Der Literaturkurs der Q1 am Otto-Hahn-Gymnasium hat sich intensiv mit der Geschichte der „Nationalpolitischen Lehranstalt“ beschäftigt, die von den Nazis in Schloss Bensberg untergebracht worden war. Dabei haben sie festgestellt, dass dieses schwarze Kapitel der Bensberger Geschichte kaum noch jemand kennt. Sie zeigen jetzt dazu eine Ausstellung und fordern ein Mahnmal, das an die Verbrechen erinnert.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG)

Die Stadt befürwortet grundsätzlich die Idee eines Mahnmals, um an das dunkle Kapitel der Nationalpolitischen Lehranstalt im Schloss Bensberg zu erinnern. Das erklärte das Büro von Bürgermeister Frank Stein auf Anfrage der Schülerinnen und Schüler.

Von 1935 bis 1945 wurden im Schloss Bensberg ausgewählte Schüler im Sinne der menschenverachtenden Rassenideologie und des Führerkults in dem Internat unterrichtet. Das Schloss wurde ab Mai 1944 auch als selbstständiges Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald genutzt. 

Die Schüler:innen (Q1) befragten dazu Bekannte, Mitschüler:innen, Familie und Bürger:innen in der Stadt und fanden heraus, dass nur wenige etwas von dieser NS-Vergangenheit der Stadt wissen. Von 178 Befragten zwischen 16 und 90 kannte nur jeder 5 die NAPOLA Bensberg, besonders krass war das Unwissen bei jungen Menschen.

Die SchülerInnen besuchten das Stadtarchiv Bergisch Gladbach und fanden eine Fülle von vorbildlich aufbereiteten Dokumenten und Orginalquellen vor, die zeigen, wie die Internatskinder indoktriniert und für den Dienst an der Waffe ausgebildet wurden. Ein Großteil der Internatsabsolventen ging nach der Schule zur SS.

Was die Schüler:innen besonders bewegte: Das Schicksal von zwei Zwangsarbeitern, die laut Dokumenten am 22. März 1945 nach einem Weindiebstahl im Schlosspark von „fremden“ Hitlerjungen „auf der Flucht erschossen“ worden seien.

Die nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA), auch nationalpolitische Lehranstalten (Napola) genannt, waren die Eliteschulen des NS-Schulsystems. Es gab im „Reich“ 37 dieser Ausbildungsstätten. Die Schüler wurden in Grundschulen ausgesucht, auf arische Tauglichkeit untersucht und in den Internaten zur Hochschulreife ausgebildet. Die Schulen wurden erst von der SA später von der SS kontrolliert. Ein Wahlspruch der Erziehung lautete „Erst wer gelernt hat zu gehorchen, darf auch befehlen“.

Der Bensberger Heimatforscher Willi Fritzen hatte sich intensiv mit dem Nationalsozialismus in Bensberg beschäftigt und dokumentiert auf seiner Internetseite zahlreiche Fotos rund um die „Napola“ im Bensberger Schloss.

In der Napola-Zeit waren Nazi-Größen häufig auf Schloss Bensberg zu Gast. Fotos: Archiv Willi Fritzen

Nichts weist auf die Gräueltaten hin

Vor Ort am Schloss stellten die Schüler:innen fest, dass hier nichts auf diese Zeit hinweist: kein explizites Hinweisschild, keine Dauerausstellung, kein Stolperstein, kein Mahnmal, um Besucher und die Bürger der Stadt aufzuklären.

Warum das so ist, wollten sie vom Galerie+Schlossverein BGL und vom Bürgermeister der Stadt wissen und luden zum Gespräch ein. Sie bekamen schriftliche Antworten.

Die Stadt schrieb zur Frage: Unterstützen Sie die Idee eines Mahnmals, Stolpersteins, einer expliziten Hinweistafel am Schloss?

„Ja, allerdings wäre das mit dem Eigentümer des Schlosses und dem Hotelbetreiber abzustimmen.“ Und weiter: „Aufgrund wahrscheinlich bestehender Lücken bzw. bestehenden Nachholbedarfs, bedarf es einer tiefergehenden Betrachtung.“

Der heutige Eigentümer des Schlosses – ein großer Versicherungskonzern – und der Betreiber des Grandhotels, in das das Schloss nach dem Verkauf durch das Land NRW umgewandelt worden ist, sind angefragt – Antworten stehen aus.

Der Galerie+Schloss Verein hat sich laut Satzung der „Förderung von kulturellen Veranstaltungen in Schloss Bensberg sowie von Tätigkeiten zur wissenschaftlichen Aufarbeitung seiner Geschichte und Verwirklichung einer Dauerausstellung möglichst innerhalb des Schlossbereiches“ verpflichtet.

Der Vorstand des Vereins schrieb: „Dieses Projekt konnte wegen fehlender Möglichkeit der Anmietung sowie der fehlenden Finanzierung für die Realisierung als auch für die dauerhaften Kosten nicht verwirklicht werden und wurde daraufhin ad acta gelegt. (…) ab 2013 hatte der Vorstand eine finanzielle Rücklage zurückbehalten, um ein Buchprojekt über die Geschichte des Barockschlosses Bensberg bis zur Gegenwart zu unterstützen. Da die Realisierung des Buchprojektes aufgrund verschiedener Gründe nicht möglich war, wurde diese Rücklage aufgelöst.“

Für die Idee einer Erinnerungsstätte zur NAPOLA Schloss Bensberg sieht man sich nicht als der richtige Ansprechpartner: „Der Galerie+Schloss Verein Bergisch Gladbach unterstützt satzungsgemäß keine Realisierung von Mahnmalen oder Gedenktafeln.“

Ausstellung im OHG

Die Schüler:innen haben die Ergebnisse ihrer Recherchen sowie Eindrücke und künstlerische Verarbeitungen in einer digitalen Zeitschrift zusammengefasst. In ihrer Ausstellung „Das Napola Erinnern“ werden sie die Projektergebnisse vorstellen und laden Interessierte zum Besuch ein.

Die Ausstellungseröffnung findet statt am Donnerstag, den 4.7.2024, um 11.30 Uhr in den Räumlichkeiten vor dem Sekretariat des Otto Hahn Gymnasiums Bensberg, Saaler Mühle 8, 51429 Bergisch Gladbach. 

Die Schüler:innen haben eine Unterschriftenliste angelegt, in der sich Bürger:innen für oder gegen ein NAPOLA Mahnmal aussprechen können. 

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  1. Bartholomäus Schink?
    Geschwister Scholl?

    Was kann eine Stadtverwaltung mehr machen als Strassen ihren Namen zu geben.

    Die Geschwister Scholl waren leider nicht in der Lage Einfluss zu nehmen, Hans wusste was er wollte, war gut vernetzt, aber seine Schwester war leider zu blöd.

  2. Paul von Hindenburg war Monarchist, in keinster Weise Demokrat.
    Im Militär aufgewachsen, Befehl und Gehorsam.
    Hitler hat er verachtet: Weltkriegsgefreiter, der kann doch nix.
    Ende der 20er, eine Wahl nach der anderen, jede Menge Parteien im Reichstag, Deutschland wirtschaftlich immer noch nicht stabil, ein Kanzler löst den anderen ab.
    Letztendlich konnte er nicht anders, am 30.01.1933 hat er Hitler zum Kanzler ernannt.

    Hindenburg hat jahrelang versucht die Republik zusammen zuhalten,
    ich bin dagegen den Hindenburgplatz in Benjamin Blümchen Platz umzubenennen.

  3. In Köln Ehrenfeld gibt es die Bartholomäus Schink Strasse.
    Der ist von den Nazis als 17 jähriger am 10. November 1944 weggehängt worden.
    Genau da wo die Strasse nach ihm benannt ist.
    Also, so ganz stimmt das nicht, dass Widerstandstkämpfer nicht gewürdigt werden.
    Abgesehen davon das hunderte von Schulen nach den Geschwistern Scholl benannt wurden.

  4. Zum Artikel über die NS-Vergangenheit des Bensberger Schlosses und das geforderte Mahnmal: Wir waren am 04.07. im OHG, weil wir das Engagement der an dem Projekt beteiligten Schüler:innen würdigen wollten u n d weil wir für das Mahnmal unterschreiben wollten! Unbedingt! Die Ausstellungseröffnung am 04.07. war mit 11:30 Uhr angegeben, wir konnten trotz allen Bemühens erst um 14 Uhr dort sein … und es war NICHTS! Ein paar wenige Schüler liefen herum, von den keine/r Beteiligte/r war, einige Lehrkräfte konnten uns auch nicht weiterhelfen, jedenfalls noch die Unterschriftsliste zu bekommen – es war, ganz ehrlich, eine tiefe Enttäuschung. Wir (80 J. und 78 J.) mussten unverrichteter Dinge die Schule verlassen. Was ist da schief gelaufen? War das angegebene Datum falsch? Wir waren enttäuscht und auch dauer, umsonst dorthin gefahren zu sein! Mit freundlichem Gruß Brigitte Wulff

    1. Sie beantworten die Frage doch schon selbst. Wer 3,5 Stunden zu spät kommt, kommt meist zu spät.
      Wie lang soll eine Veranstaltung während des laufenden Schulprozesses dauern, auch wenn bald Ferien sind?

      “Die Ausstellungseröffnung findet statt am Donnerstag, den 4.7.2024, um 11.30 Uhr in den Räumlichkeiten vor dem Sekretariat des Otto Hahn Gymnasiums Bensberg, Saaler Mühle 8, 51429 Bergisch Gladbach. “

  5. Hier zeigt sich mal wieder, was Engagierte Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen leisten können.
    Vielen Dank für diese Arbeit und von meiner Seite aus werde ich diese Idee unterstützen.

    __________
    Hinweis der Redaktion: Willy Bartz ist Mitglied der FDP und fraktionsloses Mitglied im Stadtrat.

  6. Kultur der Würdigung des Widerstandes

    Den SchülerInnen vielen DANK! Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist verdammt, sie zu wiederholen. Wer einmal in Berlin im Dokumentationszentrum “Topographie des Terrors” war und sich die Namen der Widerstandskämpferinnen ansieht, kann sich fragen, an wen davon wenigstens mit einem Straßennamen erinnert wird. In Google Maps kann man suchen. Ausser Georg Gerster, der Weissen Rose und den Widerständlern um Sophie Scholl wird kaum jemand gewürdigt.

    Was uns fehlt ist eine Kultur der Würdigung des Widerstandes. Der 17. Juni ist kein Feiertag mehr, der 9. November wird als Reichsprogromnacht erinnert, aber der 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit, weil an dem Tag ein Beschluss im Parlamenmt gefällt wurde, der ohne den Widerstand in der DDR nie möglich gewesen wäre.

  7. Zunächst ein großes Danke posthum an den kürzlich verstorbenen Willi Fritzen, der mit seinen Büchern und Dokumentationen Großes und Wichtiges für unsere Stadt getan hat. Den Aktionismus an einer Schule in allen Ehren – ein Denkmal wird kaum etwas am Interesse der meisten Menschen an der bewegten Geschichte des Schloss Bensberg und auch Europas ändern – die sich im Übrigen nicht nur auf ein paar Jahre Napola beschränkt, da war die Wahrnehmung doch auch eher selektiv.

    Es sollte kreativere Ideen als die Forderung nach einem Denkmal geben. Die Kommerzialisierung des Schlosses mag auch nicht hilfreich sein – es würde mich interessieren, was aus den Nazirelikten, die vor der Übernahme durch die Finanzwirtschaft noch im Schloss zu sehen waren, geworden ist… wahrscheinlich entsorgt, da dem Geschäft nicht zuträglich…

    1. Das Schloss wurde jahrzehntelang von den Belgiern genutzt. Sie werden wohl dafür gesorgt haben, dass von den Nazis nichts übrig geblieben ist: Entweder, weil sie sich Erinnerungsstücke mitnahmen (z.B. Fahnen), oder weil „Vernichtung“ (z.B. Hitlerbüsten) der Nachkriegszeit entsprechend angesagt war, oder den späteren Schuleinzug behinderte.
      Dem Versicherungsunternehmen und dem Hotelbetreiber zu unterstellen, dass sie „entsorgt“ haben könnten, ist m.E. nicht fair.

      1. Nach Kriegsende 1945 wurde das Schloss von amerikanischen und englischen, erst ab 1946 von den belgischen Besatzungstruppen genutzt, später (1965 bis 1997) als belgische Schule bzw. Internat.
        Ich könnte mir vorstellen, dass Fahnen, Hitlerbüsten, in Stein gemeißelte Hakenkreuze usw. sehr bald nach Kriegsende von deutschen Zivilpersonen selbst weggeräumt/zerstört werden mussten, denn die Alliierten hatten NS-Symbole im öffentlichen Raum verboten.

    2. “Es sollte kreativere Ideen als die Forderung nach einem Denkmal geben.”
      Das sehe ich auch so:
      In Sichtweite des Schlosses finanziert die Öffentlichkeit ein “Heimatmuseum” und in diesem wird ein Teil der Geschichte genau dieses Schlosses thematisiert. Hier wäre, meiner Meinung nach, jetzt schon der passende Ort um intensiv auf die Napola und das übrige Geschehen in dieser Zeit und an diesem Ort einzugehen. Und niemand würde es außerdem diesen engagierten Schülern verbieten, eigenständig weiter zu den damit verbundenen regionalen Spuren zu forschen, damit dieser neue Ausstellungsteil auch wirklich auf einem konkreten und aktuellen Forschungsstand basiert.
      Ergänzend oder auch alternativ besteht natürlich immer auch die Möglichkeit erst einmal selber im Netz einen “Erinnerungsort” oder ein “Denkmal” zu schaffen.
      Und wenn man schon mal dabei ist, auch die Nachkriegszeit liefert mit Entnazifizierung oder Besatzung viel spannenden Stoff…

      1. Hätten sie sich mit dem auseindergesetzt was an dem Tag gefordert wurde. Dann wäre so eine Forderung nach weiteren Erinnerungeen auch nicht passiert.

      2. „Der Galerie+Schloss Verein Bergisch Gladbach unterstützt satzungsgemäß keine Realisierung von Mahnmalen oder Gedenktafeln.“

        das ist ja mal die dümmste Ausrede, die ich je gehört habe…
        peinlich auch, wie die Stadt mauert – vom Besitzer und Betreiber ganz zu schweigen.

        danke an die SchülerInnen der OHG für das Engagement im Projekt!

  8. Dazu würde auch gehören, dass man endlich den Namen des Steigbügelhalters Hitlers, Hindenburg, von der Liste der Straßennamen streicht. Dass man also den Namen Hindenburgplatz durch Wilhelm-Marx-Platz ersetzt. Das wird leider nur von der Fraktion der Grünen unterstützt, von den anderen Fraktionen nicht oder nur halbherzig, vom Stadtanzeiger durch den entsprechenden Artikel ja, vom Bürgerportal leider nicht.

  9. Das Anliegen der Schüler*innen ist absolut unterstützenswert. In Bergisch Gladbach findet die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit bisher sehr wenig statt, zumindest wenig wahrnehmbar. Ein Lern- und Erinnerungsort wäre eine sinnvolle Institution und sollte von der Stadt eingerichtet und unterhalten werden.

  10. Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums leisten mit ihrem Engagement zur Aufarbeitung der dunkelsten Zeit unserer Geschichte eine ganz wichtige Arbeit. Denn es schärft das Bewusstsein für die Gefahren, die von Ideologien mit Heilsversprechen ausgehen.

  11. Allen Engagierten geschichtsbewussten Schülern und ihren Lehrern größten Dank. Bitte dran bleiben. Gerne als Broschüre verbreiten.
    Brandmauer gegen Rechtsextremisten und AfD‘ler , die diese fürchterlichen menschenfeindlichen NSZeiten als „Vogelschiss“ vergessen lassen wollen.

  12. Das Buch von Willi Fritzen mit den vielen Fotos ist wirklich interessant.
    Ein Mahnmal wäre sicherlich nicht falsch, denn an die Nutzung der „Besatzer“ nach dem 2. Weltkrieg wird durch eine Tafel auch erinnert. Die Belgier nutzten das Schloss anfangs nicht als Gymnasium.