Nach einer ambulanten Operation bleiben die Patienten einige Zeit im Aufwachraum und gehen dann nach Hause. Foto: GFO Kliniken Rhein-Berg

Morgens operiert, nachmittags zurück nach Hause: Im Ambulanten Operationszentrum der GFO Kliniken Rhein-Berg werden Patienten in fünf verschiedenen Fachgebieten behandelt. Wetter- und glättbedingt gab es in letzter Zeit besonders viel zu tun für das AOZ-Team in Bergisch Gladbach.

Die GFO Kliniken Rhein-Berg setzen verstärkt auf ambulante Eingriffe. Im vergangenen Jahr wurden im Ambulanten OP-Zentrum (AOZ) am Marien-Krankenhaus mehr als 3000 Operationen durchgeführt. „In diesem Jahr werden es sicher noch deutlich mehr“, prognostiziert OP-Managerin Amila Steinbacher.

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Im Mai 2024 haben die GFO Kliniken das AOZ in seiner jetzigen Form eingerichtet. In drei nebeneinander liegenden Sälen werden Patienten in den Fachgebieten Unfallchirurgie, Orthopädie, Allgemeinchirurgie, Gynäkologie und Urologie. Neben eigenen Ärzt:innen operieren hier auch einige niedergelassene Mediziner:innen regelmäßig.

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MKH führt ambulante OP-Zentren zusammen

Die GFO Kliniken Rhein-Berg haben die beiden Ambulanten OP-Zentren am Marien-Krankenhaus (MKH) zum 1. Mai zusammengelegt. Damit gehe das Krankenhaus einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Praxisklinik in Bergisch Gladbach. Schlankere Strukturen sollen effizienteres Arbeiten erlauben und die Bettenkapazitäten entlasten. Ein dritter OP-Saal ist geplant.

„Die Politik will vermehrt weg von der stationären Behandlung hin zu einer ambulanten“, erklärt Gereon Schiffer, Chefarzt der Unfallchirurgie der GFO Kliniken Rhein-Berg. Er hat das AOZ gemeinsam mit Steinbacher konzipiert. „In anderen Ländern wird ambulant schon viel mehr gemacht als in Deutschland.“

Vorteile von ambulanten Eingriffen

OP-Managerin Amila Steinbacher und Chefarzt Gereon Schiffer im Aufachraum. Foto: GFO

Das ambulante Operieren bringt aus Steinbachers Sicht viele Vorteile mit sich: „Die meisten Patienten möchten so schnell wie möglich nach Hause und nicht im Krankenhaus bleiben.“ Bei ambulanten Eingriffen können sie bereits nach wenigen Stunden wieder entlassen werden.

Im AOZ werden hauptsächlich sogenannte elektive, also planbare Eingriffe durchgeführt. „Die Patienten hier sind in der Regel gesund und kommen nicht als akuter Notfall“, sagt Schiffer. Eingriffe, die vor wenigen Jahren noch mehrtägige Krankenhausaufenthalte nötig machten, könnten dank verbesserter Narkose- und OP-Techniken und medizinischer Fortschritte inzwischen ambulant durchgeführt werden. 

Ein neues Abrechnungssystem im Gesundheitswesen gebe Ärzt:innen mehr Freiheiten zu entscheiden, ob ein Eingriff ambulant oder stationär stattfindet. „Bisher war das klar festgelegt“, sagt Schiffer. Als Beispiel nennt er einen Speichenbruch: Bisher sei nach einer OP mindestens eine Übernachtung im Krankenhaus zwingend vorgesehen gewesen. „Nun können wir die Patienten auch ambulant operieren.“ Das verschaffe Luft auf den Krankenhaus-Stationen.

Schiffer zufolge entscheiden das die Mediziner:innen gemeinsam mit den Patient:innen. Ob ein anschließender Krankenhausaufenthalt erforderlich sei, hänge auch vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten ab. Junge und fitte Menschen könnten also eher ambulant behandelt, während diejenigen mit Vorerkrankungen eher eine Überwachung im Krankenhaus benötigen.

Zwei Standorte der GFO Kliniken Rhein-Berg

Im Zuge der Krankenhausreform hatten die GFO Kliniken ihre Leistungen neu geordnet: Die stationäre Versorgung konzentriert sich auf das Vinzenz Pallotti Hospital Bensberg (VPH) statt, die ambulante Versorgung auf das MKH. Dort sind stationär nur noch die Neurologie (mit Stroke Unit für Schlaganfall-Patienten), die Geriatrie und die Palliativmedizin untergebracht. Die anderen Fachgebiete und die zentrale Notaufnahme befinden sich im VPH.

Weitere Beispiele, die der Unfallchirurg ambulant operiert, sind Schlüsselbeinbrüche, Metallentfernungen oder Sprunggelenkbrüche. Eingriffe an Wirbelsäule, Hüfte oder Oberschenkel hingegen würden auch weiterhin einen stationären Aufenthalt nach sich ziehen. 

Je nach Art des Eingriffs finden an einem Tag 15 Operationen oder mehr im AOZ statt. Operiert wird von 8 bis 16 Uhr, spätestens bis 18 Uhr verlassen die Patient:innen den Aufwachraum.

Für das Team bedeute die schnelle Taktung eine organisatorische Herausforderung. „Man muss als Pflegekraft oder Mediziner wollen, hier zu arbeiten – schnelle Wechsel, keine großen und komplizierten Operationen mit vielen Blutkonserven“, sagt Schiffer. Das Team besteht aus zwölf Pflegekräften und wechselnden Operateuren und Anästhesisten.

„Das Schöne für uns Ärzte ist: Wenn wir im AOZ sind, können wir nicht zu einem Notfall auf die Station gerufen werden“, sagt Schiffer. So bleibe Zeit für ein Patientengespräch nach einem Eingriff. Und es sei verlässlicher, dass die geplante Operation auch tatsächlich stattfinde. 

Nur selten müssten OPs verschoben werden, etwa wenn aufgrund von Winterwetter und Glätte wie zuletzt deutlich mehr akute Fälle behandelt werden müssten. Schiffer zufolge haben die GFO Kliniken Rhein-Berg in den vergangenen zwei Wochen 22 Speichenbrüche, 18 Sprunggelenks- oder Unterschenkelbrüche sowie 14 Oberschenkelhalsbrüche aufgrund der Wetterlage gezählt. 16 dieser Brüche wurden ambulant behandelt.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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