Besondere Bücher für ein großes Lesevergnügen! Ein Debütroman über das ländliche Westfalen. Ein Roman aus dem Nachlass eines großen Erzählers. Und ein faszinierendes Sachbuch über eine alte Ikone.

Julja Linhof: Krummes Holz

Der Debütroman „Krummes Holz“ von Julja Linhof katapultiert den Leser ins ländliche Westfalen. Es ist ein heißer Sommer, als der junge Jirka, nach fünf Jahren im Internat, auf den heruntergewirtschafteten Hof seiner Eltern zurückkehrt. Die Ungewissheit, die am Ende dieser Reise auf ihn wartet, und die vielen unbeantworteten Fragen, die ihn beschäftigen, werden schon auf den ersten Seiten greifbar.

Leander, der Sohn des ehemaligen Verwalters, nimmt ihn das letzte Stück mit dem Auto mit. Trotz der wortkargen Unterhaltung scheint die zwei Männer mehr zu verbinden, als das gemeinsame Aufwachsen in unmittelbarer Nachbarschaft.

Jirkas Ankunft stößt in seiner Familie auf Ablehnung und Unverständnis. Seine ältere Schwester Marlene, die den Hof inzwischen bewirtschaftet, ignoriert seine Anwesenheit und schweigt. Der Vater lässt sich tagelang nicht blicken, obwohl sein Auto vor der Tür steht. Und aus der herrischen Großmutter ist eine zerbrechliche Gestalt geworden, deren Wesen immer mehr durch die voranschreitende Demenz verschwindet.

Nur Leander öffnet sich langsam, so dass Jirka erfährt, was sich in den letzten Jahren auf dem Hof und im Dorf ereignet hat. Jeder Raum, jede Ecke des Hauses weckt Erinnerungsfetzen, die sich wie ein Puzzle zusammenfügen. Langsam wird das Bild einer lieblosen Familie sichtbar, in der es nie Geborgenheit oder Trost gab und einer Kindheit, die geprägt war von emotionaler Kälte und Härte.

Julja Linhof: Krummes Holz.
Klett-Cotta 2024, € 22,00.
Das Buch in unserem Onlineshop

Mit ganz viel Feingefühl schafft es die junge Autorin, die Spaltung der Geschwister und ihre traumatischen Erfahrungen zu beschreiben. Die unglaublich dichte Sprache fängt die bedrückende Atmosphäre auf den Hof sehr treffend ein, legt die Wunden und Verletzungen der Vergangenheit schonungslos frei. Trotz allem blitzt immer wieder die Hoffnung durch, kleine Schritte der Annäherung bahnen sich an.

„Krummes Holz“ erzählt aber auch die Geschichte einer zarten, behutsamen Liebe und spiegelt die unverwüstliche Kraft der Familienbande wider. 

(Viviana Domokos)

Gabriel García Márquez: Wir sehen uns im August

Márquez ist einer der ganz großen Erzähler der Nachkriegszeit. So zählen seine Werke, allen voran „Hundert Jahre Einsamkeit“ und „Liebe in Zeiten der Cholera“, inzwischen zu Klassikern der Weltliteratur. Umso größer die Freude für die Nachwelt, dass jetzt das letzte unveröffentlichte Buch aus seinem Nachlass erschienen ist.

Es ist die Geschichte einer Frau in der zweiten Lebenshälfte. Ihr Leben und ihre Ehe sind zur Routine geworden. Alles spielt sich gleich ab. So fährt sie jedes Jahr im August auf eine kleine Karibikinsel, um dort das Grab ihrer Mutter zu besuchen. Abends isst sie in ihrem Hotel eine Kleinigkeit, um dann am nächsten Morgen zurückzukehren.

Doch an diesem Abend ist es anders. Sie wird von einem Fremden zu einem Drink eingeladen. Entgegen ihrer inneren Überzeugung nimmt sie nicht nur an, sondern mehr noch, sie nimmt ihn mit auf ihr Zimmer. Als sie am nächsten Tag nach Hause fährt, ist sie nicht mehr dieselbe Frau wie vorher. 

Es geht um Liebe, Einsamkeit, Betrug, Konventionen und deren Überwindung. So entsteht das Psychogramm einer reifen Frau, die sich neu erfindet. Mehr noch, zum Schluss wartet der Autor außerdem mit einer Überraschung auf, die wie ein Knallbonbon die Geschichte ausklingen lässt. 

Gabriel García Márquez: Wir sehen uns im August.
Kiepenheuer & Witsch 2024, € 23,00.
Übersetzt von Dagmar Ploetz
Das Buch in unserem Onlineshop

Es gab viel Aufregung um das posthume Erscheinen dieses letzten Werkes. Der Autor hatte es mehrfach umgeschrieben und hatte seinen Söhnen eine Veröffentlichung nach seinem Tod verboten. Jetzt, zehn Jahre später, haben sie sich darüber hinweggesetzt mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten. Wie man dazu steht, muss jeder für sich selbst entscheiden. 

Dabei steckt in diesem kleinen Roman noch so viel Erzählkraft des Autors, obwohl er damals bereits krank war. Schon der Beginn ist ungeheuer atmosphärisch und die Sprache so typisch melodisch für „Gabo“, wie er in Kolumbien liebevoll genannt wird, dass es einfach eine Freude ist. Die herausragend gut geschriebene Geschichte ist dicht erzählt und besticht durch eine kunstvolle Figurenzeichnung und die farbenfrohe Sprache.

Nicht zuletzt durch die kongeniale deutsche Übersetzung ist hier ein kleines literarisches Meisterwerk entstanden, dem man sich nicht, wenn auch mit Wehmut, entziehen kann. 

(Sylvia Jongebloed)

Sebastian Conrad: Die Königin. Nofretetes globale Karriere

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, so sagt man. Trotzdem gibt es diese Form von zeitloser Schönheit, die sogar Jahrtausende überdauern kann. Ein Paradebeispiel dafür ist die Büste der Nofretete. Jeder kennt sie und selbst wenn nur ihre Konturen angedeutet werden, weiß man sofort, um wen es sich handelt. Was macht ihre Faszination aus und welche Bedeutung hat sie im Laufe der letzten hundert Jahre seit ihrer Entdeckung für unsere westliche Welt gewonnen?

Als der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchardt 1912 in Amarna bei Grabungen u.a. die Büste der Nofretete unter Schuttbergen fand, war sie fast unbeschadet. Nach damaligen Recht wurden die Funde aufgeteilt. Da Ägypten zu der Zeit keinen Anspruch auf sie erhob, kam sie nach Berlin und wurde rund zehn Jahre weggeschlossen, weil man schon damals Probleme mit der Zugehörigkeit befürchtete. So war es dann auch, als sie 1924 das erste Mal öffentlich präsentiert wurde.

„Die Schöne ist gekommen“, so die Bedeutung ihres Namens. Nur wenig ist belegt über ihre Herkunft, ob sie schwarz oder weiß war und woher sie stammte. Fakt ist, dass sie während der 18. Dynastie die Gemahlin von Echnaton war, zahlreiche Abbildungen zeugen davon.

Sie stieg schon bald zu einer Art Mitregentin auf. Ihre berühmte blaue Krone stellte ein Gegenstück zum Kriegshelm des Pharaos dar. Man vermutet, dass sie nach dem Tod Echnatons Ägypten zumindest für eine gewisse Zeit allein regiert hat. Die meisten Aussagen über  Leben und Tod Nofretetes basieren allerdings auf Vermutungen, nur weniges ist historisch verbürgt. Dadurch wurde sie dann auch bis in die heutige Zeit zu einem perfekten Projektionsobjekt. 

Sebastian Conrad: Die Königin.
Propyläen Verlag 2024, € 29,00.
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Ihre steile Karriere in der Neuzeit  ist bis heute ungebrochen. Sie löste in den 20er Jahren eine wahre Ägyptomanie aus. So wurde sie zur Werbeikone für Kosmetik, Parfüm, Schmuck und vieles mehr. Damals wie heute entspricht sie dem modernen westlichen Schönheitsideal. Aber auch die afroamerikanische Popkultur ist fasziniert von Nofretete.

Allen voran Beyoncé, sie sieht sie als Vorkämpferin für die Rechte schwarzer Frauen. Dies wiederum stieß in Ägypten auf Unverständnis. Allgemein löste es eine Debatte über Rassifizierung aus. Doch die Geschichte der Nofretete ist weit mehr als das. Es geht um Kolonialismus, Imperialismus und letztendlich um die Globalisierung der letzten 150 Jahre. 

Conrad hat ein facettenreiches und sehr modernes Buch über eine mehr als 3000 Jahre „Alte Dame“ geschrieben, deren Prägung auf die Neuzeit bis heute andauert. Keine trockene Geschichtsstunde, sondern verständlich und lebendig erzählt und nebenbei auch noch sehr spannend. Geschichte mal aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählt. Faszinierende Lektüre über eine faszinierende Frau!

(Sylvia Jongebloed)

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Pia Patt und Birgit Lingmann

Pia Patt führt die Buchhandlung Funk inzwischen alleine, Birgit Lingmann gehört weiterhin zum Team

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen. Seit Sommer 2023 führt Pia Patt die Buchhandlung alleine. Birgit Lingmann hat sich aus gesundheitlichen Gründen ein Stück weit zurück gezogen, arbeitet aber weiterhin im „funky“-Team mit.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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