Sie war viele Jahre in der Sozialraum- und der Integrationsarbeit tätig und hat internationale Wurzeln: Nicole Mrziglod ist die neue Leiterin der Volkshochschule Bergisch Gladbach. Für die 36-Jährige schließt sich damit ein Kreis. Obwohl sie erst seit wenigen Wochen im Amt ist, hat sie sich bereits viel vorgenommen.
Integration und Bildung waren schon immer ihre Herzensthemen. Sie ziehen sich durch Nicole Mrziglods Biografie wie rote Fäden. Und diese Fäden verknüpfen sich nun in ihrer neuen Aufgabe – oder, wie sie selbst sagt: „Es fühlt sich an, als würde sich ein Kreis schließen.“ Nicole Mrziglod leitet seit dem 1. April die Volkshochschule (VHS) Bergisch Gladbach.
Sie ist die Nachfolgerin von Michael Buhleier, der sich Ende März in den Ruhestand verabschiedet hat. „Er war mein erster Chef, als ich 2017 bei der Stadt angefangen habe“, erinnert sich die 36-Jährige. Ihr Schwerpunkt lag damals in der Integrationsarbeit, unter anderem hat sie das Integrationskonzept für die Stadt mit verfasst. Zuletzt verantwortete sie die Bereiche Kindertagesbetreuung (also Kita und OGS) und Jugendförderung (dazu gehören neben Jugendzentren unter anderem auch Spielplätze).
Vision von einem Begegnungs-Café
„Das, was für mich die VHS ausmacht, ist die Begegnung mit den Menschen. Ich komme hier mit so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten in Kontakt, das empfinde ich als sehr bereichernd“, schwärmt Mrziglod. Die Begegnungen zwischen Menschen sind für sie die Grundlage von Integrationsarbeit. Womit wir wieder bei einem ihrer Herzensthemen sind.
„Ich möchte die Begegnungen im Haus verstärken, wünsche mir offene Formate, wo man sich niederschwellig treffen kann, ohne vorherige Anmeldung“, sagt Mrziglod. Die Kurse selbst lebten zwar von Begegnung, weil sie real und nicht online stattfänden. Doch danach gingen die meisten Teilnehmer:innen nach Hause. Ihr schwebt die Vision von einem „Begegnungs-Café“ vor, vielleicht im VHS-Garten, da gebe es noch Potenzial.

Politische Bildung als Kernaufgabe der VHS
Potenzial sieht die neue Leiterin auch im politischen Bereich: „Da ist es manchmal schwer, die Menschen abzuholen.“ Politische Kurse seien meist schwächer gebucht als andere Themengebiete. Dabei steht die VHS für eine vielfältige, demokratische Gesellschaft und ein bürgerschaftliches Miteinander, wie sie Einrichtung es in ihrem Leitbild formuliert.
Für Mrziglod verkörpert die VHS einen Ort für Bildung, Begegnung und Zusammenhalt, durch die erst die Grundlagen für Demokratie geschaffen würden. Sie wünscht sich, dass die Einrichtung Menschen eine politische Grundbildung vermittelt, unter dem Motto „Wie Politik und Demokratie vor Ort funktionieren“. Neben der Teilhabe an der Gesellschaft sieht sie in der Demokratiebildung einen Kernauftrag der VHS.
Ich habe 1000 Ideen und muss mich selbst immer wieder bremsenNicole Mrziglod
Sie hat ihre neue Aufgabe erst seit wenigen Wochen inne. Und doch vermittelt sie den Eindruck, schon voll in ihrem Element zu sein. Sie sprudelt nur so vor Elan und Begeisterung für ihre neue Wirkungsstätte an der Buchmühle.
„Ich habe 1000 Ideen und muss mich selbst immer wieder bremsen. Noch fehlen mir die Routinen“, gibt sie zu. Sie wolle auch keineswegs diejenige sein, die nun alles Bewährte umkrempelt.
Um wirklich die ganze Bandbreite der VHS kennenzulernen, brauche es ein Jahr, glaubt die neue Leiterin. Das aktuelle Semester unter dem Motto „Zusammen wachsen“ begann im Februar. Das kommende, das nach den Sommerferien startet, hat noch ihr Vorgänger geplant. Zusammenwachsen müsse nun auch erst einmal das veränderte Team.

Internationalen Wurzeln
Mrziglod hatte schon als Kind Kontakt mit der Institution VHS. Die gebürtige Bergisch Gladbacherin stammt aus einer internationalen Familie. Ihr Vater hat polnische Wurzeln, ihre Mutter ist Halbitalienerin und hat früher Italienisch-Kurse an der VHS gegeben. Manchmal hat Nicole ihre Mutter begleitet.
Sie selbst hat mal einen Spanisch-Kurs an der VHS belegt. „Sprachen liegen mir“, sagt sie. Neben Deutsch ist Italienisch ihre zweite Muttersprache; in der Schule hatte sie Latein, spricht außerdem Französisch und Spanisch und studierte Englisch.
Welchen Kurs sie sich heute aussuchen würde? Mrziglod überlegt, blättert eine Weile durch das dicke VHS-Programmheft. „Wahrscheinlich etwas Kreatives“, antwortet sie. „Ich probiere gern neue Sachen aus.“ Häkeln oder Makramee zum Beispiel.

Ein Job mit Gestaltungsmöglichkeiten
Per YouTube-Videos hat sie sich angeeignet, wie man Acrylfugen zieht. In dem alten Haus, in das Mrziglod gezogen ist, gibt es viel zu renovieren. Mrziglod ist eine Macherin, im Privaten wie im Beruflichen. „Natürlich ist es am Anfang viel. Aber ich habe nie das Gefühl, dass wir das nicht gemeinsam hinkriegen. Ich freue mich auf die vielen Gestaltungmöglichkeiten.“
Der Schreibtisch in ihrem neuen Büro ist aufgeräumt. Dokumente mit Büroklammern liegen auf Stapeln nebeneinander, einige mit neonfarbenen Textmarkierungen und gelben Post-it-Zetteln versehen. Ein Blumenstrauß ziert den runden Besprechungstisch, für ihre Gäste hat Mrziglod Karamellcroissants und Getränke bereit gestellt.

Vom Schreibtisch aus blickt Mrziglod durch ein großes Fenster auf Bäume und den Buchmühlenpark. Durch das geöffnete Fenster dringen Kinderstimmen der benachbarten Grundschule.
„Die Lage, das Haus und seine Atmosphäre sind perfekt“, schwärmt Mrziglod. Mitten in der Stadt, mitten im Leben.
Ein Mann, der sein Brillenetui in einem Kursraum vergessen hat, betritt ihr Büro. Sie schnappt sich den Schlüssel und schließt ihm den Raum auf. „Meine Tür steht eigentlich immer offen. Dadurch bekomme ich viel mit, was im Haus passiert.“ Es ist diese Interaktion mit den Menschen, die die Mrziglod an ihrer Arbeit so schätzt.
Neue Zielgruppen gewinnen
Neben der Leitung der gesamten Einrichtung verantwortet sie die Bereiche Politik, Ausstellungen und Ernährung. Sie entscheidet, welche Kurse und Projekte ihren Weg ins Programm finden. Abgesehen von Integrations- oder Grundbildungskursen kämen eher Menschen aus einer gebildeten Schicht. „Ich würde gern auch andere Zielgruppen erreichen. Das ist ein hehres Ziel, aber ich möchte es versuchen.“
Wer Mrziglods berufliche Wurzeln kennt, versteht diesen Anspruch. Neben ihrem Ethnologie- und Englisch-Studium – „eigentlich wollte ich Journalistin werden“ – jobbte sie im Jugendzentrum Q1 der evangelischen Kirchengemeinde, schrieb für die Jugendzeitung, gab internationale Koch- und Deutsch-Kurse.
Erfahrung in der Integrationsarbeit
Später war sie Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses, ebenfalls ein Ort der interkulturellen und interreligiösen Begegnung, und kooperierte für das Kursprogramm schon damals mit der VHS. Sie war für die soziale Netzwerkarbeit der evangelischen Kirchengemeinde zuständig, brachte Geflüchtete und Ehrenamtliche in einem Mentorenprojekt zusammen.
Mit dem Wechsel zur Stadt tauchte Mrziglod immer tiefer in den Integrationsbereich ein. „Irgendwann kannte ich gefühlt jedes Projekt und alle Kooperationspartner. Ich wollte mich weiterentwickeln in Richtung Führungsposition.“ Und so entschied sie sich für ein berufsbegleitendes Masterstudium in Sozialmanagement, das sie neben ihrer Vollzeitstelle durchzog. „Es war eine heftige Zeit“, erinnert sie sich.

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Institution im Wandel
Doch das Studium hat sich schnell bewährt: erst für ihren Aufstieg zur Sachgebietsleitung Kindertagesbetreuung und Jugendförderung und nun für die Führung der VHS, wo ihr die Management-Kenntnisse aus dem Master-Studium zugute kommen, wie sie selbst sagt.
Stillstand ist nichts für Nicole Mrziglod. Da scheint die neue Wirkungsstätte wie gemacht für sie: Ein buntes Potpourri an Themen und Angeboten trifft auf verschiedenste Menschen, die sich weiterbilden möchten. „Die VHS ist immer im Wandel. Es gibt keinen starren Lehrplan, sondern ein flexibles Programm, das sich in jedem Halbjahr ändert.“
Auf der Website der VHS finden Sie das aktuelle Programm.
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