Die Galerie Partout Kunstkabinett in Herkenrath zeigt eine ungewöhnliche Komposition aus puristischen, ornamentalen Druckgrafiken und Skulpturen in Holz und Bronze. Ein Gespräch mit dem Kölner Künstler Götz Sambale und der Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum über königliche Würde, lehrreiches Handwerk und die Kunst in der Pädagogik.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Thomas Merkenich

Reduktion und Experiment

Die neue Ausstellung „Perfect Match“ in Herkenrath zeigt in sehr unterschiedlichen Gegenüberstellungen, worum es Götz Sambale in seiner Arbeit geht: Zum einen geht es um natürliche Formen, die in einer reduzierten bildhauerischen Sprache Ausdruck gefunden haben. Und zum anderen geht es um lebendige, natürlich arbeitende Prozesse, die Sambale künstlerisch mit Druckgraphik erforscht.

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Für ihn ist seine „Liebe zur Form, die man in der Natur zur Perfektion findet,“ eng verbunden mit dem Versuch, die Perfektion auszudrücken – „und sie zu reduzieren, weil sie so komplex ist“, oder „eben nicht sichtbar“, erklärt Sambale. Er reduziere in seiner künstlerischen Arbeit zugunsten einer Einfachheit, zu der man leichter einen Zugang findet.

Foto: Thomas Merkenich

Götz Sambale hat das Handwerk des Schreiners gelernt, bevor er 1992-1996 in der Alanus Hochschule Bildhauerei studiert hat. Diese Ausbildung sei eine Erfahrung, die er nicht missen wolle, betont der Holzbildhauer. Er weiß wie Holz arbeitet, wenn es nass ist; wie sich Formen verändern, wenn sie trocknen; und er weiß, wie man mit Holz umgeht, um das zu vermeiden.

„Beim Bearbeiten reißen viele Hölzer oder verwittern, werden stockig – das Holz zersetzt sich. Das ist einfach Teil der Arbeit – mal mehr mal weniger“, sagt er. Doch eben genau dieses eigenständige Arbeiten des Holzes, das Bildhauer fürchten, macht Sambale zum künstlerischen Thema.

Kirchen und Industriehallen erzählen Geschichten

Der Kölner Bildhauer hat zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland bestritten, darunter viele in Kirchen. In der Galerie Partout sind kleine Bronzefiguren auf unterschiedlichen, kunstvoll geformten Sockeln, geschickt in Augenhöhe und im virtuosen Lichtspiel der Fenster inszeniert worden. Auch in den industriellen Räumen der Galerie Partout wirken die formreduzierten Figürchen selbstbewusst, als wären sie eigens dafür gemacht.

Götz Sambale sagt: „Klar, lösen die goldgekrönten Figuren in einer Kirche andere Assoziationen aus. Sie stellen die Frage: Was stell ich mir unter einem König vor? Macht ist es für mich heute eigentlich nicht“, erläutert der Holzbildhauer.

Seine Figuren assoziierten für den Künstler eher „eine Individualität”, „Würde“, „Neugier“ und „Wachheit“ – kurz „den jugendlichen Charme, den jeder in sich hat – hoffentlich“, scherzt der Götz Sambale.

Nicht nur die goldgekrönten Figuren, auch die puristisch-floral anmutenden Formen der Bodenskulpturen würden besonders gut in eine Kirche passen, ergänzt Clemens-Schierbaum; man denke beispielsweise an Ornamente eines kirchlichen Maßwerks.

Nicht nur dort. „Im Industrieraum hat das eine ganz andere Wechselwirkung“, erklärt die promovierte Kunsthistorikerin. Schließlich gelten die Museen – und gewissermaßen auch Industrieräume – heute als Kathedralen der Moderne, erklärt sie. Schon deshalb wirkt die Präsentation der zahlreichen Objekte in der umgenutzten Industriehalle überraschend erzählerisch.

Als Besucher der Ausstellung „Perfect Match“ merkt man schnell: Die Skulpturen und Druckgrafiken Sambales bilden eine erzählerische Einheit.

Das Holz arbeitet

Bei der Bildhauerei ist jeder Riss verbunden mit der Angst, dass er die Arbeit zerstört. Holz sei eine organische Form, die sich nach rechts oder links verzieht, und dann drücke man es dahin, wohin man es haben wolle, sagt Sambale, der gelernte Schreiner ist. „Ich korrigiere, um die Spannung wiederherzustellen“.

Es gäbe bestimmte Regeln, wie sich Holz verzieht und nach dem Trocknen haben Hölzer diese Dynamik nicht mehr. Aber er dachte irgendwann: „Man kann diese natürlichen Prozesse auch belassen – als eine künstlerische Qualität.”

So kam er zu anfangs recht einfachen Drucken, die diese minimalen Verschiebungen, einen Riss sichtbar machen und das, was naturgemäß passiert, dokumentieren. „Das ist interessant für mich. Dann wird aus der geraden Linie eine krumme, aus etwas perfekt Rundem wird etwas zart Ovales. Früher gehörte das Wissen darum zum Handwerk des Schreiners“, sagt Sambale.

Götz Sambale – Perfect Match aus Material, Form und Idee
8. März bis 23. Mai 2025

Vernissage: 8.3., 18.30 Uhr
Einführungsrede: Maria Eicker M.A., Kunsthistorikerin
Musik: Holger Faust-Peters mit Gambe und Cello
Künstlerführungen: 10.4., 16.30 h und 6.5., 16.30 h
Finissage: 23.05., 18.30 h

Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h
und nach Vereinbarung
Tel: 02204 42 52 38
kontakt@partout-kunstgeschichte.de
www.partout-kunstgeschichte.de

So hat er anfangs ganz einfache Formen seiner Skulpturen abgedruckt, um den Ur-Zustand der Skulptur als Abdruck zu verewigen. Denn im frischen Zustand passieren Veränderungen, die ihn interessierten, die er künstlerisch festhalten wollte. Und er hat sie immer wieder abgedruckt, schon, um sie in Beziehung zu stellen.

Es seien „Kleinigkeiten“, letztlich Fragen, eines neugierigen Praktikers, die ihn interessieren: hier eine Verschiebung, da „kein perfekter Kreis“, dort hat sich das getrocknete Holz geöffnet und da geschlossen.

Er zeigt ein Beispiel in einer Druckgrafik und nennt sie einen “pädagogischen Abdruck, (…) wo man sehen kann: Was war vorher? Was ist nachher.“ Hinzu käme der Zufall – eine Überraschung beim Drucken – verursacht auch durch sein händisches Druckverfahren mit einer Skulptur, die eben keine Druckpresse ist.

Es ginge ihm nicht um eine „Darstellung der Ringe und Strukturen“, sondern um die Form des Holzes in diesem Moment des Abdrucks. Irgendwann hat er sich losgelöst von der Frage nach Trocknungsprozessen und es kamen die Farben hinzu: schwarz, weiß und braun – eine „Spielerei“, die ab dann grafischen Impulsen folgt.

Handwerk, Pädagogik und Kunst

Ursprünglich habe Sambale das Kunststudium an der Alanus Hochschule in Alfter, die eine pädagogische Ausrichtung anbietet, begonnen, weil er eine Arbeit mit Jugendlichen angestrebt habe. Er habe eine Zeit lang Kunstkurse gegeben – „doch das braucht eine Menge Energie, wenn man es gut machen will“, sagt er.

Dann habe er sich für den künstlerischen Zweig entschieden und Glück gehabt, dass das geklappt hat. Er habe nicht den Plan gehabt, freiberuflicher Bildhauer zu werden. Es hatte sich über die Jahre ergeben und es war eine Entscheidung, den Schwerpunkt auf die eigene Arbeit zu legen und nicht auf das Pädagogische.

Letztlich sei „das Material der Lehrmeister”, resümiert er. „Man muss wissen, wie es sich verhält. Und wenn man gegen die Regeln verstößt, dann passiert etwas, das man nicht will.” Und diese Grundlage fand er spannend – auch für die Arbeit mit den Kindern.

Damals haben viele Studierenden eine handwerkliche Ausbildung mitgebracht. Eine gute Grundlage, die lehrt, dass man „stoisch dran bleiben muss, dass man weiß, das ist mit einem unglaublichen Aufwand verbunden. Alle Künstler, die ich kenne, sind unglaublich diszipliniert und produktiv.”

Zeit und Beständigkeit

Es sei ein Ringen mit dem Material, ein „Hinschauen, Lernen und Üben – das Alanus-Ding“, sagt Sambale. In der Hochschule sei das Studium so aufgebaut: „Schau gefälligst hin und versuche davon zu lernen und das dann umzusetzen“. Das sei für ihn Erziehungskunst. Bei der Arbeit mit einem Kind ginge es auch darum: Was macht es und warum und wie kann ich reagieren? Wie kann ich sogar davon lernen? „In der Kunst ist es das Gleiche: Es geht um die Aufmerksamkeit für das, was mich umgibt.“

Im Studium lerne man erst mal drei Jahre das Material kennen: Holz, Stein, Metall, Ton. „Dann kommt das Thema, die lebendige Form. Nimm dir ein Material und versuch das mit dem Thema zu verbinden. Dann kommt das Seelische dazu, ein Ornament, ein Tier, eine Dynamik, ein Sprung – ein Tiger.”

Im Bronzeguss komme sogar noch etwas anders hinzu: „Was für eine Verantwortung! Dieses Ding überdauert Generationen“. Wenn man die Bronzefigur mit einem Tuch putzt, sehe sie aus, wie am ersten Tag. Eiche hingegen besteht draußen vielleicht zehn Jahre. Doch er bevorzugt den Reiz dessen, was in der Natur besteht. „Der Stamm ist immer kostbar und man überlegt: Was mache ich damit? Dann darf man sich mit der Entscheidung nicht zu lange Zeit lassen. Das Holz arbeitet.“


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