Die Druckerei Heider an der Paffrather Straße. Foto: Thomas Merkenich

Das Unternehmen Johann Heider Druck & Verlag ist aus Bergisch Gladbach eigentlich nicht wegzudenken – und dennoch verschwindet die 1889 gegründete Druckerei in wenigen Wochen vom Markt. Der Niedergang gedruckter Zeitungen brachte das Familienunternehmen in Turbulenzen, Corona hat den Prozess beschleunigt. Jetzt zieht die vierte Heider-Generation die Reißleine, um das Familienunternehmen ordentlich abzuwickeln.

Die vergangenen Monate waren für Roberto und Hans-Martin Heider hart, das sieht man den beiden Geschäftsführern an. Nachdem sie über Jahre hinweg um das Familienunternehmen gekämpft, 2016 den Verlust von DuMont-Druckaufträgen weggesteckt, 2019 erneut kräftig investiert, einen Digitaldruck aufgebaut und noch einmal eine eigene „Bergische (Bau-)Zeitung” gegründet hatten, mussten sie erleben, wie die Kölner Zeitungsgruppe nach und nach die großen Druckaufträge kündigte. Weil die eigenen Druckkapazitäten nicht mehr ausgelastet sind.

Hans-Martin Heider (l.) bei der Präsentation der neuen „Bergischen Zeitung – Bauen, Wohnen, Leben” 2018

Dann kam Corona, traf die Zeitungen schwer, und damit auch Heider. Der ohnehin begrenzte Lebenszyklus der gedruckten Zeitung, so Roberto Heider, habe sich noch einmal um fünf Jahre verkürzt. Und damit war klar, dass sich die eigentlich anstehenden Investitionen in die Druckerei nicht mehr rechnen werden. 70 Prozent des Geschäfts entfielen auf den Zeitungsdruck, das war nicht auszugleichen.

„Wir mussten die Reißleine rechtzeitig ziehen, um nicht voll vor die Wand zu fahren”, erläutert Hans-Martin Heider. Die beiden Geschäftsführer entschieden sich für eine weitgehende Teilschließung, „um Schlimmeres zu verhindern”. Soweit wie bei Zanders, mit einer Insolvenz nach der anderen, sollte es bei Heider auf keinen Fall kommen.

Die Firmengeschichte seit Johann Heider 1889 nach Bergisch Gladbach kam, können Sie in diesem Beitrag zum 125. Jubiläum nachlesen. Schon 1890 gründet er das „Volksblatt für Gladbach und Umgegend“, die erste Zeitung der Region. Sie erschien 1949 als „Bergische Landeszeitung“ neu und wurde seit 1952 im Heinen-Verlag herausgegeben. Inzwischen ist sie im Kölner Stadt-Anzeiger (DuMont) aufgegangen.

Es folgten schwere Wochen, in denen sie sich um eine ordentliche Abwicklung großer Teile des Unternehmens an der Paffrather Straße kümmerten, um Lösungen für Mitarbeiter und Kunden, um einen guten Sozialplan.

Jetzt können sie einigermaßen gelöst über das Ergebnis berichten: „Ende Juni wird es die Druckerei Heider nicht mehr geben”, sagt Hans-Martin Heider. „Wir müssen das Herzstück des Unternehmens beerdigen.”

50 der 65 Mitarbeiter aus dem Zeitungsdruck und dem Bogendruck erhielten eine Kündigung. Es bleiben nur noch der Heider Verlag – der zum Beispiel den beliebten Bergischen Kalender herausgibt – mit wenigen Mitarbeitern, und die Druckvorstufe.

Für die Kunden hat das Unternehmen eine Lösung gefunden. In Köln-Mülheim hat der Druckerei-Unternehmer Jörg Jakobs eine neue Gesellschaft unter dem Namen Heider Druck + Medien GmbH gegründet, um wenigstens den Namen weiter zu führen; hier ist die Familie Heider aber nur mit einem symbolischen Anteil beteiligt. Die Kundenbetreuer wechseln in die neue Firma, der Kundenstamm aus dem Bogendruck (alles außer Zeitungsdruck) bleibe in bewährten Händen.

Ein Blick in die erweiterte Zeitungsdruckerei, 2018

Für die anderen gut ausgebildeten Mitarbeiter sind die Brüder zuversichtlich, dass sie außerhalb der notleidenden Druckbranche gute Arbeitsplätze finden könnten. „Unsere Leute haben gelernt, mit hochkomplexen Maschinen umzugehen, so etwas ist begehrt”, berichtet Roberto Heider.

Diese Maschinen sollen verkauft, die Hallen und das Bürogebäude an der Paffrather Straße womöglich vermietet werden.

Die Druckerei Heider verschwindet, aber nicht der Heider Verlag. Und bis Ende Juni wird noch gedruckt. „Wir freuen uns noch über jeden Druckauftrag, wir stehen für Verlässlichkeit bis zum letzten Tag,” sagt Hans-Martin Heider. „So kennt man uns in Bergisch Gladbach.”

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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