Das „Schloss“ Lerbach geht auf ein mittelalterliches Gut zurück und blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Ende des 19. Jahrhunderts wurde von den Familien Zanders und Siemens das heute bekannte Gebäude errichtet und die alte Wasserburg abgerissen. Ein Schloss war es nie – und das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte.


Schon im Mittelalter war im Altenberger Urkundenbuch von einem Leivberg, Lrybach oder Lierbach im Gebiet des heutigen Bergisch Gladbacher Stadtteils Heidkamp die Rede. 1384 wurde die Burg zum ersten Mal als Ritterburg erwähnt, im Besitz eines Johann von Hoenen. Im 15. und 16. Jahrhundert besaß zunächst eine Familie von Forstbach das Gut, bevor es an den Geheimen Rat Gottfried von Steinen ging.

1644 baute Gottfried von Steinen IV das mittelalterliche Schloss zu einem von Wasser umgebende Herrenhaus um. Er verkaufte das das Anwesen aber kurz darauf an Michael von Leers, ebenfalls Bergischer Amtmann.
1752 wechselte das Gut an Maria Merheims, 1775 ist Johann Adam Joseph von Herresdorf als Besitzer bekannt.
Zum Rittergut gehörten inzwischen weitere Güter wie der Hof Oberlerbach, Unterlerbach und Schmalzgrube, ebenso wie die 1806 erbaute Lerbacher Mühle.
Von der Wasserburg zum Herrenhaus
In den 1830er Jahren ließ Eduard Knobel das Anwesen in ein Herrenhaus nach englischem Vorbild umbauen. Nach Einschätzung von Architektur-Professor Michael Werling erinnerte das Haus Lerbach tatsächlich an das von Inigo Jones errichtete Queen’s House im Londoner Stadtteil Greenwich, der aber ebenfalls auf die italienische Renaissance und den Klassizismus zurückgriff.

1850 ging der Besitz an Leopold von Niesewandt über, der das Gut 1865 an Graf Levin von Wolff-Metternich veräußerte.

Schließlich wurde das gesamte Gut mit eine Fläche von gut 300 Hektar 1893 an Richard Zanders und seine Ehefrau Anna Zanders, eine Tochter des Erfinders und Unternehmers Werner von Siemens, verkauft.
Wie Michael Werling in seinem Buch „Bergisch Gladbach – Geschichte einer Stadt im Spiegel ihrer Baudenkmäler“ schreibt, wollte das Ehepaar Zanders das Haus modernisieren – stieß aber „auf unvorhergesehene Schwierigkeiten“.
Abriss und Neubau

Kurzerhand ließ das Ehepaar Zanders das alte Gebäude abreißen und die Gräfte in einen Teich verwandeln. Oberhalb des alten Standorts baute Ludwig Bopp nach Plänen von Gabriel von Seidl ein ganz neues Herrenhaus im englischen Landhausstil, das 1898 fertig wurde.

Auch der Unterlerbacher Hof wurde 1898 abgetragen und in die Gronauer Waldsiedlung transloziert.
Der weiträumige, 26 Hektar großer Landschaftspark, der in den Gutswald übergeht, wurde neu angelegt. Hinzu kamen zahlreiche Ökonomiegebäude, Verwalter- und Pförtnerhäuser und eine Reithalle. Nun erhielt die gesamte Anlage den Namen Haus Lerbach.

Hinweis: Ein detaillierte Darstellung der Geschichte des Anwesens bis 1988 und eine sehr grundsätzliche Untersuchung des Parks bietet die Diplomarbeit „Der Park von Haus Lerbach: Möglichkeiten der Erhaltung und Wiederherstellung“ von Sabine Kuhnle an der TH Osnabrück. Mehr dazu im Beitrag „Der Park“.
Nach Anna Zanders‘ Tod 1939 erbte es ihr Neffe Hermann von Siemens.
Von 1939 bis 1945 war hier, im Zweiten Weltkrieg, die Säuglingsabteilung des Kölner Waisenhauses einquartiert. Nach Kriegsende wurde es von den Besatzungstruppen beschlagnahme, die Belgier nutzten es als Erholungsheim für Offiziere.
1954 wurde Haus Lerbach freigegeben; Otto Ballwahn eröffnete ein Hotel mit Kur-Kneip-Badebetrieb. In dieser Zeit wurden zwei Schwimmbecken im Park angelegt, die später auch von den Kindern der Nachbarschaft genutzt nun noch später zugeschüttet wurden.
Von 1961 bis 1987 war es unter dem Namen Europäische Akademie Lerbach der Sitz des Gustav-Stresemann-Institutes.

1972 erbten Wendelin und Ruprecht von Siemens das Gut. Bis zuletzt blieb das Anwesen im Besitz der Familie von Siemens.
1987 wurden Haus und Parkt unter Denkmalschutz gestellt.
1988 diente Haus Lerbach als Film-Kulisse, vor allem für die Fernsehserie „Forstinspektor Buchholz“.
Drei Sterne: Die Zeit von Althoff, Müller, Henkel
Seit 1992 wurde das Herrenhaus nach aufwendigen Sanierungsarbeiten von Thomas Althoff als Hotel genutzt, und wurde fortan „Schloss Lerbach“ genannt.
Dabei wurde auch die Terrasse auf der Rückseite des Hauptgebäude mit einem modernen Glas- und Stahlpavillon überbaut. Der Brunnen, der die Terrasse geprägt hatte, fand sich danach auf einem Wandgemälde wieder – und wurde vor dem Schloss gegenüber dem Haupteingang etwas versteckt angebracht.






Im Pavillon war das Gourmet-Restaurant Dieter Müller beheimatet, das 2008 von Nils Henkel übernommen und 2010 in Gourmetrestaurant Schloss Lerbach umbenannt wurde. Von 1998 bis 2011 war es mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, danach noch mit zwei – und gehörte zu den besten Restaurants Deutschlands.

Abruptes Ende
Anfang 2015 wurden Hotel und Restaurant kurzfristig geschlossen, weil der Pachtvertrag mit der Gruppe Althoff Hotels auslief – und offenbar Differenzen zwischen den Eigentümern der von-Siemens-Familie und Pächter über eine notwendige Sanierung des Gebäudes eskalierte.
Danach gab es verschiedene Versuche von Investoren, das Gebäude umzubauen, zu einem Tagungezentrum und/oder Hotel – die zunächst jedoch scheiterten.
Seit Anfang 2023 ist die Schloss Lerbach GmbH & Co. KG, eine Gesellschaft von Ute Reißdorf und Dr. Heribert Landskron-Reißdorf. Die hier nun ein neues Kapitel in der Schloss-Lerbach-Geschichte schreiben wollen.

Quellen:
- Michael Werling: Bergisch Gladbach – Geschichte einer Stadt im Spiegel ihrer Baudenkmäler
- „Der Park von Haus Lerbach: Möglichkeiten der Erhaltung und Wiederherstellung“, Sabine Kuhnle, TH Osnabrück.
- Wikipedia