Von Bergisch Gladbach nach Chengdu: Anfang August vertrat Anna Orth zusammen mit fünf weiteren Spielerinnen und Spielern aus Bergisch Gladbach Deutschland bei den World Games in China. Ihre Korfballkariere startete Orth mit acht Jahren bei der SG Pegasus Rommerscheid. Welche Erfahrungen sie sammelt, welche Werte der Sport mit seinem besonderen Regelwerk vermittelt und wie groß seine Bedeutung in Bergisch Gladbach ist, erläutern Anna und der Vorsitzende ihres Vereins.
Wenn es eine Stadt in Deutschland gibt, in der Korfball groß ist, dann ist es Bergisch Gladbach. Mit drei Vereinen in Schildgen, Rommerscheid und Voiswinkel ist die Region eine richtige „Korfballhochburg”. Dennoch stoße sie auch hier immer wieder auf fragende Blicke, wenn sie von ihrer Sportart erzähle, sagt Anna Orth.
Sie spielt bei der SG Pegasus Rommerscheid und in der deutschen Nationalmannschaft. Sie wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für diese aus den Niederlanden stammende Sportart, die so etwas wie ein Mix von Hand- und Basketball ist.
Wie weit man mit Korfball kommen kann, zeigt die 31-jährige Bergisch Gladbacherin eindrucksvoll. Sie gewann mit Pegasus sieben deutsche Meistertitel und räumte auf internationaler Vereinsebene viele Medaillen ab. Durch starke Leistungen kämpfte sie sich in den Nationalmannschaftskader und ist seit 2014 fester Teil des Teams. Das Highlight in diesem Sommer waren die World Games in Chengdu, ihr bereits elftes Turnier mit der Nationalmannschaft.




Fotos: Thomas Merkenich
Korfball bei den World Games
Die World Games sind ein großes internationales Turnier, bei dem jegliche Sportarten vertreten sind, die nicht Teil des olympischen Wettkampfprogramms sind. Alle vier Jahre messen sich Sportlerinnen und Sportler neben Korfball in Sportarten wie Lacrosse, Beachhandball, Tauziehen und Inline-Hockey.
Die riesige Eröffnungsfeier, an der rund 5.000 Athleten aus 34 Sportarten teilnahmen, und die gemeinsame Freude am Sport trugen zu einem fast olympischen Flair bei. Auch für Anna war es etwas ganz Besonderes, durch das Athletendorf zu gehen und die verschiedenen Sportler in ihren Nationalfarben zu sehen, erzählt sie. Dabei entstanden Gespräche, die in Erinnerung bleiben und eine Sammlung kultureller Erfahrungen, die sie nicht vergessen wird. Dass die World Games in einem größeren Rahmen mit vielen weiteren Sportarten als nur Korfball stattfinden, macht das Turnier in ihren Augen noch schöner.
Neben Anna Orth nahmen fünf weitere Korfballspieler aus Bergisch Gladbach an den World Games teil. Jana Kierdorf, Steffen Heppekausen, Thomas Freund, Jan Heming und Theo Nowak, alle Spieler des TuS Schildgen. Damit stellte Bergisch Gladbach knapp die Hälfte der Korfball-Nationalmannschaft. Weitere Spieler kamen aus Castrop-Rauxel.
Aus sportlicher Sicht verlief das Turnier nicht ganz wie erhofft. Die Mannschaft hatte das klare Ziel, um eine Medaille mitzuspielen, weil man sich bei den letzten World Games in Birmingham, USA, den vierten Platz gesichert hatte. Davon blieb man nun ein gutes Stück entfernt und landete am Ende auf Platz sechs von acht qualifizierten Teams.
Korfball in Bergisch Gladbach

Dass so viele Korfballer und Korfballerinnen aus Bergisch Gladbach den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen, hat gute Gründe, sagt Udo Schade, Vorsitzender der SG Pegasus Rommerscheid und ehemaliger Geschäftsführer des Rheinischen Turnerbundes (RTB). Die hohe Einsatzbereitschaft, gutes Training und das Zusammenspiel mit den Eltern im Jugendalter der Spieler seien wichtige Faktoren für Erfolg. Dabei werden Spaß und Motivation vorangetrieben und früh ein gesunder Ehrgeiz gestärkt.
Die Vereine werden auch von der Stadt unterstützt. Sie fördert Vereine und somit den Sport mit der Zurverfügungstellung von kostenlosen Sport- und Turnhallen für Trainings- und Spielbetrieb, erläutert Schade. Darüber hinaus stärkt sie mit einem Geldbetrag die Kinder- und Jugendarbeit.
Auch der Rheinische Turnerbund, dem die Korfballer angeschlossen sind, treibt den Spielbetrieb und Projekte wie z.B. das KiDs- Turnier der Grund- und weiterführenden Schulen finanziell voran.
Dennoch erfreuen sich Randsportarten wie Korfball nach wie vor nur geringer Bekanntheit. Dabei vermittelt das einzigartige Regelwerk im Korfball Werte wie Respekt, Freundschaft, Fairplay, Teamgeist, Toleranz, Leistung und Verantwortung, die auch im Vereinsleben deutlich spürbar sind, betont Schade.
Diese Sicht teilt Anna Orth: „Beim Korfball stehen das Team und die Vielfalt im Vordergrund. Es ist ein sehr inklusiver Sport, der gerade im Bereich der Schulen noch mehr gefördert werden sollte.”





Fotos: Thomas Merkenich
Wie Korfball gespielt wird
Das größte Merkmal des Regelwerks ist die Mixed-Team-Regel. Immer vier Jungen und vier Mädchen spielen chancengleich zusammen. Jeder Spieler und jede Spielerin hat einen direkten Gegenspieler. Dabei spielen Mädchen gegen Mädchen und Jungen gegen Jungen. Korfball ist damit eine der wenigen Sportarten, die ohne Ausnahme gemischtgeschlechtlich gespielt werden.
Nur das gemeinsame, kooperative Spielen führt zum Erfolg. Deshalb sind das Laufen und Dribbeln mit dem Ball verboten. Ebenfalls unerlaubt ist das Werfen aus verteidigter Position auf den Korb. Es reicht aus, den Ball durch das Entgegenstrecken eines Armes (im Abstand einer Armlänge zum Gegner) symbolisch zu blockieren, um dem gleichgeschlechtlichen Angreifer einen Korbwurf zu „verbieten“. Damit verfügt das Korfballspiel über eine besondere faire Möglichkeit, einen Korbwurf zu verhindern.


Korfball als Sport für jeden
Gerade das Spielen im Mixed-Team, hat Anna Orth schon immer „sehr viel gegeben”. Sie hebt die Diversität und den Austausch hervor, den sie sehr schätzt. Daraus sind enge Freundschaften entstanden.
Sie kann jedem, insbesondere Kindern, nur empfehlen mit Korfball anzufangen. Es sei ohnehin schön, erst einmal einen Sport zu haben, bei dem man lernt und sich weiterentwickeln kann. Gerade beim Korfball trainiere man früh, im Team zu agieren und sich unabhängig vom Geschlecht zu unterstützen. Und dranbleiben kann sich lohnen, wie man an Annas Beispiel erkennt.
Korfball ist ein einfach zu erlernendes Spiel mit vielen wichtigen sozialen Komponenten. Es macht riesigen Spaß und ist für alle Schulklassen geeignet, betont Udo Schade. Es kann als Breiten-, Wettkampf- und Leistungssport betrieben werden. Hier findet jede/r seine individuelle Gruppe.
In den Vereinen in Bergisch Gladbach kann schon ab 5 Jahren, oder sogar etwas früher, mit Korfball gestartet werden. Eine Altersbegrenzung nach oben gibt es nicht. Solange man sich fit fühlt und Spaß an der Bewegung hat, gibt es keine Beschränkungen.
Saisonstart im September
Die Korfballerinnen und Korfballer freuen sich nun auf den baldigen Saisonstart Mitte September. Dann heißt es für die Spielerinnen und Spieler der Jugend- und Seniorenmannschaften wieder, alles zu geben, um sich am Ende der Spielzeit den deutschen Meistertitel in der jeweiligen Spielklasse zu sichern.
Zu den Spielen ist jeder eingeladen, vorbeizuschauen und den Sport live zu erleben. Die Spiele der Teams der SG Pegasus sowie des TuS Schildgen werden in der Halle im Kleefeld ausgetragen. Die Spiele des TV Voiswinkels finden in der Halle des Gymnasiums Odenthal statt. Den Spielplan finden Sie auf der Website des Deutschen Korfballverbandes.
Hinweis der Redaktion: Die Autorin macht zur Zeit ein Praktikum beim Bürgerportal und spielt selbst bei Pegasus.

