Von Adipositas Betroffene haben 2022 gemeinsam mit der Selbsthilfe-Koordinatorin des EVK eine Selbsthilfegruppe für übergewichtige Menschen gegründet, das A-Team. Dort können sie Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig unterstützen und motivieren. Mit diesem Beitrag setzen wir unsere Serie zu Selbsthilfegruppen in Rhein-Berg fort.

„Wir suchten damals nach einem passenden Titel. „A“ steht für Adipositas und „Team“ steht für unsere Gemeinschaft, die zusammenhält“, sagt Martina Lambertz, eine der Gründerinnen des A-Team. Auch heute noch bestehe eine große Nachfrage nach diesen moderierten Austauschtreffen, derzeit nehmen regelmäßig rund 15 bis 16 Betroffene teil.                                                                                                                               

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Übergewichtige werden noch immer stigmatisiert, diskriminiert, beruflich benachteiligt und kaum akzeptiert. Man hält sie für träge, schwerfällig, willensschwach, nicht belastbar oder passiv. Es gibt immer noch Arbeitgeber, die übergewichtige Bewerber gar nicht einstellen. Da tut es den Betroffenen gut, in dieser Selbsthilfegruppe von allen so wie sie sind angenommen zu werden und sich vieles im geschützten Raum von der Seele reden zu können.

Ursachen erkennen und behandeln

Jede/r kann übergewichtig werden. Der lateinische Begriff Adipositas (adeps = das Fett) bezeichnet starkes und krankhaftes Übergewicht. Menschen mit Adipositas besitzen ein zu hohes Körpergewicht, das durch zu viel Körperfett verursacht wird. Der hohe Fettanteil entsteht, wenn dem Körper mehr Energie zugeführt wird, als er verbrauchen kann. Diese überschüssige Energie lagert sich als Fett im Körper ab.                 

Ob Adipositas vorliegt oder das Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße im gesunden Bereich ist, das lässt sich zunächst durch den Body-Mass-Index (BMI) berechnen, bevor weitere Untersuchungen für eine klare Diagnose sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Übergewicht bei einem BMI ab 25, Adipositas bei einem BMI ab 30 und bewertet den BMI-Wert als kritisch, wenn dieser über 40 liegt. Es gibt viele Webseiten von Krankenkassen, auf denen der individuelle BMI mühelos berechnet werden kann.   

Hintergrund: Selbsthilfegruppen in Rhein-Berg

Erkrankungen, Beeinträchtigungen und seelische Krisen belasten das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen sehr. In diesen schweren Zeiten tut ein Austausch in einer mitfühlenden Gemeinschaft gut. In einer Selbsthilfegruppe steht man sich bei und setzt sich für andere ein. Selbsthilfegruppen bilden „ein starkes Netz aus Verständnis, Hoffnung und gegenseitigem Trost, wobei jede Begegnung, jede geteilte Erfahrung und jedes offene Wort den Betroffenen Kraft gibt“, so die Selbsthilfekontaktstelle in Bergisch Gladbach

Selbsthilfegruppen ergänzen ambulante, stationäre und rehabilitative Versorgungen und entlasten somit unser Gesundheitswesen. Das ehrenamtliche Engagement der Menschen, die eine SHG miteinander gestalten, ist beispielhaft. 

Teilnehmen und teilen, miteinander und füreinander, gemeinsam informieren, dies macht die gesellschaftlich wertvolle Arbeit aller Selbsthilfegruppen aus. 

Annette Voigt, Gründerin der SHG „mein Darm und ich“, stellt einige der Gruppen in unserer Serie vor – die damit einen guten Überblick über die Selbsthilfegruppen im Rheinisch Bergischen Kreis bietet. 

Häufig spielen mehrere Faktoren bei der Entstehung von Adipositas eine Rolle, wobei die Ursachen dieser Erkrankung noch nicht umfassend genug erforscht sind. Die Selbsthilfegruppe nennt für diese Erkrankung unter anderem Gründe wie eine falsche Ernährung oder der sorglose Umgang mit Lebensmitteln, aber auch Vorerkrankungen wie die Unterfunktion der Schilddrüse oder Zucker-Diabetes.

Adipositas kann aber auch auf einer hormonellen Störung basieren oder genetisch bedingt sein. Auch seelischer Stress führt zu Adipositas und seelische Erkrankungen kommen bei übergewichtigen Menschen häufig vor. Essen fungiert als Seelentröster und Sorgen lassen sich mit Essen zumindest vorübergehend kompensieren.

„Für die Teilnehmer:innen in unserer Gruppe ist es somit wichtig nicht nur ihre Ernährung umzustellen, sondern auch seelische Probleme aktiv anzugehen“, sagt die SHG-Gründerin. 

Übergewichtige Menschen sind nicht nur einem hohen psychosozialen Leidensdruck ausgesetzt, sondern sie sind auch anfälliger für Folgeerkrankungen.

Hintergrund: Mögliche Folgeerkrankungen

Adipositas begünstigt beispielsweise Herz- und Kreislauferkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt), Diabetes, Gelenkerkrankungen, Venenleiden, Atmungsstörungen im Schlaf, Erkrankungen von Galle und Leber, erhöhtes Krebsrisiko (Gebärmutter, Brust, Prostata, Gallenblase, Darm) oder Hauterkrankungen. (Quellen: Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) e.V. und Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) e.V., Gesundheitsportal der Stiftung Gesundheitswesen Berlin.)

Sich gegenseitig motivieren und unterstützen

Es ist demnach ratsam rechtzeitig abzunehmen, bevor sich diese Folge-Erkrankungen festigen. Mit Hilfe der Selbsthilfegruppe, der richtigen Ernährung und Bewegung kann der Adipositas entgegengewirkt werden. 

„Das A-Team hört zu, wo Freunde und Bekannte bereits weghören. Hier in der Gruppe können wir über alles offen und ehrlich reden. Wir respektieren uns so, wie wir sind. Unsere ähnlichen Probleme verbinden uns und niemand fühlt sich mehr alleine. Ich finde, dass unsere Selbsthilfearbeit Menschen verbindet und auch in schwierigen Fällen Sicherheit gibt“, beschreibt Lambertz ihre SHG.

Die SHG trifft sich jeden 2. und 4. Montag im Monat im EVK, Ferrenbergstraße 24, 51465 Bergisch Gladbach (1. Stock, gelbes Gebäude). Vor dem Erstbesuch bitte melden: Das.A-Team-SHG@gmx.de oder 02202/122-3132.

Hier schöpfen die Betroffenen neuen Mut und erhalten im Erfahrungsaustausch Tipps, Infos und Impulse. „Wenn es Erfolgsgeschichten gibt, macht es Spaß diese mit anderen teilen zu können. Insgesamt herrscht bei uns eine familiäre Atmosphäre und es ist so eine nette Truppe. Die SHG-Teilnehmer:innen sind sogar außerhalb der Gruppe füreinander da. Nach der Bewältigung von schwierigen Aufgaben ist wirklich mehr Elan für das Leben da und das ist bei uns spürbar“, begeistert sich Lambertz. 

Die Gruppe bietet also viele Möglichkeiten, sich mit den anderen zu vernetzen, d.h. Erfahrungen zu teilen und gemeinsam neue Wege zu finden. „Alle, die abnehmen wollen, müssen ihre Ernährung umstellen und den Zuckerkonsum reduzieren. Das ist oft schwer und da hilft es, wenn andere einen auf diesem Weg begleiten“, sagt Lambertz.                       

Sollte sich jemand für eine Magenverkleinerung entscheiden, so gibt es in der Gruppe genügend Ansprechpartner: innen, die diese OP bereits hinter sich haben und daher anschaulich berichten können, was danach beachtet werden muss. Von Fertiggerichten und Fast Food ist ohnehin ganz abzuraten und vom versteckten Zucker in unseren Lebensmitteln sowieso, warnt das A-Team.

„Damit die Betroffenen nicht wahllos zu viele Kalorien essen, ist es wichtig, dass wir uns intensiv mit unserem Ernährungsverhalten auseinandersetzen“, erklärt das A-Team. Dies soll bald in einer Informationsveranstaltung mit einem Ernährungsberater vertieft werden, der sich mit Adipositas auskennt. Ohnehin sollen zukünftig verstärkt Vorträge angeboten werden, wobei sich die Themen nach den Wünschen der Gruppe richten.                                                             

Die Betroffenen motivieren sich in der Gruppe auch gegenseitig regelmäßig Sport zu treiben. Jede Bewegung, die den Körper anstrengt, Aqua-Fitness oder Schwimmen, Nordic-Walking, Reha-Sport, Krafttraining oder Radfahren trägt zur gesunden Gewichtsreduktion bei. Das A-Team empfiehlt zweieinhalb Stunden Sport pro Woche. 

Klare Regeln und Strukturen in der Gruppe

„Um möglichst viel zu bewirken, besonders bei einer großen Teilnehmerzahl, bedarf es unbedingt einer Strukturierung der Gruppe“, sagt Lambertz. Die Gruppe startet mit einer Blitzlichtrunde, in der sich jede/r kurz vorstellt. Frau Lambertz und drei weitere interne Ansprechpartnerinnen achten dabei auf die Redezeit, denn schließlich haben die Betroffenen immer viel zu bereden.

Es wird auch abgefragt, wer am jeweiligen Abend die Moderation übernehmen möchte. Dazu erklärt sich stets jemand bereit. „Allerdings muss ich wissen, wen ich direkt ansprechen kann“, erklärt Lambertz. Zum Abschluss beantworten alle reihum folgende Fragen: „Wie geht es Dir jetzt mit den heutigen Informationen?“, „Fühlst Du Dich gut in der Gruppe?“, „Wie kann die kommende Woche für Dich werden?“.

Bereits 2022 wurden diese Gruppenrichtlinien aufgestellt. Eine weitere Regel lautet, sich vor dem ersten Besuch mit Lambertz in Verbindung zu setzen.

Die SHG kooperiert mit der Selbsthilfekontaktstelle des EVK, die der Gruppe kostenfrei ein Besprechungszimmer zur Verfügung stellt, sowie dem Adipositas Verband Deutschland e.V., bei dem die SHG gelistet ist. Das A-Team kann somit bei Bedarf ein Netzwerk aus Ärzten, Ernährungsexperten, Adipositas-Einrichtungen und weiteren Betroffenen empfehlen. Hier finden die SHG-Teilnehmenden wertvolle Hinweise. 

Die an Adipositas Erkrankten müssen nicht nur ihr Gewicht, sondern ihr gesamtes Leben verändern und das ist schwer. Umso wirkungsvoller ist es, dass Gleichgesinnte begleiten, zur Seite stehen, motivieren und jeden noch so kleinsten Erfolg wertschätzen. 

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