Bislang sind nur wenige öffentliche Gebäude mit PV-Anlagen belegt. Das Foto zeigt das Dach des Heider-Hauptgebäudes, das gerade aufgerüstet wurde. Foto: Schoenenergie

Bis vor zwei Jahren drehte sich bei Heider Druck & Verlag alles um Druckerschwärze. Dieses Traditionsgeschäft wird nun ganz beendet, dafür zieht die grüne Zukunft auf dem zentralen Gelände an der Paffrather Straße ein: Nach einer Photovoltaik-Firma verlagert jetzt ein expandierendes Schwergewicht aus der Recycling-Branche seinen Standort auf das Areal.

Bürgermeister Frank Stein bringt es in seinem Glückwunsch auf den Punkt: Mit Weitsicht, Mut und Kraft habe die Familie Heider gehandelt, solange sie noch handlungsfähig war – und den traditionellen Druckstandort in ein zukunftsfähiges Areal verwandelt: An der Paffrather Straße etabliere sich gerade ein Zentrum der nachfossilen Kreislaufwirtschaft mitten in Bergisch Gladbach.

Vor zwei Jahren hatte Heider „die Reißleine gezogen“ und den Zeitungsdruck eingestellt, der rückläufige Branchentrend war durch Corona massiv verstärkt worden. Jetzt werde auch der Digitaldruck beendet, sagte Geschäftsführer Hans-Martin Heider am Dienstag. Damit bleibt vom traditionellem Geschäft der 1889 gegründeten Druckerei nur noch der Regionalverlag.

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Heider druckt nicht mehr

Das Unternehmen Johann Heider Druck & Verlag ist aus Bergisch Gladbach eigentlich nicht wegzudenken – und dennoch verschwindet die 1889 gegründete Druckerei in wenigen Wochen vom Markt. Der Niedergang gedruckter Zeitungen hat das Familienunternehmen in Turbulenzen gebracht, Corona hat den Prozess beschleunigt. Jetzt zieht die vierte Heider-Generation die Reißleine, um das Familienunternehmen ordentlich abzuwickeln.

Dennoch herrscht auf dem 19.000 Quadratmeter großen Gelände an der Paffrather Straße Aufbruchstimmung. Das Unternehmen habe erheblich in die energetische Aufrüstung der Gebäude investiert und in kurzer Zeit eine ganze Reihe von Mietern für die freien Flächen gefunden. So ist der ASB RheinBerg für die Zeit einer eigenen Sanierungsmaßnahme hier eingezogen, der Kölner Messebauer Blickfang hat ein zusätzliches Lager eingerichtet, ebenso wie einige andere Unternehmen.

Claudio, Hans-Martin und Roberto Heider mit Vertreter:innen der Unternehmen Schoenergie und Sutco / LM Group sowie Bürgermeister Frank Stein.

Schoenenergie demonstriert Leistungsfähigkeit auf Heiders Dach

Für die Zukunft steht eine Niederlassung der Schoenergie, ein großer Anbieter von Solarstromanlagen aus Föhren in Rheinland-Pfalz. 15 Mitarbeiter betreuen von hier aus rund 200 Kunden in der Region und installieren private wie gewerbliche Anlagen mit Spitzenleistungen von bis zu 100 Kilowatt.

Eine deutlich größere Anlage, mit 132 Kilowatt maximaler Leistung aus 322 Modulen, hat Schoenergie gerade auf dem Heider-Hauptgebäude installiert und im Mai in Betrieb genommen. Allein in den wenigen ersten Wochen seien durch die grüne Stromproduktion bereits rund 20 Tonnen Kohlendioxid eingespart worden, sagt Bereichsleiter Erik Schöller.

Drei Doppel-Wallboxen für die Aufladung von Elektrofahrzeugen hängen auf dem Heider-Parkplatz schon bereit, für eine kräftige Erweiterung ist alles vorbereitet. Und dafür könnte es bald Bedarf geben.

Im repräsentativen Verwaltungsgebäude an der Paffrather Straße zieht ein neuer Mieter ein.

Der neue Ankermieter

Anfang 2024 wird die Sutco RecyclingTechnik GmbH in das Verwaltungsgebäude einziehen, die Büroräume vom ASB und weitere Flächen im Erdgeschoss und Eingangsbereich übernehmen, berichtet Geschäftsführer Hans-Martin Heider.

Sutco produziert Sortieranlagen, ist als Tochter der LM-Gruppe ein Schwergewicht in der europäischen Recyclingbranche – und schon immer ein Bergisch Gladbacher Unternehmen. 1985 gründete Thomas Schmitz die Sutco Maschinenbau GmbH im Gewerbegebiet Britanniahütte, spezialisiert auf Förderbänder für Sortieranlagen. Daher stammt auch die Abkürzung Sutco: Schmitz UmweltTechnik & Co.

2003 verkaufte Schmitz an einen Wettbewerber im Emsland, an die Ludden & Mennekes Entsorgungssystem GmbH. Seither ist Sutco ein wichtiger Bestandteil der LM Gruppe – die im Kerngeschäft vor allem Verdichtungsanlagen herstellt und mit insgesamt 650 Beschäftigten einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro macht.

Sutco bewegt sich mit seinen Sortieranlagen auf einem starken Wachstumsmarkt: Seit der Erfindung von Sensoren, die jeden Bestandteil von Plastikabfällen erkennen und für eine exakte Sortierung sorgen, boomt die Nachfrage der Recyclingbranche, berichtet Michael Ludden, Gesellschafter und Geschäftsführer der LM Gruppe und der Sutco. Der Umsatz mit den spezialisierten Förderbändern habe sich seit 2003 mehr als verzehnfacht.

In Bergisch Gladbach sitze mit gut 70 Beschäftigten vor allem „das Gehirn“ des Unternehmens, erläutert Ludden: die Ingenieur-Abteilungen und das Projektmanagement, von hier aus werden auch Vertrieb und Montage koordiniert. Die Förderanlagen selbst werden von einem LM-Tochterunternehmen in Polen hergestellt.

Foto: Thomas Merkenich

Viele Standortvorteile in der Innenstadt

Der Standort an der Britanniahütte war schon lange zu klein, eine Expansion dort nicht möglich, berichtet Iris Odenthal, die bei Sutco als Leiterin des Business Developments auch für den Umzug verantwortlich ist. Zudem sei der Standort nicht besonders repräsentativ und etwas abgelegen – zwei Faktoren, die für die Gewinnung von Fachkräften immer wichtiger werden. Daher sei der neue Standort auf dem Heider-Gelände in der dynamisch wachsenden Innenstadt ein Glücksfall.

Bergisch Gladbachs Bauprojekte in der Innenstadt – von oben und von innen: Ein Doppelklick öffnet und schließt die Vollbildansicht. Sie können über die blauen Punkte verschiedene Perspektiven ansteuern, in der Luft und am Boden – und in die Vergangenheit (2019 und 2021) reisen. Über den Reiter „Isotec“ finden Sie auch eine Ansicht des Heider-Geländes.

Eine Verlagerung an den Hauptsitz im Emsland, erklärt Ludden, sei keine Option gewesen. Denn der Standort Bergisch Gladbach mit der zentralen Lage, den guten öffentlichen Verkehrsanbindungen, dem Flughafen und nicht zuletzt dem großen Arbeitsmarkt der Region, sei für Sutco deutlich attraktiver.

Von 700 auf rund 1400 Quadratmeter vergrößert sich Sutco beim Umzug, und gewinnt damit ausreichend Spielraum für weiteres Wachstum. Der Mietvertrag sei für fünf Jahre geschlossen worden, die Kooperation mit Heider aber langfristig angelegt. Heiders neue Solarstrom-Anlage passe gut zum Gesamtbild, freut sich Ludden. Schließlich sei sein Unternehmen „mit zwei grünen Daumen“ in der Kreislaufwirtschaft unterwegs.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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