Foto: CBF

Menschen mit einer Behinderung sind nach wie vor benachteiligt. Sie begegnen im Alltag vielen Hindernissen, von nicht behindertengerechten Haltestellen oder Toiletten in Restaurants, die nur über Treppen zu erreichen sind. Der Club behinderter Menschen und ihrer Freunde macht es sich seit 1976 zur Aufgabe, die Lebenssituation der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. 

Sowohl behinderte als auch nicht behinderte Akteure setzen sich beim Club behinderter Menschen und ihrer Freunde Rheinisch Bergischer Kreis e.V. (CBF) dafür ein, den Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft zu ermöglichen und ihre Selbstständigkeit zu stärken. Es gilt deren Eingliederung in die Gesellschaft zu forcieren. 

Beim CBF steht zum einen das gesellige Zusammensein und die gemeinsame Freizeitgestaltung und zum anderen der regelmäßige Austausch von Menschen mit Behinderung, ihren Angehörigen und Freunden im Vordergrund.  Das Austauschtreffen findet jeden ersten Freitag im Monat von 15.30 bis 18 Uhr im Club-Raum statt und die vielfältigen Angebote regelmäßig und bei Bedarf. 

Jede:r gehört dazu 

Oberstes Ziel beim „CBF“ ist es, sich für die gesellschaftlicher Teilhabe der Menschen mit einem Handicap und die Umsetzung von flächendeckender Barrierefreiheit verstärkt einzusetzen. Jeder Mensch soll sich umfassend und gleichberechtigt an der Gesellschaft beteiligen können und somit geschätzt, respektiert und einbezogen werden.

Die Teilhabe darf beispielsweise nicht von Beeinträchtigungen, ethnischer Herkunft, Geschlecht oder Alter abhängen. Jeder Mensch gehört selbstverständlich zur Gemeinschaft dazu, egal wie er/sie aussieht, welche Sprache er/sie spricht oder ob er/sie eine Behinderung hat. Gelebte Vielfalt ist das Motto und jeder: r ist unabhängig seiner Behinderung herzlich zum Mitmachen eingeladen. So kann beispielsweise auch ein blinder Mensch an einem Malkurs teilnehmen, falls er dies wünscht.

Hintergrund: Selbsthilfegruppen in RheinBerg

Erkrankungen, Beeinträchtigungen und seelische Krisen belasten das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen sehr. In diesen schweren Zeiten tut ein Austausch in einer mitfühlenden Gemeinschaft gut. In einer Selbsthilfegruppe steht man sich bei und setzt sich für andere ein. Selbsthilfegruppen bilden „ein starkes Netz aus Verständnis, Hoffnung und gegenseitigem Trost, wobei jede Begegnung, jede geteilte Erfahrung und jedes offene Wort den Betroffenen Kraft gibt“, so die Selbsthilfekontaktstelle in Bergisch Gladbach.

Selbsthilfegruppen ergänzen ambulante, stationäre und rehabilitative Versorgungen und entlasten somit unser Gesundheitswesen. Das ehrenamtliche Engagement der Menschen, die eine SHG miteinander gestalten, ist beispielhaft. 

Teilnehmen und teilen, miteinander und füreinander, gemeinsam informieren, dies macht die gesellschaftlich wertvolle Arbeit aller Selbsthilfegruppen aus. 
Annette Voigt, Gründerin der SHG „mein Darm und ich“, stellt einige der Gruppen in unserer Serie vor – die damit einen guten Überblick über die Selbsthilfegruppen im Rheinisch Bergischen Kreis bietet.

„Wir möchten Menschen mit einer Behinderung aktivieren und ihnen dabei auf jeden Fall als gleichwertige Partner: innen begegnen“, sagt Ursula Nantke, die CBF-Gründerin. „Wir geben so viel wie nötig und so wenig Hilfe wie möglich“, sagt ergänzt Andrea Kowalewski-Brüwer. Menschen mit einer Beeinträchtigung sollen weitgehend selbstständig leben können wie alle anderen auch. Viele Freundschaften wurden bereits im gemeinsamen Miteinander geschlossen. 

Gemeinsam viel bewegen

Gesellschaftliche Teilhabe kann beispielsweise ganz konkret bedeuten, mit jemandem in die Stadt zu gehen, ein Eis zu essen oder ein Museum zu besuchen, der ansonsten zu Hause auf Grund seiner Beeinträchtigung alleine gewesen wäre. Raus in die Öffentlichkeit und sich mit der eigenen Behinderung den Mitmenschen zumuten, das ist es, worauf es ankommt.

Der CBF veranstaltet in diesem Zusammenhang regelmäßig attraktive Freizeitangebote, um beispielsweise einer Vereinsamung der Menschen mit einer Behinderung entgegenzuwirken. Da gibt es unter anderem eine Meditationsgruppe, Museumsführungen, gemeinsames Schwimmen, Gedächtnistraining oder eine Kegelgruppe sogar für Rollstuhlfahrer.

Viele Angebote finden in Kooperation mit dem Café GrenzenLos statt. Das Konzept des Cafés entwickelte der Verein ab 2016 in Zusammenarbeit mit jungen beeinträchtigten Menschen.

Der Verein gestaltet den Inklusionsprozess im gesamten Kreisgebiet aktiv mit, ist im Inklusionsbeirat der Stadt vertreten und weist regelmäßig durch öffentlichkeitswirksame Aktionen auf die Belange der Menschen mit Beeinträchtigten hin. Menschen mit einer Behinderung besitzen keine Lobby und somit vertritt der CBF ihre Interessen. Der Verein nimmt damit Einfluss auf die politische Meinungsbildung und das Bewusstsein der Bevölkerung.

„Es muss immer wieder über bestehende Missstände geredet werden und auf Menschen mit Behinderung aufmerksam gemacht werden“, meint Nantke. „Viele sind im Umgang mit beeinträchtigten Menschen unsicher und müssen daher „ganz sanft“ an diese herangeführt werden, um vorhandene Berührungsängste zu verlieren“, erklären beide Gesprächspartnerinnen.

Missstände sind beispielsweise, dass Bordsteine an Haltestellen nicht mit dem Einstieg in einen Bus kompatibel sind, Arztpraxen ohne Aufzug ausgestattet sind oder es keine akustischen Fahrplanauskünfte für sehbehinderte Menschen gibt. Als sich 1976 die Selbsthilfegruppe gründete hatten alle das komplett behindertengerechte Bergisch Gladbach zum Ziel. „Davon sind wir aber weit entfernt und unser Verein wird immer noch gebraucht“, resümiert Nantke.

Kontakt:

 CBF: Hauptstr. 293-297, 51465 Bergisch Gladbach, Frau Kowalewski-Brüwer, info@cbf-rbk.de , www.cbf-rbk.de

Cafe GrenzenLos: Hauptstr. 293-297, 51465 Bergisch Gladbach, Mi.-Sa. 15.00h-20.00h, info@grenzenlos-gl.de, www.grenzenlos-gl.de

Vieles hat sich dennoch zum Besseren entwickelt. Der CBF war beispielsweise und ist es noch immer Wegbereiter für andere behindertenspezifische Selbsthilfegruppen, die sich inzwischen gründeten – wie eine Gruppe für Sehbehinderte oder eine Gruppe von Kindern mit einer Behinderung.

Derzeit qualifiziert der CBF Interessierte mit und ohne Behinderung zwischen 30 und 60 Jahre zum „Peer“-Berater. „Peer“-Beratung ist die Beratung durch Menschen mit derselben Behinderung bzw. in derselben Lebenssituation wie der Beratene rund um die Themen Wohnen, Arbeit, Freizeit und selbstständiges Leben. „Peers“ setzen dabei ihr eigenes Erfahrungswissen zur Unterstützung der Betroffenen ein. 

Selbstverständlich stehen ihnen beratungskompetente CBF-Mitarbeiter: innen zur Seite. Ebenfalls werden Interessierte zum Übersetzer für „leichte“ Sprache ausgebildet. „Leichte Sprache“ ist eine speziell geregelte und einfache Ausdrucksform, die Menschen, die über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern soll.

Der CBF schafft also Strukturen, die es den Menschen mit Behinderung ermöglichen, von Anfang an ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein. Alle Projekte und Angebote des „CBF“s sind ein Indiz für gelebte Inklusion wie beispielsweise das Café GrenzenLos. 

Ein inklusives Forum für alle 

Die jüngeren Menschen mit Behinderung können bis zum 27. Lebensjahr in Einrichtungen für Jugendliche und die Älteren in Seniorenclubs und -Begegnungsstätten ihre Freizeit verbringen. Doch wo verbringen die Betroffenen ihre Freizeit, die zwischen 27 und 60 Jahre alt sind? Für sie gibt es so gut wie keine Möglichkeiten der vor allem inklusiven Freizeitgestaltung.                               

Daher begann der CBF ab 2016 eine inklusive Begegnungsstätte mit Hilfe von Spenden zu errichten, das heutige Café GrenzenLos, das 2019 startete. Junge und ältere Menschen wirkten von Anfang an gemeinsam mit und setzten ihre Wünsche in diesem Forum vor Ort um. Hier im Café wird gerne gefeiert, herrscht eine ausgelassene und fröhliche Atmosphäre. Es wird viel gelacht, aber auch etwas für die Bildung getan.

Die Café-Besucher:innen fühlen sich hier wohl. Hier gehört jede:r dazu. Alle, ob mit oder ohne Behinderung, Haupt- wie Ehrenamtler arbeiten zusammen, packen mit an und erledigen die anstehenden Arbeiten gemeinsam. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, denn es gibt kleine Snacks und Getränke zu moderaten Preisen. Es ist ein Café, für das sich viele Mitarbeitenden wie Besucher: innen verantwortlich fühlen. Es ist ihr Café.

Die Veranstaltungen, die hier angeboten werden, sind so vielfältig wie die Besucher: innen, die von mittwochs bis samstags von 15 bis 20 Uhr in diese Lokalität strömen. Da werden im Medienstudio tagespolitische Pressethemen diskutiert, im Kochstudio leckere Speisen und Kuchen ausprobiert, im Technikstudio der Umgang mit den sozialen Medien und dem eigenen Smartphone trainiert, im Kreativstudio kunsttherapeutisch experimentiert und im Nähstudio hübsche Accessoires und Kleidung kreiert und Ausflüge unternommen. 

„Das GrenzenLos ist so ein schöner Ort geworden, weil wir ihn gemeinsam geschaffen haben. Das Besondere liegt im Alltäglichen und passiert von ganz allein durch die wunderbaren Menschen, die bei uns sind. Wir schaffen gerne Begegnung und Erinnerung. Und so erfreuen uns an Fotos von unseren Erlebnissen im GrenzenLos“, fasst ein Gast die angenehme Atmosphäre im Café zusammen.

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