Beim 20. Bauernwiegen der Bäckerei Lob in Paffrath gab es nicht nur eine Premiere mit großer Bühne, sondern auch so viele Brote wie nie zuvor, die auf die Waage gebracht werden mussten, um den diesjährigen Bauer aufzuwiegen. Zum Jubiläum hat die Bäckerei außerdem einen besonderen Orden entworfen.
Wenn in Paffrath der Bauer gewogen wird, ist das immer ein Event. Für die Paffrather, alle Jecken und die Kinder, Eltern und Lehrer der Grundschule. Aber in diesem Jahr ist beim traditionsreichen Bauernwiegen alles es etwas anders. Größer. Besonders.
„Eine richtige Bühne hatten wir noch nie,“ sagt Bäckermeister Peter Lob von ebendieser zur Begrüßung. Daran müsse er sich erst gewöhnen. Zum 20. Mal veranstaltete die Bäckerei Lob das Bauernwiegen. Und auf das Jubiläum oben drauf, sozusagen als Sahnehäubchen, stellt die KG Alt-Paffrath in diesem Jahr das Bergisch Gladbacher Dreigestirn – das erste Mal seit 20 Jahren.
Als Punktlandung bezeichnet Prinz Christian eben diesen Umstand. „Heute steht unser Bauer im Mittelpunkt. Ich hoffe nur, der Peter hat genug Brote gebacken. Wir haben einen echten Bauern mitgebracht“, sagt Prinz Christian.
„Von 20 Malen Bauernwiegen habe ich bei 19 dort gestanden, wo ihr alle steht“, ruft Bauer Michael der Menge zu. „Ich habe oft gefroren, bin auch mal nass geworden. Heute hier oben zu stehen ist herrlich. Das ist so ein tolles Bild. So voll war es hier noch nie.“







Zum 20. Jubiläum hat die Bäckerei Lob einen eigenen „Sockenorden“ entworfen: Ein Paar weiße Socken mit dem „Lob“-Logo und dem Slogan „Köstlich bis in die Zehenspitzen“, das wie ein Orden um den Hals gehangen werden kann.
Jeder, der eine Brottüte für fünf Euro kauft, findet darin einen solchen Sockenorden. Außerdem einen Zettel, auf dem ein Tipp abgegeben werden: Wie viele Bauernbrote zu je 750 Gramm sind nötig, um „seine Deftigkeit“ Bauer Michael aufzuwiegen?
Von den verkauften Bauernbroten, die in der Nacht in der Lob’schen Backstube gebacken wurden, geht jeweils ein Euro an den Förderverein der benachbarten Grundschule GGS Paffrath.






Das Besondere des Bauernwiegens ist die familiäre Atmosphäre. Alle, die den Namen Lob tragen, packen an diesem Tag mit an. Neben Peter Lob sind das unter anderem seine Frau Carina, Vater Ulrich sowie Carla und Ben Lob. Mitglieder des Fördervereins, Eltern und Lehrkräfte der GGS Paffrath schenken Getränke aus und Schulleiterin Susanne Heuckmann bringt Getränke unter das jecke Volk.
„Das ist das Schöne hier bei uns in Paafed“, sagt Stammbesucherin Silke. „Wir kennen uns hier alle, helfen mit und feiern dann zusammen.“ Zu Musik der Flöckchen tanzen und schunkeln die Besucher:innen.
Dann wird es voll auf der Bühne, als Peter Lob die Prinzengarde der Großen Gladbacher, das Kinderdreigestirn und das Erwachsenen-Dreigestirn zu sich bittet. Die Schlossstadt Pänz der Großen Bensberger KG begeistern mit ihrem Sessionstanz.

Das Kinderdreigestirn – Prinz Filip, Bauer Niklas und Jungfrau Cecilia von der KGS Katterbach – singt sein Motto-Lied „Rechts vom Rhein“ („da liegt die allerschönste Stadt der Welt“). Danach gibt das große Dreigestirn sein Lied „Mir für alle“, das aus der Feder von Cat-Ballou-Keyboarder Dominik Schönenborn stammt. Auch die Familie Lob schunkelt auf der Bühne mit, die zwischenzeitlich bedenklich wackelt.
Bevor es zum Höhepunkt – dem Bauernwiegen – kommt, singt der Schul-Chor unter der Leitung von Musiklehrer Ingo Müller das Lied von der „GGS Paffrath“, die im Lied „zwischen Möbel Lenz und Bäcker Lob“ liegt. Die Verbundenheit zwischen Schule und Bäckerei drückt sich auch in diesem schuleigenen Lied aus.
Kisten voller Kamelle für den Kinderbauern
Kinderbauer Niklas wird mit etlichen Kisten voller Kamelle aufgewogen, das das Dreigestirn als Wurfmaterial für den Karnevalszug bekommt. Schließlich steigt Bauer Michael mitsamt Ornat und hölzernem Ornat auf die Waage.
Zuvor wurde ihm noch eine Decke umgelegt, die er unter seinem Umhang verbirgt, und ein dicker Schal um den Hals gelegt. Was er in seinen großen Taschen noch versteckt, um sich schwerer zu machen, ist nicht bekannt.

Peter Lob und sein Team stapeln Kiste für Kiste, die mit Bauernbroten gefüllt ist. Die Waage scheint sich kaum zu bewegen. „Wir brauchen eine Leiter“, ruft der Bäckermeister, als die Brotkisten schon einen hohen Turm bilden.



Fotos: Susanne Schröder
Dann ein kurzer Schreckmoment: „Ich glaube, wir haben nicht genug gebacken“, sagt Lob. Dann lacht er und reicht weitere Kisten nach oben. „Das kann doch nicht sein, so viele Brote haben wir noch nie gebraucht.“
Doch es kann sein: Am Ende sind es 185 Brote, die die Waage mit dem Bauern umschwenken lässt. Das ist bisheriger Rekord.

Das mit den Rekord stimmt so aber nicht. In 2020 hat das aufwiegen des Bauern 203 Brote gebraucht. Findet man so auch überall im Internet