Mit harten Worten haben Politik und Kirche bei einer Kundgebung auf dem Konrad-Adenauer-Platz Position gegen Putins Krieg in der Ukraine und für den Frieden bezogen. Rund 300 Personen waren dem Aufruf der politischen Jugendorganisationen gefolgt, und setzen kölsche Solidarität gegen die kalte Aggression des russischen Angriffs.

Fotos: Thomas Merkenich. Text: Georg Watzlawek

„Ich hätte niemals gedacht, dass …“. Dieser Satz kommt in den Ansprachen von Bürgermeister Frank Stein, Landrat Stephan Santelmann und Kreisdechant Norbert Hörter bei der Ukraine-Kundgebung am Dienstagabend immer wieder hoch. Auch am sechsten Tag des russischen Kriegs gegen das Nachbarland können auch sie einfach nicht fassen, wie diese Katastrophe im modernen Europa passieren konnte. Ebenso einig sind sie sich in ihrer harten Verurteilung des Aggressors Putin – und ihrer Hoffnung, die auf die neue Geschlossenheit der demokratischen Welt gründet.

Rund 300 Menschen, Kinder und junge Schüler:innen, viele Jugendliche und Erwachsene jeder Altersgruppe sind dem Aufruf von Junger Union, Jungen Liberalen, Jusos und Grüner Jugend gefolgt, bei dieser überparteilichen Mahnwache Stellung zu beziehen. Viele tragen blau und/oder gelbe Kleidungsstücke, vor allem die Jüngeren haben Protestplakate mitgebracht.

Sie können jedes Foto mit einem Klick groß stellen und sich dann durch die Galerie bewegen.

„Erschüttert, aber nicht ins Wanken gebracht“

Bergisch Gladbachs Bürgermeister Frank Stein erklärt sich „fassungslos, erschüttert und völlig verständnislos“ angesichts der „Aggression Russlands“. Er ruft dazu auf, sich „mit ganzem Herzen“ auf die Seite der Ukraine und den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen. Die westliche Demokratie sein „in ihren Grundfesten erschüttert, aber nicht ins Wanken gebracht worden“, sagt Stein.

Kundgebungen wie diese auf dem Konrad-Adenauer-Platz und überall in Europa zeigten, „dass unsere Demokratie auf eine breite, feste Basis“ gründet.

Bürgermeister Frank Stein (rechts) und Landrat Stephan Santelmann

„Das rheinisch-bergische Veedel steht zusammen“

Nach einer Vorstellung durch Fabrice Ambrosini, Vorsitzender der JU Rhein-Berg und Moderator der Veranstaltung, spielt der junge Trompeter Vincent Kremer den Bläck Föös-Klassiker „En unserem Veedel“.

Vincent Kremer

Landrat Stephan Santelmann nimmt das Stichwort auf. „Unser Veedel“, das sei in diesem Fall der Rheinisch-Bergische Kreis, der eng zusammenstehe. Bereits am Freitag, berichtet Santelmann, hätten sich die acht Bürgermeister:innen der Kommunen im Kreis zusammengesetzt und überlegt, welche Hilfe sie leisten können. Eine erste Meldung von Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge sei am Dienstag an das Land geschickt worden.

Konkreter wird der Landrat an diesem Punkt nicht; die Stadtverwaltung hatte eine Koordinierungsstelle für Hilfen auch aus der Bürgerschaft angekündigt, weitere Informationen gibt es dazu allerdings noch nicht.

Kreisdechant Norbert Hörter

„Wer in den Krieg zieht hat schon verloren“

Norbert Hörter, als Kreisdechant oberster Repräsentant der katholischen Kirche in Rhein-Berg, verurteilt den „unvorstellbaren Angriffskrieg mitten in Europa“, mit dem „der Diktator Putin“ ein freies Volk angreife. Wer jedoch in den Krieg ziehe, der habe schon verloren – weil es nach dem Krieg für alle schlechter stehe als zuvor. Krieg sei jedoch „nie Schicksal, sondern immer Menschenwille“, erinnert Hörter aller Zuhörer:innen, die „hier in der Mitte von Bergisch Gladbach für den Frieden einstehen“.

Mike Müller

Kölsche Töne gegen die Verzweiflung

Zu Abschluss der Kundgebung trägt Mike Müller, der ehemalige Prinz im Refrather Dreigestirn und aufstrebender Schlagersänger, weitere kölscher Klassiker vor. Mit „Mir singe Alaaf“ von Brings und „Unsere Stammbaum“ trifft er einen Nerv der Demonstrant:innen, viele schunkeln mit. Für den Frieden und für das Gefühl, an diesem kalten Abend nicht alleine zu sein.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

9 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. „Kalte Aggression“ ist eine angesichts von tausenden
    Toten und Hunderttausend Vertriebenen unangemessen verharmlosende Formulierung.

  2. Ich war vor Ort und konnte nach 2x Zählen wohlwollend nur maximal 220 Personen zählen. Macht nix, denn die etwas ungenaue journalistische Übertreibung ist ja für eine „gute Sache“!

    Es war eine kleine Demonstration dafür, daß die großen Jungendorganisationen von CDU, SPD, FDP und GRÜNE dazu aufgerufen hatten. Die kommunalpolitische Prominenz und die bekannten Köpfe dieser Stadt waren vertreten und machten schon mehr als die Hälfte der Demonstration aus. Viele normale Bürger sind dem Ruf, der ja auch unüberhörbar über die Medien verbreitet wurde, nicht gefolgt.

    Die Menschen trauen der Ukraine-Politik dieser Parteien (die zusammen mehr als 80% der Wähler vertreten) nicht und gehen lieber mit den glaubwürdigen Karnevalisten auf eine Friedensdemonstration nach Köln. Spätestens nach den Reden in Bergisch Gladbach war mir dann auch verständlich, warum ….!

    Maximal 220 Personen waren bei dem großen Aufruferkreis ein Armutszeugnis für Bergisch Gladbach. Die Menschen in der Ukraine haben mehr verdient!

    1. Bei den Meta-Tags für Facebook steht im Online-Beitrag des Kölner Stadt-Anzeiger noch „250 Teilnehmer“. So steht es auch bei Facebook. Es ist naheliegend, dass der Verfasser das nachträglich und für die spätere Überschrift nach oben „korrigiert“ hat, … „alles für den guten Zweck“. Er hat wohl auch vorher nicht mehr als 250 gezählt und schon das war wohlwollend, denn ich habe 2x maximal 220 Teilnehmer gezählt. 220 Personen sind gerade 0,2% der Bevölkerung in Bergisch Gladbach.

      Es ist bedauerlich, daß wir nicht mal mehr der lokalen Presse glauben können, wenn es um den Krieg in der Ukraine geht und sie mit Berichten über kleine Friedensdemonstrationen die Menschen falsch informieren. Bleiben sie doch bitte bei der Wahrheit und wird die im Krieg ausgeschaltet?

      1. Sehr geehrte anonyme „Heimatliebe“, wenn Sie Beiträge oder Facebook-Posts des Kölner-Stadt-Anzeigers kommentieren wollen, dann machen Sie das bitte auf den Seiten des Stadt-Anzeigers.

        Zu Ihrem ersten Kommentar und zu unserer Berichterstattung: Wir haben die Zahl der Teilnehmerinnen so akkurat wie möglich auf rund 300 geschätzt, eine exakte Zählung war auf dem Konrad-Adenauer-Platz nicht möglich. Ihren Vorwurf, falsch zu informieren, weisen wir zurück.

      2. Liebe Redaktion,

        ich bin nicht anonym! Ich kritisiere nicht nur den Stadt-Anzeiger wegen der Hofberichterstattung, sondern auch das Bürgerportal. Beide Berichte sind auf der Linie der Bundesregierung und der Ampelmehrheit im Stadtrat. Deshalb jubeln sie und der Stadt-Anzeiger die Demonstration hoch, obwohl es auch andere Stimmen in der Stadt gibt. Über diese berichten sie nicht oder nur periphär.

        Sie werden meine Kritik sicher zurückweisen, doch in meinen Augen kommt ihre parteiische Berichterstattung einer Art Kriegspropaganda gefährlich nahe, um die Bergisch Gladbacher auf einen Krieg gegen die Russen einzuschwören.

        Ich bin am Dienstag zu der Demonstration gekommen, um für Frieden einzustehen und fand mich unversehens unter Menschen wieder, die aufrüsten wollen und am liebsten in der Ukraine mitkämpfen wollten. Es war keine Friedensdemo, sondern eine Demonstration für den Kriegskurs der NATO und EU!

        Genau in diese Linie berichten sie und der Kölner Stadt-Anzeiger indem sie die Zahl der Teilnehmer überhöhen, um den Eindruck zu erwecken, alle würden Frau Baerbock und Herr Schulz unterstützen. Die geringe Teilnehmerzahl zeigt aber, dass diese Regierung keine Unterstützung für diesen Kurs bei den Bergisch Gladbachern hat, auch wenn die Medien das herbeischreiben wollen.

        Ihre Ausrede, dass sie nicht zählen konnten, glaube ich nicht, denn dann würden sie nicht von Zahlen schreiben. Ich war vor Ort und es war leicht zu zählen. 1x 208 und beim 2x 218 ….

        Grüße an die Hofberichterstatter!

        P.S.: Ich habe keine Angst vor Zensur meines Kommentars und sage meine Meinung. Überall in Europa wurden in den letzten Tagen Pazifisten angegriffen und verfolgt, weil sie die militärischen Aktivitäten ihrer Regierungen öffentlich missbilligen. Überall gehen mutige Kriegsgegener auf die Straße. Und übrigens nicht nur in Russland oder der Ukraine, sondern auch im Westen!

      3. @“Heimatliebe“
        Wer so eine dermaßen abstruse, völlig faktenverdrehende Kreml-Propaganda verbreitet, sollte das Wort „Heimatliebe“ besser nur in Anführungszeichen verwenden. Und vielleicht sollten Sie Ihre Informationsquellen mal überdenken.

      4. Ein Pseudonym bedeutet nicht gleichzeitig dass Anonymität ausgeschlossen ist.

        Ich bin deutlich irritiert darüber, dass eine Korrelation zwischen der Anzahl der Beteiligten an einer Demonstration mit der Zustimmung zur Politik der Bundesregierung bestehen könnte, zumal bei unangenehm kühlem Wetter an einem Dienstag Abend.

        Auch habe ich keine Aufrufe zur Kriegstreiberei vernommen. Die Teilnehmenden und auch die Sprecher*innen waren einig in der Anteilnahme gegenüber den Tausenden Vertriebenen und Getöteten dieses Kriegs auf ukrainischen Territorium. Der Aggressor, in Form der russischen Regierung, wurde mehrfach angesprochen diesen Konflikt und damit verbunden die Ungerechtigkeit, die dem ukrainischen Volk widerfährt zu beenden. Für mich ist das ein Ausdruck des pazifistischen Gedankens aller Teilnehmenden.

        Eine diffamierende Kommentierung an der Anzahl der Teilnehmer aufzuhängen scheint mir, gerade in Verbindung mit einem Pseudonym mit dem Anstich der Heimattümelei und einem patzigen Abschiedsgruß, sehr ähnlich zu einem neu-rechten Agitationsversuch.

        Den Beteiligten der Demonstration danke ich jedoch für ihre ehrliche Anteilnahme gegenüber der ukrainischen Bevölkerung, welche nicht durch eine schräge Darstellung geschmälert werden sollte.

    2. Das ging schnell, liebe „Heimatliebe“, von „die Ukrainer haben mehr Unterstützung verdient“ zu „Kriegspropaganda“.
      Mit Ihrem Schild mit der Aufschrift „verhandeln statt schießen“ (oder sinngemäß ähnlich) kamen Sie mir gleich suspekt vor. Mit wem genau wollen Sie verhandeln? Mit einem Kriegsverbrecher im Kreml, der nichts mehr zu verlieren hat?
      Bleiben Sie beim nächsten mal einfach daheim und lassen Sie die Menschen, denen die Menschen und ihr Leben und unsere Demokratie wirklich am Herzen liegen, bitte in Ruhe!

      Wenn Sie hier nicht anonym sind, wieso kommentieren Sie dann mit Ihrem Pseudonym? Solange Sie nicht mit Klarnamen auftreten, sind und bleiben Sie hier anonym! Das abzustreiten ist genauso dämlich, wie wissenschaftliche Fakten zu leugnen.

  3. Das war eine ganz tolle und verbindende Veranstaltung von Jung und Alt. Ein Zeichen, dass auch die Gladbacher Putin die Stirn zeigen. Danke an die Veranstalter!!