Besonders kritisch ist die Situation in der Industrie. 41 Prozent der Industriebetriebe berichten von einer schlechten Geschäftslage, nur 14 Prozent von einer guten. Symbol-Foto: Thomas Merkenich

Die aktuelle Umfrage der IHK Köln lässt keinen Aufschwung der Wirtschaft in der Region erkennen. Die Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis bewerten ihre Lage überwiegend negativ. Zwar haben sich die Erwartungen leicht aufgehellt, aber auch sie bleiben im negativen Bereich.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung der IHK Köln

Zum Jahresbeginn 2026 bleibt die wirtschaftliche Lage im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Köln unverändert schwierig, so das Fazit des aktuellen Konjunkturberichts. Seit einem kurzen Hoffnungsschimmer nach der Bundestagswahl 2025 haben sich die Erwartungen der Unternehmen eingetrübt. Nur noch zwölf Prozent der Unternehmen glauben, dass sich ihre Lage in den nächsten zwölf Monaten spürbar verbessern wird.

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Die Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis bewerten ihre Lage erneut überwiegend negativ. Zwar haben sich die Erwartungen leicht aufgehellt, sie bleiben jedoch im negativen Bereich. Investitionen werden weiterhin zurückgestellt, die Beschäftigungsaussichten bleiben schlecht.

Hauptrisiken für die Unternehmen in Rhein-Berg sind die Inlandsnachfrage (68 Prozent), die Arbeitskosten (56 Prozent) und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (53 Prozent).

Klimaindikator verharrt auf niedrigem Niveau

Der IHK-Konjunkturklimaindikator für den ganzen Kammerbezirk liegt bei 89,3 Punkte und stagniert seit mehreren Umfragen auf diesem niedrigen Niveau. Erst bei einem Indikatorwert von über 100 Punkten ist mit wirtschaftlichem Wachstum zu rechnen. Die Unternehmen warten mit zunehmendem Unmut auf die vielfach versprochenen Reformen und Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.

Da diese immer noch nicht absehbar sind, stufen mehr als die Hälfte (51,1%) der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko ein. Das bedeutet, dass das Vertrauen in die Politik bei den Unternehmen aufgebraucht ist. „Die Wirtschaft kommt nicht vom Fleck“, sagt Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

„Die Wirtschaft steckt in der Krise fest. Die Unternehmen warten vergeblich auf Entlastungen, Planungssicherheit und klare Reformen. Die Arbeitskosten sind zum zweitgrößten Risiko vorgerückt. Aufträge aus dem In- und Ausland bleiben aus, die Auslastung sinkt und Investitionen werden verschoben oder in wirtschaftlich attraktivere Länder verlagert. Die De-Industrialisierung schreitet weiter voran. Das wirkt sich zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt aus. Gerade in der Industrie werden Jobs abgebaut. Es ist jetzt wirklich höchste Zeit zu handeln.“

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Alexander Felsch übernimmt Geschäftsstelle der IHK

Der Kandidat von CDU und FDP bei der Bürgermeisterwahl in Bergisch Gladbach kehrt in die Region zurück: Alexander Felsch wird Geschäftsbereichsleiter „Wirtschaft und Politik“ und zugleich Leiter der Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg der IHK zu Köln. Er wolle an der Basis als Dienstleister für die Unternehmen aktiv werden und weiter daran mitarbeiten, die politischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern.

Die Geschäftslage verharrt bereits zum fünften Mal in Folge im negativen Bereich. Drei von zehn Unternehmen bewerten ihre Lage als schlecht, weniger als ein Viertel spricht von einer guten Situation. Auch der Blick nach vorne bleibt düster: Lediglich zwölf Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung, während mehr als jedes vierte Unternehmen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage befürchtet.

Besonders kritisch ist die Situation weiterhin in der Industrie. Das Konjunkturklima bleibt tief im roten Bereich. 41 Prozent der Industriebetriebe berichten von einer schlechten Geschäftslage, lediglich 14 Prozent von einer guten. Die Kapazitätsauslastung ist erneut gesunken und liegt mit derzeit 70,4 Prozent nur hauchdünn über dem Corona-Niveau (70,0 im Quartal III/2020), aber deutlich unter dem langjährigen Mittel (ca. 78 Prozent). 

Mehr als jedes zehnte Industrieunternehmen meldet sogar eine Auslastung von unter 50 Prozent. Auch die Auftragseingänge bleiben schwach: Über die Hälfte der Betriebe verzeichnet rückläufige Bestellungen. Die Exporterwartungen bleiben entsprechend pessimistisch.

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Isover richtet sich mit deutlich kleinerer Belegschaft ein

Wie angekündigt hat das Unternehmen Saint-Gobain Isover die traditionsreiche Produktion von Glaswolle in Bergisch Gladbach eingestellt. Nun sind es noch 60 Mitarbeiter, die hier Rohrschalen aus einer speziellen Form der Mineralwolle herstellen. Dafür gebe es eine stabile Nachfrage. Ob das Unternehmen Teile des großen Geländes am Rand der Innenstadt abgibt, ist noch völlig offen.

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen bleibt insgesamt niedrig. Mehr als ein Drittel der Unternehmen plant geringere Investitionen, nur jedes vierte eine Ausweitung. Investiert wird vor allem in Ersatzbedarf und Rationalisierung – Kapazitätserweiterungen spielen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.

Die schwache Konjunktur schlägt sich zunehmend auf dem Arbeitsmarkt nieder. Der Beschäftigungsindikator liegt bei -14 Punkten. Mehr als ein Viertel der Unternehmen plant einen Stellenabbau, lediglich 13 Prozent wollen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Damit bleibt der Arbeitsmarkt bereits zum achten Mal in Folge unter Druck.

Als größtes Risiko nennen die Unternehmen erneut die schwache Inlandsnachfrage (62 Prozent). Dahinter folgen die hohen Arbeitskosten (57 Prozent) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (51 Prozent). Auch Energie- und Rohstoffpreise sowie geopolitische Unsicherheiten belasten die Unternehmen weiterhin.

Einzig der Dienstleistungssektor trotz weiterhin dem Negativtrend aus dem Industrie- und Handelsbereich. Die Unternehmen im Kammerbezirk profitieren davon, dass der Dienstleistungssektor trotz globaler Unsicherheiten weiter expandiert.

Versicherer, Beratungen und Gesundheitsdienstleister sind – anders als Industrie und Handel – weniger von den aktuellen internationalen Handelsrisiken und rückläufigen Exporten betroffen, was der Stadt Köln mit hohem Dienstleistungsanteil relativ zu Leverkusen und den Landkreisen zum Vorteil gereicht.

STADT KÖLN

In Köln hat sich die Geschäftslage zum Jahresbeginn 2026 leicht verbessert. 27 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als „gut“, ebenso viele als „schlecht“. Die Erwartungen bleiben jedoch pessimistisch: 26 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, nur elf Prozent mit einer Verbesserung. Die Investitions- und Beschäftigungspläne bleiben deutlich negativ. Als größte Risiken nennen die Unternehmen die Inlandsnachfrage (79 Prozent), die Energiepreise (64 Prozent) und die Arbeitskosten (60 Prozent).

STADT LEVERKUSEN

In Leverkusen verschlechtert sich die Geschäftslage deutlich. Nur noch 14 Prozent der Unternehmen melden eine gute Lage, während sich die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate weiter eintrüben. Die Investitionsbereitschaft bleibt schwach, ebenso die Beschäftigungspläne. Die größten Risiken sehen die Unternehmen in der Inlandsnachfrage (61 Prozent), den Arbeitskosten (51 Prozent) und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (45 Prozent).

RHEIN-ERFT-KREIS

Im Rhein-Erft-Kreis verbessert sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage leicht. Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben jedoch pessimistisch. Die Investitions- und Beschäftigungspläne verharren im negativen Bereich. Als größte Risiken nennen die Unternehmen die Inlandsnachfrage, die Arbeitskosten sowie die Energie- und Rohstoffpreise.

OBERBERGISCHER KREIS

Im Oberbergischen Kreis hat sich die Lage weiter eingetrübt. 42 Prozent der Unternehmen melden eine schlechte Geschäftslage, nur 16 Prozent eine gute. Die Investitionsbereitschaft bleibt tief im negativen Bereich, ein Drittel der Unternehmen plant einen Stellenabbau. Die größten Risiken sehen die Unternehmen in der Inlandsnachfrage (69 Prozent), den Arbeitskosten (66 Prozent) und den Energie- und Rohstoffpreisen (52 Prozent).

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