Im Vorfeld der Fussball-Europameisterschaft hörte man hier und dort das Wort „Sommermärchen“. Aber kann die EM wirklich mit der Weltmeisterschaft von 2006 mithalten? Zur Eröffnung hat sich unser Fotograf Thomas Merkenich in Bergisch Gladbach umgeschaut und bringt ein paar Fotos vom Public Viewing und seine ganz persönlichen Eindrücke mit.
Okay, ich will ehrlich sein. So richtige EM-Stimmung war bei mir bisher nicht aufgekommen. Irgendwie steckten mir die Spiele gegen die Türkei und Österreich noch in den Knochen und ich hatte den Eindruck, als würde Fussball-Deutschland mehr über die Trikots und die Hautfarbe der deutschen Nationalspieler diskutieren, als über eine Europameisterschaft im eigenen Land.
Und irgendwie konnte man den Eindruck gewinnen, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine war. Im Gegensatz zu manch vergangenen Welt- und Europameisterschaften sah man in Bergisch Gladbach kaum Fähnchen oder sonstige Hinweise darauf, dass Deutschland eine Fussball-EM ausrichtet. Keine Fan-Zones oder öffentlichen Public-Viewings und auch die Rückmeldungen auf unsere Umfrage waren, im Verhältnis zu früheren Turnieren, eher überschaubar.
Fußball-EM: Die Public Viewing-Orte in Bergisch Gladbach
Zum Start der Europameisterschaft am Freitag haben wir mit Hilfe unserer Leserinnen und Leser dann doch noch eine ganze Reihe von Angeboten ausfindig gemacht, wo man die Spiele gemeinsam anschauen kann. Draußen und drinnen, in Kneipen und Kirchen.
Weil auch die Temperaturen eher „Wollpulli“ statt „Deutschland-Trikot“ waren, richtete ich mich also auf einen gemütlichen Fussball-Abend auf der Couch ein. Für die vollständige Eskalation hatte ich mir sogar eine Flasche Kölsch besorgt. 0,33 Liter. Man muss es ja nicht gleich übertreiben.
Dann kam allerdings eine Whats-App vom Chef: „Machst Du heute noch ein paar Fotos?” Die Frage „brauchen wir denn welche?“ hätte ich mir auch selbst beantworten können: „Haben ist besser als Brauchen!“. Also los.
Bistro Am Schloss: „Wenn et Trömmelche jeht“

Eine Bühne mit Großbildleinwand, vier weitere Monitore, ein Grill und mächtig Stimmung. Der Platz vor dem Bistro ist so voll, dass sich sogar Zuschauende auf dem Parkdeck der Schlossgalerie versammelt hatten. Als Journalist müsste ich jetzt eigentlich die Besucherzahl angeben. Aber ich bin leider wirklich schlecht darin, so etwas zu schätzen. Daher mache ich ein paar Bilder.
Weil ich recht spät unterwegs war, musste ich die ersten beiden Tore am Autoradio verfolgen. In den Genuss eines Torjubels komme ich also erst zum 3:0. Ilkay Gündogan war im Strafraum rüde gefoult worden und es gibt Elfmeter.

Kai Havertz legt sich den Ball zurecht, läuft an, verzögert stark …
… und macht das Ding!
Auf die Wucht des Torjubels war ich nicht vorbereitet. Der komplette Innenraum springt auf, jubelt und stimmt nicht etwa „Major Tom“, sondern „wenn et Trömmelche jeht“ an. In den letzten Minuten bis zur Halbzeit gerät der Spielverlauf zur Nebensache und ich eise mich vom Freudentaumel los, um zur nächsten Location zu fahren.
Quirl’s an der Gnadenkirche
Noch beeindruckt von der Stimmung in Bensberg bin ich gespannt, was mich wohl an der oberen Hauptstraße erwartet. Als ich ankomme ist es schon recht dunkel geworden und ich kann auf den ersten Blick nicht gleich erkennen, wie viele Leute sich im Quirl’s versammelt hatten. „Um die Hundert werden das schon sein“, meint Alexander Vossler, der Betreiber des Quirl’s augenzwinkernd. Ich denke mal, dass er genauso schlecht schätzen kann, wie ich.
Der Biergarten ist proppevoll und ich komme kaum dazu, Fotos zu machen. Egal wo ich mich hinstelle werde ich freundlich aber ungeduldig gemaßregelt, nicht im Bild zu stehen – obwohl es unzählige Monitore gibt. Auch im Innenraum ist mächtig Stimmung und es stört kaum jemanden, dass zwischenzeitig das schöne Tor von Niklas Füllkrug wegen Abseits aberkannt worden war.
Am Ende gewinnt die deutsche Nationalmannschaft ungefährdet mit 5:1 gegen Schottland und macht dabei nicht nur ein gutes Spiel, sondern richtig Lust auf mehr. Ich jedenfalls, bin seit dem Eröffnungsspiel richtig on fire und glaube, damit bin ich nicht allein. Vielleicht wird es ja doch noch ein Sommermärchen.
In diesem Beitrag listen die Angebote zum Public-Viewing auf, die uns bekannt sind. Weitere Hinweise nehmen wir in den Kommentaren unten oder per Mail an redaktion@in-gl.de gerne entgegen.














