Inhaber des Gronauer Wirtshauses und Vorsitzender des Branchenverbands DEHOGA am Ort. Zwar seien Restaurants, Cafés und Gaststätten mit einem blauen Auge aus der Pandemie gekommen – doch jetzt seien viele Wirte mit Steuernachzahlungen konfrontiert – und einer Energiekostenexplosion.

Wer jetzt nicht Vollprofi sei, sich immer wieder hinterfrage und seine Preise ständig neu kalkuliere, werde es schwer haben, befürchtet Güldenberg. Damit sei die Systemgastronomie einigermaßen sicher, dagegen treffe es ausgerechnet die normalen Gaststätten. „Die Treffpunkte verschwinden“, bedauert Güldenberg.

Er rechne ständig die Einkaufs- gegen die Verkaufspreise und habe sie im Gronauer Wirtshaus schon dreimal erhöht. Aber nun sei das Ende der Fahnenstange erreicht, nicht alles könne man an die Kunden durchreichen.

Zum Beispiel bei der Martinsgans. Der Kilopreis im Einkauf, so Güldenberg, habe sich um 80 Prozent erhöht. Eigentlich müsste sie im Menü 37 Euro kosten – doch bei 28,50 Euro sei bei ihm Schluss gewesen. Allerdings mit Abstrichen: der Rosinen-Apfel ist verschwunden, die Maronen kosten extra. Immerhin: die Nachfrage für Sonderaktionen wie das Gänseessen sei ungebrochen hoch.

Investitionen zurückzustellen oder gar Personal abzubauen, wäre jetzt genau die falsche Strategie, warnt Güldenberg. Das führe zu mehr Reklamationen und in einen Teufelskreis.

Ohnehin sei der Fachkräftemangel das große strukturelle Problem der Branche. Er sei ausgebildeter Koch und kann einspringen; doch in vielen anderen Restaurants sei der Ausfall eines Kochs eine Katastrophe.

Energieeinsparungen seien kaum noch möglich, da habe das Wirtshaus in den vergangenen fünf Jahren gemacht, was sinnvoll war. Jetzt schalte er bei seinem Gasherd sogar die Sparflamme aus – auch wenn das nur ein paar Cent bringe.

Kritik an der Politik hört man von Güldenberg nicht. Schon in der Pandemie habe die Regierung riesige Summen ausgegeben, nirgendwo anders seien die Unternehmen in diesem Maß unterstützt worden. „Es ist Krieg, da kann der beste Politiker nichts dran machen“, sagt Güldenberg.

Einzelhandel: Selbsterfüllende Prognose funktioniert auch positiv

Einen bewussten Kontrapunkt setzt Andreas Peck, Inhaber des Modegeschäfts Quo Vadis in der Fußgängerzone. Er bezeichnet die Lage seinen Unternehmens als „sehr gut“, die Pandemie habe man ohne Folgen überstanden. Natürlich sei die Zukunft herausfordernd, aber zu bewältigen.

Das Geschäft kämpfe unter anderem mit Lieferausfällen bei einigen Lieferanten. Vorausschauend habe er jedoch mehr bestellt. Falsch wäre es, in Erwartung eines Abschwungs weniger zu ordern: „Mit weniger Ware kann ich natürlich nicht die Umsätze des Vorjahres erreichen“, erläutert Peck. Diese Form der selbsterfüllende Prognose funktioniere nach seiner Überzeugung aber auch im Positiven.

Großes Potenzial an Energieeinsparungen sieht Peck nicht, die Umstellung auf LED ist längst erledigt. Strom und Gas machten auch nur knapp 1,5 Prozent seiner Kosten aus. Dennoch bleibe die Tür bei kalter Witterung geschlossen und die Temperatur gesenkt.

Von der Bundespolitik wünscht sich Peck das, was sie zum Teil bereits tue: „Den Menschen ein Gefühl der Sicherheit geben.“ Wer keine Zukunftsangst hat werde weiter einkaufen und die Binnenwirtschaft am Laufen halten.

An die lokale Politik hat der Einzelhändler ein spezielles Anliegen: keine weitere Einschränkung der Erreichbarkeit. Alleine der Wegfall des Buchmühlenparkplatzes habe mit einem Schlag 30 Prozent Umsatz gekostet, erst nach zehn Jahren habe man das einigermaßen ausgleichen können. Daher könne er den Protest der Schildgener Händler sehr gut verstehen.

Freizeit: Mediterana auf dem Weg zur CO2-Neutralität

Die Wellness-Anlage Mediterana ist trotz staatlicher Hilfen mit einem Verlust in Höhe von fünf Millionen Euro aus der Pandemie gekommen, die nächsten Monate würden für viele Unternehmen schwierig, berichtet Geschäftsführer Oliver Mathée.

Konkrete Probleme bereiten die hohen Kosten für Material und Löhne, ein Abbau von Personal sei dennoch nicht geplant.

Strom und Gas sind für den energieintensiven Betrieb des Mediteranas mit seinen Saunen, Thermen und Bädern ein dickes Thema. Die Öffnungszeiten wurden leicht eingeschränkt und die Temperatur in einigen Becken abgesenkt. Darüber hinaus stellt Mathée das eigene, hochmoderne Blockheizkraftwerk an vier von sieben Tagen aus. Das spart 57 Prozent des Gasverbrauchs. Statt dessen bezieht das Mediterana mehr Ökostrom der Belkaw .

Aber auch der soll in 2023 ersetzt werden, durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Denn ein Ziel habe sich Mathée gesetzt: bevor er in Rente geht soll das Mediterana CO2-neutral sein.

Handwerk: Traditionsbetrieb kapituliert vor Fachkräftemangel

Dirk Wehn, Inhaber der Glasermeister Wehn GmbH & Co. KG in Hand, hatte zwar von einer Auftragsflut in der Pandemie profitiert – und dennoch wird er sein Unternehmen zum Jahresende schließen.

Der Fachkräftemangel plage ihn seit 30 Jahren, werde immer akuter und habe nun auch eine Nachfolgeregelung verhindert, berichtet Wehn. Nach seiner Meinung auch ein gesellschaftliches Problem: „Junge Leute wollen viel Geld, viel Urlaub, einen möglichst teuren Firmenwagen, immer pünktlich Feierabend haben und auf keinen Fall flexibel arbeiten.“ Ein Kombination, die das Handwerk nicht bieten könne.

Bitter fällt Wehns Urteil über die lokale Politik aus: Schon vor 20 Jahren habe er sich ein größeres Gewerbegrundstück gewünscht, vergeblich. Und ausreichend Parkplätze, in Wohngegenden, auf der Kempener Straße oder auf der Laurentiusstraße – denn Handwerker könnten nur dort arbeiten, wo sie ihre Fahrzeuge parken können.

Dienstleistungen: Preise erhöhen, mit der Zeit gehen

Auf den Stühlen von Rainer Winkelhausen, Inhaber des Friseursalons Winkelhausen an der Odenthaler Straße, sind die steigenden Preise längst angekommen. Hier, wo über alles geredet wird, werde die Stimmung etwas grantiger, eine allgemeine Verunsicherung und auch Verängstigung sei spürbar, berichtet der Friseurmeister.

Auch er habe die Preise erhöhen müssen: in der Pandemie zweimal und jetzt ein drittes Mal, um insgesamt rund 13 Prozent. 28,50 kostet bei ihm der Herrenhaarschnitt. Für eine halbe Stunde sauberer, korrekter Arbeit. Für eine Färbung, die dann aber auch zwei Stunden dauern könne, werden zwischen 120 und 160 Euro fällig.

Die Pandemie mit zwei Lockdowns und am Ende keinerlei Fördermittel für Friseure habe er alleine mit der Kurzarbeit auffangen müssen, sagt Winkelhausen. Für die nahe Zukunft sei er zuversichtlich. Denn er habe eine stabile Stammkundschaft – und in der Corona-Zeit hätten viele neu erlebt, wie wichtig eine gute Frisur ist. Allenfalls bei Spezialitäten wie Tönungen oder aufwendigen Behandlungen erwarte er eine Zurückhaltung.

Immerhin zehn Prozent seiner Kosten entfallen auf Energie – denn bei Kund:innen mit nassen Haaren könne er die Heizung nicht runterziehen. Sein Team mache, was möglich ist – die Handtücher werden jetzt nur noch gebündelt gewaschen und getrocknet, das Licht bleibt abends aus.

Für Winkelmann ist es wichtig, nicht stehen zu bleiben. Die Räume werden kontinuierlich modernisiert, und bei den Öffnungszeiten passe er sich noch weiter den Kundinnen und Kunden an: Am Abend hat er jetzt länger geöffnet, dafür bleibt der Salon am Samstag geschlossen. Das komme auch den Mitarbeiterinnen zugute, und die seien nun mal sein wichtigstes Kapital.

Einen Wunsch an die Politik gibt Winkelhausen noch mit: Endlich die Mehrwertsteuer für Friseure auf sieben Prozent senken.

Verarbeitendes Gewerbe: Aufträge reißen ab

Für das verarbeitende Gewerbe bezeichnet Fred Arnulf Busen, Geschäftsführer des kunststoffverarbeitenden Betriebes Polytron die Aussichten „alles andere als rosig“. Seine Kunden seien vor allem Anlagenbauer, sehr solide und breit aufgestellt – daher ist das Auftragsbuch bis Mitte 2023 gut gefüllt – „aber danach kommt nichts nach“, schildert Busen die Lage.

Die Pandemie habe das Unternehmen an der Zinkhütte mit etwas Kurzarbeit gut überstanden und sogar ein Umsatzplus verzeichnet. Doch noch nie habe er sich so schwergetan wie jetzt, die Aussichten zu beurteilen, sagt Busen. Zwar sei der Bedarf bei den Kunden weiterhin vorhanden, aber jeder schiebe Investitionspläne auf. Ein kalter Winter könnte zu Problemen führen, ein echter Gasmangel wäre für die Industrie verheerend.

Auch Polytron musste einer Verdopplung des Gaspreises und eine Vervielfachung des Strompreises hinnehmen. Obwohl Energie nur zwei Prozent der Gesamtkosten ausmache drücke das spürbar auf die Gewinnmarge.

Viel schwerer wiegen laut Busen jedoch langfristige Folgen der hohen Energiepreise für den Industriestandort: Viele Konzerne verlegten ihre Investitionen ins Ausland. Zum Beispiel nach China oder in die Arabische Welt. Vorerst sei davon nichts zu spüren, aber dafür in 15 Jahren umso mehr.

Industriekonzerne gibt es in Bergisch Gladbach zwar nicht, da aber alle Unternehmen vernetzt sind würden die Folgen auch hier vor Ort ankommen. Da helfe es nicht, so Busen, dass in der lokalen Politik allgemein „eine gewissen Wirtschaftsfeindlichkeit“ zu spüren sei. Was sich vor allem bei der schlechten Verkehrsanbindung zeige.

Dennoch gibt sich Busen zuversichtlich, und halt sich an die britische Losung „keep calm and carry on“ (gelassen bleiben, weitermachen).

Handwerk: Klimaneutralität schützt vor hohen Energiepreisen

Ron Woydowski vom Sanitär-Betrieb Woydowski GmbH in Schildgen hat sein Unternehmen schon sehr früh auf Nachhaltigkeit getrimmt und ist seit zwei Jahren CO2-neutral. Steigenden Energiepreis sind für ihn daher kein Thema.

Zudem profitiert Woydowski wie viele andere Branchen im Handwerk seit der Pandemie von einer boomenden Nachfrage, die Auftragslage sei schon seit Monaten nicht mehr zu bewältigen. Seine Lage bezeichnet er daher als „sehr gut“.

Sorgen bereiten im Lieferengpässe und steigende Preise – damit seien auch die eigenen Preise nur noch sehr schwer kalkulierbar.

Die Politik könne helfen, durch die Abbau von Regularien. Vor Ort müsse die Verkehrssituation verbessert werden, um Staus und Wartezeiten zu vermeiden.

Das LöwenCenter in der Fußgängerzone hat bereits 50 Jahre auf dem Buckel – und investiert in moderne Energietechnik. Foto. Thomas Merkenich

Warenhaus: Hohe Investitionen in eigene Energieerzeugung

Das LöwenCenter hat die Pandemie dank staatlicher Hilfen „mit einem blauen Auge“ überstanden, sagt Geschäftsführer Udo Kellmann. Die weitere Entwicklung hänge davon ab, ob die Energieversorgung stabil und bezahlbar bleibe.

Den Stromverbrauch habe das LöwenCenter in den vergangenen sechs Jahren halbiert – und dennoch werde es in diesem Jahr 100.000 Euro mehr bezahlen als zuvor. Wenn dann auch noch die Preisbindung des Gasvertrags bei einer Mangellage kippe, werde das Kaufhaus hart getroffen.

Weitere Probleme sieht Kellmann beim Schrumpfen des frei verfügbaren Einkommens und auch bei Textilien gebe es Lieferprobleme.

Von einem Personalabbau will Kellmann nichts wissen, nach vielen Monaten der Kurzarbeit wollten die Mitarbeiterinnen wieder Umsätze machen. Bei den Investitionen legt das LöwenCenter noch einmal zu: 400.000 Euro werden in ein Blockheizkraftwerk und den Ausbau der Photovoltaik ausgegeben.

In der Politik hofft Kellmann auf eine „Energiepolitik ohne ideologische Scheuklappen“, gleichzeitig spricht er sich gegen Waffenlieferungen in Krisengebiete aus. Und auch bei der lokalen Politik erkennt der konservative Unternehmer ideologische Scheuklappen, hier bei der Bevorzugung des Radverkehrs.

Schon jetzt zahle er für das 50 Jahre alte Kaufhaus pro Jahr 100.000 Euro für Grundsteuern und Straßenreinigung. Das sei bereits „jenseits von gut und böse“, eine weitere Grundsteuererhöhung wäre da nicht angesagt.

Industrie: Atem für Investitionen erhalten

Martin Schulz, Geschäftsleiter der P. J. Schulz GmbH, die in Frankenforst vor allem Dichtungstechnik anbietet, beurteilt die Aussichten für die nächsten sechs bis 12 Monate als „sehr durchwachsen bis schlecht“. Die allgemeine Kostenbelastung und die Organisationsbelastung sei sehr hoch geworden – wobei die Energie nur ein Teil des Problems seien. Als wichtigsten Faktor, der sein Geschäft belastet, nennt er dagegen die überbordende Bürokratie, und im Hintergrund protektionistische Tendenzen.

Der Abbau von Personal, die Verschiebung von Investitionen seien nicht geplant.

Auch Schulz sieht wenig weitere Möglichkeiten, Energie einzusparen – bewegt das Unternehmen aber in Richtung CO2-Neutralität. Als ein Baustein werde im Frühjahr eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb gehen. Dann könne ein beträchtliche Teil des Energiebedarfs selbst erzeugt und die Energiekostenbelastung zumindest gedämpft werden.

Autohandel: Das Lieferketten-Problem

Gabriele Gieraths, Ko-Geschäftsführerin der Gebr. Gieraths GmbH in Bensberg, verweist auf eine weitere Problemlage: Lücken in den Lieferketten und in der Logistik führten zu Engpässen in der Autoproduktion und lange Lieferzeiten. Was auch für ihr Unternehmen sehr herausfordernd sei.

Dennoch will Gieraths nicht kürzer treten, sondern investiere gerade in eine neue Marke, in eine neue Abteilung und in einen neuen Showroom.

Die weiteren Einsparungen von Energie beziehen sich auf das naheliegend: Die Außenbeleuchtung der Autohäuser wird früher ausgeschaltet, und insgesamt gingen alle Mitarbeiter umsichtiger mit Energie um.

Einkaufszentrum: Kaufzurückhaltung und fehlendes Personal

Bettina Wisniewski, Centermangerin der RheinBerg Galerie, beschreibt nach der Bewältigung der Pandemie neue große Probleme für den Einzelhandel: „Die erhöhten Energiekosten führen zur Kaufzurückhaltung und die Produkte werden auch deutlich teurer.“ Personalmangel ist auch hier ein großes Thema.

Wie sich die nächsten sechs bis zwölf Monaten entwickeln sei schwer zu beantworten. Die richtigen Signale der Politik an die Bevölkerung würden sich auf jeden Fall positiv auf den Einzelhandel auswirken.

Auch die RheinBerg Galerie werden noch einmal einiges tun, um den Energieverbrauch zu senken, durch die Optimierung der Einschaltzeiten und intelligente Gebäudeleitsysteme.

Mit Blick auf die Bundespolitik hofft Wisniewski auf die Entlastung von Haushalten und Unternehmen durch Preisdeckel für Strom und Gas. An die lokale Politik appelliert sie, die Grundsteuer nicht wieder zu erhöhen.

IT: Auf Wachstumskurs

Florian Trautmann, Inhaber der IT Intouch GmbH in der Lustheide, hat für wenigstens sechs Monate genügend Projekte in der Pipeline – und setzt darauf, dass keine Aufträge gestoppt werden. Da IT Intouch Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen habe sei er da aber ganz zuversichtlich.

Auch für Trautmann ist ein Investitionsstopp oder Personalabbau kein Thema, im Gegenteil will er das Unternehmen ausbauen und das solide Wachstum fortsetzen.

Die IT-Firma bekommt im Januar eine Solaranlage, die auch die neuen Elektro-Firmenfahrzeuge speisen solle. Darüber hinaus verbrauche IT Intouch nur sehr wenig Energie.

Unterstützung vom Staat hat sein Unternehmen nicht notwendig, sagt Trautmann, in anderen Branchen sinnvoll eingesetzt könnten sie aber durchaus Sinn machen. Wichtig seien Hilfen für einkommensschwache Familien, auch die Möglichkeit steuerfreier Sonderzahlungen der Arbeitgeber gingen in die richtige Richtung.

Trautmann plädiert für gezielte Förderprogramme für die Digitalisierung, damit auch kleine und mittlere Unternehmen in der Lage versetzt werden, neue digitale Produkte zu schaffen.

Das Quirls verfügt über einen großen Außenbereich.. Foto: Thomas Merkenich

Gastronomie: Langer Streit um Corona-Hilfen

Alexander Vossler von der Kneipe Quirls an der Gnadenkirche sieht sehr angespannte Monate auf sich zukommen. Nach wie vor seien viele Leute mit Blick auf Corona zurückhaltend und wollen eigentlich nur draußen sitzen. Und natürlich würden sie mit Blick auf die hohen Energiepreise sparsamer werden.

Besonders belastend wirke auf sein Geschäft eine lange Auseinandersetzung mit der Bezirksregierung über die Auszahlung der Überbrückungshilfe für das 1. Quartal. Nicht nur, dass dieses Geld fehle – der Rechtstreit und ein Bankkredit seien überflüssige Belastungen.

Als Mieter könne er nur wenig einsparen, sagt Vossler, für wesentliche Effekte könne nur der Hauseigentümer sorgen.

Von der Politik wünsche er sich, dass die Unternehmen „nicht auf den letzten Metern hängen gelassen werden“. Denn dann verpuffe alles Geld, dass während der Pandemie geflossen ist.

Eventtechnik: Eigene Energieerzeugung ist alternativlos

Für Stephan Graeske, Inhaber der Graeske Audio Visual GmbH, besteht die schwerste Folge der Pandemie im Lieferkettenproblem. Fehlende Geräte schränkten die Entwicklung des Unternehmens deutlich ein. Daher wirke die Perspektive für die kommenden Monate anstrengend. 

Ein Personalabbau steht auch bei Graeske überhaupt nicht an; im Gegenteil befürchtet er, dass der akute Fachkräftemangel dazu führt, dass er einzelne Aufträge in Zukunft nicht mehr annehmen kann. 

Den Energiebezug des Unternehmens will er durch eine hohe sechsstellige Investitionen schon bis Februar um 80 Prozent reduzieren. Das sei zwar eine große Herausforderung, scheine aber „alternativlos und notwendig für eine nachhaltige Absicherung des Unternehmens“.

Von der Politik erwartet Graeske, so viele Kraftwerke wie möglich ans Netz zu bringen, um das Angebot an Energie zu erhöhen und so die Preise rasch zu senken. 

Zudem müsse die Politik Arbeit attraktiv machen und Steuern für fleißige Arbeitnehmer senken. Es müsse sich für Arbeitnehmer lohnen, in Vollzeit zu arbeiten – statt dass ihnen der Vorteil gegenüber einer 1/3- oder 2/3-Stelle durch höhere Abgaben weggenommen werde. Am besten für die Motivation sei es, wenn sich der Steuersatz auf den Stundenlohn und nicht auf den Monatslohn bezieht. Dann würde es durch fleißige Mehrarbeit keine überhöhten Abgaben geben, argumentiert Graeske.

Das Porsche-Zentrum wird durch ein eigenes Werkstattgebäude erweitert.

Porsche: Schnelle und verlässliche Entscheidungen

Roman Konrads, Geschäftsführer des Porsche Zentrums Bensberg, sieht seinen Absatz vor allem durch Lieferprobleme beeinträchtigt: es gebe zu wenig Halbleiter für die Elektronik der Sportwagen. Die Perspektiven für die nächste Monate beurteilt er verhalten, eine Verbesserung sei nicht absehbar. Vom Abbau von Personal sehe man ab, und investiere statt dessen in den Aufbau neuer Mitarbeiter, in die Aus- und Fortbildung.

Ob das Porsche-Zentrum mehr Energie einsparen können, werde zur Zeit von einem spezialisierten Unternehmen untersucht. Beim Um- und Neubau auf dem Weg zur „Destination Porsche“ sei Photovoltaik ohnehin eingeplant.

Auf der Wunschliste an die Politik stehen bei Konrads die Entbürokratisierung, damit Entscheidungen schneller getroffen werden. Davon betroffen sei auch das aktuelle Bauprojekt – daher hoffe er bei der lokalen Politik auf schnelle und verlässliche Entscheidungen.

Bäckerei: Personal, dringend gesucht

Andreas Scherbarth, Inhaber der Mühlen-Bäckerei, leidet natürlich auch unter höheren Kosten für Energie und Material und vielleicht einer gewissen Zurückhaltung der Kund:innen bei den Vollkornprodukten. Daher rechnet er mit einer etwas ruhigeren Zeit.

Das eigentliche Problem sei aber der Personalmangel. Daher wünscht er sich, dass die Politiker „mal das wahre Leben kennenlernen – alle suchen Personal, nicht nur die Pflege.“

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