Waldgeister im Diepeschrather Wald gesichtet

Diversity Cosplay im Diepeschrather Wald, Bergisch Gladbach

Der Zustand der Wälder und die zunehmende Vermüllung sind bekannt. Was sich im Diepeschrather Wald ansammelt verärgert jetzt sogar die Waldgeister und Fabelwesen. Schauen Sie selbst.

Wer in den vergangenen Tagen im Diepeschrather Wald unterwegs war konnte auf eine ganze Gruppe Waldgeister und Fabelwesen treffen, die sich auf kreative Art und Weise mit dem Plastikmüll auseinander setzte.

Dabei handelte es sich um eine sogenannte Cosplay-Gruppe: Das ist ein Japan geprägte Fanpraxis. Die Akteure stellen eine Figur aus einem Manga, Anime, Film, Videospiel oder anderen Medien durch ein Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu nach.

Diversity Cosplay im Diepeschrather Wald, Bergisch Gladbach

In diesem Fall hat sich die Gruppe „Diversity Cosplay” am Mühlbach der Paffrather Mühle in Szene gesetzt, mit selbst genähten und phantasievoll gestalteten Kostümen und von Fotografen professionell begleitet. Eine tolle Aktion!

Diversity Cosplay im Diepeschrather Wald, Bergisch Gladbach

Sie finden „Diversity Cosplay” auf Facebook. Die Fotografen sind André Köthur und Daniel Kewitz.




Heinrich Jarczyk in der Villa Zanders: Mauerfall und mehr

Zu seinem 95. Geburtstag widmet Bergisch Gladbach dem Künstler Heinrich J. Jarczyk eine Kabinettausstellung im Kunstmuseum Villa Zanders. Die Ausstellung ruft auch ein Stück deutsch-deutsche Geschichte in Erinnerung. Im Vorfeld der Eöffnung am 13. August gegen wir einen Überblick über das Leben und die Arbeiten des Künstlers.

Dr. Heinrich J. Jarczyk ist einer der renommiertesten Künstler unserer Stadt Bergisch Gladbach. Ausstellungen seiner Bilder waren im In- und Ausland zu sehen, in New York, Washington, Paris, Seoul, Görlitz, Neisse, Maastricht, Berlin, München, Leipzig, Köln, Aachen  und Bergisch Gladbach (Villa Zanders 2005).

Insgesamt kann der Künstler auf über 50 Einzelausstellungen auf mehreren Kontinenten zurückblicken. Jarczyk ist Träger des Neisser Kulturpreises 1992 und repräsentierte sein Land auf der Biennale Internazionale Dell´Arte Contemporanea 1999 in Florenz.

Erster Zeichenunterricht

Heinrich J. Jarczyk wurde 1925 in Neisse in Oberschlesien geboren, am humanistischen Gymnasium „Carolinum“  erhielt er seinen ersten Zeichenunterricht. Um während der Kriegsgefangenschaft in Belgien die Entwendung seines Skizzenbuches durch einen kanadischen Wachoffizier zu kompensieren, begann Jarczyk die Zeichnungen und Radierungen der Sehenswürdigkeiten seiner Geburtsstadt aus der Erinnerung zu rekonstruieren.

Ein heutiger Vergleich jener Zeichnungen mit Bildern der tatsächlichen Straßen und Gebäude des alten Neisse zeigen seine geradezu unheimliche Fähigkeit, optische Eindrücke im Gedächtnis zu behalten. Manche Arbeiten weisen eine derart exakte Wiedergabe architektonischer Einzelheiten auf, dass man eine Entstehung an anderer Stelle als vor Ort für unmöglich hält.

Heinrich Jarczyk, Berlin Bornholmer Straße, 1987

Naturwissenschaftler und Kunsthistoriker

Nach der Kriegszeit studierte Jarczyk in München Chemie, Biologie und Kunstgeschichte, promovierte und war für die Max-Planck-Gesellschaft, die deutsche Forschungsgemeinschaft sowie für die Bayer AG tätig. Die zum Teil mehrjährigen beruflichen Aufenthalte in Ägypten, Südamerika und den Vereinigten Staaten und seine Studienaufenthalte in den westeuropäischen Ländern prägten Heinrich J. Jarczyk nachhaltig.

Ausstellung in der Villa Zanders
Heinrich J. Jarczyk: Ihr glücklichen Augen …
14.08. – 13.09.2020
Eintritt während der gesamten Laufzeit frei!
Mehr Infos auf der Website der Villa Zanders

Seit 1985 ist Heinrich J. Jarczyk mit Christiane Jarczyk verheiratet, die 16 Jahre am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium unterrichtete. Bergisch Gladbach, die Stadt im Grünen, wurde für das Paar zur Wahlheimat. Jarczyk ist aktives Mitglied des National Arts Club in New York und der Münchener Künstler Genossenschaft kgl. priv. 1868.

Berliner Mauer

Zu den Techniken des Künstlers zählen Radierung, Federzeichnung, Öl und Aquarell, mit denen er gleichermaßen vortrefflich in einer Mischung aus naturgetreuer Wiedergabe und künstlerischem Empfinden einen neuen Blick auf menschliche Figuren, Landschaften, Architektur und historische Momente eröffnet.

Aus Jarczyks umfangreichen Oeuvre werden 42 Arbeiten gezeigt, darunter das visionäre Berlinbild  und zwei Bilder „Berlin, Bornholmer Straße“, wo am ehemaligen Grenzübergang am 9. November 1989 um 23:30 Uhr die Passkontrollen eingestellt wurden und über den erstmals Tausende DDR-Bürger die Gelegenheit nutzten, nach West-Berlin zu kommen.

Heimrich Jarczyk: Berlin, Bornholmer Straße 1989

Das erste Bild (siehe weiter oben) entstand 1987, es hält den sehnsuchtsvollen Blick einer älteren Dame an der Grenze des französischen Sektors fest, das zweite Bild zeigt das Wiedersehen einer getrennten Familie und die offene Grenze.

So wird mit der Ausstellungseröffnung in der Villa Zanders am Jahrestag des am 13.8.1961 begonnenen Baus der Berliner Mauer auch ein Stück deutsch-deutscher Geschichte in Erinnerung gerufen.

Für Jarczyk hat das Ende der Berliner Mauer eine persönliche Bedeutung, die sein innerstes Selbst berührt. Mit dem Bild „Berlin im November 1989“ stellt der Künstler seine visuelle Interpretation der Zerstörung des Teilungssymbols vor. Vom Beginn der Tyrannei in den 30er Jahren teilte sich der Weg Deutschlands in eine weitere Diktatur und den demokratischen Teil Deutschlands auf der Westseite des Brandenburger Tores.

Sensibilität gegenüber Licht und Schatten

Die Menschen, die ein Leben lang von außen reguliert und konditioniert wurden, verlassen den Osten wie die Menschen, die aus Platos Höhle entsteigen – unsicher, noch nicht fähig, zu sehen. Im Zentrum des Bildes ein menschliches Gehirn mit verschiedenen Lichtschattierungen, Helligkeit neben Dunkel.  

Alle dargestellten Ereignisse sind Manifestationen des menschlichen Willens, das Gute wie das Böse sind in Reichweite der Menschheit.  Heinrich J. Jarczyk zeigt mit diesem Bild, wo wir stehen. Die Frage, ob wir in der Zukunft das Licht der Vernunft sehen, bleibt offen.

Raymond J. Steiner, Herausgeber der ART TIMES, schreibt über Heinrich J. Jarczyk: „So ist es seine Sensibilität gegenüber Licht und Schatten, Stimmung und innerstem Wesen, die seine Kunst über die Wahrnehmung durch Auge und Geist hinausträgt.”

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Theas-Theaterschule nimmt Arbeit wieder auf

Bedingt durch Corona musste Theas die Theaterkurse im März einstellen. Nach der Sommerpause können zumindest die Kurse für Erwachsene wieder angeboten werden, sie starten im September.

Theater spielen öffnet und befreit. Mit Körper, Stimme, Sprache und Phantasie in andere Rollen schlüpfen, ist eine wertvolle Abwechslung zum Alltag. Der erste Schritt in die Welt des Theaters ist nicht schwer. Jeder Mensch kann Theater spielen!

Folgende Kurse werden angeboten:

Schauspiel für Erwachsene
Kosten pro Kurs 79,- Euro
Kurszeitraum: 28. September – 14. Dezember 2020, montags von 19-21 Uhr

„Scheiter heiter“
Improtheater-Kurs für Erwachsene
Kosten pro Kurs 79,- Euro
Kurszeitraum: 23. September – 16. Dezember 2020, mittwochs von 19-21 Uhr

„Scheiter im Quadrat“
Improtheater-Kurs für fortgeschrittene Erwachsene
Kosten pro Kurs 139,- Euro
Kurszeitraum: 28. September – 07. Februar 2021, montags von 19-21 Uhr
Öffentliche Vorstellungen im THEAS Theater am 06. und 07. Februar 2021

Körpertheater für Erwachsene
Kosten pro Kurs 79,- Euro
Kurszeitraum: 23. September – 16. Dezember 2020, mittwochs von 19-21 Uhr

Anmeldung
ganz einfach über die Website oder direkt über das online Formular

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Hammerwerk des Bergischen Museums wird scheibchenweise verkauft

Wer möchte sich eine Scheibe abschneiden? Teile der alten Welle, des Wasserrads aus dem Hammerwerk im Bergischen Museum und massive Eichenholzbalken werden zum Kauf angeboten.

Die Sanierung des Hammerwerks im Bergischen Museum geht in die zweite Runde. Nachdem im Juni die alte Welle und das Wasserrad ausgebaut wurden, stehen nun die historischen Bauteile zum Verkauf. Zu erwerben sind sowohl die in dicke Scheiben gesägte Welle aus Eichenholz sowie massive Eichenholzbalken aus dem alten Wasserrad. 

„Nicht nur für Museumsfans ist so ein Originalstück aus der alten Welle sicherlich etwas ganz Besonderes“, so Museumsleiterin Sandra Brauer. Denn schließlich hätten die Schmiedevorführungen im Hammerwerk in den letzten rund 35 Jahren, in denen sowohl die Welle als auch das Wasserrad unermüdlich ihren Dienst taten, zahlreiche Kinderaugen leuchten lassen.

Der Vorrat an den massiven Eichenholzscheiben mit einem Durchmesser von rund 76 cm und den mächtigen Eichenbalken ist naturgemäß begrenzt. Jedes Stück ist ein Unikat. Abhängig von der Stärke der Scheiben, die zwischen 8 cm und 34 cm variieren, werden die Teile der Welle zu Preisen zwischen 60 und 80 Euro abgegeben. Die Eichenbalken kosten 25 Euro. Alle Einnahmen kommen dem Förderverein zu Gute. „Auch der Förderverein hat seit Beginn der Corona-Pandemie finanzielle Einbußen hinnehmen müssen“, erläutert Vereinsvorsitzender Willi Carl. „Wir freuen uns über jeden Euro, der uns und somit dem Museum zu Gute kommt.“

Interessenten können sich die Stücke während der Öffnungszeiten des Museums ansehen und an Ort und Stelle käuflich erwerben. Empfohlen wird, eine Schubkarre oder ein zweites Paar kräftige Hände mitzubringen – alleine lässt sich das Holz kaum bewegen.

Weitere Fragen beantwortet der Besucherdienst unter kontakt@bergisches-museum.de oder 02202 14 15 55.

Das Museum ist dienstags bis freitags von 10 bis 13.30 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Über die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen informiert die Webseite

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Himmel un Ääd zeigt Ausstellung „Unterwegs“

Unterwegs“ heißt eine neue Ausstellung mit farbenfrohen Malereien von Christina Haupts im Begegnungscafé Himmel un Ääd. Die Motive enststehen auf Reisen oder Begegnungen mit Menschen.

Seit 2012 Jahren beschäftigt sich Christina Haupts intensiv mit Malerei und immer wieder begeistert es sie, wie eine weiße Leinwand durch Farben und Struktur lebendig wird. 

„Bevorzugt arbeite ich farblebendig mit Acryl oder Pastellkreide in verschiedenen Genres von Landschaft über Figurales zu Portraits. Die Arbeit an der Leinwand ermöglicht mir ein zeitloses Abtauchen der Gedanken und ein Umsetzen der Themen, die mich berühren. Gerne male ich Motive, die mir während meiner Reisen begegnet sind, vor allem Menschen und Natur.“ 

“Unterwegs”
11.8. bis 19.9.2020, während der Öffnungszeiten des
Begegnungscafés Himmel un Ääd, Altenberger-Dom-Str. 125, Bergisch Gladbach

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Virtueller Abschluss der Erzähl- und Schreibwerkstatt

Zehn junge Menschen von 10 bis 14 Jahren haben in den vergangenen Wochen – coronabedingt – bei virtuellen Begegnungen ihre Gedanken miteinander ausgetauscht, Geschichten entwickelt und aufgeschrieben. Familien, Freunde und interessierte Gäste können sich jetzt in der Schlussveranstaltung auf abwechslungsreiche Beiträge freuen.

Schreiben im Orbit – und die Gedanken sind frei!

  • O ben, über den Wolken
  • R eal und abgehoben zugleich
  • B esonders in diesen Zeiten
  • I ntergalaktisch gut und
  • T räumen ist unbedingt erlaubt!

10 junge Menschen von 10 – 14 Jahren haben in den vergangenen Wochen bei virtuellen Begegnungen ihre Gedanken miteinander ausgetauscht, Geschichten entwickelt und aufgeschrieben. Geleitet wurde die zweite virtuelle Erzähl- und Schreibwerkstatt der Stadtbücherei Bergisch Gladbach von der Kölner Autorin Claudia Satory.

Nachdem kurz nach dem Auftakt der ersten Schreibwerkstatt 2020 durch die Corona-Pandemie Treffen in der Gruppe nicht mehr möglich waren, entdeckten die Stadtbücherei, Claudia Satory und die TeilnehmerInnen den virtuellen Raum als neuen Ort der Begegnung. Bestärkt durch die positive Rückmeldung der Beteiligten entschloss sich die Stadtbücherei, eine zweite, virtuelle Erzähl- und Schreibwerkstatt anzuschließen.

Die Beibehaltung der virtuellen Form ermöglichte einen, unabhängig von geltenden Hygiene- und Abstandsregeln, kontinuierlichen Ablauf der Werkstatt. Die Abschlussveranstaltung, auch in virtueller Form, wird von den Teilnehmer*innen mit Vorträgen der entstandenen Geschichten gestaltet.

Familie, Freunde und interessierte Gäste der Abschluss-Veranstaltung können sich am Dienstag, 18. August 2020 um 18:00 Uhr auf abwechslungsreiche Beiträge freuen.

Die Erzähl- und Schreibwerkstatt wird gefördert durch den Rotary-Club Bergisch
Gladbach. Weitere Informationen bekommen Sie bei Andrea Görgen unter goergen@stadtbuecherei-gl.de.

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Paveier spielen auf der der Waldbühne bei Pütz-Roth

In der besonderen Atmosphäre der Waldbühne werden die Paveier die ganze Breite ihrer Klassikern der vergangenen 37 Jahre präsentieren. Von der gefühlvollen Ballade über Hits zum Mittanzen wird das Publikum hier voll auf seine Kosten kommen.

Seit ihrer Gründung 1983 sind die Paveier nicht mehr aus der kölschen Musikszene wegzudenken. Man kennt sie einerseits durch Karnevalsklassiker wie „Schön ist das Leben“ oder „Heut brennt mein Iglu“, doch auch durch neue sehr erfolgreiche Songs wie „Leev Marie“ oder den letzten Hits „Sieben Nächte lang in Amsterdam“ und „Nie mehr Alkohol“ haben sie überzeugt.

Das Paveier Sommer-Open Air
am Samstag, 15. August 2020, um 19:30 Uhr, Einlass um 18:30 Uhr
in den Gärten der Bestattung, Pütz-Roth, Kürtener Str. 10, 51465 Bergisch Gladbach

Anmeldung und Kartenverkauf:
– Kartenpreis: 27,50€ (zzgl. Versand)

Ihre Anmeldung zu diesem Konzert richten Sie bitte an das Paveier Büro unter: 02204-953560 oder info@paveier.de
Bitte geben Sie dabei Ihren vollständigen Namen, Ihre Anschrift und Ihre Telefonnummer an.

Mit ihrem Song „Leev Marie“ konnten die Paveier nicht nur den kölschen Sessionshit des Jahres 2016 landen – auch in den bundesweiten Single-Charts konnte sich der Titel über mehrere Wochen platzieren (höchste Platzierung 34). In den iTunes Charts/Schlager war der Titel sogar wochenlang auf Platz 1. Das Video wurde von mehr als einer Million Menschen gesehen.

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Die Kunst-Kirche von Schildgen

Die Andreaskirche in Schildgen beherbergt ein außergewöhnliches Kunstprojekt: Unter dem Titel „Farbwechsel“ ist dort ein Kunstzyklus aus Bildern und Paramenten (liturgische Textilien) zuhause, der stets nur in Teilen zu sehen ist. Warum das so ist und wie der Zyklus entstand, hat das Bürgerportal vor Ort erfahren.

Farbwechsel: Hinter dem Projekttitel verbirgt sich ein Zyklus aus mehreren Bildern und Paramenten, der den liturgischen Farben des Kirchenjahres (Rot, Grün, Schwarz, Weiß, Violett) folgt. Entworfen haben die Werke die Künstlerin Claudia Betzin (Bilder) sowie der Stoffkünstler Thomas Schmitt, der in Köln eine Werkstatt für Paramente und Kirchenbedarf betreibt.

Die Farben im Kirchenjahr wechseln stetig. Entsprechend wechseln auch die gezeigten Arbeiten in der Kirche: Derzeit ist Trinitatiszeit, die Zeit der Dreieinigkeit. Liturgisch steht hierfür das Grün. Die entsprechenden Bilder und Paramente sind aktuell im Altarraum zu sehen. Zum Reformationsfest wird Rot folgen usw. Das war jedoch nicht immer so.

Bilder und Paramente in der liturgischen Farbe Grün. Sie steht für die Trinitatiszeit

Präsentation aller Werke

„Die Konzeptidee hierzu haben der damalige Pfarrer Christoph Nötzel und ich entwickelt“, erklärt Claudia Betzin. Zuvor habe es eine Ausstellung in der Kirche mit Linolschnitten des Turmes gegeben. Gemeinsam sei man auf die liturgischen Farben des Kirchenjahres als Ausgangspunkt für eine künstlerische Kooperation gekommen.

Sie bilden die Basis, die Inspirationsquelle des Zyklus und zugleich den gemeinsamen Nenner, auf den sich Paramente und Gemälde verständigen.

Der Farbwechsel war zunächst geplant für den Zyklus eines Jahres, also als temporäre Ausstellung in der Andreaskirche. Bei der Vernissage und Eröffnung wurde der Zyklus in seiner Gesamtheit im Kirchenraum gezeigt: Die aktuelle liturgische Farbe, wie auch jetzt zu sehen, im Altarraum. Die weiteren Arbeiten an den Wandseiten des Kirchenraums rechts. Das Rosa hing über dem Taufbecken links. Dies war so für viele Wochen zu sehen.

Der Zyklus fand in der Gemeinde so viel positive Resonanz, dass es nach Ablauf dieses Jahres über Spenden ermöglicht werden konnte, einen Großteil des Zyklus über Spenden zu finanzieren, so dass der Farbwechsel seither seinen dauerhaften Platz in der Andreaskirche gefunden hat.

Wechsel zur Hängung in Ausschnitten

Gezeigt wird er jedoch nur noch in Ausschnitten: „Um der Farbkraft der Bilder und Paramente atmosphärisch Raum zu verschaffen und in ihrer liturgischen Bedeutsamkeit zur Geltung zu bringen wurde danach gemeinsam entschieden, nur die jeweils aktuelle liturgische Farbe zu hängen“, erklärt Claudia Betzin.

Wie ist Claudia Betzin, die sich bis zum Start des Projekts eher der freien Malerei sowie Installationen und Performances gewidmet hat, an die Arbeiten herangegangen? „Jede Farbe hat unterschiedliche Seiten. Rot steht beispielsweise für Liebe, Freude, aber auch Verletzung. Weiß für Freiheit, aber auch Leere“, erklärt Betzin. Im Zusammenspiel mit der liturgischen Bedeutung habe sich eine gewisse Dialektik ergeben.

In meditativen Phasen lotete die Künstlerin aus: „Wie fange ich an, wie setze ich das um.“ Sie sei in den Dialog mit den Werken gegangen, schildert sie, ohne Skizzen, manchmal auch in einem suchenden Prozess, in einer Reaktion auf das was gerade auf der Leinwand geschieht. „Ein Mix aus Intuition und Bestimmtheit.“

Claudia Betzin: “Jede Farbe hat unterschiedliche Seiten”

Bis auf das rote Werk produzierte Claudia Betzin durchgehend Diptychen (2-teilige Bilder), die links und rechts des Altares gehangen werden. Wiederum mit einer Ausnahme: Rot und Schwarz stehen für relativ kurze Zeiträume innerhalb des Kirchenjahres. Daher seien diese Bilder rechts des Altares zu sehen.

Keine christliche Symbolik

„Die Werke sind in keiner Weise aufdringlich“, schildert Pfarrerin Eva Manderla. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen arbeitet sie seit 2016 als Pfarrehepaar in der Gemeinde im Team mit Claudia Posche, Pfarrerin des 1. Gemeindebezirks in Altenberg.  „Sie besitzen eine hohe Ausdruckskraft, ohne zu erdrücken“. Für sie sei es daher einer der herrlichsten Arbeitsplätze überhaupt.

„Die Gemeinde reagiert darauf“, fügt ihr Mann hinzu. „Woher habt Ihr das, wo kommt das her?“ Würde die Kirche noch ohne die Bilder funktionieren? „Ob es schön wäre, das ist doch die Frage“, sagt Jürgen Manderla. Es gäbe sicherlich eine Reaktion, würde man die Bilder abhängen. Ohne Bilder wäre die Kirche nicht mehr vollständig, so seine Einschätzung.

Im Gegensatz zu den Paramenten, die sich durchaus christlicher Symbolik bedienen, kommen die Bilder als freie Arbeiten gänzlich ohne diese Bezüge aus. Spannend die Frage, wie sie außerhalb der Kirche und der dazugehörigen Paramente wirken würden. „Sie haben keine sakrale Ausstrahlung per se“, meint Claudia Betzin. Letztlich seien es Farbkompositionen, die im neutralen Kontext eines Museums zu einer anderen Wahrnehmung führen würden. Kunst liegt nunmal im Auge des Betrachters.

Claudia Betzin (links) und das Pfarrerehepaar Eva und Jürgen Manderla

Weitere Informationen zu den Bildern von Claudia Betzin des Zyklus “Farbwechsel” finden Sie unter diesem Link.

Fotos: Thomas Merkenich

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Die Vorleserin im Forumpark

Die Suche nach Bildung führt die Autorin und Reporterhund BamBam in dieser Folge unsere Innenstadt-Serie zu einer Skulptur im Forumpark: Die Vorleserin von Werner Franzen. Sicher laufen viele an ihr vorbei, ohne sie zu bemerken. Ein Grund, diese Skulptur genauer zu betrachten.

So viel Informationen ich auch zum Hexe Köbes finden konnten, so wenig gibt es zur „Vorleserin”. Der Bildhauer Werner Franzen hat sie gestaltet und Gustav Lübbe hat sie 1993 der Stadt gestiftet. 2016 wurde sie von ihrem ursprünglichen Platz vertrieben, weil der Forumpark neu gestaltet wurde.

Hinweis der Redaktion: Unser Reporterhund BamBam und die Autorin Evelyn Barth befassen sich in dieser Serie mit den Kunstwerken im öffentlichen Raum, vor allem in der Innenstadt von Bergisch Gladbach. Alle Beiträge der Serie finden Sie unten.

Seit der Eröffnung steht sie nun neben dem Spielplatz, vor der Wand der Stadtbücherei. Der Vorrat an Büchern sollte ihr also nicht so schnell ausgehen. Aber mehr konnte ich tatsächlich nicht finden – über Hinweise würde ich mich freuen.

Was ich aber herausgefunden haben ist, dass die „lesende Frau mit Kind” nicht die einzige Skulptur des Bildhauers Werner Franzen in unserer Stadt ist. Ich weiß derzeit von sieben Stück. Eine davon ist der Papierschöpfer auf dem Konrad-Adenauer-Platz, eine andere steht auf seiner Grabstätte in Schildgen. Auf das Leben und Arbeiten des Künstler werde ich in einem anderen Beitrag eingehen.

Zur Vorleserin kann ich nur meine eigenen Eindrücke und Gedanken niederschreiben und Fotos zeigen.

„Lesen macht glücklich“ steht am Sockel der Skulptur. Für mich kann ich das bestätigen. Man kann abschalten, in andere Welten eintauchen, der Phantasie freien Lauf lassen. Lesen macht Bilder im Kopf.

Für Kinder ist das Vorlesen eine Erfahrung, die mit Zuwendung, Liebe, Geborgenheit und Bindung zu tun hat. Das gilt auch noch, wenn ein Kind bereits selbst lesen kann. Diese Geborgenheit zeigt auch die Skulptur. Die Vorleserin hat das Kind in den Arm genommen und so schauen sie beide ins Buch.

Der Standort neben dem Spielplatz sorgt auch bei dieser Skulptur für blankgewetzte Stellen. Die Füße auf dem Sockel werden anscheinend oft beklettert oder sitzend warm gehalten.

Zum Schluss wollte der Reporterhund noch herausfinden, wie denn das Buch heißt. Aber das ist ihm nicht gelungen. Das Buch ist an einer Seite aufgeschlagen, wo man den Titel nicht sehen kann.

BamBam und ich werden jetzt die Franzen-Skulpturen suchen und ansehen. Sie stehen zum Teil an versteckten Orten und wir glauben, dass manche nur wenig bekannt sind.

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Ein Chor mit vielen Namen

In den sechsten und letzten Folge der Serie zum 100. Todestag von Max Bruch geht es um das wechselvolle Schicksal des Lieblingsprojektes von Maria Zanders und um den ersten Ehrenbürger der Stadt. Wir schließen die Serie mit einer vorläufigen Antwort auf die Frage, was uns Max Bruch heute und in Zukunft wert ist.

Text: Siegfried R. Schenke Illustrationen: Uwe Hintz

Dank ihrer engen Beziehung zu Max Bruch, einem der bekanntesten Musiker und Komponisten am Ende des 19. Jahrhunderts, hat Maria Zanders in Bergisch Gladbach die stabilen Grundlagen für eine dauerhafte und aktive Musikkultur gelegt.

Ihren ersten Mädchen-Werkschor gründete sie am 25. Sept. 1885 mit 20 Fabrikarbeiterinnen der Feinpapierfabrik Zanders. (Mehr dazu können Sie in der 5. Folge der Serie nachlesen, alle Folgen der Serie und weitere Beiträge zum Thema finden Sie auf unser Max-Bruch-Sonderseite)

Max Bruch, der etwa ein Drittel seiner Kompositionen in Bergisch Gladbach verfasste und fast zwanzig Jahre die chorische Aufbauarbeit seiner Freundin unterstützte, blieb noch zehn Jahre über ihren Tod hinaus in Kontakt sowohl mit der Familie Zanders als auch mit dem Chorleiter Arnold Kroegel.

Um für den Gesangverein Cäcilienchor eine kontinuierliche Musikpflege zu gewährleisten, musste ein struktureller Rahmen geschaffen werden, der unabhängig von bestimmten Personen und Situationen war.

Dies geschah im März 1905 mit der Gründung der „Maria-Zanders-Stiftung zur Förderung der Gesittung, Bildung und Wohlfahrt unter den heimischen, in erster Linie den der Firma J.W. Zanders angehörenden Arbeitern. Die Unterstützung einer veredelnden Volksunterhaltung und der Pflege des Gesangs soll dabei in Erinnerung an das segensreiche Wirken der Frau Maria Zanders besonders auf diesen Gebieten möglichst Rechnung getragen werden.“ (Glaser, Die ersten 100 Jahre) 

Vor allem Richard Zanders, Marias ältester Sohn, war nun organisatorisch für den Chor zuständig.                                                       

Doch nur ein Jahr später setzten die Turbulenzen für den Chor ein, die ihn viele Jahre begleiteten. Im Folgenden seien die Geschicke des Chores im Verlauf von ca. 110 Jahren in Stichworten zusammengefasst (nach Neuhauser, S. 142-144):                  

  • Tod von Richard Zanders
  • 1906 Streiks in der Firma Zanders
  • Auflösung des Chors
  • Neue Strukturen für die Stiftung
  • 1909 Neustart des Chores unter Kroegel als Dirigent
  • 25-jähriges Jubiläum 1910 ohne Bruch
  • Festkonzert im Altenberger Dom 1913 ohne Bruch
  • Chor ohne Männer wg. Krieg
  • Tod von Hans Zander 1915
  • Anna Zanders übernimmt Siftungsvorsitz
  • 1921 neuer Name: Cäcilienchor – Volkschor für Bergisch Gladbach 
  • 1923 Tod des Dirigenten Kroegel
  • Neuer Dirigent: Hermann J. Moeskes, Lehrer an der Kölner Musikhochschule
  • Konzerte oft ohne Orchesterbegleitung
  • Finanzierungsprobleme
  • 1931 Keine Zuschüsse der Firma Zanders mehr, aber der Chor überlebt
  • 1933 Widerstand von Anna Zanders gegen „Gleichschaltung“ auf Wunsch des NSDAP-Kreiskulturwarts
  • 1935 Tod des Dirigenten Moeskes

Cäcilien-Chor von 1939. Foto: Stiftung Zanders

  • Neuer Dirigent bis 1940: Leo J. Kauffmann, ehemaliger Prof. der Rhein. Musikschule in Köln
  • Kriegs- und Nachkriegspause
  • 1948 Neugründung unter Cäcilienchor
  • Gemischter Chor Bergisch Gladbach unter der Leitung von Paul Nitsche, Musikpädagoge am Städt. Gymnasium Bergisch Gladbach
  • Am 3.4.1949 Fulminante Wiedergeburt des Chors mit Händels „Messias“
  • 1952 Erster Rundfunk-Auftritt  
  • 1960 Fusion der „Singgemeinschaft Bergisch Gladbach“ mit dem Cäcilienchor
  • Zahlreiche Rundfunk- und Fernsehauftritte
  • 1966 neuer Name: Chorgemeinschaft Bergisch Gladbach (vormals Cäcilienchor, gegr. 1885) – 1985 Tod von Paul Nitsche
  • 1989 Umbenennung in Chorgemeinschaft Zanders Bergisch Gladbach
  • Neuer Dirigent: N.N. –
  • Dirigentin seit 2004: Hermia Schlichtmann, Dozentin der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/M.
  • 2013 neuer Name: Konzertchor Bergisch Gladbach e.V.  

Das Rathaus in Gladbach. Foto: Stadtarchiv

Der erste Ehrenbürger von Bergisch Gladbach

An Bruchs 80. Geburtstag, am 6. Januar 1918, verlieh Bürgermeister Pütz im Rathaus Professor Max Bruch die Ehrenbürgerrechte als erster Person in der Stadt Bergisch Gladbach und schickte ihm am gleichen Tag folgendes Telegramm:

„Zu Euer Hochwohlgeboren 80. Geburtstag beehre ich mich die tiefempfundenen Glückwünsche der gesamten Bürgerschaft Bergisch Gladbachs zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig hat die Stadtverordnetenversammlung am heutigen Vormittag einstimmig beschlossen, dem Altmeister deutscher Tonkunst, Max Bruch, den seit 60 Jahren innige Beziehungen künstlerischer menschlicher und persönlicher Natur mit Bergisch Gladbach verknüpfen, dessen namhafteste Tonschöpfungen mitten unter uns erdacht, verarbeitet, vollendet und aufgeführt worden sind, in dankbarer Anerkennung der unvergänglichen Verdienste, die er sich im Verein mit dem Cäcilienchor und dessen Gründerin, der verewigten Frau Maria Zanders, um die Hebung des musikalischen Sinnes und Lebens in unserer Stadt erworben hat, das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.                                                                                                         

Bruchs Antwort an den Bürgermeister. Foto: Stadtarchiv

Am 10. Januar antwortete ihm Bruch:

 „Gestatten Sie mir, Ihnen und den Herren Stadtverordneten meinen herzlichsten Dank für die freundlichen Glückwünsche zu meinem 80. Geburtstag sowie für die Ernennung zum Ehrenbürger von Bergisch Gladbach auszusprechen. Was mich seit mehr als 60 Jahren mit Ihrer Stadt unauflöslich verbindet, das haben Sie, Herr Bürgermeister, in Ihrem gef. Telegramm so schön und treffend zum Ausdruck gebracht, daß ich kaum etwas hinzuzufügen weiß. Ich kann nur wiederholen, was ich schon vor 10 Jahren bei Gelegenheit meines 70. Geburtstages äußerte:

Bergisch Gladbach war mir zu allen Zeiten lieb und wert; aus allen Fernen bin ich im langen Lauf der Jahre immer wieder mit Freude zu meinen dortigen teuren Freunden zurückgekehrt; und auf Ihren grünen Höhen, in Ihren lieblichen Tälern habe ich manche Melodien erdacht, die später das Glück hatten, vieler Menschen Herzen zu rühren. Es ist mir daher eine ganz besondere Freude, daß ich von nun an der Bürgerschaft des lieben Gladbach durch ein noch stärkeres, unzerreißbares Band angehöre. Seien Sie alle überzeugt, daß ich dies sehr tief empfinde und begleiten Sie mich auf der letzten kurzen Strecke meines Lebensweges mit dem alten Anteil und der alten Freundschaft. Möchte es mir vergönnt sein, Bergisch Gladbach (noch) einmal im Leben wiederzusehen!

Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebenst der Ihrige Dr. Max Bruch

Anlässlich Bruchs 80. Geburtstag am 6. Januar 1918 traf sich der Chor noch einmal ohne Bruch zu einem Festkonzert im Mariensaal und sang auch eine Chornummer aus seinem Oratorium Odysseus.

Max Bruch überlebte „zwei Generationen einer Unternehmerfamilie aus der Gründerzeit, der er 70 Jahre hindurch wie ein Familienmitglied angehört hatte. Nun dankten ihm der Chor, das Unternehmen Zanders, ein Teil der Bevölkerung und die Stadt für sein lebenslanges Werk, seine Kompositionen und seine Verbundenheit mit dem Ort Bergisch Gladbach, der sich vom Dorf zu einer die Region dominierenden Stadt mit einer bemerkenswerten Musikkultur entwickelt hatte.“  (Neuhauser, S. 145-147 / Stadtarchiv Berg. Gladbach) 

Der Komponist Max Bruch –  damals und heute

Wenn man Nachschlagewerke zur Musik zu Rate zieht, dann findet man    unterschiedliche Aussagen über die Person und Werke eines Komponisten. So lesen wir in einer Musikgeschichte von 1958:

Max Bruch ist die bedeutendste westdeutsche Musikererscheinung der Brahmszeit gewesen und nimmt noch heute in der Konzertpraxis der Violinisten eine wichtige Stellung ein. Von Mendelssohns Harmonik und Klangidealen ausgehend, die er mit rheinischer Sinnenfreude und straffer Rhythmik spätromantisch zu steigern verstand, hat er eine nicht zu bestreitende, schwungvolle Monumentalität erzielt … . Andererseits hat der Oratorienkomponist, zu seiner Zeit hoch gefeiert und unzählige Male aufgeführt, … mit jenem Pathos gearbeitet, das zu vorzeitigem Verschleiß der Wirkungen geführt hat.”  (Moser, S. 747/8)

Vierzig Jahre später steht in einem Konzertführer:

Man hat Bruch als Vertreter einer Bürgerromantik beschrieben, als einen Anachronistenschon zu Lebzeiten. Die Musik seiner Zeit, die von Wagner, Reger oder Strauss, lehnte er ab. Von der Entwicklung am Anfang des 20. Jhs. nahm er erst recht keine Notiz. Bruch gab sich keiner Täuschung darüber hin, dass er selbst nicht zu den ganz Großen gehörte. Nach eigener Aussage lag das daran, dass er nicht seinen eigenen Weg gehen konnte:

„Ich hatte eine Familie zu ernähren und für die Ausbildung der Kinder zu sorgen. Ich mußte mit meinen Kompositionen Geld verdienen. Ich war deshalb gezwungen, gefällige und leicht verständliche Werke zu schreiben.“  (Joachim Salau in Der große Konzertführer, S. 101)

„Ein Hauch von Poesie” – und seine Folgen

Wie gehen wir heute mit Bruchs persönlichem und musikalischem Einfluss um? Als Bergisch Gladbacher können wir froh darüber sein, dass sich, wie Maria Zanders meinte, „ein Hauch von Poesie” hier ausgebreitet hat.

Ohne seine Begeisterung für diese Landschaft und ohne seine Freundschaft zu Maria gäbe es wohl kein Kunstmuseum Villa Zanders, keinen Konzertchor und keinen Bergischen Löwen. Und vielleicht nicht so viele kleine und größere Chöre.

Wir sollten uns mit dem reichhaltigen Erbe der beiden großen Kulturförderer weiter regelmäßig beschäftigen. Ein großartiges Ereignis war schon das Max Bruch Musik-Festival Bergisch Gladbach 2013. 

In diesem Jahr erinnern das Bürgerportal mehrfach, am 25. September das Kath. Bildungswerk in der Kulturkirche in Rommerscheid und der Konzertchor am 2. Oktober 2020 in Bensberg an den 100. Todestag des Gladbacher Freundes Max Bruch.   

Der Konzertchor in diesem Jahr. Foto: Konzertchor

Das Konzert zum Todestag von Max Bruch des Konzertchors mit Dozenten der Max-Bruch-Musikschule ist für den 2. Oktober 2020 im Bensberger Ratssaal geplant; ob es trotz der Corona-Pandemie stattfinden kann ist allerdings noch offen.

Zudem bereitet Roman Salyutov für den 4. Oktober in Kooperation mit dem Bürgerportal ein weiteres Konzert mit Werken von Max Bruch vor.

Und schließlich arbeitet das Bürgerportal mit Tanja Heesen und Norbert Brochhagen an einem weiteren Überraschungskonzert, bei dem unter anderem die Kantate „Die Macht des Gesanges” und der „Hymnus” (op.13) gespielt werden.

Max Bruch hatte im 19. Jahrhundert gemeinsam mit Maria Zanders Bergisch Gladbachs kulturelles Leben in Gang gebracht, er schenkt ihm nach wie vor Impulse – und wird es wohl auch in Zukunft machen.

Quellen

  • Der große Konzertführer. 2000. Hg.: Chr. Hahn u. S. Hohl.  Bertelsmann                
  • Hans J. Moser. Musikgeschichte in 100 Lebensbildern. 1958.  R.Löwith                                 
  • Hildegard Neuhauser. Musikgeschichte in Berg. Gladb. im 19.Jh. 2004. Musikverlag Burkhard Muth
  • Ute Glaser, Die ersten 100 Jahre. 125 Jahre Chorgemeinschaft Zanders. o.J.

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Gerd Pohl will „Der Wolf und die Frau” neu auflegen

Vom Zusammenleben einer feinen, etwas unterkühlten Dame mit einem ihr zugelaufenen Wolf erzählte die Kurzfilmreihe „Der Wolf und die Frau” die in der ARD ausgestrahlt wurde. Puppenspieler Gerd J. Pohl inszeniert die Reihe mit Wolfgang Buresch neu und sucht für diese Theaterprojekt einen Musiker.

Der „Der Wolf und die Frau” war 1977 als Übergang vom Kinder- zum Erwachsenenprogramm in der ARD ausgestrahlt wurde. Kultur traf auf Natur, und beide philosophierten auf einer fast leeren, nur auf das Wesentliche konzentrierten Bühne über Gott und die Welt und alle möglichen Themen  aus ihren höchst unterschiedlichen Positionen, Vorerfahrungen und Blickwinkeln heraus.

Hinter der Produktion steckten damals zwei Puppenspiel-Legenden: Wolfgang Buresch spielte und sprach den Wolf, der spätere Bensberger Puppenspieler Rudolf Fischer (1920-1998) die Frau. 

Mit Formaten wie “Emm wie Meikel”, “Maxifant und Minifant”, “Plumpaquatsch”, “Kasper und René” oder “Wolfgang und Stoffel” hat Wolfgang Buresch in den 60er und 70er Jahren Fernsehgeschichte geschrieben. Seine bekannteste Figur aber war der Hase Cäsar, der selbst den später Geborenen ein Begriff ist und längst Kultstatus genießt. Heute lebt die inzwischen 79jährige Puppenspielerlegende   zurückgezogen in Hamburg. 

Ein großer und nachhaltiger Publikumserfolg war “Der Wolf und die Frau” zwar nicht, für Gerd J. Pohl, Leiter des Bergisch Gladbacher Theaters im Puppenpavillon, gehört die Reihe aber “zum Schönsten, was je mit Puppen im Fernsehen gemacht worden ist”.

Die poetischen Texte und ruhigen Betrachtungen hatten es Pohl so angetan, dass er Wolfgang Buresch um die Rechte an dem Stoff bat, um einige der alten Szenen dieser Art als Abendprogramm auf die Bühne zu bringen – und Buresch willigte nicht nur ein, sondern bot sich sogar an, dafür neue, aktuelle Themen zu bearbeiten.

Die originalen Figuren aus der Fernsehserie, einst Eigentum von Rudolf Fischer, sind leider unauffindbar. Wahrscheinlich wurden sie – wie vieles mehr aus Fischers Nachlass – beim Brand des Puppenpavillons vor gut 20 Jahren vernichtet.

Deswegen machte sich Pohl daran, die Frau wiederauferstehen zu lassen, und modellierte einen neuen Kopf nach alten Foto- und Filmaufnahmen. Die Refrather Kostümbildnerin Karin Zimmerhakl kleidete die Dame originalgetreu ein.

Jetzt begegneten sich die Bensberger Frau und Wolf Buresch zum ersten Mal persönlich: Gerd J. Pohl ist nach Hamburg gereist, um sich Bureschs Segen für seine Neuschöpfung abzuholen, die Bühnenfassung von “Der Wolf und die Frau” im Detail zu besprechen und an den Stimmen zu arbeiten. Und tatsächlich zeigte sich Buresch zufrieden mit der neuen Frau und nannte sie die “elegische und bodenständige Schwester” des verschollenen Originals.

Für Pohl bedeutet die Begegnung eine große Ehre: “Wolfgang Buresch ist der letzte Gigant unserer Kunstform und für mich selbst ein leuchtendes Vorbild. Als Hörspielsprecher und natürlich in seiner Rolle als Hase Cäsar begleitete er mich schon durch meine Kindheit. Wenn man seinem Idol so nahekommen darf, ist das schon etwas ganz Besonderes”.

Für die Live-Aufführungen von “Der Wolf und die Frau” sucht Gerd J. Pohl nun einen Musiker (m/w/d) aus Bergisch Gladbach oder Umgebung, der die Spielszenen voneinander trennt und im Programm Zäsuren setzt. Am liebsten wäre ihm jemand am Cello, an der Oboe oder am Fagott oder einem anderen “erdigen” Instrument. Wer sich für eine solche Zusammenarbeit interessiert, möge sich beim Theater im Puppenpavillon melden (Telefon: 0172/2456769).

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Die ganze Geschichte des Papiers an einem Ort

Von 1800 bis heute stieg der jährliche Papierverbrauch pro Kopf von 0,5 auf über 250 Kilogramm. Deutschlands größtes Papiermuseum zeigt in seiner ständigen Ausstellung in der Alten Dombach die Wandlung vom Luxusgut zum Alltagsprodukt, die Entwicklung von der handwerklichen zur industriellen Fertigung und die Folgen des Papierverbrauchs für die Umwelt. Eine Fotoreportage.

„Gedanken und Informationen festzuhalten und zu übermitteln ist die älteste und bis heute einer der wichtigsten Funktionen von Papier … . Das Schreiben wird heute von fast allen Erwachsenen beherrscht, Papier steht in großen Mengen zur Verfügung und die Schreibwerkzeuge machen es uns immer leichter.“ (Museumstext).

Gute Orientierung

Im behindertengerechten Museum sind alle drei Geschosse mit dem Fahrstuhl zu erreichen. Die Räume und ihre jeweiligen Themen sind auf großen Tafeln übersichtlich dargestellt, erleichtern die Auswahl und Entscheidung.

Gute Information

Die verständlich formulierten Texte der Informationstafeln sind durch verschiedene Schriftgrößen hierarchisiert. Die Besucher:in kann sich entscheiden, ob sie auch das Kleingedruckte lesen oder bei den großen Texten und Headlines bleiben will, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen.

Rund 2000 Jahre Papierherstellung: Der Weg des Papiers von China nach Europa. An der Strunde wird schon 100 Jahre, bevor die Papierherstellung in Amerika heimisch wird, das damalige Luxusgut produziert.

Lumpen

Die Menschen besitzen in früheren Tagen weniger Kleidung und Haushaltswäsche und sie benutzen sie länger. Um 1800 fallen pro Einwohner im Jahr ungefähr drei Pfund Lumpen an. 

Um den Jahresbedarf an Lumpen für eine Schöpfbütte zu decken, braucht man die abgetragene Kleidung von 15.000 Menschen. Jede Papiermühle hat ihre eigenen Sammelbezirke.

Die Lumpensammlerin braucht Anfang des 19. Jahrhunderts einen Gewerbeschein zum Lumpensammeln

In nachempfundenen Räumen werden die Stationen der Papierherstellung gezeigt: Arbeit an der Schöpfbütte

In den Lumpenkammer arbeiten vor allem Kinder und Frauen

Alphabetisierung

Vor 200 Jahren kann die Mehrheit der Bevölkerung weder lesen noch schreiben.

Erst nach 1800 ändert sich das deutlich. Denn in allen deutschen Ländern wird die Schulpflicht eingeführt und in immer mehr Berufen werden Schreib- und Lesekenntnisse erwartet. Die Zahl der Analphabeten sinkt in den folgenden Jahrzehnten ständig. Erst vor rund 120 Jahren ist der Anteil der Erwachsenen, der lesen und schreiben kann, ungefähr so groß wie heute.

Wer damals nicht schreiben kann, bittet berufsmäßige Schreiber um die Formulierung und das Schreiben von Liebes- oder Geschäftsbriefen. Das ist auch heute noch in Ländern mit vielen Analphabeten üblich.

Lesebuch für 3 Groschen als Vorbereitung auf weiterführende Bücher im Jahr 1838

Schulpflicht und Hausaufgaben werden häufig vernachlässigt, wenn die Kinder in der Papiermühle oder in Haus und Garten mitarbeiten müssen. 

Ein Lesebuch von 1824

Als es noch keine einheitliche Währung in deutschen Landen gibt, werden alle üblichen im Umlauf befindlichen unterschiedlichen Münzen aufgelistet

Das von vielen als Folge der Computertechnologie erhoffte papierlose Büro bleibt ein Traum. Ein Mensch um 1800 verbrauchte 0,5 Kilogramm Papier im Jahr, heute sind es mehr als 250 Kilogramm. Papier ist kein Luxusgut mehr.

Die Papierherstellung

Die bei Kindern beliebte eigene Herstellung von Papier ist zur Zeit wegen der Corona-Einschränkungen nicht möglich.

Das Lumpenstampfwerk wird früher auch durch die Mühlräder angetrieben

Ebenfalls wegen Corona kann an diesem Modell einer modernen Papiermaschine zur Zeit nicht demonstriert werden, wie der Prozess der industriellen Herstellung abläuft

Nicht nur für wissenschaftlich Interessierte wird der chemische Prozess bei der Zellstoffgewinnung nachvollziehbar erklärt

Kinderspielzeug

Für Kinder häufig überraschend, für Ältere manchmal mit wehmütigen Erinnerungen verbunden: Kinderspielzeug aus Papier.

Papiermodell der Wartburg

Rückblick in die Kindheit: Märchenbücher

Das große Illusions-Papiertheater

Papier im Alltag

Von „Blütenweich“ bis „Super Vlausch Terracotta“: Im ehemaligen Trockenhaus läuft noch bis Februar die Ausstellung zum Klopapier: „Von der Rolle“.

Verpackungen im Supermarkt

Fazit: Es gibt kaum einen Gegenstand, der nicht auch aus Papier hergestellt werden kann.

Papierverbrauch

Vor dem Museum symbolisieren stilisierte Papierstapel auf den Kontinenten einer offenen Weltkugel den Verbrauch an Papier. Der Vergleich zwischen den Industrienationen und den Ländern der Dritten Welt ist bemerkenswert. 

Diese Serie wird fortgesetzt. Die bisherigen Folgen finden Sie weiter unter. 

Anreisetipps (falls Sie nicht mit dem Auto fahren wollen)
Zu Fuß, aus der Innenstadt zum Papiermuseum
Mit dem Bus: Linie 426 nach Spitze/Kürten, wochentags alle 20 Minuten, samstags alle 30 Minuten, sonntags jede Stunde

LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach
Alte Dombach, 51465 BGL
Dienstag bis Freitag 11 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 18 Uhr
Auf den Internetseiten „Papiermühle Alte Dombach“ finden Sie weitere wichtige Informationen für einen Besuch: Führungen, Eintrittspreise oder freie Tage, Veranstaltungen, Sonderausstellung, Busverbindungen etc.

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Mit der FDP und einem Experten den Max-Bruch-Weg erwandern

Eine Einladung zu einer Wanderung am Sonntag durch die herrliche Landschaft um Herrenstrunden mit musikalischem Anklang: Über den Max-Bruch-Wanderweg. Die FDP geht die Route in der liberalen Variante an – eine verkürzte Strecke führt schneller zum Ziel.

Die Führung erfolgt durch Siegfried R. Schenke. Als Autor der viel beachteten Artikelreihe des Bürgerportals „Max Bruch – ein Freund Bergisch Gladbachs” ist er ein echter Insider.

Treffen Sie dabei auch die liberalen Spitzenkandidaten und den gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten Frank Stein (bekannt für einen besonders langen Atem!).

Die Route im Detail: Durchs Tal der Strunde über die Igeler Mühle zur Alten Dombach und hinauf zum Igeler Hof. Dann weiter über Rommerscheider Höhe (mit sensationellem Kölnblick) und wieder hinunter nach Herrenstrunden zur Malteser Komturei.

Für die Teilstrecke bis zum Igeler Hof gibt es auf Wunsch einen Transfer per Auto.

Der Treffpunkt ist der Wanderparkplatz an der Burg Zweiffel in GL-Herrenstrunden.

Ende der Wanderung: Die Malteser Komturei ebenfalls in Herrenstrunden – dort treffen wir uns um 16 Uhr zur Kaffeetafel – nach dem Selbstzahler-Prinzip!

Bei sehr schlechtem Wetter findet nur das Kaffeetrinken in der Malteser Komturei statt (dann Treffpunkt dort um 16 Uhr) – mit Erläuterungen zu Max Bruch und seiner Bedeutung für Bergisch Gladbach.

Eine Anmeldung (bitte bis 05.08.) ist wegen der Hygienebestimmungen unbedingt erforderlich: Über E-Mail an Dr. Martina Grempler – martina.grempler@fdp-bergischgladbach.de. Die Musikwissenschaftlerin, die die Wanderung organisiert hat, ist die Nummer 5 unserer Liste für den Stadtrat.

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Ganz großes Theater und Konzerte im Kino Bensberg

Das Erlebnis kultureller Veranstaltungen auf großen Bühnen der Welt vermittelt das Kino in Bensberg in jeder Woche im August. Rechtzeitige Anmeldung lohnt sich, denn auch hier sind die verfügbaren Plätze begrenzt.

Sonntag, 9. August 2020 um 11:00 Uhr
Met Opera New York: Wagner Parsifal

Das Sommerfestival 2020 der MET Opera im Kino. Erleben Sie fünf ausgewählte Opern-Highlights der letzten Jahre noch einmal auf der großen Leinwand. Wagners letztes Meisterwerk, in dem der Komponist alle Aspekte seiner Spiritualität aussöhnen wollte. Diese zeitlose Produktion leuchtet die zahllosen Facetten der religiösen Partitur vor dem Hintergrund einer surrealen Landschaft aus. Kein Geringerer als Jonas Kaufmann gibt den unschuldigen Titelhelden.

Mit deutschen Untertiteln, Dauer: 272 Minuten, inkl zwei Pausen.

Sonntag, 9. August 2020 um 17:15 Uhr,
André Rieu: Magisches Maastricht – Musik, die uns verbindet

André Rieu ist zurück in den Kinos, um Ihre Stimmung zu heben! André Rieu – Magisches Maastricht feiert 15 glorreiche Konzertjahre in seiner Heimatstadt. Der Walzerkönig hat seine spektakulärsten Auftritte und emotionalsten Lieder ausgewählt und bringt die fröhliche Atmosphäre seiner legendären Open-Air-Konzerte aus Maastricht direkt in Ihr Kino. Kein Sommer wäre komplett ohne die bezaubernden Walzer von André Rieu und dem unvergleichlichen Johann Strauss Orchester.

Musik bringt Menschen zusammen, beschert Hoffnung und Freude – und das brauchen wir jetzt mehr denn je! Moderatorin Andrea Ballschuh wird André Rieu exklusiv für das Kino-Event auf dem mittelalterlichen Stadtplatz von Maastricht, dem Vrijthof, interviewen und sich erkundigen, wie sich das Leben für den Maestro während der globalen Pandemie verändert hat und was die Zukunft bringen mag. Wie geht er mit der Isolation als Musiker, Vater und Großvater um?

Dies ist die einmalige Gelegenheit, André ganz persönlich zu erleben! Begleiten Sie André Rieu, das Johann Strauss Orchester, seine Weltklasse-Sopranistinnen und die Platin Tenöre zum aufmunterndsten Konzert des Sommers – im gesicherten Umfeld Ihres Kinos, das Sie so wieder mit Ihren Lieben und Andrés Musik vereint. Es verspricht das herzer-wärmendste Ereignis der Saison zu werden! (Quelle: Verleih)

Veranstaltungsort:
Kino-Center Schlosspassage, Schlossstr. 46-48, Bergisch Gladbach
Es gelten die coronabedingten Abstands- und Hygienevorgaben.

Met New York, Bild von WikiImages auf Pixabay

Sonntag, 23. August 2020 um 11:00 Uhr
Met Opera New York: Puccini La Bohème

Die Geschichte um vier verarmte Künstler, deren Lebenswandel unausweichlich auf eine Katastrophe zusteuert, berührt nach wie vor die Herzen. “Da ist Menschlichkeit, da ist Empfindung, da ist Herz. Und da ist vor allem Poesie”, stellte Puccini selbst fasziniert fest. Zeffirellis zeitlose Inszenierung begeistert mit ihrer opulenten Ausstattung.

Mit deutschen Untertiteln, Dauer: 132 Minuten, eine Pause nach dem 2. Akt

Sonntag, 30. August 2020 um 17:00 Uhr
Arena Verona: David Garrett: Unlimited – Live in Verona

Seit 10 Jahren begeistert David Garrett mit seinem Crossover-Programm aus Rock- und Popsongs und klassischen Melodien ein weltweites Publikum jeden Alters. Die Unlimited-Tour zum gleichnamigen Album führte David Garrett 2019 mit seinem energiegeladenen Konzert in die spektakuläre Kulisse der Arena di Verona. Erstmals haben seine vielen Fans nun die Gelegenheit, den Ausnahmekünstler auf einem Konzert auf der großen Kinoleinwand ganz aus der Nähe zu erleben.

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Künstlergespräche zur Ausstellung „Der Wald und der Sturm“

Die Eröffnung der Ausstellung „Der Wald und der Sturm” fand so großes Interesse, dass coronabedingt nicht alle Interessenten teilnehmen konnten. Jetzt bietet Thomas-Morus-Akademie Künstlergespräche an, mit Führungen mit Diskussionsmöglichkeiten an.

Trotz Corona konnte die Ausstellung „Der Wald und der Sturm“ in der Thomas Morus Akademie in Bensberg im Juni eröffnet werden. Aufgrund der Bestimmungen war allerdings die Gästeliste umgehend gefüllt, so dass Personen auf der Warteliste nicht an der Eröffnung teilnehmen konnten.

Darum wurden „Künstlergespräche in der Ausstellung“ organisiert, um weiteren Interessenten auch direkte Fragen an die KünstlerInnen zu ermöglichen.
Ablauf: Führung durch die Ausstellung mit einem oder mehreren beteiligten Künstlern, Diskussion.

Dies sind die anstehenden Termine:

Dienstag 04. August 16 Uhr
Sonntag, 30. August 15 Uhr
Samstag 12. September 15 Uhr

Montag 28. September 18 Uhr,
danach folgt um 19.00 Uhr der Akademieabend „gestresster Wald“,
Unkostenbeitrag dafür: 10,- EUR
Für den Akademieabend mit vorheriger Führung ist eine Anmeldung über die Thomas-Morus-Akademie erforderlich.

Veranstaltungsort:
Kardinal-Schulte-Haus, Overather Str 51-53, 51429 Bergisch Gladbach

Natürlich kann die Ausstellung auch jederzeit besucht werden. Eine anschliessende Pause im Biergarten mit Panorama-Blick auf die Kölner Bucht lohnt sich!

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Cat Ballou spielt auf der Waldbühne bei Pütz-Roth

Die Band Cat Ballou kommt aus Bergisch Gladbach, ist aber als „Kölner Band” längst weit über die Stadt und die Region hinausgewachsen. Jetzt geben die vier Erfolgsmusiker ein #hauskatzen-Konzert auf der Waldbühne bei Pütz-Roth – und setzen damit ein Zeichen für die Kultur in Corona-Zeiten.

Vor zehn Jahren hatten sie ihren ersten Band-Wettbewerb gewonnen, seither befindet sich Cat Ballou auf Erfolgskurs: sie haben fünf Studioalben produziert, Tourneen über Tourneen absolviert und mit MIAO Records ein eigenes Label gegründet. Hits wie „Et jitt kei Wood“, „Liebe Deine Stadt“ und „Hück Steiht die Welt Still“ haben Köln im Sturm erobert.

#hauskatzen @Waldbühne Bergisch Gladbach
Cat Ballou auf der Waldbühne von Pütz-Roth
Kürtener Straße 10, 51465 Bergisch Gladbach
Samstag, 22. August, 19:30 Uhr, Einlass 18:00 Uhr
Eintrittspreis 34,90 Euro
Tickets und alle Infos zu den Auflagen des Gesundheitsamtes gibt es ab dem 4. August nur online.

Wie die ganze Kulturszene hat die Corona-Pandemie auch die kölsche Band getroffen, nur noch selten und vor kleinem Publikum sind Live-Auftritte noch möglich.

Daher hat Cat Ballou auf das Angebot der Familie Pütz-Roth reagiert, die die Waldbühne auf dem Gelände des Bestattungshauses an der Kürtener Straße für Auftritte von Künstlern zur Verfügung stellt; neben dem eigenen Sommerkonzert mit dem Duo Berge gab es dort bereits einen Auftritt des Trios fafarello.

Cat Ballou freue sich sehr, in dieser außergewöhnlichen Location wieder auf einer Bühne stehen zu können, um ihrem Beruf und ihrer Berufung nachgehen zu können, sagt Keyboarder Dominik Schönenborn: „In Krisenzeiten hat die Kultur den Menschen immer Hoffnung und Lebensfreude zurückgegeben. So kann man die alltäglichen Sorgen für einen Moment vergessen und man bekommt ein Stück „Normalität“ zurück.“

Sänger Oli Niesen unterstreicht: „Besonders der kleinere Rahmen und der respektvolle Umgang der Zuschauer untereinander zeigt, dass Konzerte dieser Art sehr gut ankommen, funktionieren und sehr viel Spaß machen!“

Für das Konzert auf der Waldbühne gelten spezielle Hygienevorschriften. Die Band bittet alle Besucher, sich daran zu halten, damit Konzerte und Veranstaltungen auch in Zukunft eine Möglichkeit für Kultur und ein kleines Stückchen Normalität bieten können.

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Die Open Air Veranstaltungen der Gnadenkiche im August auf einen Blick

Der Wettergott möge diesen Veranstaltungen hold sein, denn alle Programmpunkte spielen sich – den Corona-Auflagen folgend – im Freien ab. Für viel Frische Luft sorgt die Gnadenkirche, für die gute Unterhaltung die Kabarettisten und die Bands.

Freitag, 7.8.2020 um 19:00 Uhr
Escht Kabarett braucht frische Luft!
Escht Kabarett auf dem Quirl-Grill
mit Marc Breuer, Torsten Schlosser, Serhat Dogan
Open Air im Kirchgarten der Gnadenkirche

Marc Breuer: Lebendig, provokant und zugespitzt pointiert, kümmert sich der Feuerwehrmann um jeden brennenden Tannenbaum. „Smoke on the Water“, einmal anders. Ein großes Stück Unterhaltungskultur bei „Escht Kabarett“.

Torsten Schlosser ist ein Kabarettist des kontrollierten Chaos mit hoffnungsvollem Gesang. Mit unbegrenztem Blickwinkel auf die Welt schöpft der Künstler unartige Sätze, die hinterlistig kleben bleiben.

Serhat Dogan durchlebt mit Hilfe seines Tagebuchs die großen Fragen des Tabubruchs. Ein Original mit absurden Geschichten aus dem „Zuckerfest für Diabetiker“.

Durch das Programm führt der Bühnenköbes Christian Bechmann.

Eintritt: 13,00 Euro. Reservierungen/Tickets unter info@quirl.de.

Sonntag, 9. August 2020  17 Uhr  
Quirl Open Air mit Barband

Seit mehr als 20 Jahren ist der Name Programm: Lässig beschwingte und doch zugleich ausdrucksstarke,bewegende Songs, die an die Hits der 70er-90er erinnern.

Neben eigenen Songs bietet die BARBAND ein umfangreiches und reichhaltiges Coverprogramm: Das Beste der 60er bis 90er Jahre in einer einzigartig lockeren und spontanen Darbietung – von Ray Charles bis Supertramp, von den Blues Brothers bis Robbie Williams, von Louis Prima bis zum Dschungelbuch – jeder kommt auf seine Kosten! Niveauvolle Klassiker kommen ebenso zu Gehör wie pure Unterhaltung, die zum Tanzen und Mitsingen anregt – die bunte Mischung macht’s! Dabei wird das Publikum stets in das sehr kurzweilige und mitunter humorvolle Bühnenprogramm mit einbezogen und zum Mitmachen animiert, somit ist beste Unterhaltung und Interaktion garantiert.

Eintritt frei

Sonntag, 16. August 2020, 17:00 Uhr,
Quirl – Open Air mit Page 1

Sie standen schon mit Runrig, Mother‘s Finest, Modern Talking und John Miles im Rampenlicht: Seit den neunziger Jahren steht PAGE 1 auf großen und kleinen Bühnen für tanzbare Soul- und Popmusik auf höchstem Niveau. Die Kombination aus Monika Jardins beeindruckender und unverwechselbarer Soulstimme und einer perfekt zusammenspielenden und mitreißend groovenden Band sorgen für ein unvergessliches Livemusik-Erlebnis.

PAGE 1 spielt vor allem englisch-sprachige Soul-, Funk- und Pop – Klassiker. Dazwischen finden sich auch immer einige brandaktuelle Titel sowie Eigenkompositionen.

Eintritt frei!

Wichtig für alle Open-Air-Veranstaltungen:

Veranstaltungsort: Gnadenkirche, Hauptstr. 256, Bergisch Gladbach

Aufgrund der Corona Infektions-Schutzmaßnahmen müssen Abstands- und Hygieneregeln unbedingt eingehalten werden. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Darum wird um vorherige Reservierung gebeten: im Quirl’s unter Tel. 02202 / 9629837. Weitere Informationen unter www.quirl.de.

Sonntag, 23. August 2020, 17:00 Uhr
Quirl – Open Air mit Breezewood

Die im August 2018 gegründete Formation BREEZEWOOD hat sich der Country Music verschrieben. Dabei steht „Nu Country“ klar im Vordergrund. Im Stil von Stars wie Keith Urban, Reba McEntire, Dixie Chicks, etc. wagt die Band den Spa-gat zwischen traditioneller Country Music und den Kompositionen dieser Künstler, die auch durch viele andere Stilrichtungen wie z.B. Rock und Pop geprägt sind.

Im Programm von BREEZEWOOD finden aber auch traditionelle Titel (z.B. von Loretta Lynn oder Dolly Parton) ihren Platz. Die große Spielfreude der Band und die zum Mitmachen animierende Musik sind Garanten für einen sehr abwechslungsreichen und interessanten Konzertabend.

Eintritt frei!

Sonntag, 30. August 2020, 17:00 Uhr
Quirl – Open Air mit Granufunk

Live-Klassiker von Prince über Coldplay und Bruno Mars bis hin zu Simply Red, Shawn Mendes, Daft Punk, Maroon5 und Chic angereichert mit einer Vielzahl musikalischer Zitate.

Eintritt frei!

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Kreative und Corona: „Kein Auftritt – keine Gage!“

Sie singt u.a. im Chor der Oper Köln, er kann die Drei-Groschen-Oper auswendig. Im TV sind sie u.a. bei „Wissen macht AH!“ zu sehen. Als Duo “Fug und Janina” kämpfen Fulgencio Morente Gómez und Janina Burgmer mit der Pandemie. Live-Aufritte sind dünn gesät. Und öffentliche Hilfe für Künstler schwierig.

„Der Lockdown kurz nach Karneval war ein Schock für uns: Dauernd trudelten Absagen ein. Absage bedeutet: Kein Auftritt. Kein Auftritt bedeutet: Keine Gage.“ Einfach aber drastisch lautet die Rechnung, die Fulgencio Morente Gómez (Fug) aufmacht, als er über den Beginn der Corona-Krise berichtet.

Er und Janina Burgmer bilden das Duo „Fug und Janina“. Sie wohnen in Bergisch Gladbach. Und spielen Musik für Kinder, die auch für Erwachsene gut klingt, wie es auf ihrer Webseite heißt. Das bedeutet bei den beiden: Sie spielen vor allem live. Auf der Bühne, mit viel Interaktion. Denn die Kids vor Ort werden mit in die Show einbezogen, kichern in Mikros, tanzen und hopsen wild und dürfen mit musizieren. Die Auftritte sind dadurch sehr spontan.

Aber auch leicht anarchisch, weil Fug als das größte Kind auf der Bühne sowie als humoriger Sidekick von Janina die Performance mit ironischen Aktionen und Kommentaren würzt. „Ich singe mehr, Fug macht mehr Quatsch“, grinst Janina. Momentan herrscht jedoch Flaute. Corona.

(C) Franz Hamm Fotografie

Leider nicht „zesamme“

Dabei begann das Jahr für das Duo hervorragend, erzählen sie. Ein spannender Auftrag kam herein: Die Katholische Jugendagentur Köln (KJA) hatte die Musiker gebeten, einen Song für die Kinderkarnevals-Session zu schreiben. Der stand dann auch recht schnell unter dem Titel „Zesamme“. „Geplant waren zudem ein Video, ein Making-of, Aufnahmen zusammen mit dem FC im Fußballstadion“, erklärt Janina.

Eigentlich wollten sie dann planen, wie sie das Karnevalsprojekt, Dreharbeiten fürs TV, Janinas Moderation von Kinderkonzerten des Beethovenorchesters Bonn sowie ihre Auftritte als Duo in 2020 unter einen Hut bringen könnten, schildert Fug. Stattdessen folgte mit dem Lockdown die Vollbremsung, Leere und Ratlosigkeit.

Keine Kostenloskultur

Die Strategie gegen den Lockdown: Weiter kreativ bleiben, auch wenn die Lage extrem auf Stimmung und Kreativität „drückte“, erklärt Fug. So kamen sie auf die Idee, zuhause in ihrem kleinen Tonstudio Grimms Märchen zu erzählen. Als Hör-Märchen sind sie auf allen Streamingplattformen vertreten.

Ansonsten konnten die beiden dem allgegenwärtigen Musik-Streaming der Performing Artists in der Corona-Krise nicht so viel abgewinnen. „Das ist teils inflationär unter die Menschen gebracht worden“, schimpft Fug. Als Konsequenz würden die Leute dann nicht mehr auf die Konzerte kommen, weil sie sich an die Kostenloskultur gewöhnen würden, ergänzt er.

Mehr Infos zu Fug und Janina auf deren Webseite und auf Youtube.

Und Janina stellt klar: „Vielleicht müssten die Menschen die Kultur viel mehr vermissen um zu sehen, wie wichtig sie letztlich ist.“ Das Livestreaming ersetze nicht ein Konzert: Wenn Menschen lachen, schunkeln, mit den Künstlern interagieren, Kinder tanzen, dann habe das eine eigene Qualität. Wer Fug und Janina live erlebt hat der weiß, was den Unterschied zwischen digital und analog – also Streaming und live – ausmacht.

Knöllchen und Autoschunkeln

Öffentliche Hilfe ist – das wird schnell klar – ein Reizthema für das Duo. Unternehmerhilfe habe man erhalten, aber da unklar war wofür das Geld genutzt werden könne, tasteten sie diese kaum an. Betriebskosten habe man als Künstler nun mal wenig.

Die Künstlersoforthilfe war zu Beginn schnell erschöpft, nachgeschobene Budgets zu ergattern scheiterte an formalen Hürden. Immerhin half die GEMA (Verwertungsgesellschaft für Künstler) mit einer Soforthilfeaktion. Ansonsten blieben nur die Rücklagen, so das bittere Fazit.

Dennoch: Die getroffenen Maßnahmen mit Lockdown, Abstand- und Hygieneregeln halten beide für richtig, auch wenn diese sie als Künstler bis ins Mark treffen.

Wirklich nicht einfach, bei einem Auto-Live-Konzert Stimmung zu den Zuhörern zu transportieren, (C) Fotoagentur Wolf

Tod der Kultur?

„Endlich wieder Künstlerin“ postete Janina vor kurzem auf ihrem Instagram-Account. Da waren die beiden auf einem der ersten, raren Live-Auftritte in diesem Sommer unterwegs. „Wo sonst 5.000 Menschen reinpassen, hörten uns gerade mal 250 zu“, verdeutlicht Fug die Konsequenzen der Auflagen. Aber sie versuchen, das Beste aus den sterilen Live-Situationen zu machen:

„In Neuss saßen die Zuhörer zum Schutz in ihren Autos, wie beim Autokino. Bei einem tollen Mit-Tanz-Song baten wir die Zuhörer einfach, mit ihren Autos zu schaukeln, anstatt zu tanzen“, berichtet Janina. Das habe das Eis gebrochen. Hinterher verteilte Fug spontan Aufkleber als Knöllchen. Eltern und Kinder waren happy. „Und wir auch, weil wir endlich wieder Feedback von unseren Fans bekommen haben“, so Janina.

Den beiden ist die Bühne extrem wichtig. Die Auftritte sind – mehr noch als die Gage – echtes Lebenselixier für Fug und Janina. Über eine zweite Welle möge er gar nicht nachdenken, auch wenn es fast unweigerlich sei dass sie komme, zieht Fug ein Fazit. Und: „Wer das Solidarprinzip nicht mitträgt, der tötet letztlich die Kultur!“

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Hund besucht Hexe Köbes

Reporterhund BamBam und ich sind auf der Suche nach Bildung. Mit der Skulptur der Bäuerin mit den Schafen haben wir unsere Bildungstour durch die Innenstadt begonnen. Als nächstes wollte BamBam ein Selfie mit Hexe Köbes machen – und ich schaute nach, was über diesen Herrn herauszufinden ist.

Die Skulptur in der oberen Hauptstraße schaut die vorbeigehenden Fußgänger an und bittet anscheinend darum, dass sich jemand auf seinen Stuhl setzt, an dem eine Krone hängt. Auf der Sitzfläche müsste man eine Narrenkappe beiseite nehmen.

Wer war Hexe Köbes?

Er hieß Jakob Altenrath, lebte von 1865 bis 1944 und war von Beruf Altwarenhändler. Mit seiner Frau, die größer und stämmiger war als er selbst, und seinen 10 (zehn!) Kindern lebte er im alten Fronhof – also gegenüber seinem heutigen Standort, wo sich heute das Schuhhaus Werheit befindet.

Wie kam dieser Mann zu seinem Namen?

Köbes ist eine alte Form des Namens Jakob, also nicht weiter ungewöhnlich. Den Beinamen Hexe hat er sich wohl erworben weil er unter anderem auch Zaubertricks drauf hatte.

Er war ein aufrichtiger, erhrlicher Mann. Aber er war auch ein listiger Schelm, der anscheinend die Leute auch gerne mal verhohnepiepelte. Bei der Kirmes schob er sich lange Nägel in die Nase, bis sie verschwunden waren oder er verblüffte mit Kartentricks.

Seinen Altwarenhandel betrieb er hinter der Laurentiuskirche und nannte ihn selbst das “Hexe-Köbes-Museum”. Angeblich befanden sich dort der Schädel des Rotkäppchen-Wolfes, der Daumennagel des Riesen Goliath, die Reiterstiefel Jan Wellems oder die Schnupftabakdose des Propheten Mohammed. All das konnte man besichtigen und er erzählte skurrile Geschichten dazu.

Hexe Köbes war also Narr und auf eine merkwürdige Weise auch König über sein kleines Reich. Die Aufforderung, auf seinem Stuhl mit Narrenkappe und Krone Platz zu nehmen, interpretiere ich so, dass man sich beim Niedersetzen aussuchen darf, ob man in seinem eingen Leben den Reichtum und die Stellung des Königs bevorzugt, oder die Beliebtheit und die Freiheit des Narren.

Warum steht Hexe Köbes dort wo er steht?

Die Skulptur wurde der Stadt vom Verschönerungsverein geschenkt. Es ging darum, die Innenstadt mit einem Altgladbacher künstlerisch zu beleben. Es standen noch andere Gladbacher Originale zur Auswahl, aber Hexe Köbes machte bei der Entscheidung das Rennen. Die Skulptur wurde bei Rolf Steudel aus Dortmund in Auftrag gegeben und 1995 an den Verschönerungsverein übergeben.

Mich fasziniert das Gesicht der Skulptur. Wie sorgfältig die lachenden Augen und die Falten herausgearbeitet wurden und die verschmitzte Freundlichkeit, die es ausdrückt.

Nun steht er seit vielen Jahren in der Fußgängerzone und hat viel erlebt.

  • Ihm wurde die Krone gestohlen, die aber von der Polizei ganz schnell in der Nähe des Tatortes wiedergefunden und ihm feierlich zurückgegeben wurde.
  • 2008 wurde sein Stuhl von einem Auto gerammt und musste repariert werden.
  • 2011 musste er den Platz räumen. Die Fußgängerzone wurde neu gestaltet. Erst 2013 konnte er an seinen Standort zurückkehren.

Hexe Köbes fand es wohl toll, dass sich ein Hund für ihn interessierte, denn zum Abschied zauberte er ein Stückchen Wurst aus seiner Hosentasche und schenkte es dem Reporterhund.

Quellenangaben:
Stadt(ver)führerin Roswitha Wirtz
Wikipedia
Kölner Stadtanzeiger
Information zum Namen Köbes und warum er in Köln für Kellner benutzt wird.
Über den Unfall mit dem Stuhl Unfall 2008

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Ein Chor aus der Villa für den Konzertsaal

In der fünften Folge zum 100. Todestag von Max Bruch geht es um wichtige Rolle der Villa Zanders im Leben des Komponisten. Sie diente als Wohnhaus, Gästehaus, Treffpunkt und Mittelpunkt der Stadt. Und hier wurde der Cäcilienchor gegründet, der über eine ungewöhnliche Gründungsgeschichte verfügt und heute immer noch unter dem Namen „Konzertchor” aktiv ist.

Text: Siegfried R. Schenke Illustrationen: Uwe Hintz

Die siebziger Jahre waren für Max Bruch eine Zeit des Erprobens, des Suchens, der Ortswechsel und der großen Erfolge: Berlin – Bonn – Berlin. Dazwischen Premieren eigener Werke: Hermione (Oper in vier Akten nach Shakespeare) – Odysseus – Arminius – Violinkonzert Nr. 2 – Das Lied von der Glocke – Fantasie für Violine mit Orchester.

Trotz der Erfolge blieb ein Gefühl der Unsicherheit im Vergleich zu den Komponisten-Kollegen, es quälte ihn das Gefühl, noch besser werden zu müssen. Diese Selbstzweifel verflogen, wenn er in Gladbach war, entweder allein auf dem Igeler Hof oder unten in der neuen Villa, in der Stadtmitte.

Foto: Stiftung Zanders

Dieses von Maria Zanders in Auftrag gegebene neue Wohnhaus war zwar ein Ersatz für das marode Gebäude an der Schnabelsmühle, aber darüber hinaus ein zentrales repräsentatives Gebäude von 2500 Quadratmetern, das modernen Wohnkomfort bot.

Es berücksichtigte die durchaus bescheidenen Wohnbedürfnisse der Familie einschließlich Dienstboten und bot gleichzeitig einen großzügigen Rahmen für Empfänge und Gesellschaften.

WolfgangVomm schreibt: „Maria Zanders Salon war für drei Jahrzehnte fraglos der Mittelpunkt des geistigen und vor allem musikalischen Lebens der Stadt und der Region. …  Das Haus sollte sich möglichst vielen Menschen öffnen und mit seinen Kunstschätzen auch Menschen niederen Standes einen Zugang zum Reich des Schönen, zu Kunst, Musik und Literatur ermöglichen.

1883 schrieb Maria an ihre Mutter: `Im großen Haus müssen auch Gäste aus- und einfliegen. Es steht sonst wie ein Fragezeichen da. Wozu die weiten Hallen, die vielen Zimmer? Nur für eine einsame Mutter? ` … Es war ihre Überzeugung, das Erlebnis des Schönen könne den dumpfen Fabrikalltag der ihr anvertrauten `Schützlinge` erträglicher machen.“

Foto: Stadtarchiv

Erholung und Inspiration

Regelmäßiger Übernachtungsgast in der Villa war Max Bruch, ältester und bester Freund der Familie und als „Onkel Max“ für die Kinder ein wichtiger Ideengeber und Spielgefährte. Außerdem „beteiligte er sich an der musikalischen Früherziehung. Er liebte die Kinder zärtlich, spielte für sie und mit ihnen am Klavier, sie hörten seine Kompositionen entstehen, wenn er im Hause arbeitete.“ (Neuhauser, S. 78)

„Ein Zimmer war ständig für ihn reserviert und Maria Zanders sorgte dafür, dass er völlig ungestört an seinen Kompositionen arbeiten konnte. Solange er in Bonn wohnte, kam er wöchentlich in das Zandersche Haus, und später, als er seinen dauerhaften Wohnsitz in Berlin genommen hatte, reiste er mehrmals im Jahr hierher. Häufig arbeitete er tagsüber auf dem Igeler Hof … und kehrte erst für die Nacht zurück. Oder er übernachtete dort, und Maria kümmerte sich – wie ein Begleitbrief vom Juli 1874 verrät –  auch dann um sein leibliches Wohl, indem sie Essen und Trinken durch eine Botin zum Igeler Hof hinschicken ließ.“

Da sitzen Sie wie ein Vogel in dem grünen, grünen Wald u. wir hören das innere Singen und Klingen mit u. freuen uns daran aus vollster Seele! … Ich schicke Ihnen durch Jungfer Hebe nicht Ambrosia, aber Roastbeef u. Rotwein u. Eier, diesen Abend sollen Sie ein üppiges Mal haben. …  Also ist mir auch nahe der, der auf der Igel sitzt u. mit leiblicher Nahrung des Geistes Geschäft fördern wird. Ihre M.                           (beides Neuhauser, S. 61/62)

Eine Glocke für Gladbach und die Welt

Die entspannte und inspirierende Umgebung in Gladbach sorgte dafür, dass Bruch die in Bonn begonnene Vertonung von Friedrich Schillers Lied von der Glocke auf der Igel zu Ende führen konnte. Am 12. Mai 1878 leitete Bruch die Uraufführung im Kölner Gürzenich,

Das Lied von der Glocke umfasst 400 Zeilen, die Bruch auf 28 Abschnitte variantenreich in unterschiedlichen Kombinationen verteilt. Dadurch sorgt er mit dem Wechsel zwischen Solo- und Chorgesang bei der ca. 100 Minuten dauernden Kantate für Akzente und Aufmerksamkeit.

Wer schon mal einen Teil des Gedichts auswendig lernen musste, erinnert sich bestimmt an einige markante dramatische, poetische oder witzige Verse, wie z.B.:

* Rot wie Blut ist der Himmel, das ist nicht des Tages Glut!

  Flackernd steigt die Feuersäule, durch die Straße lange Zeile;

  Wächst es fort mit Windeseile, kochend wie aus Ofens Rachen

  Glühn die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster klirren,

  Kinder jammern, Mütter irren, Tiere wimmern, unter Trümmern,

  Alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet.

* Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich mit Milde paarten.

   Da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

    Ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu` ist lang.

* Munter fördert seine Schritte fern im wilden Forst der Wandrer

   Nach der lieben Heimathütte.

   Blökend ziehen heim die Schafe, und der Rinde Breitgestirnte,

 Glatte Scharen kommen brüllend, die gewohnten Ställe füllend.

Eine Phase der Neuorientierung

Nach dem Einzug in das neue Haus, brauchte Maria Zanders einige Jahre, um ihr Leben und das ihrer Kinder neu zu justieren. Zuerst verteilte sie die Aufgabenlast in der Firma, machte die beiden Geschäftsführer zu stillen Teilhabern, wodurch diese am Gewinn und Verlust beteiligt waren.

„Maria Zanders` Selbstwertgefühl wurde dadurch allerdings beeinträchtigt. … Nach den Anfangserfolgen fehlte ihr das Verständnis für die pragmatischen Einwände ihrer Geschäftsführer.  

Kurzentschlossen unternahm sie daher 1877 mit ihrer Tochter (18 J.) eine Reise nach Florenz und Rom. In den neun Monaten, die sie dort verbrachte, pflegte sie Kontakte zu intellektuellen Kreisen und widmete sich dem Studium der Kunst.

Diese `Auszeit` war für Maria Zanders heilsam und trug zu ihrer Persönlichkeitsbildung bei.“     (Neuhauser, S. 54)

Italien hat ihr geholfen, ihr Lebensziel zu festigen. Sie spürte in sich die Kraft, die noch auf sie wartenden Aufgaben zu meistern.  

Es ist eine Lebensfülle von der Zurückgekehrten ausgegangen, wundervoll spürsam für jeden, der mit ihr in Berührung kommt, für Kontor und Fabrik, für die ganze dahindämmernde Kleinstadt.“                                     (Caspary, S.99)                                                                      

Nun hatte sie mehr Zeit für familiäre und kulturelle Ambitionen. In zahlreichen Korrespondenzen, ihren „regelmäßigen Rundreisen mit der Feder“ hielt Maria Kontakt zu Familienmitgliedern, tauschte sich mit vielen Freunden über künstlerische und politische Themen aus und vergaß dabei selten, sich auch zu persönlichen Ereignissen zu äußern. So schrieb sie Max, bevor er als Musikdirektor 1878 nach Berlin ging:

Und war auch grau der Himmel, rauh die Luft,

Und war auch kurz die Frist und knapp die Zeit,

Uns hat umwittert Freundschaftshauch und -duft,

Es ward der Sinn so froh, das Herz so weit,

Ich lege still die Tage zu den anderen

Und fühle mich gestärkt zum Weitermachen.

Treffpunkt Köln

Um Hans und Richard bis zum Abitur zu unterstützen, zog Maria mit ihren drei Kindern für zwei Jahre nach Köln, an den Neumarkt, wo Max Bruch 41 Jahre zuvor geboren wurde.

Dort wollte sie an einer Staffelei im Museum unter fachkundiger Anleitung Malen lernen und außerdem noch bei einer schwedischen Sängerin (Schülerin von Jenny Lind, der schwedischen `Nachtigall`) Gesangstunden nehmen. Max besuchte Maria im Sommer 1880 in Köln und genoss dabei „manch intimes Plauderstündchen“.  

Im selben Sommer lernte er bei einem Konzert die Altistin Clara Tuczek kennen, verliebte sich in sie, verlobte sich und heiratete sie am 3. Januar 1881 in Berlin. Bei Felicia, der Schwester von Clara, nahm Maria sich Zeit für wöchentlich zwei Klavierstunden.                                   

Bei einem Kuraufenthalt in Bad Pyrmont erhoffte sich Maria Linderung für die Folgen ihres Diabetes. Max besuchte sie dort. Anna Caspary notierte sich dazu: „Bruch ist auch da, die beiden Freunde begehen in Wehmut und Dank, daß man es überhaupt gehabt hat, ihr fünfundzwanzigjähriges Freundschaftsjubiläum“                    (Das war etwa der Zeitraum von 1857 bis 1882, Zitate aus Caspary, S. 103 und 111)                               

Fast zeitgleich änderte sich 1881/82 die persönliche Situation für Maria und Max: Marias Tochter Margaretha heiratete und gebar bald darauf eine Tochter. Max und Clara bekamen eine Tochter, die sie Margarete nannten.

Max Bruch und Tochter Margarete. Foto: Stadtarchiv

Ein Traum wird wahr!

1884 war Maria war 45 Jahre alt. Für die Unternehmerin, Mutter, Großmutter, Künstlerin und Gastgeberin schien die Zeit reif zu sein, ihren lang gehegten Traum umzusetzen: die Gründung und den Aufbau eines Chores. Das war ein Projekt, das sie mit allen in den Jahren zuvor entwickelten Fähigkeiten und den geschaffenen äußeren Möglichkeiten realisieren wollte.

Im Sommer 1885 trafen sich in der großen Halle der Villa fünf Mädchen mit „kraftstrotzenden Naturstimmen“ zur ersten Gesangsstunde bei der Fabrikchefin. Das war die Geburtsstunde eines „Gesangsgrüppchens im schönen Musiksaal des Hauses Zanders. Nach einer kleinen Stärkung begann die Sisyphusarbeit mit Sprechübungen, denn die Mädchen kennen weder Noten noch richtigen Rhythmus und ihr bergisches Deutsch bietet große Schwierigkeiten.  Mit Volksliedern werden die Stimmen immer freier und beweglicher, immer zutraulicher die `Kinder` mit der `Mutter`, die ihnen den Takt einbläut, indem sie singend und in die Hände klatschend ihnen im Saal energisch voranschreitet.“                                               (Caspary, S. 124)

Das Musikzimmer in der Villa Zanders

„Maria Zanders sang bei den wöchentlichen Proben jedes Volkslied mit ihrer Sopranstimme vor. Neben den Proben schob sie literarische Lehrstunden ein, um den Mädchen die Texte, deren Inhalte und Bedeutung, zu erklären.“  (Neuhauser, S.88)

Der erste öffentliche Liederabend fand am 25. September 1885 statt und wurde später als Gründungstag dokumentiert. Danach wuchs der Chor weiter, er wurde besser und mutiger.

„Diese verblüffende Sicherheit, Reinheit des Tones und – diese Gefühlswärme! Alle singen ohne Noten.“                                (Caspary, S. 125)

In ihr Tagebuch schrieb Maria: „Sonntag hatte ich ein reizendes kleines Gesangsfest, meine Leute sangen sehr gut und haben sich nachher gut amüsiert. … Nun mit Mut weiter, meine Ideale verwirklichen sich doch noch.“

Ihr nächstes Ziel war die Erweiterung ihres Chores um die Männerstimmen, die nötig sind, um auch vierstimmige Werke, besonders die ihres Freundes Max Bruch, aufzuführen. Schon Ende 1885 traten der Zanders-Frauenchor und der Gladbacher „Liederkranz“-Männerchor gemeinsam öffentlich auf.

Max Bruch war zwar von den chorischen Aktivitäten seiner Freundin überrascht, wurde ihr aber „ein stets bereitwilliger, offener und verständiger Berater. … Sein Urteil wurde …  durch die Hochachtung vor einer Leistung bestimmt, die er in dieser Form nicht erwartet hatte.“ Deshalb übernahm er schon 1888 das Dirigat eines Konzertes, für das er als Überraschung für den Chor den vierstimmigen Waldpsalm op. 38,1 komponiert hatte.

                                    Wandelt zur Lichtung der Höhe empor!

                                         Das ist der Waldesbasilika-Chor!

                                Felsen zu Steintisch und Bänken geschichtet,

                                  stehen dort kunstreich im Fünfeck errichtet.

                                      Heil dir, o Platz, der Erholung geweiht,

                                           Buchenumfriedete Einsamkeit!         (2. Strophe)

                                       Ein Konzertchor entwickelt sich

„Der Beginn dieser praktischen musikalischen Zusammenarbeit war nicht nur ein neues, beglückendes Erlebnis für diese beiden befreundeten Menschen, sondern auch ein außergewöhnlicher Glücksfall für einen Chor, der sich durch die sorgfältige musikalische Erziehung aus zahlenmäßig so geringem und anfänglich so ungeformtem Stimmenmaterial zu einem gefragten und anerkannten Klangkörper entwickelt hatte.

1892 erhielt der gemischte Chor den Namen Cäcilienchorder 31 Jahre von

Arnold Kroegel, einem Lehrer des Kölner Konservatoriums, geleitet wurde.

„Nach Kroegels vierjähriger intensiver Chorarbeit mit den Gladbacher Sängern hatte Bruch daher keine Bedenken mehr, eines seiner anspruchsvollsten Chorwerke persönlich einzustudieren und im September 1896 auch zu dirigieren: Das Lied von der Glocke.“              (Neuhauser, S. 96)

Bruch dirigierte, seine Frau Clara sang den Solo-Alt.          

Der Kompositionslehrer des Kölner Konservatoriums und Musikkritiker der Kölnischen Zeitung schrieb zu dem bejubelten Konzert:

„Der Cäcilienchor, der eine wahrhaft Bergische Chordisziplin errungen, hatte die dissonanzenreiche Arbeiterfrage unter Cäcilias Schutz in eine wunderschöne Konsonanz aufgelöst. Die Sauberkeit der Intonation, der Wohlklang der Stimmen, der sich im Sopran bis zu glänzender Helligkeit steigerte, verdienten bewundernde Anerkennung, und Meister Bruch hat wohl seine helle Freude daran gehabt.“

1899 dirigierte Bruch mit dem Gesangverein „Cäcilienchor“ den Odysseus, der ihn so sehr mit Bergisch Gladbach, seiner Heimatstadt, verband.

Ein Konzertsaal von den Bürgern für die Bürger

Danach blieben Maria Zanders nur noch acht Jahre für die Erfüllung ihrer noch unerledigten Wünsche, z.B. einen oder zwei Kinderchöre zu gründen und ihrem großen Chor einen würdigen und angemessenen Aufführungsort zu schaffen. Denn die beiden abwechselnd genutzten Gasthaussäle waren wenig dazu geeignet, anspruchsvolle Musik zu genießen.

Deshalb brauchte der Cäcilienchor, brauchte Bergisch Gladbach einen ordentlichen Konzertsaal. Die Spendenbereitschaft der Bürgerschaft überzeugte die „private Casino-Gesellschaft, bei dem in Planung stehenden neuen Bürgerhaus auch einen Konzertsaal in erforderlicher Größe vorzusehen.“

Es wurde sogar soviel gespendet, dass zwei Säle, einen für Konzerte und einen kleineren für Proben, finanziert werden konnten. Der große Saal wurde ihr zu Ehren „Mariensaal“ genannt.

In einem Brief aus Rapallo an Maria vom 19. November 1903 schreibt Max:

 „(…) Also der Gladbacher Gürzenich wächst mächtig dem Himmel entgegen. Das ist schön – und schön auch, daß Ihr ihn mit dem Volks-Werk, meiner Glocke, einweihen wollt! …Mit tausend Grüßen Euer alter getreuer Thorsten.“

Ein Jahr später, am 7. Oktober 1904, schreibt er:

`Mein theurer, Bele, übermorgen (…) läutet meine Glocke wieder einmal im lieben, grünen Gladbacher Thal, und diesmal zur Einweihung Eures neuen Concertsaals, dessen Vollendung eine wichtige Station auf dem Wege der Weiterentwicklung unseres lieben Ortes bedeutet (…)“  

 (alles Neuhauser, S. 101, 104/105)

Foto: Stadtarchiv

Dann kam der 9. Oktober 1904, der große Tag der Einweihung des Mariensaales und, wie die Bergisch Gladbacher Zeitung schrieb, der “Anbruch einer neuen Zeit. Nun ist der Mittelpunkt und der würdigste Raum für die Verwirklichung aller möglichen Zukunftspläne geschaffen, und schon rüstet sich die unermüdliche Protektorin des Cäcilienchores zu neuen Taten. (…)“

Wegen großer Schmerzen musste Maria Zanders das Konzert in der Pause verlassen. Ihr Lebenswerk war beendet. 

Sie starb einen Monat später, am 6. Dezember 1904, im Alter von 65 Jahren in Bergisch Gladbach.

In der nächsten, letzten Folge geht es zusammenfassend um Bruchs Bedeutung für Gladbach und den Rest der Welt – und wie sich sein Erbe heute darstellt.

Quellen:

  • Wolfgang Vomm, S. 174. Die Villa Zanders“. 2006, Bergisch Gladbach
  • Neuhauser, Hildegard. 2004. Musikpflege in Bergisch Gladbach im 19. Jahrhundert – die Unternehmerin Maria Zanders und der Komponist Max Bruch. Fernwald. Musikverlag Burkhard Muth
  • Caspary, Anna. 1929. Maria Zanders – Das Leben einer bergischen Frau. Jena. Eugen Diederichs

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Die Natur des Menschen: Basement16 zeigt tiefgründige Ausstellung

Am Freitag eröffnet die Ausstellung Human//Nature #1 im Basement16 in der Schlossstrasse: ein künstlerischer Vorstoß, mehr Bewusstsein für Klimaschutz zu schaffen und einen gesellschaftlichen Wandel anzuregen. Organisatorin Marlis Sauer und zwei der drei ausstellenden Künstler:Innen erläutern, was dahinter steckt.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Helga Niekammer

Human//Nature lautet der Titel der neuen Ausstellung in Kunstraum an der Schlossstrasse. Das klassische Künstler-Thema „Mensch und Natur” könnte man meinen. Aber human nature kann man ebenso mit Menschenkenntnis oder mit menschlicher Natur übersetzen. Ein interessanter Fingerzeig.

Klimaschutz: fast vergessen

Das Thema Klimawandel sei sei mit den „Fridays for Future-Demos“ vor der Coronakrise deutlich präsenter gewesen. Sie fühle sich oft hilflos, so wie viele andere auch, sagt Marlis Sauer, die die  Ausstellung „Human//Nature” organisiert hat.

Hinweis der Redaktion: Antje Schlenker-Kortum ist Kunstreporterin des Bürgerportals und Künstlerin. Daher spielt sie in diesem Beitrag eine Doppelrolle.

Für den Klimaschutz könne man als Einzelperson nicht viel machen, außer vielleicht einen bienenfreundlichen Garten anzulegen. Diese Ausstellungsreihe sei ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Umdenken. „Wir haben alle das selbe Problem: Die Erde ist klein. Wir stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen”, erklärt Sauer.

Aber sie ist zuversichtlich: „Die Probleme mögen in jedem Land unterschiedlich sein – aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten“.

Was sie genau damit meint, das zeigt sie in der Zusammenstellung der Künstler und Werke.

Feuerwerk oder Vulkan? Im Sanskrit gibt es nur ein Wort dafür. Die Deutung lässt Nirma Siesenop offen. Foto: Helga Niekammer

Nirma Siesenop, ist in Sri Lanka geboren und lebt und arbeitet in Lohmar. In ihrer Malerei verwendet sie verschiedene Mischtechniken  – wie sie arbeitet, kann man in einem der Künstlervideos sehen.

Nirma Siesenop
Nirma Siesenop. Foto: basement16

„Meine Bilder sollen zeigen, wie wunderbar wir es auf der Erde haben. Ich male die Schönheit der Natur und ich male auch ihre Zerstörung. Diese ungewöhnlichen Farben sind die Farben meiner Heimat Sri Lanka. Unwillkürlich werden innere Bilder hervorrufen –  man denkt an märchenhafte Unterwasserwelten mit prächtigen Korallen oder an sonnendurchflutete Landschaften. Der Mensch ist so klein!“, sagt die Malerin und verweist auf Naturgewalten, wie beispielsweise der Ausbruch eines Vulkans.

Deswegen male sie auch menschengemachte Gewalt, wie beispielsweise  der Dynamitfischerei, die in Sri Lanka leider keine Seltenheit ist. Die langfristigen Auswirkungen auf Natur-, Tier- und Menschenwelt sind unermesslich.

Wenn man das weiß, könne man in den abstrakten Strukturen auch gegenständliche Dinge erkennen, sagt sie, während sie auf schwarze Silhouetten deutet. Aber dennoch sei sie nicht politisch, wie sie betont – als Künstlerin drücke sich naturgemäß in Kunst – in Malerei – aus.

100 „Candlemen“ des sri-lankischen Künstlers Chamilla Gamage wurden im Basement16 aufgestellt. Alle tragen Kerzen – aber nicht alle sind erleuchtet. Foto: Helga Niekammer

Chamila Gamage wird wegen der Reisebegrenzung nicht aus Sri Lanka anreisen können. Doch mit seiner Arbeit ist er umso präsenter. In seiner Heimat ist er eine Berühmtheit. Human//Nature ist seine erste Ausstellung in Europa.

Zu sehen sind 100 Skulpturen und vorerst fünf seiner Gemälde. „Geplant war ursprünglich so viel mehr.“, bedauert Marlis Sauer. Aber dann kam der Lockdown.

Chamila Gamage
Chamila Gamage. Foto: basement16

Gamage sei in seiner Malerei zwar spürbar religiös geprägt aber er ist kein religiöser oder politischer Maler – wobei die Geschichte seiner Heimat ein interessanter Schlüssel zum Verständnis ist, verrät Nirma Siesenop. Seine Werke haben viele auf historische Bezüge, wie beispielsweise die Kolonialherrschaft. Zugleich findet man vertraute Bezüge zu Gesellschafts- und Konsumkritik.

„Dialog with Nature" von Chamila Gamage
„Dialog with Nature” von Chamila Gamage. Foto: basement16

Viele Elemente bedienen sich vertrauter, archetypischer Symbolik. Chamilla Gamage malt collagenartig, teils abstrakt, teils gegenständlich. Man spüre eine sehr tiefgründige Auseinandersetzung, mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sagt Sauer– wie beispielsweise im Bild „This is an island“ (Foto ganz oben).

Basement16
Schlossstr. 16, Bensberg
Öffnungszeiten: Freitag: 15-18 Uhr, Samstag/Sonntag: 11-15 Uhr
Website

Marlis Sauer ist fasziniert vom natürlichen Spieltrieb, den die Skulpturengruppe „Candleman“ auslöst: Mit kindlicher Begeisterung stellt sie zwei Kerzen-Männer gegenüber, „die miteinander reden“.

„Der Betrachter macht die Kunst – mit Überwachungsspiegel”: Antje Schlenker-Kortum beobachtet die „Kunstbetrachter“ beim Betrachten der Kunst. Da sie sich im Konvexspiegel spiegelt, wird sie selbst Teil des betrachteten Bildes. Foto: Helga Niekammer

Antje Schlenker-Kortum ist Kunstreporterin und Künstlerin, und erläutert: „Text und Bild sind Ausdrucksformen, die bei mir zusammen gehören – vielleicht, weil Betrachter und Kunstschaffende gleichermaßen mein Thema sind.

Antje Schlenker-Kortum
Antje Schlenker-Kortum. Foto: Helga Niekammer

Seit 2003 arbeite ich an der  Konzeptkunstserie ‘Der Betrachter macht die Kunst’ – eine teils interaktive Installation, die ich je nach Ausstellungsraum oder -thema verändere, erweitere oder relativiere. Sie besteht aus Betrachterfiguren aus Gips und Zusatzelementen – beispielsweise einem Konvexspiegel.

Für Human//Nature habe ich die Installation „im kleinen Glas“ entwickelt – Miniaturfiguren im Deko-Glas. Im Objekt „wachsende Insel“ schwimmen sie auf Styropor. Die anderen Objekte heißen „halbvoll“, „Hochkultur“ oder „Komforthöhle“.

Außerdem zu sehen: die Fotoreihe „Instant Installation“, die die Figuren vor gefundenen Müll in der Natur zeigt. Ganz gleich, was die Figuren betrachten, es wird per Titel zur Kunst erhoben. Das ist eine Behauptung – schon deswegen ist es provokant. Aber erst in der persönlichen Auseinandersetzung damit, inwiefern der Betrachter die Kunst macht, werden die realen Betrachter selbst schöpferisch.“

Künstlerische Mittel und Wege

Der Aufwand für die Durchführung von Veranstaltungen ist heutzutage immens – aber für die allermeisten Kunst- und Kulturschaffenden ist er alternativlos. Marlis Sauer, Initiatorin und Betreiberin des Kunstraums Basement16, ist sichtlich erleichtert, dass die im März verschobene Ausstellung nun doch noch stattfindet.

Human//Nature
31.7. bis 30.8.
Vernissage: 31.7. um 18.30 Uhr und um 19.30 Uhr
Musik: Winfried Bode
Projekt Wortimpulse Daniela Tepper
Laudatio: Wolfgang Kraus

Die Auflagen sind streng – vorherige Anmeldung, Mindestabstand und Desinfektion sind ein Muss. Es wird zwei Vernissagen geben, alles wird es doppelt aufgeführt: die Wort-Impulse von Autorin und Journalistin Daniela Tepper, die Laudatio von Wolfgang Kraus und Winfried Bode wird zweimal Gitarre spielen.

Human//Nature #1 – Auftakt einer Projektreihe

Im regelmäßigen Turnus will Marlis Sauer Künstler für Ausstellungsprojekte in die Basement16 und auf ihrer Homepage einladen. Künstler sollen außerdem bergische Schüler inspirieren und bei eigenen kreativen Umweltprojekten unterstützen.

Alle Werke stehen zum Verkauf – ein Teil des Erlöses soll dem Naturschutzbund NABU-Rhein-Berg-Kreis zugutekommen.

Aber, ob da alles so klappt? „Wir werden sehen, was Corona uns bringt“, sagt Sauer. Diese Ausstellung stimmt dennoch hoffnungsvoll – denn sie erinnert uns an Zeiten, in denen unsere Gesellschaft  im Wandel war und  verwandelt wurde – und nicht nur unsere. Ein Grund mehr, sich für die Kultur der Anderen zu interessieren und miteinander zu reden.

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Katholischen Bildungswerks stellt vielfältiges Programm vor

Lebendig, vielfältig – und gemäß der Hygiene-Vorschriften. Mit 120 Seiten ist es fast so umfangreich wie in Vor-Corona-Zeiten: Das neue Programm des Katholischen Bildungswerks Rhein-Berg liegt seit diesen Tagen überall im Kreisgebiet aus und bietet viele interessante Themen.

Eine Treppe führt auf dem Titelbild aus dem Dunkel ins Tageslicht. Tatsächlich findet sich im Innenteil einiges Erhellende für eine interessante Gestaltung der Herbstzeit. Bildungswerks-Leiter Elmar Funken: „Unsere Angebote stehen allen Menschen offen, gleich welcher Religion oder Nationalität, das betone ich immer wieder.“

Prominentester Referent ist in diesem Jahr sicher der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert, der beim 25. Altenberger Forum auf Einladung des Ökumeneausschusses über die Gefährdung unserer Demokratie spricht.

Bei den beliebten Ökumenischen Herbstgesprächen in Herkenrath geht es im Herbst um die verschiedenen Lesarten des Alten Testaments in christlicher und jüdischer Sicht. Und in Odenthal stellt der als Buchautor bekannt gewordene Pfarrer Thomas Frings, ein Großneffe des früheren Kölner Erzbischofs, sein neues Werk vor, das den provokanten Titel trägt: „Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn.“

Zu Corona-Zeiten ist für alle Veranstaltungen eine Anmeldung erforderlich, damit die Räume entsprechend vorbereitet werden können. Abstands- und Hygienevorschriften zur Corona-Vermeidung werden eingehalten, damit wir allen unseren Besucherinnen und Besuchern eine sichere und angenehme Teilnahme an den Veranstaltungen ermöglichen können.

Das gilt auch für alle Veranstaltungen im Laurentiushaus, wo wir unsere Literaturkreise, Kunst-, Musik- und Philosophie-Seminare anbieten. Die Nutzung der Räume wird eingeschränkt sein, es werden nur Sitzplätze in gebührendem Abstand zueinander angeboten.

Sollte es zu eng werden, wollen wir in unseren Kursen im Laurentiushaus auch die Möglichkeit anbieten, diesen auch via der Konferenzsoftware „Zoom“ bequem und doch aktiv von zu Hause zu folgen. Die technischen Voraussetzungen dafür haben wir bereits getroffen und werden dies auch noch weiter ausbauen. Über die Nutzung klären wir die Interessenten gerne auf.

Ein wichtiger Punkt ist für uns auch hier der Datenschutz, betont Stefan Andres, Pädagogischer Mitarbeiter: „Über unsere Lizenzen, die wir bei Zoom gebucht haben, ist gesichert, dass keine Daten Deutschland verlassen, sondern auf unserem eigenen Server in Siegburg gespeichert werden.“

Auch im Programm spiegeln sich neue Entwicklungen wider: Neben den klassischen Kursen für Brautpaare vor der kirchlichen Eheschließung gibt es erstmals auch einen Online-Ehevorbereitungskurs. Und bei den Medienangeboten sticht als neues Format ein Kurs „Zoomen für Anfänger“ hervor. Hier hat die Corona-Krise auch einen Sprung in neue Medienwelten gebracht.

In der Rommerscheider Gemeinde St. Engelbert werden wir im September den Exoduszyklus von Marc Chagall zeigen, die Vernissage ist am 4. September. Daneben haben wir ein kleines, aber ausgesuchtes Rahmenprogramm mit einer Filmvorführung sowie zwei musikwissenschaftlichen Vorträgen.

Ein weiteres Highlight ist die Lesung von Romanautor Markus Orths am 8. Oktober, der im Wirtshaus am Bock aus seinem vielbeachteten Roman „Picknick im Dunkeln“ lesen wird, in dem er Thomas von Aquin auf den Komiker Stan Laurel treffen lässt: eine vielversprechende Konstellation, deren Lektüre garantiert viel Freude bereitet!

Die beliebten Exkursionen des Bildungswerks greifen auch den 100. Geburtstag Gottfried Böhms nochmals auf und führen u.a. zu der Kirche St. Fronleichnam in Porz sowie zur Böhmschen Wohnbebauung in Zündorf am Rhein.

In Kooperation mit der Pfarrei Herz Jesu in Schildgen und dem Begegnungscafé Himmel un Ääd beteiligen wir uns an der vom Kulturreferat des Rheinisch-Bergischen Kreises veranstalteten „Expedition Heimat“, die rund um den „Tag des offenen Denkmals“ ein vielfältiges Veranstaltungsangebot rund um Gottfried Böhm aufblättert:

  • Für den 4. September laden wir zu einem Vortrag des Literaturwissenschaftlers Dr. Jürgen Nelles über Heinrich Bölls Roman „Billard um halb zehn“, in dem er der Architektenfamilie Böhm nachspürt.
  • Und am „Tag des offenen Denkmals“ am 13. September bieten wir neben verschiedenen Führungen durch Herz Jesu auch einen Vortrag des Historikers Dr. Alexander Kierdorf über die Entstehungsgeschichte der Kirche an.

Und auch an der Seniorenkulturwoche in Bergisch Gladbach sind wir mit Führungen und Veranstaltungen beteiligt.

Die Einrichtung schickt das neue Programm kostenlos auf Anfrage zu: Tel. 02202 93639 50. Das vollständige Programm finden Sie auch online auf unserer Webseite

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Kunstraum der Villa Zanders öffnet am Sonntag

Die Villa Zanders lädt nicht nur zur Kunstbetrachtung ein. Im neu eingerichteten Kunstraum können kleine und große Künstler im Rahmen des Sonntags-Ateliers auch selbst kreativ werden. Das Atelier öffnet seine Pforten wieder am 2. August. Wir haben die Infos für Interessenten.

In neu eingerichteten Kunstraum können Familien und Einzelpersonen während des Sonntags-Ateliers generationenübergreifend mit unterschiedlichen Techniken und Materialien arbeiten, informiert das Kunstmusem. So könne das eigene Potential erforscht und erweitert werden.

Foto: Museum

Bevor es ans Werk geht stehe ein Besuch der aktuellen Ausstellung an, um so Anregungen für die kreative Arbeit zu erhalten. Die jeweils gewählten künstlerischen Techniken würden daran angepasst.

Für Teilnehmer wird eine Gebühr inkl. Material erhoben: Erwachsene 6 €, Kinder 3 €, Familien 12 €.

Eine telefonische Anmeldung ist unbedingt notwendig!
Interessenten erreichen das Team der Villa Zanders unter 02202.142304 oder 02202.142334.
Personen ohne Anmeldung können teilnehmen, soweit noch Plätze frei sind.

Die maximal erlaubte Anzahl der Teilnehmer*innen werde den jeweils aktuellen Bestimmungen zur Covid-19-Pandemie angepasst. Das Museum weist darauf hin, dass die obligatorischen Hygienevorschriften (Mund-Nasen-Schutz, Abstand von mindestens 1,5 m) einzuhalten sind.

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Trio farfarello begeistert auf der Waldbühne

Mit einem Instrumentalmix aus osteuropäischer Folklore, Rock- und klassischen Elementen hat das Trio farfarello ein mitreißendes Konzert auf der Waldbühne von Pütz-Roth gegeben, im Rahmen der neuen „Open Stage”-Reihe. Eine Performance der Gruppe Neun sorgt allerdings für Diskussion. Schauen Sie selbst.

„Gerade  in den  aktuell  eingeschränkten Zeiten sind wir froh, die Waldbühne Pütz-Roth und deren Infrastruktur für die Kunst zur Verfügung stellen zu können“, sagt David Roth anlässlich der ersten Open-Air Veranstaltung in 2020.

David Roth und Mani Neumann

Er betont weiter: „Für uns ist es nicht ungewöhnlich, an diesem Ort,  der ein Friedhof  ist,  Konzerte  und Veranstaltungen umzusetzen, so  den Ort der Trauer auch mit Glück zu füllen.“ Der Abend startete mit einer Performance der Gruppe Neun, bevor das Trio farfarello die Bühne in positive  Schwingung versetzte. 

Absolut passend dazu der Titel des Konzertes: „Dem Glück auf der Spur“. In diesem Rahmen präsentierte die Gruppe Neun am 25. Juli das Trio farfarello. Musiker, die seit 40 Jahren in der Musikszene ein Begriff sind. Mit einem vor Energie und Lebenslust sprühenden Auftritt feierten sie an diesem Abend ihr 40jähriges Bühnenjubiläum.

Ohne Unterbrechung faszinieren Mani Neumann (Geige, Piano und Blockflöte), Ulli Brand (Gitarre) und Bassist Urs Fuchs als dynamisches Trio die Bühnen Deutschlands. 20 Tonträger, über 5000 Konzerte und die Zusammenarbeit mit Musikern unterschiedlicher Nationalitäten haben farfarello zu einer Institution für multinationale, kulturübergreifende Musik gemacht. 

Mani Neumann: 2020 ist nicht nur das Jahr in dem Corona uns lähmt, es ist auch das Jahr unseres 40jährigen Bestehens. Vor allem aber ist es das Beethoven-Jahr. Und deshalb haben wir uns gedacht, wir müssen den Komponisten mit auf die Bühne bitten, was wir jetzt auch tun.“ 

Sanft gestaltete sich der musikalische Einstieg in Beethovens wohl bekannteste Komposition „Freude schöner Götterfunken“ um dann in einen Wasserfall von sprühenden Instrumenten einzutauchen. Da erreichte dann auch der Applaus der rund 300 Gäste sogar die Baumwipfel. 

Geiger Mani scheute nicht den Kontakt mit dem Publikum. Servierte sein pulsierendes Gitarrenspiel auch außerhalb der Bühne, verschwindet plötzlich um dann wieder rasant auf der Bühne zu agieren.

 Sprühend  auch die Interpretation „Säbeltanz“ des Komponisten Chatschaturjan. Der Geigenbogen rast über die Saiten und die Gitarristen entlocken ihren Instrumenten nicht weniger heiße Tonlagen. Drei  perfekte Musiker on Tour. Davon konnten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer  – nicht nur bei deren Solointerpretationen –  überzeugen.

Die Virtuosität handgemachter Instrumentalmusik aus osteuropäischer Folklore, Rock- und klassischen Elementen entfesselte zu Beginn der 1980er Jahre die nachhaltige Karriere dieser außergewöhnlichen Band. Ihr neues Album der Band trägt den Titel ZeitZone.

Hier begeben sich die Musiker auf eine musikalische Reise durch die eigene Geschichte. Sie treffen klassische und folkloristische Einflüsse in 14 neuen instrumentalen Werken auf moderne Grooves. Mit der klassischen Triobesetzung (Urs Fuchs am Bass), ergänzt mit Perkussion (José Cortijo) und Schlagzeug (Ulf Stricker) und durch die Zusammenarbeit mit Streichquartett und großem Sinfonieorchester sind auf dem neuen Album vielschichtige Arrangements entstanden. 

Die Performance! 

Die Performance zum Thema „Krieg und Frieden“ wurde von der Gruppe Neun präsentiert. David Roth unterstützt die Aktivitäten der Gruppe Neun seit nunmehr 3 Jahren. Die Gruppe Neun e.V. ist ein Kunst- und Kulturverein im Bergischen Land mit Sitz in Overath. 

Die Vorführung beginnt…

Aus den Lautsprechern schallt die Stimme von Rio Reiser. Seine Komposition  „Der Krieg“ bildet den Einstieg in das Thema Krieg und Frieden, mit dem man sich hier auf eigenwillige und  verstörende Art auseinandersetzt, die bei Anwesenden Fragen, auch Unverständnis aufwirft.  

Ein weißer Vogel  in Freiheit und Frieden unterwegs gleitet zu Klängen von Otto Dix (Indigo) und auch  Diary of Dream (Daemon)  über die Bühne, breitet seine großen Schwingen aus.  Er büßt an diesem Abend  seine Freiheit ein, wird des Geldes wegen verkauft, kommt in Gefangenschaft, wird angebunden,  erlebt in Folge Fesselungen, schwebt trostlos gefangen mit roten Seilen gefesselt auf der Bühne.

Doch dann – die Wende.  Rote Stricke am Körper werden entknotet, die Flügel  kommen wieder in Bewegung. Der Befreier lächelt. Er hat sich zum Friedvollen orientiert. Das Wesen befreit, das er zuvor des Geldes willen an einen Daemon (Fesselungskünstler – Gast auch dem Verein für angewandte Seilkunst) ausgeliefert hatte.

Den weißen Vogel der Freiheit und des Friedens hat Isabelle Casel in Bewegung gesetzt. Sie sagt  in dem Zusammenhang: „Wir müssen ein System finden, dass  Menschen davor bewahrt,  sich selbst oder der Natur bzw. der Welt zu schaden.   Um Krieg zu überwinden müssen wir begreifen was er bedeutet.“

Das die Art der Performance „Krieg und Frieden“ das Publikum verunsicherte ist nachvollziehbar. Die Szenen des an Stricken hängenden weißen Wesens setzten Gedanken an  das Sado-Maso-Millieu frei. Die mit roten Seilen vom „Daemon“  zelebrierte Fesselung bringt man mit den Begriffen sexistisch und frauenfeindlich in Verbindung.

Die hier präsentierte Interpretation der Thematik „Krieg und Frieden“ war eine aufreibende „Vorspeise“, die ein perlend positives Konzert entspannte.

Weitere Infos: Website farfarello, Veranstaltungen Pütz-Roth

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Duo BERGE bietet Streicheleinheiten für die Seele – im Livestream

Das diesjährige Sommerkonzert „Streicheleinheiten für die Seele” von Pütz-Roth steht an, mit dem Duo BERGE. Es wird die Zuschauer in eine romantische, nachdenkliche Traumwelt entführen. In diesem Jahr aber nur per Livestream.

Im Duo BERGE haben sich mit Marianne Neumann und Rocco Horn zwei Menschen gefunden, die einen ähnlichen Blick auf die Welt haben: Das, was die Welt bewegt, was sie zerstört und was dringend zu erhalten ist an Werten sprechen sie in ihren Songs an. BERGE und ihre Musiker entführen die Zuhörer in eine harmonische, romantische, aber auch nachdenkliche Traumwelt.

Unter dem Titel „Streicheleinheiten für die Seele“ lädt das Bestattungshaus Pütz-Roth jedes Jahr zum Sommerkonzert ein. Dieser Abend soll vor allem trauernde Menschen in angenehmer Atmosphäre wieder zur Freude am Leben anregen und gleichzeitig ein heiterer Musikabend sein. Es ist jeder eingeladen, der das Leben als ein Geschenk empfindet.

Nun findet das Konzert in diesem Jahr auf eine der besonderen Situation angepasste Weise statt: Die Künstler spielen diesmal auf der kleinen Bühne im Villagarten. Von dort aus wird das Konzert in Profi-Qualität ins Internet übertragen. Die Zuhörer können diesmal zwar leider nicht in den Gärten der Bestattung dabei sein, aber dafür online live dabei sein!

Wie auch in den letzten Jahren wird Basti Wirtz wieder die Moderation übernehmen.

„Streicheleinheiten für die Seele”
mit dem Duo Berge
via Livestream, am Mittwoch, 29. Juli, ab 20 Uhr
Veranstalter: Pütz-Roth

Es ist Tradition beim Sommerkonzert für einen gemeinnützigen Zweck zu sammeln. In diesem Jahr möchte das Bestattungshaus an die Künstler denken – und ruft auch die Zuhörer dazu auf, die Musiker des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach mit einer Spende zu unterstützen:

Förderverein des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach,
Kreditinstitut: VR-Bank, IBAN: DE 17 3706 2600 3643 9020 19.

Wie Sie teilnehmen können

Das Konzert wird als Livestream im Internet übertragen, der am 29. Juli ab 19:50 Uhr zur Verfügung steht:

Der Konzertmitschnitt wird dort auch später zur Verfügung stehen.

Die Konzerte der vergangenen Jahre finden Sie in diesem Beitrag.

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Das kleine Dorf am kleinen Bach

Ein Kleinod an der Strunde: Sorgsam restaurierte Fachwerkhäuser, Jahrhunderte alte ehemalige Wohnhäuser und Produktionsstätten der Papierfabrikanten, direkt aneinander gebaut. Im dritten Teil der Serie zur Alten Dombach rücken wir die Gebäude und ihre Geschichte in den Vordergrund.

Das älteste Haus stammt aus dem Jahr 1618, das jüngste von 1836. Die erste Konzession zum Betreiben einer Papiermühle an der Dombach wird 1614 einem Wilhelm Kessel erteilt. Cornelius Fues kauft 1685 die Mühle, in der nicht nur das Papier produziert wird, sondern auch die Fabrikanten selbst mit ihren Familien leben.

Jede der nachfolgenden Generationen baut die Häuser um, verändert, erweitert sie. So entsteht über die Jahrhunderte ein kleines Dorf.

Gemälde eines unbekannten Malers vor 1836 (im Besitz der Familie Zanders).

1876 erwirbt die Gladbacher Firma Zanders die Alte und die Neue Dombach. Sie gibt die Fabrikation in der Alten Dombach aber um 1900 auf, weil die Häuser für die Maschinen der neuen industriellen Entwicklung zu klein sind.

Künftig wohnen hier noch viele Jahrzehnte Beschäftigte, bis die Zanders Feinpapiere AG und die J.W. Zanders KG dem Landschaftsverband Rheinland die Alte Dombach 1987 zur Errichtung eines Museums schenken. 

Seit 1999 befindet sich hier das Rheinische Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach.

Das plastische Modell des Soester Künstlers Egbert Broerken gewährt einen guten Überblick über die Alte und dieNeue Dombach

Erfolgreiche Papierfabrikanten

Ihre Produkte finden neben dem Absatz in allen deutschen Ländern auch Abnehmer in Frankreich und in den Niederlanden. Obwohl Konkurrenten, treten die Papierfabrikanten, wenn es notwendig ist, gemeinsam auf.

Geprägt von evangelisch-protestantischer Ethik gelingt es ihnen trotz religiöser Minorität in katholischer Umgebung die politische Oberschicht und wirtschaftliche Führungsschicht in Gladbach zu stellen. 

Das Pumpenhaus – der Sander Rochuskapelle nachempfunden

Viel Energie – und viel Abwasser

Papierherstellung benötigt viel Energie. Vor Erfindung von Dampfmaschine und Elektrizität treibt Wasser die Mühlen an. Der Strunderbach ist als Mühlenbach gut geeignet, denn er führt – gespeist aus den Karstquellen bei Herrenstrunden – ganzjährig ausreichend Wasser und ist so ein zuverlässiger Energiespender.

Aber bereits vor 1900 stellt der hohe Wasserverbrauch die Papierindustrie vor Probleme. Die Papiermühlen produzieren auch gewaltige Mengen an Abwasser. Die Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführte Chlorbleiche beschleunigt die Verseuchung der Strunde, es fallen ganz neue Schadstoffe an.

So klagt in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Fischereiberechtigte auf Entschädigung, weil es „kaum noch Leben“ in dem ehemals fisch- und krebsreichen Strunderbach gibt. Er kann seine Rechte wegen der Verschmutzung schon viele Jahre nicht mehr wahrnehmen.

Auch die Menschen, die bachabwärts der Fabriken leben, beschweren sich, weil das Wasser nicht mehr als Trinkwasser für die Menschen und das Vieh geeignet ist. Selbst Wiesen können nicht mehr bewässert werden. 

An der Nordseite des Museums läuft das Wasser der Strunde über das rekonstruierte oberschlächtige Mühlrad.

Es mussten Kläranlagen gebaut werden. Seit 1872 gibt es die erste Kläranlage zwischen Alter und Neuer Dombach. Sie kann aber nicht die großen Abwassermengen bewältigen, so bleibt der Strunderbach stark belastet. Das Wasser nimmt schon mal eine bleigraue bis schwärzliche Färbung an.

Das kleine Dorf ist noch zu erahnen

Überraschend: Immer wieder ergeben sich beim Spazieren durch das Ensemble der alten Fachwerkhäuser neue Durchblicke, neue Perspektiven. 

Im höchste Gebäude (gebaut um 1790) richtet der Fabrikant Gustav Josua Müller um 1803 ein Trockenhaus ein. Hier befinden sich heute die Kasse und der Museumsladen. Stöbern lohnt sich.

Im Trockenhaus läuft zur Zeit auch die amüsante Sonderausstellung „Von der Rolle – KloPapierGeschichten“. Bis Februar 2021.

Das Leben an der Strunde

Generationen bergischer und zugewanderten Familien verdienen in vier Jahrhunderten hier als Arbeiter ihren Lebensunterhalt. 

Im Hintergrund ein Wohnhaus von 1809 für Arbeiterfamilien

Die Papiermühlenbesitzer bauen im 19. Jahrhundert für sie kleine Kotten mit ungefähr 30 qm großen Wohnungen. Die Kinder müssen im Treppenhaus schlafen.

Die Wohnungen sind in erster Linie nicht Ausdruck von Fürsorge für die Beschäftigten. Sie sollen auch die Bindung der ausgebildeten und angelernten Arbeiter und deren Familien an das Unternehmen sichern. 

Fachwerkkotten für zwei Familien

Frauen und Kinder müssen mitarbeiten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Kinder bekommen für ihre Arbeit die Hälfte des Frauenlohns. Und Frauen bekommen auch damals geringeren Lohn als die Männer.

Die schmutzige und schwere Arbeit in den Lumpenkammern leisten Frauen und Kinder. Sie sind dabei erheblichen gesundheitlichen Belastungen und Lärm ausgesetzt. 

Man kann sich die Gerüche, die von Lumpen und Hadern in den Faulgruben und von den Leimküchen ausgehen, noch gut vorstellen.

Gärten zur Selbstversorgung 

Gegen Entgelt dürfen die hier wohnenden Arbeiterfamilien Parzellen der Äcker und Wiesen ihrer Arbeitgeber bewirtschaften, Kartoffeln, Obst und Gemüse für sich selbst anbauen. Es gibt hier draußen, zwei Kilometer vom Marktplatz in Gladbach entfernt, keinen „Hofladen“. 

Heute bearbeiten ehrenamtliche Museumsgärtner:innen den bunten Garten 

In einem ehemaligen Wohnhaus für vier Arbeiterfamilien bewirtet das Café „Alte Dombach“ die Besucher 

Der Teich beim Café lädt zum Meditieren ein

Diese Serie wird in den kommenden Wochen fortgesetzt. Die bisherigen Folgen finden Sie weiter unter.

Anreisetipps (falls Sie nicht mit dem Auto fahren wollen)
Zu Fuß, aus der Innenstadt zum Papiermuseum
Mit dem Bus: Linie 426 nach Spitze/Kürten, wochentags alle 20 Minuten, samstags alle 30 Minuten, sonntags jede Stunde

LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach
Alte Dombach, 51465 BGL
Dienstag bis Freitag 11 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 18 Uhr
Auf den Internetseiten „Papiermühle Alte Dombach“ finden Sie weitere wichtige Informationen für einen Besuch: Führungen, Eintrittspreise oder freie Tage, Veranstaltungen, Sonderausstellung, Busverbindungen etc.

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Krysmah spielt im Quirl Open Air

Es spricht sich K – RYS – MAH und ist ein Acoustic-Duo aus dem Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn, das Rock- und Popgeschichte gekonnt auf zwei Akustikgitarren und Gesang umgesetzt. Das Duo bietet eine fast lückenlose „Retrospektive“ durch die letzten dreißig bis vierzig Jahre Rock- und Pop-Geschichte.

Die beiden Vollblut und Berufsmusiker Detlef Kornath (Gesang & Gitarre). Frank Nerger (Gitarren) sind seit 2003 mit ihrem Acoustic Programm, überregional und international unterwegs. Eindrucksvoll, eigen, druckvoll und sehr unterhaltsam bieten sie, je nach Anlass und Gelgenheit sowohl Rock & Pop-Klassiker aus den letzten ca. 40 Jahren dar, als auch Balladen mit ungewöhnlichem Tiefgang und grosse Intensität. KRYSMAH ist ein sehr gern gesehener und gehörter act, gleichermassen in Clubs, wie auch auf grossen Bühnen, z.B. als support-act.

Krysmah
Sonntag, 26. Juli 2020 17 Uhr
Gnadenkirche, Hauptstraße 256, Bergisch Gladbach
Eintritt frei

Aufgrund der Corona Infektions-Schutzmaßnahmen müssen Abstands- und Hygieneregeln unbedingt eingehalten werden. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Gerne bitten wir deshalb um vorherige Reservierung telefonisch im Quirl’s unter der Nummer 02202 9 62 98 37.

Detlef Kornath (Vocals, Acoustic-Gitarre, Bass, Technik) ist seit ca. 1980 professionell als Sänger, Gitarrist, Bassist, Komponist und Texter in den unterschiedlichsten Stilrichtungen und verschiedensten Konstellationen, sowohl auf und hinter der Bühne, als auch im Studio aktiv.

Frank Nerger (Gitarre, Bass, Technik) ist als Gitarrist – nach anfänglich klassischem Unterricht – seit seinem 13. Lebensjahr aktiv in der Rock und Blues Szene vertreten.

Lange Zeit spielte er den Gitarrenpart bei der, durch Black Sabbath und Deep Purple beeinflussten, Hard Rock-Formation Cataract. Neben zahlreichen „Session-Projekten“ entschied er sich 1999 dazu, neben seiner Tätigkeit als Veranstaltungs-Techniker, ebenfalls den Basspart bei der Deep Purple, Rainbow & Whitesnake Tribute-Band Stargazer zu übernehmen. Als Gitarrist der Blues Brothers Tribute-Band Heart & Soul macht sich Frank derzeit ebenso einen Namen wie als Mitbegründer und fester Bestandteil von Krysmah.

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Odysseus sucht eine Braut und ein Haus

In der 4. Folge der Serie geht es um Max Bruchs erfolglose Suche nach einer Frau fürs Leben, um eine patriotische Komposition, um die Suche nach einem festen Domizil. Und darum, wie er dann doch eine Lebensgefährtin findet.

Text: Siegfried R. Schenke Illustrationen: Uwe Hintz

Nach dem Tod des Firmenchefs Carl Richard Zanders 1870 änderte sich für Maria Zanders und Max Bruch Einiges. Maria musste sich gegen Widerstände auf die Übernahme und Leitung der Firma einstellen und sich gleichzeitig als Mutter von drei kleinen Kindern – im Alter von 9, 10 und 11 Jahren – bewähren. Max tat sich schwer mit der Entscheidung, entweder ein freischaffender Komponist zu sein, oder eine feste Stelle zu finden.

Dies hing jedoch mit der persönlichen Entscheidung zusammen, ob er sein Leben als Junggeselle oder als Ehemann und Vater führen wollte. Da die Antwort darauf nicht so einfach war, dauerte diese Phase bis 1873/74, als Max sich ernsthaft verliebte.

Die „Liebesaffäre“ zwischen dem 35-jährigen Max und der 19-jährigen Amalie fand in Crefeld statt. Sie war heftig, ging bis zur versprochenen Verlobung mit dem Ziel, in Bonn eine Familie zu gründen. Die Geschichte ist in zwei Briefen an den Verleger Simrock dokumentiert.

Stadtansicht Krefeld 1856. Foto: Wikimedia

 „Ich bin seit Kurzem im Stillen verlobt mit einem sehr liebenswürdigen 19-jährigen Mädchen aus einer der ersten Familien des Rheinlandes. … Wir sind also einig, und wollen nicht voneinander lassen, die Familie aber setzt noch einigen Widerstand entgegen.“  

Die Mutter, die Max für einen Mitgiftjäger hielt, verlangte den „Nachweis gesicherter Einnahmen.“ Der war aber nicht leicht zu erbringen.

Das liebe Mädchen ist treu und fest und denkt nicht daran, von mir zu lassen; sie liebt mich mit einer leidenschaftlichen Innigkeit, die mich glücklich macht, denn wie könnte ich in meinen ziemlich complizierten Verhältnissen erwarten, dies höchst menschliche Glück noch zu finden! … Lally ist schön und einfach und lieb! Haben Sie sich nun bald von Ihrem Erstaunen erholt? Odysseus, der ‘Unzugängliche’ verliebt, verlobt, geliebt – wenn das einmal unsere Berliner Freunde erfahren!!“  

Wegen des anhaltenden Widerstands der Mutter hatte Max bald keine Lust mehr, um Lally zu kämpfen. „Für mich würde es weder eine Ehre noch eine Freude sein, mit einer so steifen Familie verwandt zu werden“, heißt es in dem Brief an Simrock am 27.12.1873.

Ein paar Tage später, am 6. Januar 1874, seinem Geburtstag, war es Max immer noch nicht möglich, eine Entscheidung zu treffen. 

„Die Sache steht nun so: wir lieben uns mehr wie je, und keine äußeren Hindernisse werden und können mich jemals abhalten auf den Besitz dieses holdseligen, einfachen und in jeder Hinsicht so sehr liebenswerten Mädchens zu verzichten.“ 

Der Gürzenich in Köln, Anfang des 19. Jahrhunderts. Foto: Wikimedia

Doch dann, nach einer triumphalen Aufführung seines Odysseus am 27. Januar 1874 im Kölner Gürzenich, war Bruch „fest entschlossen: 1. nicht vom Rhein fortzugehen und 2. keine Stelle anzunehmen, die mein Schaffen lähmt. Hiernach mag sich nun alles andere richten. Ich habe keine Lust, einen geistigen Selbstmord zu begehen.“

„Die elende Crefelder Geschichte“ schrieb Bruch an Simrock Ende April 1874, „macht mich tagelang unfähig zu denken, zu arbeiten, sie ist beinahe aus, ich habe der Familie die Wahrheit gesagt.“

Am 6. Januar 1875 erhielt Bruch eine Verlobungsanzeige von Amalie, und eine Woche danach die Mitteilung, dass ihre Mutter gestorben sei.

Ein vaterländisches Oratorium

Die Affäre war vorüber und sein kompositorischer Eifer wiedererwacht. Nach dem Odysseus komponierte Bruch ein zweites weltliches Oratorium:  Arminius.

Ein großer Teil davon entstand auf dem Igeler Hof. Seine Themen Freiheit und Vaterland drückten den Zeitgeist aus. Das Stück blickt zurück auf Deutschland im Jahre 9 n. Chr., als die Cherusker unter ihrem Anführer Arminius die von Varus angeführten Römer in der Schlacht im Teutoburger Wald schlugen.

Das Hermannsdenkmal

Arminius’ deutscher Name war Herrmann, und Bruch hatte ursprünglich den Titel „Die Hermannschlacht” für sein Oratorium vorgesehen. Das Kompositionsjahr 1875 fiel mit der Einweihung von Ernst von Bandels 57 Meter hohem Denkmal für den Germanenkrieger auf der Grotenburg im Teutoburger Wald zusammen.  

Da Maria Zanders „durchweg alle Konzerte im Gladbacher Umkreis besuchte“, war es trotz des Aufwands für sie klar, dass sie „mit ihren Kindern und deren Erziehern, einem Teil des Hauspersonals, ihren Geschäftsführern und mit weiteren musikalischen Herren“ auch zur Uraufführung des Arminius (op.43) nach Wuppertal-Barmen fahren würde, die dort am 4. Dezember 1875 unter Bruchs Leitung stattfinden sollte.

Zwei Wochen vor dem Ereignis schrieb Maria an Max:

„Lieber getreuer Max, ich weiß Sie in vieler Arbeit und allerlei Sorge u. da möchte ich mit einem herzlichen Freundesgruß Ihnen sagen, wie viel Antheil das ganze Haus, ja die ganze Firma an Ihrem Ergehen nimmt u. sehr mitempfindet, wie die Wogen und Wellen der Arbeit manchmal über Ihr Haupt gehen mögen!

Aber ‘Muth Odysseus’, es wird alles schön am 4. Dez. – Die Schar der begeisterten Freunde aus Gladbach freut sich nicht wenig. Schwester Emma u. Tully mit Männern haben Billette schon bestellt, es ist alles in freudigster Erwartung auf die schönen lieben frommen Klänge.“  

Wuppertal-Barmen um 1870. Foto: Wikimedia

In diesem 90-minütigen patriotischen Stück hat der Chor in 11 von 19 Szenen die Gelegenheit, dem Kampfesmut des deutschen und römischen Heeres laut Ausdruck zu verleihen. Am Schluss des Werkes vereinen sich Arminius und seine siegreichen Männer, um die Freiheit zu besingen.

„Wir aber ziehen hinauf zur Höh´, zu Wodans Altar hinauf,
wir kränzen und schmücken mit Blumen den Pfad,
und weihen ihm Opfer und Tänze, und singen der Freiheit hehres Lied,
der goldenen und süßen Freiheit!“

Vier Tage nach der Premiere schilderte Maria ihre persönlichen Eindrücke in einem Brief an Max:

„Unsere Rückfahrt am Abend per Bahn und Omnibus war sehr gelungen. Keine Kälte, keine Unbehaglichkeit war zu spüren, man war innerlich so begeistert und gab durch Gesang dem fortwährend Ausdruck. In der Eisenbahn erklangen die Arminius-Chöre u. im Omnibus das feierliche Tafellied. Es war eine so wohlgelungene Expedition in öden kalten Winter, wie man sie nur denken kann.  Niemand ist erkältet, alle doppelt heiter u. angeregt. Der Dank für Alles, was uns der liebe Onkel Max ist, glüht still in aller Herzen als ein nie auszulöschender heiliger Funke!

Wir sind alle glücklich mit Ihnen – es waren hehre Momente für mich am Samstag, concentrierte Freude, die mir noch lange, lange nachklingen wird. Die befreiende Macht der echten Kunst habe ich wieder so recht erfahren dürfen, das Leben breitet sich lustig und glänzend wieder vor mir aus u. das `frei schwebt der Adler in den Lüften` ist mir eine stete u. dringende Mahnung zum freien Flug nach oben. O lieber Freund. Sie haben Gutes gesungen den empfänglichen Menschenherzen.“

Quelle: Neuhauser, S. 82-84

In diesen Briefzitaten wird deutlich, mit welcher inneren Kraft und Ausstrahlung Maria Zanders auf ihre Mitwelt einwirkte – und wie groß Max Bruchs Einfluss auf ihre musischen Ambitionen war.

Das alte Pfarrhaus in Sand

Ein Pfarrhaus in Sand

Während Max Bruch 1875, von August bis Oktober, auf der Igel am Arminius arbeitete, versuchte er sich vorzustellen, ob es und wie es möglich sein könnte, im (damaligen) Dörfchen Sand bei Gladbach, ein Haus zu erwerben. In einem Brief an Maria, den diese wohl im Sommer auf Sylt erhalten hat, stellte Max ihr das Sander Projekt vor:

„Liebe Mama! Beste Freundin. In diesen Tagen habe ich ein paar Mal den Katholischen Pastor Fußbahn von Sand gesehen. … Da hab ich denn gehört, daß das Kath. Pastorat in Sand verkäuflich ist. Sie bauen ein neues neben der neuen Kirche. Bis zur Vollendung können aber noch ein paar Jahre vergehen.

Mich verläßt der Gedanke nicht mehr (und der Pastor findet ihn sehr hübsch und realisierbar), dies herrlich gelegene Haus als Eigentum zu erwerben. … Es ist Eigentum der Gemeinde. Der Pastor stellt die Erwerbung als für mich nicht schwierig dar. … Ich würde dann die ganzen Sommer hierherkommen.

Ein kleines Eigentum in diesem von mir so geliebten Bergischen Lande zu haben, – im Übrigen nicht weit von den Städten entfernt, und nicht zu weit von Gladbach, von Euch. – Ich muß sagen, daß dies immer mein Ideal war. Und daß dies Ideal nun erreichbar scheint, macht mich vor Wonne zittern. “

Altes Pfarrhaus Sand

Franz Heinrich Krey, der diesen Brief 2012 in dem Text „Max Bruch und das alte Pastorat in Sand“ zitierte, schrieb abschließend:

„Aber der Traum des großen Tonsetzers zerplatzte. Pfarrer Fußbahn, seit 1862 Pastor in Sand, hat sein Angebot zurückziehen müssen. Die Sander haben das schöne Pfarrhaus bis auf den heutigen Tag nicht verkauft. Nur auf Erbpacht ist es heute eine respektable private Bleibe.“

Ein Konzert mit Folgen

Bei einer Konzertreise im Sommer 1880 lernte Max die Altistin Clara Tuczek (1854- 1919) kennen. Trotz des Altersunterschiedes von 16 Jahren (wie bei Amalie) zögerte er diesmal nicht wie bei seinen vorherigen Liebesangelegenheiten.

Er schrieb Simrock auf der offiziellen, gedruckten Verlobungsanzeige vom 22.8. 80 (die er mit „Max Bruch, Director der Philharmonic Society in Liverpool` unterzeichnet” hatte):

„Was sagen Sie nun? Spät, ach sehr spät kommt diese Fülle des reichsten und wahrsten Glückes über mich, aber nicht zu spät. Sie können sich nicht denken, wie Clara mich liebt, und wie ich an dem lieblichen musterhaften Kinde hänge. Öffentlich soll sie nicht mehr singen, ich will sie bloß für mich haben.“

Gegenüber Ferdinand Hiller, seinem früheren Lehrer in Cöln, äußerte er sich so:

Wie Sie sehen, hat Odysseus endlich seine Penelope gefunden.“

Allerdings hat sich die Beziehung dann anders entwickelt. Bruchs Biograph Fifield schreibt: „Seine Pläne für Clara waren genau festgelegt: Sie hatte keine Zukunft als Sängerin, ihr Los war das Hausfrauendasein. Aber sie war willensstark, sang weiterhin (meist mit ihrem Mann am Pult oder am Klavier) und gewann das Ansehen des Publikums.“

Max und Clara Buch. Foto: Fifield

Hier noch einige Zitate aus einem Brief Bruchs aus Liverpool an Verleger Simrock, wo er im Juni 1880 einen Vertrag mit der Philh. Society unterzeichnet hatte, (Okt. 1880):

„Es wird nicht an Leuten fehlen, welche diese Verlobung vom gewöhnlichen Welt Standpunkt aus für eine Thorheit erklären; denn sie hat kein Vermögen, und ich habe auch so gut wie keines … Sie liebt mich leidenschaftlich und verzehrt sich vor Kummer und Schmerz, als ich Berlin im Juni verließ; ich hatte sie immer sehr gerne gehabt, … es war aber bis dahin nie ein Wort von Liebe zwischen uns gesprochen worden, und fühlte nun, als ich von ihr getrennt war, daß ihr bescheidenes musterhaftes liebliches Wesen sich mir tiefer eingeprägt hatte, als ich es wußte.

Einige Wochen schwankte ich noch, denn mit 42 Jahren kennt man das Leben, … auch hatte ich nicht mehr ernsthaft an heiraten gedacht. … Nach menschlichem Ermessen werden wir sehr glücklich zusammen sein. … Ich habe mich mit dem Mädchen verlobt, nicht mit der angehenden Künstlerin. … Die ungewisse, an Enttäuschungen reiche Carriere … bleibt nun dem lieben Kinde erspart – und das ist gut.

Sie wird im Schutz des Hauses die bessere Carriere meines liebenden und geliebten Weibes machen. Ihre wirklich schöne Stimme wird im Privatkreis viele erfreuen. ( … )“ 

Fifield, S. 167-169)

Max und Clara heirateten am 3. Januar 1881 in Berlin. Das Ehepaar Bruch hatte vier Kinder, zuerst ein Mädchen, dann drei Jungen.

Quelle: Fifield

Vom jüngsten Sohn Ewald (1890-1974) gibt es „Persönliche Erinnerungen an meinen Vater Max Bruch“, die er zum 50. Todestag seines Vaters (2.10.1970) verfasst hat. Über die liebevolle Beziehung zwischen den Eltern schreibt Ewald Bruch:

„…das Schönste, was ich in meinem Gedächtnis bewahrt habe: Das ideale Verhältnis meines Vaters zu meiner Mutter. Das Ehebündnis meiner Eltern beruhte auf gegenseitiger, tiefer Zuneigung. Hierbei spielte auch wohl ihre beiderseitige, künstlerische Veranlagung eine Rolle.

Mein Vater … fühlte sich zu meiner Mutter hingezogen, nachdem er sie in einem Konzert hatte singen hören. Er erzählte mir in seinen späteren Jahren, daß ihre schöne, beseelte Altstimme ihn so beeindruckt hatte, daß er sie unbedingt kennenlernen wollte. … Ihre Ehe wurde vorbildlich. … Mein Vater berichtete mir auch, wie erfolgreich sie sowohl in England wie auch später in Breslau in vielen Konzerten öffentlich gesungen hätte. Mein Vater besprach alle beruflichen Pläne mit ‘Mamachen’, und sie war ‘Papachen’ immer eine verständnisvolle Beraterin. …“

In der nächsten Folge geht es um die Anfänge und den Aufbau des Cäcilienchors. Es werden einige der Kompositionen vorgestellt, die Max Bruch für diesen Chor geschrieben hat. Und es geht um die besondere Rolle der Vertonung von Schillers Das Lied von der Glocke im Cäcilienchor.

Quellen

  • Ewald Bruch, Persönliche Erinnerungen an meinen Vater Max Bruch
  • Fifield, Christopher. 1990. Max Bruch. Biographie eines Komponisten. Zürich: Schweizer Verlagshaus, S. 92
  • Krey, Herbert, Max Bruch und Bergisch Gladbach. o.J.
  • Neuhauser, Hildegard. 2004. Musikpflege in Bergisch Gladbach im 19. Jahrhundert – die Unternehmerin Maria Zanders und der Komponist Max Bruch. Fernwald. Musikverlag Burkhard Muth

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Die Bäuerin und ihre Schafe

Im Stadtbild stoßen Reporterhund BamBam und ich immer wieder auf Skulpturen wie die Bäuerin mit ihren Schafen. Die meisten der Kunstwerke gefallen uns, doch oft ist unklar, wer sie gemacht hat oder wen sie darstellen. Das wollen wir ändern.

Normalerweise mache ich bei unseren gemeinsamen Aktionen die Fotos und BamBam schreibt. In diesem Fall wollen wir das anders herum machen: Ich schreibe und BamBam zeigt ein Selfie mit der jeweiligen Skulptur.

Den Anfang macht die Bäuerin mit ihren Schafen an der Ecke der Hauptstraße zur Johann-Wilhelm-Lindlar- Straße. Die Skulpturen sind von Heide Dobberkau, die mit ihren inzwischen 91 Jahren in Refrath wohnt. Sie wurde 1929 geboren und hat am gleichen Tag wie ich Geburtstag. So ein Zufall!

Viel mehr habe ich zu ihrer Person aber auch nicht herausgefunden. Nur, dass sie auch viele kleine metallene Tierfiguren und Medaillen mit Tiermotiven gemacht hat, die wunderschön sind. Google zeigt Fotos ihrer Arbeiten, die aber nicht frei verfügbar sind.

Mir gefällt die Bäuerin sehr gut. Ich finde, sie hat ein junges, liebes Gesicht. Ein bisschen erschöpft scheint sie zu sein, wie sie dort sitzt, die Schuhe ausgezogen hat und die müden Füße massiert. Ihre Schafe lässt sie aber nicht aus den Augen.

Ich mag diese beiden Statuen in der Fußgängerzone am liebsten. Dort ist immer Leben. Man kann sich dort verabreden, sitzend auf jemanden warten und zuschauen, wie die Kinder auf den Schafen herumturnen, auf ihren Rücken klettern, die Ohren umfassen und reiten. Rücken Kopf und Ohren sind blank gewetzt von Kinderhänden und Hosen.

Auch wir steuern unseren Teil zur Unterhaltung der Allgemeinheit bei, wenn BamBam neben die Bäuerin springt und gehorsam dort sitzen bleibt.

Update 28.7. 20

Unser Beitrag hat Heide Dobberkau Freude bereitet. Gisela Schwarz hat uns noch einige ihrer Fotos der Arbeiten von Heide Dobberkau zukommen lassen, die wir hier zeigen dürfen und gerne noch anhängen. Dank auch an Gisela Schwarz für die vermittelnde Tätigkeit. Das Copyright der nachfolgenden Fotos liegt bei Gisela Schwarz.

Dieser “Klagende Hund” spricht uns natürlich sehr an. Seine Körperhaltung ist perfekt getroffen.




Auguste Kolter: Max Bruchs rätselhafte Textdichterin

Knapp 100 Jahre nach seinem Tod bietet Max Bruchs Arbeit in Bergisch Gladbach immer noch Rätsel. Wie die Zusammenarbeit mit Auguste Kolter, die 1859 einen Text für seinen Hymnus Opus 13 verfasste. Ihre Familie hatte hohe Ämter in der Stadt inne, war aber nicht unumstritten. Wir werfen erstmals einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Hymnus.

Komponiert und Fräulein Auguste Kolter gewidmet“ steht auf der Partitur des „Hymnus für eine Singstimme – mit Begleitung des Pianoforte“ von Max Bruch. Erst auf Seite eins taucht dann auch die Schöpferin der Zeilen auf: „Dichtung von Auguste Kolter“.

So viel Abstand zum Maestro musste wohl sein. Schließlich trat Auguste Kolter danach nicht wieder als Textdichterin in Erscheinung.

Hymnus Op. 13 von Max Bruch ist ein eindringliches kammermusikalisches Frühwerk. Es überzeugt durch eine kluge Dramaturgie, eine kantabile Klavierbegleitung, eine ästhetisch anspruchsvolle Synergie von Text und Musik.

Kooperation für ein einziges Werk

Und die Zeilen stammen von einer hiesigen Frau, die zuvor und auch danach nach aktuellem Stand nicht wieder mit Lyrik in Verbindung gebracht werden kann. Mithin ist der „Hymnus“ wohl eine kurze, auf ein einziges Werk begrenzte Zusammenarbeit der Auguste Kolter mit Maestro Bruch.

Nur: Wie kam sie zustande? War es eine Laune des Schicksals? Eine Gefälligkeit des Altmeisters gegenüber Freunden auf der Igel? Eines ist klar: Lyrik schreiben konnte Auguste Kolter.

„Dem, der von allen Nächten der Stern,
dem König meines Herzens, dem Herrn,
dem singe meine Seele ein Lied,
das über alle, alle Lieder erblüht.“

So lauten die Textzeilen der ersten 15 Takte des Hymnus. „Würde und innere Erhebung“ verlangt die Vortragsbezeichnung der Partitur. Kein Problem angesichts solcher Zeilen.

Und die Musik Bruchs tut ihr übriges. Überzeugen Sie sich selbst:

Die Kolters

Um das Zusammentreffen von Auguste und Max zu verstehen, muss man ein wenig in jene Zeit zurückblicken. Augustes Verwandtschaft war von kommunalpolitischer Prominenz. Denn 27 Jahre bestimmten die Kolters mehr oder weniger erfolgreich die Geschicke der Stadt:

Johann Anton Kolter, Augustes Großvater, war von 1820 bis 1842 Bürgermeister in Gladbach (so hieß die Stadt noch in dieser Zeit). Sein Sohn Heinrich August folgte für fünf Jahre von 1842 bis 1847. Freunde haben sich die Kolters dabei nicht unbedingt gemacht.

Von „vielen bitteren Tagen“ ist die Rede. Die Volksvertreter baten beim Oberpräsidenten in Koblenz „ergebenst und gehorsamst um einen achtungswerten Bürgermeister“ (Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, Stadtarchiv Bergisch Gladbach 2006, S. 229). Hintergrund war ein Streit um den Straßenbau.

Am 28. April 1842, in der Amtsperiode der Kolters, erschien nach aktuellem Stand das erste Mal ein Poststempel BERGISCH Gladbach. Offiziell wurde der Doppelname dann 1863 (Reproduktion nach Brenner, Hans Leonhard: Der erste Poststempel von Bergisch Gladbach, in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn 3, 1996, 74)

Wie traf Auguste auf Max?

Der Igeler Hof befand sich seit 1846 im Besitz von Philipp August Neissen.  Ein Advokat aus Belgien. Anteile am Hof hielt von 1846 bis 1849 Jahre u.a. sein Schwager Heinrich August Kolter, wie erwähnt Bürgermeister, und zudem Ehemann von Neissens Schwester Antoinette.

Die Tochter von Heinrich August und Antoinette – besagte Auguste – erblickte am 8. Dezember 1837 das Licht der Welt. Vier Wochen vor Bruch.

Neissens Schwester Therese, eine Lehrerin und Verwalterin des Igeler Hofes, nahm wiederum Gesangsstunden bei Max Bruchs Mutter in Köln. Man freundete sich an, die Bruchs kamen regelmäßig zur Sommerfrische auf „die Igel.“

Ein Hymnus zu Ostern

Dabei müssen sich Auguste und Max kennengelernt haben. Unsympathisch schien man sich nicht, soviel darf unterstellt werden. Sonst wäre es wohl kaum zur Zusammenarbeit gekommen.

Der Hymnus entstand daraufhin an Ostern 1859 auf dem Igeler Hof. So ist es in einer Liste seiner Werke verzeichnet, die Bruchs Biograf Christopher Fifield veröffentlicht hat.

Igeler Hof um 1870. Foto: Stiftung Zanders
Igeler Hof um 1870. Foto: Stiftung Zanders

Das Lied war in der Welt. Und Bruch arbeitete weiter an seiner Karriere. Auguste Kolter verließ indes die Bergische Bühne und zog nach Brüssel. Dort umsorgte sie ihren Onkel Philipp August bis zu dessen Tod. Sie soll auch in Brüssel begraben sein. 

„Wenn drohend böse Mächte sich nah´n,
sich drängen an die Seele heran,
und wollen in das Dunkel sie ziehn,
und lassen nimmer Frieden dem Sinn,
so sprech ich:
Du alleine hast Ruh`
So gieb mir Herr die Gnade dazu.“

Düster klingen Augustes Zeilen im Mittelteil des Hymnus. Und im Dunklen bleiben die Umstände, unter denen Auguste Kolter und Max Bruch den Hymnus geschaffen haben. So bleibt Opus 13 ein wenig bekanntes Werk, das Bruchs Liebe zum Bergischen eine weitere, mysteriöse Facette hinzufügt.

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Projekt “Stimmen der Stadt” macht Halt in Bethanien

Das Kunstprojekt „Die Stimme der Stadt“ ist in diesem Jahr in Bergisch Gladbach zu Gast. Dabei zeichneten Künstler die Meinung der Kids aus dem Kinderdorf Bethanien über Corona auf. Ihre Gedanken werden im Herbst bei einer Performance in Bensberg vorgetragen.

Das Projekt wurde initiiert von der Kölner Künstlerin Pia Jansen. Unter der Überschrift “Corona und Du – wir und Corona” sammeln Künstler Gedanken, Gefühle, Träume, Sorgen und Meinungen von Kindern zu Corona.

Sie bilden die Basis für ein Theater- und Musikprojekt, das am 10. Oktober im Ratssaal in Bensberg aufgeführt werden wird. Hierzu werden die Zitate von Schauspieler:innen gelesen und mit Musik verknüpft. So entsteht ein umfangreiches Stimmungsbild, das hinterher auch als Dokumentation für die Nachwelt erhalten bleibt. Rückschlüsse auf die Zitatgeber sind durch das Vorgehen nicht möglich.

Großer Anklang

Die Kinder in Bethanien fanden die Aktion klasse. Alle, von der kleinen Rosalie bis hin zum großen coolen Timo, kamen irgendwann am Stand vorbei, der mitten im Kinderdorf am Sr. Consolata-Platz aufgebaut worden war. Fast drei Stunden herrschte Andrang.

Im Gespräch mit Lena Hüpgens vom Stimme-der-Stadt-Team berichteten die Kinder aus dem Kinderdorf von ihren Gedanken zum Corona-Jahr. Foto: Bethanien Kinderdorf

Kinderdorfleiterin Jutta Menne freute sich auch über die große Resonanz auf die Aktion: „Hierin zeigt sich, dass unser Anliegen, die Kinder und Jugendlichen darin zu stärken, ihre Meinung frei zu äußern, Früchte trägt.“

Lena Hüpgens und Sabine Albert vom Stimme-der-Stadt-Team, das in Bethanien auf Stimmenfang ging, waren sehr zufrieden mit ihrer Ausbeute. Die Jugendlichen seien besonders betroffen von der Corona-Krise, denn es gehe um ihre Zukunft. “In der Erwachsenenwelt ist davon wenig zu hören. Das wollen wir mit dem Projekt ändern und zumindest den Jugendlichen in der Stadt ein Forum bieten“, sagt Lena Hüpgens.

Details zum Projekt gibt es bei Mythen der Moderne.
Hier gibt es mehr Informationen über die Bethanien Kinderdörfer.

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Das Trio farfarello spielt auf der Waldbühne Pütz-Roth

In der Reihe „Konzerte an besonderen Orten” wird das Trio farfarello nicht nur das erste Open Air Konzert in diesem Jahr spielen, sondern dies auch noch an einem außergewöhnlichen Ort stattfinden lassen. Auf der Waldbühne in den Gärten der Bestattung.

Die Gruppe Neun e.V., gemeinnütziger Kunst- und Kulturverein, präsentiert im Rahmen von „BergischKunst” am Samstag den 25.07.2020 die Band „Trio farfarello” auf der Waldbühne Pütz-Roth in Bergisch Gladbach. 

Die Virtuosität handgemachter Instrumentalmusik aus osteuropäischer Folklore, Rock- und klassischen Elementen entfesselte zu Beginn der 1980er Jahre die nachhaltige Karriere einer der außergewöhnlichsten Bands Deutschlands.

Ohne Unterbrechung faszinieren Mani Neumann (Geige), Ulli Brand (Gitarre) und Bassist Urs Fuchs als dynamisches Trio seit nunmehr 40 Jahren die Bühnen Deutschlands. 20 Tonträger, über 5000 Konzerte und die Zusammenarbeit mit Musikern unterschiedlicher Nationalitäten haben farfarello zu einer Institution für multinationale, kulturübergreifende Musik gemacht.

Das Phänomen farfarello steht Pate für die Authentizität und die Nachhaltigkeit handgemachter Musik. Was als „Unplugged“-Trio begann, entwickelte sich zu einer eigenständig konzertanten Musik, die ihre klassischen Wurzeln nie verleugnet hat.

Die Gruppe Neun wird um 19 Uhr die Veranstaltung mit einer Performance eröffnen. Das Konzert mit Trio farfarello beginnt um 19:30 Uhr.

Open Air Konzert mit Trio farfarello

Samstag 25.07.2020 / Beginn: 19 Uhr / Einlass ab 17 Uhr
Auf dem Gelände Pütz-Roth Bestattungen
Kürtener Str. 10 / 51465 Bergisch Gladbach

Der Eintritt ist frei !

Anmeldung: Anlässlich der aktuellen Situation ist der Konzertbesuch ausschließlich mit vorheriger Anmeldung und Registrierung bis zum 24.07. möglich. Anmeldeadresse: info@farfarello.de

Wichtige Info: Aufgrund der erforderlichen Registrierung der Konzertbesucher (Vorschrift des Gesundheitsamts) wird zur Entzerrung der Einlass bereits ab 17 Uhr möglich sein. Alle Gäste werden zu ihren Sitzplätzen begleitet. Dort wird die Sitzplatznummer personalisiert.

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Nicht nur für Kids: Auf Entdeckungstour durch die Villa Zanders

Kunst und Kids – das ist nicht immer einfach. Dank des neuen Mitmach-Hefts der Villa Zanders soll das nun anders werden. Das Angebot hilft Kindern zu verstehen, warum man ins Museum geht und wie die Kunst überhaupt ins Museum kommt.

“Es war mir im Rahmen meines Volontariats mit dem Schwerpunkt Bildung und Vermittlung schon immer ein wichtiges Anliegen, Vermittlungsangebote zu entwickeln, die sich langfristig etablieren”, erklärt Anna Arnold. Sie verantwortet Idee und Konzeption des neuen Mitmach-Hefts der Villa Zanders.

Es lädt die jüngsten Museumsbesucher:innen ein, sich spielerisch mit dem Ort Museum auseinanderzusetzen und selbst zu kleinen Künstlerinnen und Entdecker:innen zu werden. Wo lauern spannende Begegnungen mit der Kunst. Welche Geschichten gibt es im Kunstmuseum Villa Zanders zu entdecken?

Anna Arnold an der Mitmach-Station der Villa Zanders. Idee und Kozept für das Mitmach-Heft stammen von ihr

Das Mitmach-Heft begleitet Familien und Kinder durch die traditionsreichen Räume des Kunstmuseums und seine Sammlung Kunst aus Papier. Es beinhaltet wichtige Informationen und Anregungen zur kindgerechten Selbstaneignung verschiedenster musealer Inhalte . Und es kann darin gemalt, gezeichnet, ausgefüllt, ausgeschnitten und gelesen werden.

Novum am Kunstmuseum

Das Mitmach-Heft der Villa Zanders

Kunstvermittlung für Kids in dieser Form hat es in der Villa bis dato noch nicht gegeben: “Bei dem Mitmach-Heft handelt es sich um ein Novum am Kunstmusem. Dabei wurde auf Gender-sensible Sprache geachtet. Farbe, Design und Layout sind zeitgemäß gehalten”, erklärt Arnold.

Die Villa bietet derzeit viel für Kids. Das Mitmach-Heft schaffe die Möglichkeit, jedem Kind einen Zugang zum Haus und seiner traditionsreichen Geschichte zu ermöglichen, so Arnold. Unter dem Dach wartet aber noch mehr: “Die Mitmach-Station im zweiten Stock soll zur Aneignung der Werke aus der Ausstellung “Neu aufgestellt” dienen.”

Sitzponat im zweiten Stock

Dort findet sich eine Bank für junge Gäste, die so gar nicht von Pappe ist: Jason Ifkathars Raw Coffee Table MK1 und Raw Bench MK 1 sind waschechte Kunstwerke, gebaut aus Pappkartons, auf denen sich junge Museumsbesucher niederlassen. Ein Exponat zum Sitzen, quasi ein “Sitzponat”.

Hier füllen Kinder schön gestaltete Mitmach-Karten aus. Dabei entstehen Bilder, Werke, Gedanken, die gleich an die Wand gehangen werden. Kids machen Kunst – lautet hier die Devise.

In der Villa Zanders kann sich auf Kunst aus Pappe setzen

“Die Besucher reagieren sehr positiv auf das Angebot und nehmen das Mitmach-Heft gerne mit. Kinder freuen sich über das bunte Angebot” resümmiert Anna Arnold. “Bei der Mitmachstation im 2. Stock bin ich sehr begeistert darüber, dass das Exponat von Jason Ifkathar aus unserer Sammlung Kunst aus Papier Teil des Mitmachangebotes sein kann.”

Jedoch: Das Wording im Mitmach-Heft ist nicht immer kindgerecht. Vokabeln wie “Dauerleihgabe” sollten erklärt werden.

Anna Arnold: “Bei der Sprache haben wir versucht einen Kompromiss zu finden. Nicht alle Begrifflichkeiten entsprechen dabei vielleicht dem Sprachgebrauch von Kindern. Gleichwohl setzen wir damit Denkanstöße. Es soll nicht alles niedrigschwellig gehalten sein. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sollen sich angesprochen fühlen.”

Weitere Infos unter www.villa-zanders.de

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Bergisch Gladbach mit dem Löwen in Ruhe erkunden

Der Puppenspieler Gerd J. Pohl führt gemeinsam mit dem Bergischen Löwen durch die Innenstadt und erläutert, was es zwischen Gnadenkirche und Laurentiuskirche zu entdecken gibt. In einem Film, der sich vor allem an Kinder richtet – aber mit seiner sehr ruhigen Erzählweise auch älteren Zuschauern entgegen kommt.

„Bergisch Gladbach – löwenstark!” lautet der Titel eines neuen Films, der Kinder und ihre Erwachsenen zu einer Schnuppertour durch die Innenstadt einladen möchte. Das Kunstmuseum Villa Zanders, die katholische Laurentius- und die evangelische Gnadenkirche, das Bürgerhaus, das Rathaus und die Strunde – das alles kann man auf diesem filmischen Rundgang erleben.

Moderiert wird der knapp 25-minütige Film vom Bergischen Löwen höchstpersönlich, als Handpuppe gespielt und gesprochen von Gladbachs Puppenspieler Gerd J. Pohl.

Inhaltsverzeichnis
Stadtmuseum Villa Zanders ab Minute 5:28
Bürgerhaus Bergischer Löwe ab Minute 8:36
Kath. Pfarrkirche Sankt Laurentius ab Minute 11:50
Rathaus ab Minute 14:04
Papierschöpfer ab Minute 16:45
Gnadenkirche ab Minute 17:45 

Pohl ist heute vor allem als Leiter des Bensberger Puppenpavillons bekannt, wurde Mitte der 1990er Jahre aber durch den damaligen Hauptpuppenspieler der Jim-Henson-Company, Robert Tygner, zum Fernsehpuppenspieler ausgebildet.

Lange Zeit hatte sich Pohl gausschließlich der Bühnenarbeit verschrieben und gar nicht mehr gefilmt:  „Bergisch Gladbach – löwenstark!” ist Pohls erste große Filmarbeit seit ziemlich genau 20 Jahren.

Die Löwenpuppe wurde von Till de Kock (1915-2010) geschaffen, der zu den großen Meistern unter den deutschen Figurenbildnern gezählt wird. Für Kamera, Ton und Schnitt zeichnet Volker Böhm verantwortlich, für die Musik Tanja Heesen. 

Ein betont ruhiger Film

„Bergisch Gladbach – löwenstark!” ist ein betont ruhiger und beschaulicher Film. Dazu Puppenspieler Pohl:

„Diese langsame und leise Erzählform ist heute im Kinderfernsehen nur noch selten anzutreffen. Sie mag deswegen etwas altmodisch erscheinen und an das Kinderfernsehen der 70er und 80er Jahre erinnern, aber ich habe sie sehr bewusst und allen aktuellen Trends zum Trotz gewählt. Denn ich finde es wichtig, Geschichten gerade für Kinder so zu erzählen, dass nicht nur die Inhalte ankommen, sondern auch die Seele mitreisen kann. Das mache ich bei meinen Theaterstücken, und davon wollte ich auch bei diesem Film nicht ablassen”.

Seinen Film möchte der Puppenspieler vor allem als Liebeserklärung an Bergisch Gladbach verstehen: „Die Stadt und ihre Menschen haben mir in den Jahren, die ich jetzt hier lebe und arbeite, so viel Gutes getan und mir Heimat und Halt gegeben. Wenn ich durch diesen Film etwas davon an die Kinder von Bergisch Gladbach weitergeben könnte, wäre das meine größte Freude!”

Bürgermeister Lutz Urbach hatte schon Gelegenheit zum ‚Preview‘ und äußert sich total begeistert: „Ein großartiges Ergebnis! Ein liebevolles Skript, eine tolle Puppe, schöne Bild- und Kameraführung, passende Musik und eine Menge an gut aufbereiteten Informationen.”

„Bergisch Gladbach – löwenstark!” entstand in enger Zusammenarbeit des Bensberger Puppenpavillons mit der Stadt Bergisch Gladbach. Zu sehen ist der Film ab sofort auf der Homepage der Stadt Bergisch Gladbach und über den Youtube-Kanal des Puppenpavillons.

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Kommen Sie mit zum Kollergang?

Ein faszinierender Ort im Tal der Strunde: Das Industriemuseum „Papiermühle Alte Dombach“ ist Deutschlands größtes Papiermuseum. Es bietet eine anschauliche Präsentation der handwerklichen, industriellen und sozialen Geschichte im Bergischen Land über vier Jahrhunderte. Eine Geschichte, der Bergisch Gladbach die Existenz verdankt – und die wir in dieser Serie aufblättern.

Im Jahr 1614 erhielt Wilhelm Kessel die Konzession zum Betrieb einer Papiermühle an der Strunde. Er verpachtete sie an den Papiermacher Heinrich Fues. Knapp dreihundert Jahre später wurden die alten Produktionsstätten für die inzwischen erfundenen Maschinen zu klein. Die „Neue Dombach“ wurde 200 Meter bachaufwärts gebaut.

„Neue Dombach“ – Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts

Wir möchten Sie mit dieser Serie einladen zu einem Spaziergang über das Gelände und durch die Gebäude des Museums des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR): von der Maschinenhalle der Neuen Dombach mit der großen Papiermaschine PM 4 von 1889, vorbei am Maschinenplatz im Freigelände von Kollergang bis Kugelkocher und dem Pflanzenpfad mit Bambus, Eukalyptus und Hanf bis zu einem besonderen Museum in den früheren Wohnhäusern, Fabrikräumen und Werkstätten eines kleinen Papiermacherdorfes.

Vorbei an einem Pumpenhäuschen, das der Kapelle in Sand gleicht und dem oberschlächtigen Mühlrad der Papiermühle, zur freien Kunst im Gelände, dem Küchen- und Blumengarten, dem Teich mit seinem großen Goldfischschwarm, dem Spielplatz für die Kleinen und last not least dem „Café Alte Dombach“ zum Entspannen.

Die folgenden Fotos geben einen ersten Überblick, die weiteren Folgen der Serie befassen sich mit den einzelnen Aspekten dieses vielfältigen Museums. Sie können jedes Foto mit einem Klick groß stellen.

Pumpenstation

Historische Maschinen ganz nah

Oberschlächtiges Mühlrad am Museum

Sie finden – wenn Sie ihn nicht ohnehin schon kennen – einen Ort zum Schauen, zum Vergnügen, zum Verstehen. Ein Erlebnis für Neugierige, Technikfreaks, Wissbegierige allen Alters.

Für die Kleinsten, für Schulkinder, für Jugendliche, für junge Familien, für Ältere. Für kulturell, und historisch Interessierte, aber auch für Menschen, die sich nur in dieser angenehmen Atmosphäre entspannen wollen. 

Das Museum zeigt die große bedeutende kulturelle Leistung der Vorfahren: Das Handwerk der Papierherstellung, die Leistung des Lesens, Schreibens, des Druckens. Arbeit und Leben früherer Generationen in der Entwicklung der Industriegesellschaft über vier Jahrhunderte. Und natürlich, dass Papier in fast allen Lebensbereichen eine Rolle spielt.

Unsere Serie beschäftigt sich in den nächsten Wochen mit allen Aspekten des Papiermuseums. In der zweiten Folge erklären wir, wie Sie ohne Parkplatzsorgen dorthin kommen. Mit einer idyllischen Wanderung entlang der Strunde.

LVR-Industriemuseum Papiermühle Alte Dombach
Alte Dombach, 51465 BGL
Dienstag bis Freitag 10 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage 11 – 18 Uhr
Auf den Internetseiten „Papiermühle Alte Dombach“ finden Sie weitere wichtige Informationen für einen Besuch: Führungen, Eintrittspreise oder freie Tage, Veranstaltungen, Sonderausstellung, Busverbindungen etc.

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Ein Odysseus des 19. Jahrhunderts

In der dritten Folge der Serie zum 100. Todestag von Max Bruch muss der Musiker seine erste Bewährungsprobe als Dirigent eines Profi-Orchesters bestehen. Es geht um die seelische Bewältigung von drei Todesfällen, um die Beziehung zu Maria Zanders und um seinen ersten großen Erfolg mit seinem „weltlichen Oratorium“, dem Odysseus.

Text: Siegfried R. Schenke Illustrationen: Uwe Hintz

Max Bruch ist zwar in Köln geboren und hat sich dort, neben Bergisch Gladbach, zum geachteten Komponisten entwickelt, aber die längste Zeit seiner Künstlerkarriere lebte und wirkte er außerhalb seiner Heimat.

Etwa dreißig Jahre seines Lebens war er unterwegs, arbeitete für kurze oder längere Zeit in zehn europäischen Städten. Hinzu kamen Gastdirigate in den USA 1883, die Verleihung des Titels „Ehrendoktor der Musik“ in Cambridge und ähnliche ehrenvolle Auszeichnungen.

Igeler Hof um 1870. Foto: Stiftung Zanders
Igeler Hof um 1870. Foto: Stiftung Zanders

Die Villa Zanders um 1900. Foto: Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Aber so oft es irgendwie möglich war, kam er nach Bergisch Gladbach – zum Igeler Hof, in das Wohnhaus Schnabelsmühle, das es nicht mehr gibt, und ab 1874 in die Villa Zanders -, um in Ruhe zu komponieren oder in und mit der Familie zu leben und Kraft zu schöpfen. Bergisch Gladbach nannte er seine „Heimatstadt“.

Lern- und Reifezeit

Ende der sechziger Jahre, von 1867-1870, war Bruch „Erster fürstlicher Hofkapellmeister“ in Schwarzburg-Sondershausen, einer Schloss-Stadt nördlich von Erfurt. Hier beendete er sein erstes und berühmtestes Violinkonzert.

Mit Unterstützung seiner Schwester Mathilde, die ihm den Haushalt führte und seine künstlerischen Unternehmungen einfühlsam begleitete, wurden die drei Jahre in Thüringen eine fruchtbare Zeit.

Max Bruch und seine Schwester Mathilde. Foto: Stadtarchiv Bergisch Gladbach

Trotzdem dachte er immer wieder an die Aufenthalte in Bergisch Gladbach, als seine „mütterliche Freundin“ Katharina Neißen noch lebte.

Deshalb „floh“ Bruch, wenn es möglich war, „zum Igeler Hof“ (April/Mai 1869), „um den lästigen Pflichten des Alltags oder der bürokratischen Kleinkrämerei am Hof in Sondershausen zu entrinnen. In Bergisch Gladbach fand er die Ruhe und Einsamkeit, die er zum Komponieren brauchte.“

Fifield, Christopher. 1990. Max Bruch. Biographie eines Komponisten. Zürich: Schweizer Verlagshaus, S. 92

Gemeinsam getragenes Leid

Es war für das Ehepaar Zanders und Max Bruch eine persönlich sehr belastende Zeit, die Jahre vor dem Deutsch-Französischen-Krieg und während des Krieges. Jedes Jahr starb ein Mitglied entweder aus der Familie Bruch oder Zanders: Bruchs Mutter (1867), Marie, die Tochter des Ehepaars Zanders (1868),  die (Schwieger-)Mutter des Ehepaars (1869) und Richard Zanders (1870).

Vielleicht haben Maria und Max sich – auch mit Hilfe der Musik – in dieser Phase der Trauer(begleitung) gegenseitig dabei geholfen, neuen Lebensmut zu gewinnen. Sicher ist, dass ihre lockere Freundschaft sich zu einer „Seelenverwandtschaft“ entwickelte, „einer Beziehung, die den Komponisten dreißig Jahre inspirierte.“

Sie wurde zu einer „tiefen platonischen Beziehung“, die das Paar „ohne die Einmischung von Außenstehenden“ erleben durfte.

Der Komponist verstand Marias philanthropische Neigungen und unterstützte sie, besonders, wenn sie mit Musik oder Malerei zu tun hatten. Sie hingegen liebte seine Musik, sorgte für ihn, wenn er in materieller Not war, und unterstützte seine Arbeit, indem sie ihm eine Umgebung bot, die seiner Kreativität förderlich war.“  

Fifield, Ib., S.92

Friedhof der Gnadenkirche

Wir können uns heute nur schwer vorstellen, wie sehr die damals 31-jährige Maria zu Beginn der siebziger Jahre unter dem Tod Richards (1870) litt, wie sie langsam und mit großer Unsicherheit sich klar zu machen versuchte, was sie tun durfte oder konnte, und was sie im Sinne Richards tun musste.

Marias Eltern rieten ihr zwar, die Firma zu verkaufen und wieder zu  heiraten, aber sie entschied sich dagegen. Sie wusste, dass ihre Entscheidung auch im Sinne Richards war. 

Und man meint, ich solle wieder heiraten!! – Von allen Seiten kommt mir dies schreckliche Thema! … Ach, ich weiß, was es heißt, in jungen Jahren Witwe, einsam zu sein für immer … Doch, Mensch, schäme dich, wenn du dich in der reichen Gotteswelt einsam fühlst! … Sollte man nicht Mut haben, ein einsames Leben zu leben, wenn man so glücklich war! … Wenn ich meinen Richard je vergäße, dann würde mir´s einsam, unerträglich sein! … Ja, wartet nur, ich will zurück, ich schließe mich in meine Burg ein und lerne, lerne, lerne mit den lieben Kindern.“

Caspary, Ib. S. 71

Blick nach vorne

In dieser Zeit des inneren Aufruhrs war ein Freund wie Max für Maria eine große Stütze, und es war ein Trost für sie, ihm konkret helfen zu können. An Mathilde Bruch schrieb Maria am 8. Dez.1871:

„Heute ist beschlossen, daß Max über Weihnachten und Neujahr hierbleibt – es ist so kalt und es würde ihm in Berlin so öde sein, nun ist er hier in bester Arbeitsstimmung, hat Einsamkeit so viel ihm lieb ist und ist froh wie ein Schneekönig. …

Du kennst Max in seiner Arbeitsstimmung und Schaffenslust, also wirst Du Dir deutlich vorstellen können, wie er als Einsiedler unten im Bibliothekszimmer haust. Abends ist vollständigste Abgeschlossenheit. Ich bin glücklich, dem lieben Freund diese Einsamkeit verschaffen zu können.“

Fifield, Ib. S. 92

Ein weiteres Zitat bei Caspary (S.64) macht deutlich, wie wichtig für Maria und Max die persönliche Begegnung mit Gesprächen über neue Kompositionen war:

Die Witwe erträgt es, sich von Max Bruch Goethe vorlesen zu lassen, und die alte köstliche Kraft, ihm bei seinen musikalischen Entwürfen zu raten, ist auch wieder da. Bruch ist ganz berauscht von dem neuen Werk, das in seinem schöpferischen Geist bereits volle Gestalt gefunden und nur der ungestörten Sammlung zur Niederschrift bedarf. Es ist der ‘Odysseus’“.

Wie ein Werk entsteht: Homers Odysseus

Wenn man bedenkt, mit welcher Sehnsucht Max Bruch in seinen Briefen von der „Heimat“ im Bergischen Land schreibt, dann kommt der Gedanke auf, dass Bruch sich in der „kalten“ Welt oft wie Odysseus fühlte, unterwegs, ruhelos und immer bestrebt zurückzukehren – ja, besonders nach Bergisch Gladbach.

Die Idee zum Odysseus-Stoff kam ihm nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich „im September 1871“, als patriotische Gefühle kaum zu vermeiden waren. 

Seiner Schwester schrieb er: Als er Homers Epos las, sei es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen, und er habe sich darauf gestürzt als ein Gegenmittel gegen „die christliche Jammer- und Thränen-Poesie der Bach’schen Kirchenkantaten“, die ihm verhasst war.  (Fifield, Ib. S.  129-131).

Wie eng der Familienkontakt mit seiner Inspiration zusammenhingen, zeigen die Briefe an seine Schwester:   

(Aus „Ruhmreiche Berge!“ – Heimatkundliche Beilage der Heiderschen Zeitung)

„… 8 schöne Herbsttage in Bergisch Gladbach würden dem Odysseus-Plan noch sehr zu Gute kommen.“ 

Stuttgart, 26.9.1871

(Mathilde hatte krankheitshalber ihren Besuch in Gladbach absagen müssen)

„… statt Deiner kam ein trauriger Brief. Wie viel Freude hättest Du gehabt! Es ist schön, einige Tage lang von einer ganzen Stadt geradezu auf den Händen getragen zu werden – anders kann ich es kaum ausdrücken.“

B.Gl., 30.10.1871

Ich habe das Bibliothekszimmer und das anstoßende Zimmer, wo jetzt der Flügel steht, ganz zu meiner Verfügung, und kann also herrlich arbeiten.“

BGl., 21.11.71

Die Hauptszenen von Odysseus entstanden im „alten Hause“, im Haus Schnabelsmühle.

Max Bruch am Flügel. Foto: Stadtarchiv Bergisch Gladbach

„… Ich sitze noch hier auf dem Igel, in winterlicher Stille, habe immer gearbeitet. Die Odyssee beglückt mich unendlich, … und ich glaube, man kann sagen, es ist alles aus dem G e i s t e geboren. … Und wenn ich nun denke, daß ich Mitte September noch keine Ahnung hatte, woher mir der erlösende und befreiende große Stoff kommen werde; – so kann ich nicht dankbar genug sein!“      

B.Gl., 30.11.71

   Der Schlußchor ist eine Melodie, ein großer und ganz einfacher Ensemble-Satz, zu den Worten  `Nirgends ist es lieblicher ja, als in der Heimath`, die wohl noch lange den Menschen Freude machen werden!“   

B.Gl., 30.12.71

Premiere des Odysseus

Das weltliche Oratorium Odysseus, „Scenen aus der Odyssee“ für gemischten Chor, Soli und Orchester (Text von seinem Freund Wilhelm Paul Graff) war Ende Nov. 1872 fertig und wurde am 8. Februar 1873 unter Bruchs Leitung in Wuppertal-Barmen vor 1250 Zuhörern mit großem Erfolg uraufgeführt.

Das Werk „erfreute sich sofortiger Popularität, die … nur bis etwa zum Beginn des Ersten Weltkrieges anhielt.“   

Fifield, Ib., S. 135

Der „Cäcilienchor – Gesangverein der Papierfabrik J.W. Zanders“ sang das Oratorium Odysseus „am 12. März 1899 unter Leitung des Komponisten“.

Krey, Herbert, Max Bruch und Bergisch Gladbach. o.J.

Der weinende Odysseus

Blicken wir ganz weit zurück, in die Zeit Homers (8./7. Jh. v. u.Z.), als das Epos Odysseia entstand, und lesen, was auch Bruch gelesen hat, die von Joh. H. Voß übersetzten Verse:

„Weinend saß er am Ufer des Meers. Dort saß er gewöhnlich
Und zerquälte sein Herz mit Weinen und Seufzen und Jammern
Und durchschaute mit Tränen die große Wüste des Meeres.“

Dreißig Jahre nach Beendigung des Odysseus-Oratoriums (am 12.09.1902) schrieb Max Bruch aus Bad Godesberg, Villa Deichmann, an Maria Zanders:

„Aber dort am hohen Gestade. Sitzet Odysseus und weint – Hinschauend über den Rhein – nach den fernen Lieben – Igelkrank – denn nimmer gefällt ihm das andere! Ja, so ist es, – so und nicht anders! Der schöne Traum ist zu Ende, kaum aus den Wäldern heraus, von den grünen Höhen herunter, packt mich wieder der Gram der Welt!“                                        

Max-Bruch-Archiv, Köln

Nach 1878 wurde zwar eine räumliche Trennung zwischen Max und Maria unvermeidlich, führte aber zu einer umfangreichen und inspirierenden Korrespondenz.

Wie die Freunde die Trennung schöpferisch überbrückten, soll in der nächsten Folge gezeigt werden.

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