Bäckerei, Café und Ort der Begegnung in einem: „Helga’s Backstube“ ist bei vielen Menschen in Heidkamp und weit darüber hinaus beliebt. Weil der Mietvertrag nicht weiter verlängert wird, schließt Helga Rappenhöner jetzt aber nach fünf Jahren ihre Filiale und wagt in Herkenrath einen neuen Anfang mit dem bewährten Konzept. Viele ihrer Kund:innen sind enttäuscht.

Text: Kathy Stolzenbach. Fotos: Thomas Merkenich

Schade. Traurig. Das sind die beiden Wörter, die in diesen Tagen häufig in der Bäckerei am Lerbacher Weg zu hören sind. An der Eingangstür, auf dem Verkaufstresen und auf den Café-Tischen liegen Zettel – „Helga’s Backstube“ steht in pinker Schrift auf schwarzem Grund, darunter folgender Text: „Wir müssen leider Abschied nehmen, weil unser Mietvertrag leider nicht weiter verlängert wurde.“ 

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„Das ist einfach nur schade“, findet Lutz Leytag. „Ich schätze das familiäre Flair hier. In Heidkamp gibt es nicht vieler solcher Orte.“ Der 60-Jährige ist Stammgast, wohnt fußläufig nur fünf Minuten entfernt. Zwei- bis dreimal pro Woche besucht er das Café, trinkt einen Kaffee, isst ein Brötchen, unterhält sich, gern auch mit Inhaberin Helga. „Das werde ich vermissen.“

Gleiches Konzept an neuer Adresse

Immerhin: Das Ladenlokal in Heidkamp, das seit 2020 von Helga Rappenhöner geführt wird, schließt zwar am 19. Januar, aber „Helga’s Backstube“ wird es auch künftig geben.

„Wir ziehen nach Herkenrath, wo wir am 1. Februar neu öffnen“, sagt Rappenhöner. An neuer Adresse (Ball 1) wird das gleiche Konzept unter demselben Namen, mit etwas mehr Platz für zusätzliche Café-Tische und demselben Personal weitergeführt. 

Helga Rappenhöner, Foto: Thomas Merkenich

„Ich bin total froh, dass mein Team mitkommt und wir niemanden neu anlernen müssen“, sagt Rappenhöner. Sie blickt zuversichtlich in die Zukunft und auf ihren künftigen Standort nahe der Schule, auch wenn nicht weit entfernt bereits die Bäckerei von Hubert Kürten existiert. Diese habe aber keinen Café-Betrieb.

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Auch künftig werde Rappenhöner ihre Waren in einer Backstube in Schildgen produzieren, die dann in den Geschäftsräumen in Herkenrath verkauft werden, erzählt sie.

Nach den Gründen für den Umzug gefragt, wird Rappenhöner traurig und wütend zugleich: „Wir sind sehr gern in Heidkamp, unser Kundenstamm ist stetig gewachsen. Sogar aus Hoffnungsthal und Köln kommen manche Stammkunden einmal in der Woche vorbei.“ 

Sie hatte die Filiale in Heidkamp Anfang 2020 eröffnet – in den Räumen der früheren Bäckerei Horst. Der Mietvertrag war auf fünf Jahre befristet. Weil sie sich mit dem Vermieter nicht über finanzielle Details einigen konnte, wurde der Vertrag nicht verlängert. „Die neue Miete wäre utopisch gewesen“, mehr wolle sie dazu nicht sagen. 

Stammkunden sind traurig

Rappenhöner hofft, dass ihr ein Teil der Stammkund:innen nach Herkenrath folgt. „Mir tut es vor allem für die älteren Damen und Herren aus Heidkamp leid, die nicht mobil sind. Einigen von ihnen werde ich ab und zu Gebäck liefern, ich wohne ja hier um die Ecke“, verspricht die Geschäftsfrau. 

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Was mit den Räumen der bisherigen Filiale passiert, weiß Rappenhöner nicht. „Ich hoffe, hier kommt keine weitere Fritten- oder Dönerbude rein“, sagt Lutz Leytag.

„Es ist einfach so traurig“, kommentiert auch Luzia Kalivas den Wegzug der Backstube. Die 72-Jährige trifft sich hier regelmäßig mit Freundinnen zum Frühstück oder zu Kaffee und Kuchen. Künftig nach Herkenrath zu fahren, sei für sie als Heidkamperin keine Option. 

Luzia Kalivas (vorne links) und ihre Yoga-Gruppe bei der Weihnachtsfeier in „Helga`s Backstube“ Foto: Stolzenbach

An diesem Tag ist Kalivas in Begleitung ihrer Senioren-Yoga-Gruppe: „Wir veranstalten hier unsere kleine Weihnachtsfeier.“ Die zehnköpfige Gruppe hatte reserviert, die Bäckerei-Mitarbeiterinnen schieben schnell ein paar Tische zusammen, an denen kurz zuvor noch andere Gäste gesessen hatten. 

Der Abschied von Helga Rappenhöner und ihrem Team ist das beherrschende Thema. „Wir sind entsetzt darüber, dass so hohe Mieten verlangt werden“, sagt Marlies Segger, Mitglied der Yoga-Gruppe und Ur-Heidkamperin.

Sie betrachtet den Info-Zettel, der auf dem Tisch liegt. Er endet mit diesen Abschiedszeilen: „Es waren unvergesslich schöne Jahre mit Ihnen und wir bedanken und von ganzem Herzen für Ihre Treue. Ihre Helga Rappenhöner und ihr phantastisches Team!!“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Konkurrenz belebt das Geschäft.
    Damit gibt es in Heidkamp demnächst nur noch eine Bäckerei, also keine Konkurrenz mehr.
    Dafür in Herkenrath dann drei mir bekannte Bäckereien. Das ist dann Konkurrenz.
    Und mit Helga’s Backstube gibt es viel Getreideauswahl. Ähnlich dem neuen Schneiders in “Strassen”.

    Entscheidend könnte hier der Treffpunkt für viele sein mitten im Ort. Und schießt dann an der Bergische Cafe an, das früher gegenüber war.

    Viel Erfolg.

  2. Verehrte Bürger und Bürgerinnen,

    das ist echt eine traurige Entwicklung. Die Bäckerei ist ein wundervoller wertvoller Ort der Begegnung für Alt und Jung. Das fängt mit dem kleinen Brötchen an was man geschenkt bekommt geht weiter mit dem Pausenbrot und endet mit dem Kaffeeklatsch am Stammtisch. Oder mit dem Lesen der Zeitung in der Bäckerei.

    Für mich und für viele ist so etwas Kulturgut. Gerade auch das es regionale Spezialitäten zu den Feiertagen anbietet macht diese Bäckereien zu besonderen Orte. Von der Neujahrsbrezel bis zu gebackenem Weihnachtsgebäck…..
    So etwas sollte man unterstützen.
    Auch die Tatsache das es klein und inhabergeführt ist macht es sympathisch. In den großen Ketten gibt es oft kaum Individualität, Regionalität oder Mitarbeiter die mit Herzblut arbeiten. Das fand man dort.

    Ich hoffe, dass der neue Ort gut läuft. Und werde die Bäckerei auch vermissen.
    Die Frage bleibt, welcher Nachmieter kommt. Würde mich nicht wundern wenn es wie viele schon schreiben eine Pommesbude, ein Kiosk oder ein Wettbüro ist.
    Das ist auch alles wichtig. Nur gibt es schon genug.
    Hier war wirklich ein besonderer Ort den es bald nicht mehr dort gibt.
    Ob er sich am neuen Standort behaupten wird wird sich zeigen.
    Ich wünsche viel Erfolg.

    Nette Grüße

    Fabian

  3. Schade – wieder ein kleiner Stadtteilladen, der zumacht.
    Mag sein, dass es zum nächsten Bäcker nur 500 m sind – aber für Manche aus der Nachbarschaft entscheiden eben diese 500 m darüber, ob es morgens frische Brötchen gibt oder Aufbackware vom Discounter.

    Sollte die Stadt sich mehr bemühen, kleine Geschäfte in den einzelnen Wohnvierteln zu erhalten bzw. neu anzusiedeln? Immerhin hat sie ein sehr detailliertes Einzelhandelskonzept (… in der Schublade).

  4. In korrektem Deutsch hieße es ja „Helgas Backstube“. Und dann liest man da über der Ladenfront zu allem Überfluss nicht etwa „Helga’s“, sondern auch noch typografisch völlig falsch „Helga´s“ – ebenso auf den T-Shirts.

    Vielleicht nutzt Frau Rappenhöner die Gelegenheit, den falschen Apostroph im Namen loszuwerden. Und wenn sie daran hängt, kann sie wenigstens dem Gestalter des Ladenschilds auf die Finger klopfen, wenn er ihr wieder einen Akzent statt des Apostrophs hinmalen will. Diese Werbegestalter nehmen schließlich gutes Geld für ihre Arbeit, dann sollen sie auch fachlich einwandfreie Arbeit abliefern.

    1. Drucker’s Vorschlag könnte auf viele Schilder B’Gladbach’s passen. Sei’s drum, heute darf jeder schreiben wie er’s mag.

    2. Das ist nicht das Thema, jeder darf schreiben wie er will und Sie waren nicht als Rechtschreibinstanz angefragt. Sollten Sie Langeweile haben gibt es genug zu tun die Tafel sucht auch dringend Leute das wäre was Sinnvolles. Wie dem auch sei, es ist traurig das so hohe Geldforderungen schuld sind das die beliebte Bäckerei umziehen muss. Nur noch Dönerbuden ectr.

      1. Sie hingegen wollen mir vorschreiben, was ich wozu äußere und womit ich mich beschäftige? Was qualifiziert Sie dazu? Nichts, wie ich vermute. Außer tiefempfundener Empörung natürlich, das ist ja heute ein verbreitetes Grundgefühl.

        Trotzdem etwas zur Sache: Natürlich kann und darf jeder schreiben, wie er oder sie will. Aber zum einen sind Schreibkonventionen dazu da, dass Kommunikation möglichst eindeutig gelingt. Je öffentlicher ein Kommunikationsakt ist, desto wichtiger. Das ist dann auch ein Aspekt, der die Wahrnehmung der Öffentlichkeit beeinflusst. Zu Lokalitäten wie „Heidi’s Jean’s Laden“ oder „Manni’s Pomme’s Bude“ gibt es ganze Sammlungen im Netz, über die sich die Leute scheckig lachen. Da möchte man sich als Gewerbetreibender sicher nur ungern einreihen.

        Zum anderen hat hier jemand Geld für die Anfertigung eines Ladenschilds eingestrichen und ganz offensichtlich eine Minderleistung erbracht – so jemand muss nämlich tatsächlich richtig schreiben und kann seinen Kunden nicht andrehen, was er will. Das lässt sich beim nächsten Mal leicht vermeiden und dazu möchte ich anregen.

      1. Ja, tatsächlich, zuweilen bewegen auch die eher bildungsfernen Sprachverwender etwas beim Sprachgebrauch. Leicht gefallen ist es den Autoren des amtlichen Regelwerks offenbar nicht, wenn man sich die umständliche Formulierung dieser speziell auf Geschäftsleute gemünzten Ausnahme ansieht.

        Ändert aber nichts daran, dass man diese Kapitulation vor dem Nichtwissen nach wie vor mit Apostroph und nicht mit Akzent schreibt. Und es ändert natürlich auch nichts daran, dass es nach wie vor „der Apostroph“ heißt.

  5. Unglaublich! Kaum mehr bezahlbarer Wohnraum in Bergisch Gladbach und bei den Geschäftsmieten sieht es anscheinend auch nicht besser aus. Ich wünsche dem Vermieter (der vermutlich den Hals nicht voll bekommt) einen möglichst langen Leerstand! Wie kann man sich einen seriösen Mieter so verprellen? Unglaublich!

    1. Es zeigt, wie sehr sich Vermieter um die Situation vor Ort scheren. Denen ist das einfach völlig egal, wenn gute Lokalitäten schließen. Geldgier pur! Dass es auch anders geht, sieht man ja – in Herkenrath gabs dann einen besseren Ort.
      Immerhin für die Herkenrather eine Bereicherung.

      1. Sie nennen es Geldgier, für mich ist es Kapitalismus (eine Form der Wirtschaft und Gesellschaft auf der Grundlage des freien Wettbewerbs und des Strebens nach Kapitalbesitz des Einzelnen).
        Fast ein jeder versucht doch für sich das größtmögliche Stück vom Kuchen abzubekommen. Der Arbeitnehmer über Gehaltsverhandlungen, der Vermieter über Mieterhöhungen, der Einzelhändler über Preiserhöhungen. Die Frage ist wie erfolgreich man mit seinen Forderungen ist und ob sie erfüllt werden. So kann es passieren, dass nun der Eigentümer in Heidkamp über Monate, gar Jahre einen Leerstand riskiert. Evt liegt dann am Ende nicht das größtmögliche Stück Kuchen auf dem Teller sondern dieser bleibt leer.

    2. War da nicht irgendwas mit so einem EDEKA Markt in Herkenrath ? Gab es da nicht auch so ein Problem mit einer zu hohen Miete ?

    3. Auch wenn ich es sehr schade empfinde, dass diese tolle Bäckerei Heidkamp verlässt. Ohne den ganzen Sachverhalt zu kennen, sollten hier nicht einseitige Unterstellungen rausgehauen werden.
      Eventuell hat der Vermieter schon einen neuen Mieter mit einem anderen Angebot oder er hat etwas anderes mit dem Objekt vor. Das ist am Ende seine Entscheidung und sein Unternehmerisches Risiko.

      Herr Nüm hat es eigentlich perfekt beschrieben, daher halte ich Äußerungen wie “Geldgier pur” oder “der vermutlich den Hals nicht voll bekommt” für unangebracht.

      1. Kann es sein, dass der Herr nicht Anno Nüm heißt sondern “anonym” gemeint ist, nur andees umschrieben!?
        Ist eigentlich auch egal, jeder wie er mag!