Der Jugendhilfeausschus tagt im Rathaus Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Kita-Sanierungen, OGS-Aufnahmekriterien, Autismus-Kompetenzzentrum: Der Jugendhilfeausschuss stimmte am Mittwoch über eine Reihe von Beschlüssen ab, diskutierte über Elternbeiträge und Fachkräftemangel in Kitas. Wir fassen die Entscheidungen zusammen.

Ohne Diskussion, ohne Nachfragen und ohne jegliche Wortmeldung haben die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses (JHA) das Aus für die geplante Kita mit angegliedertem Autismus-Kompetenzzentrum beschlossen. Einstimmig votierten sie für den Vorschlag der Verwaltung, den Beschluss aus dem Jahr 2021 zurückzunehmen und das Projekt rückabzuwickeln. Die finale Entscheidung dazu trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am 16. Dezember.

Geplant war eine Kita mit 66 Plätzen, davon sollten 15 für Kinder mit (Verdacht auf) Autismus-Spektrum-Störung (ASS) vorbehalten sein. Im Kompetenzzentrum sollten Schulungen für pädagogisches Personal stattfinden, außerdem sollte es als Ort des Austauschs und der Beratung für Kita-Mitarbeiter:innen dienen. Laut Verwaltung besteht dafür inzwischen kein Bedarf mehr. Beschlussvorlage

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Geplante Autismus-Kita steht vor dem Aus

Im Dezember 2021 hatte der Stadtrat die Pläne für eine neue Kita mit einem Kompetenzzentrum beschlossen. Neben Betreuungsplätzen für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung sollte an der Odenthaler Straße auch ein Ort für Schulungen und Weiterbildungen geschaffen werden. Nun will die Stadtverwaltung das Projekt kippen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung teilte die Stadt im Zusammenhang mit der Kita-Statistik (siehe unten) mit, dass zuletzt 20 Kinder mit Behinderung weniger als im Vorjahr betreut wurden. Die Verwaltung begründete diese Entwicklung unter anderem damit, dass Familien aktuell 1,5 Jahre auf eine Diagnostik warten müssten.

Hinzu komme, dass „einzelne Kitas von vornherein Kinder mit (drohender) Behinderung“ ausschließen, weil sie befürchten, „den Herausforderungen in einem ohnehin bereits stark belasteten System professionell nicht mehr begegnen zu können“. Das führte unter anderem bei Anne Skribbe vom Inklusionsbeirat zu Nachfragen, die Verwaltung kündigte für die nächste JHA-Sitzung mehr Informationen an. Mitteilungsvorlage

Keine Fragen zum Jugendzentrum Q1

Auch die Mitteilung über den aktuellen Sachstand zum Q1-Gebäude und die aufgeschobene Entscheidung über die weitere Zukunft wurde ohne weitere Fragen oder Rede-Beiträge zur Kenntnis genommen. Mitteilungsvorlage

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Stadt schiebt Entscheidung über Schicksal des Q1 auf

Nach wie vor gibt es keine Klarheit, ob und wie das Gebäude des Jugendzentrums Q1 und der dort untergebrachten Pfadfinder gerettet werden kann. Nach einer Ortsbegehung und vielen Gesprächen sieht die Stadtverwaltung zwei Optionen: eine sehr teure Generalsanierung oder eine teure Übergangslösung. Im März soll der Stadtrat entscheiden, noch bis Oktober hält die evangelische Kirche den Status Quo aufrecht.

Was sonst noch passierte

Als neue Ausschussvorsitzende votierte der JHA einstimmig für Brigitta Opiela (CDU). Als Stellvertreter wurde Jannes Komenda (SPD) fast einstimmig gewählt, nur die AfD enthielt sich. 

Der Beigeordnete Stephan Dekker kündigte zwei erfreuliche Mitteilungen des Bürgermeisters an: 

64 Kinder konnten seit Anfang September im neu eröffneten Mohnwegbad an kostenfreien Schwimmkursen teilnehmen. Das Angebot, das in Zusammenarbeit mit der DLRG organisiert wurde, richtete sich gezielt an Familien, die sich laut Dekker einen solchen Kurs sonst nicht leisten können. Pro Kind gab es 15 Termine, die Kosten in Höhe von 13.000 Euro seien „hervorragend investiert“, so Dekker. Die Verwaltung wolle sich ein Konzept überlegen, um diese Maßnahme zu wiederholen.

Als großartigen Erfolg lobte Dekker die Kinderratssitzung, die vor kurzem mit 15 Bergisch Gladbacher Grundschulen im Bensberger Ratssaal unter der Leitung von Bürgermeister Marcel Kreutz stattfand. Auch hier sei eine Wiederholung geplant.

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Kinderrat fordert sichere Schulwege und saubere Spielplätze ein

Wo sonst der Stadtrat tagt, dort saßen jetzt die Sprecher:innen von 15 Grundschulen und diskutierten mit dem neuen Bürgermeister Marcel Kreutz und Vertretern seiner Verwaltung. Dabei trugen sie fünf wichtige Problemfelder vor – von denen nun zwei Anliegen in den Stadtrat eingebracht werden sollen.

Kita-Sanierungen und OGS-Kriterien

Zwei Kita-Sanierungsmaßnahmen wurden einstimmig beschlossen: Die Kita ZAK in Bensberg erhält einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von rund 160.000 Euro unter anderem für Boden- und Fliesenarbeiten, die Kita Arche Noah in Refrath rund 72.000 Euro für die Sanierung der Toiletten. In beiden Fällen droht laut Verwaltung bei Nichtumsetzung die Schließung der Kitas. Beschlussvorlage Beschlussvorlage

Die Entscheidung über neue OGS-Aufnahmekriterien an Grundschulen erfolgte nach einer kurzen Diskussion ebenfalls einstimmig. Die Änderung ist nötig, weil ab dem kommenden Schuljahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gilt – zunächst für Erstklässler, in den folgenden Jahren aufwachsend für alle weiteren Grundschul-Jahrgänge. Beschlussvorlage

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Ab dem kommenden Schuljahr gibt es einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz – zumindest für alle Erstklässler. Allerdings übersteigt die Nachfrage an vielen Bergisch Gladbacher Grundschulen schon jetzt das Angebot. Die Stadt hat daher mit den Trägern Kriterien festgelegt, die darüber entscheiden, wer einen Betreuungsplatz erhält.

Mädchenberatung und stationäre Jugendhilfe

Die Mädchenberatungsstelle des Vereins „Frauen stärken Frauen“ widmet sich den Problemen von Mädchen zwischen 12 und 27 Jahren und berät diese unter anderem zu Themen wie sexualisierter Gewalt, familiären Problemen oder Essstörungen. Einstimmig beschlossen wurde, die finanzielle Förderung der Beratungsstelle auch in den Jahre 2026 und 2027 fortzuführen – mit rund 22.000 Euro. Beschlussvorlage

Kinder und Jugendliche aus Bergisch Gladbach, die in Wohngruppen leben, sollen künftig jährlich bis zu 250 Euro als Beihilfen und Zuschüsse erhalten, damit sie an kulturellen oder sportlichen Aktivitäten teilnehmen können. Die Verwaltung rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von knapp 6800 Euro pro Jahr. Der JHA votierte einstimmig dafür. Beschlussvorlage

Fachkräftemangel und Elternbeiträge

Der Jugendamtselternbeirat (JAEB), der die Interessen von Eltern und Kindern in den über 70 Kitas in Bergisch Gladbach vertritt, hatte vier Anträge eingereicht. Er forderte unter anderem konkrete Maßnahmen, um den Fachkräftemangel bei Erzieher:innen zu bekämpfen.

Einigkeit herrschte im Ausschuss, dass das Thema von großer Bedeutung ist, der Stadt aber nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um dieses landes- und bundesweite Problem zu lösen. Entsprechend vage lautete die Formulierung des Beschlussvorschlags: „Die Verwaltung wird beauftragt, sich inhaltlich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.“  Beschlussvorlage

Der JHA votierte gegen den Antrag des JAEB, bei der Ausschreibung für neue Kita-Träger ein verpflichtendes Personalkonzept einzufordern. Die Verwaltung argumentierte unter anderem damit, dass eine Mindest-Personalausstattung bereits in der Betriebserlaubnis des Landesjugendamts festgelegt sei.  Beschlussvorlage

Der Antrag des JAEB zu einer Änderung der Satzung für Elternbeiträge in Kitas wurde von mehreren Ausschussmitgliedern begrüßt. Der Ausschuss votierte für die Gründung eines interfraktionellen Arbeitskreises und trug der Verwaltung auf, eine mögliche Anpassung zu prüfen. Die Verwaltung betonte, dass Schließungen oder verkürzte Betreuungszeiten wegen Personalmangels kein Grund für eine Erstattung seien. Beschlussvorlage

Mehr Kinder in Kitas, weniger mit Behinderung

Der JHA nahm das jährliche Zahlenwerk zur Kindertagesbetreuung zur Kenntnis: Zum Stichtag 1. März 2025 wurden 3871 Kinder im Altern von 0 bis unter 6 Jahren betreut – das waren 125 Kinder mehr als im Vorjahr. Im U3-Bereich wurden in Kitas und in der Kindertagespflege 1015 Kinder betreut – das waren 24 mehr als im Vorjahr und stellt einen Gegentrend zur landesweiten Entwicklung dar: In NRW sank die Zahl der unter 3-Jährigen in Betreuung um 2,2 Prozent. Mitteilungsvorlage

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Sehr geehrter Herr Paduch, Ihr Standpunkt ist aus Ihrer politischen Haltung heraus nachvollziehbar. Das betreffende Thema ist jedoch ein Paradebeispiel dafür, wie sehr dieses ideologische Gleichheitsprinzip-Konzept
    “Egalitärer Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Umverteilung und Intersektionalität” wie so oft das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich verfolgt wird. In diesem Fall hier sind Kinder, die in ihrer Individualität wahrgenommen und gefördert werden sollten, die Leidtragenden des Grundgedankens.

    Bitte lassen Sie sich die Argumente der Betroffenen doch einmal durch den Kopf gehen.

    Wir benötigen dringend Maßnahmen, die auf unterschiedlichste Bedürfnisse und persönliche Möglichkeiten zugeschnitten sind, wenn wir Vielfalt wirklich unterstützen wollen. Das gilt für sämtliche Bereiche unserer Gesellschaft. Ich halte es für einen Irrglauben, dass Individualität und Diversität mit dem Versuch unterstützt wird, alle in die gleichen Rahmenbedingungen zu quetschen.

    Meines Erachtens wird unter diesem Leitgedanken seit einigen Jahren zunehmend immer mehr Ungerechtigkeit geschaffen.

  2. Der Entscheidung kein Kompetenzzentrum an der Odenthalerstrasse zu errichten sind viele Gespräche- parteiübergreifend -vorausgegangen. Ebenso fand ein Austausch mit der Verwaltung und den Trägern der freien Jugendhilfe statt. Dieses Thema wurde im Mai und im September im JHA behandelt .
    Daher ist der Begriff * Stille Abkehr * irreführend.
    Herzliche Grüße
    Brigitta Opiela
    JHA Ausschussvorsitzende

    1. Austausch ist nicht gleichbedeutend mit Konsens, und viele Gespräche sind keine Garantie dafür, dass die resultierende Entscheidung richtig ist.

    2. https://in-gl.de/2025/12/15/autismus-kitas-werden-bei-der-inklusion-allein-gelassen-bergisch-gladbach-kompetenz-zentrum/

      Die Kommentare haben Sie vernommen? Meinungen aus dem Volk, es schreiben Betroffene
      Da scheint eine große Lücke zu klaffen zwischen den Wahrheiten, Realitäten und Wahrnehmungen von Politik, Fachausschüssen, Verwaltung, Trägern und den Fachkräften in den Einrichtungen, tagtäglich vor Ort und im mitten im Geschehen, direkt am Kind
      und huch den Eltern.
      Wie sehen Sie da Ihre Rolle in der Funktion der JHA Ausschussvorsitzenden?

  3. Als Grüne-Fraktion begrüßen wir die Entscheidung, das Projekt einer Kita mit Autismus-Schwerpunkt nicht weiterzuverfolgen. Natürlich brauchen wir dringend mehr Kita-Plätze in Bergisch Gladbach – aber das konkrete Konzept war aus unserer Sicht weder pädagogisch schlüssig noch wirtschaftlich vertretbar. Die geplanten Kosten standen in keinem Verhältnis zum Nutzen, und eine solche separaten Struktur hätte eher zur Ausgrenzung geführt als zu echter Inklusion.

    Unser Ziel ist klar: Wir wollen, dass alle Kinder gemeinsam betreut und gefördert werden – unabhängig von einer Diagnose oder individuellen Bedürfnissen. Dafür brauchen wir keine separaten Einrichtungen, sondern starke, gut ausgestattete und inklusive Kitas in der ganzen Stadt.

    Ich setze mich dafür ein, dass die Stadt die Mittel jetzt in den Ausbau inklusiver Angebote und die Unterstützung der bestehenden Teams steckt. Inklusion gelingt nur im Alltag – mit qualifiziertem Personal, Fachberatung und einer Kultur des Miteinanders.

    Walter Paduch
    Jugendpolitischer Sprecher, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bergisch Gladbach

    1. Na, dann hoffen wir mal, dass für die Inklusion auch wirklich genug einschlägig qualifiziertes Personal beschäftigt wird. Bisherige Bemühungen, Kinder mit ausgeprägtem Förderbedarf in Regeleinrichtungen zu betreuen, liefen oft genug darauf hinaus, dass das pädagogische Personal überfordert war und der Förderbedarf der Kinder nicht erfüllt wurde.

      Dafür hat man ordentlich Geld gespart, weil spezialisierte Fördereinrichtungen deutlich teurer waren (allein durch den notwendigen Personalschlüssel), und hängte sich den Begriff „Inklusion“ wie einen Orden um den Hals. Also bitte nicht noch mehr solche Mogelpackungen.

    2. Hallo, ich habe selber eine Nichte, wo wir es glücklicherweise geschafft haben, das sie mittlerweile eine Förderschule besuchen kann und darf. Sie ist im Positiven seitdem ein ganz anderer Mensch geworden. Der Weg dahin war extrem mühsam und schwer und ich kann diesen Schwachsinn von Inklusion nicht mehr hören. Es funktioniert nicht und es wird auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen.

      Herr Paduch ich habe seit 2000 wo ich erstmalig wählen durfte, immer grün gewählt, zur letzten Bundestagswahl genau aus diesem Grund nicht mehr. Inklusion in Deutschland mit unserem Schulsystem funktioniert nicht, wir erreichen damit genau das Gegenteil, betroffene Kinder nehmen weniger Teil am Leben.

  4. Auch wieder genial mit den Elternbeiträgen, abkassieren für nicht erbrachte Leistungen können Kommunen ja hervorragend.
    Vermutlich dann noch als nächstes die Beiträge erhöhen wegen gestiegener Kosten. Ich freue mich drauf!

  5. Bleibt zu hoffen, dass der objektiv steigende Bedarf im Bereich Autismus und ADHS in den restlichen Kindergärtnern abgedeckt wird.

    Aus persönlicher Erfahrung: Die Kinder kommen oft nicht fertig „abgestempelt“ und „vorsortiert“ in die Kitas. Oft liefern besonders aufmerksame Betreuerinnen den ersten Hinweis und der lange Weg zur Diagnose beginnt.

    Es wäre sicher perspektivisch sinnvoll gewesen, einen spezialisierten Kindergarten zu haben, der mit Autismus und ADHS bestmöglich hätte umgehen können. Schade, dass es nun (ohne jegliche Gegenwehr) nicht dazu gekommen ist.

  6. Seit 1996 besteht ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für alle Kinder ab 3 Jahren, seit 2013 für alle ab 1 Jahr (hier alternativ in Tagespflege). Dies gilt auch völlig uneingeschränkt für Kinder mit (drohender) Behinderung und völlig unabhängig der Frage einer vorliegenden Diagnostik. Der Rechtsanspruch richtet sich jedoch nur gegen das Jugendamt, das in Bergisch Gladbach über keinen einzigen Platz verfügt.

  7. Verstehe ich das richtig: Die inklusive Kita wurde gestrichen, weil es angeblich weniger Kinder mit entsprechendem Bedarf gibt. Die Kinder werden aber a) gar nicht erst diagnostiziert (bzw zu spät) und b) von anderen Kitas abgelehnt, sodass sie in der Statistik nicht mehr auftauchen? Das heißt, man darf vermuten, dass es noch so viele bedürftige Kinder gibt wie vorher, sie aber nun nicht so gefördert werden, wie es geplant war?

    1. So sieht es wohl aus – und dem Personal in den Einrichtungen Schulungen zukommen zu lassen, wie es bei der „ASS-Kita“ geplant war, ist anscheinend auch keine Option mehr… alleine das würde es Kindern mit Inklusionsbedarf und den Betreuer*innen sehr viel leichter machen.

      Ist wohl zu teuer…