Zusammen haben die Kirchengemeinde Herz Jesu und das Begegnungscafé Himmel un Ääd in Schildgen einen Gemeinschaftsgarten geschaffen – der als Ort der Begegnung und als blühender Fleck im eng bebauten Stadtteil auf eine ebenso große wie vielfältige Resonanz trifft. In unserer Serie „Mehr Grün für die Stadt“ haben wir uns den Garten und die vielen Angebote angeschaut.

Im Frühjahr 2021 hatten sich engagierte Gartenfreunde*innen und an Begegnung Interessierte an die Arbeit gemacht – und den verwilderten Pfarrgarten hinter dem ehemaligen Pfarrhaus an der Altenberger-Dom-Straße in einen außergewöhnlichen „Garten der Begegnung“ verwandelt.

Wild wachsende Brombeeren wurden gerodet, Gehölze geschnitten, Bäume gepflanzt, Mauern verschönt, Unkraut gejätet, Rasen gemäht und neue Gartenbereiche sowie Gemüse- und Kräuterbeete, Bienenweide oder Staudenbeete angelegt.

Jede*r der fünf bis zehn aktiven Gärtner*innen bringt sich zur gemeinsamen Arbeit in der Regel dienstags von 10 bis 12 Uhr mit den eigenen Talenten und Interessen ein. Jede*r ist für einen eigenen Gartenbereich zuständig und dennoch tragen alle gemeinsam zur Pflege und Gestaltung dieser grünen Oase bei.  Der Garten ist immer offen.

Fotos: Klaus Brosig

Ein Garten der Begegnung

„Garten der Begegnung“ nehmen hier alle wörtlich:

  • Hier im Garten treffen sich z. B. Ukrainerinnen mit ihren Kindern zum gemeinsamen Gemüseanbau. Da werden Sträuße aus Resten der geschnittenen Kräuter gebunden und an Senioren verteilt.
  • Von März bis Oktober treffen sich rund fünf Jugendliche des Kinder- und Jugendzentrums „FrESch“, um Kartoffeln zu setzen und zu ernten. „Von der Saatkartoffel zur Bratkartoffel“ oder aktuell „vom Gemüseanbau bis zur Gemüsesuppe“.
  • In einem Hochbeet, von Kindern aus dem naheliegenden Kindergarten bemalt, wird Gemüse angepflanzt.
  • Ein Hobbyfotograf dokumentiert mit seinen Fotos die Entwicklung des Gartens.
  • Großeltern und ihren Enkeln wird in öffentlichen Führungen die Welt der Bienen erklärt, denn im Garten sind auch vier Bienenstöcke aufgestellt.
  • Bei gutem Wetter finden hier kulturelle Open-Air-Veranstaltungen unter anderem Konzerte und Lesungen statt.
  • Im Winter begegnet man sich im Garten beim „Lebendigen Adventskalender“ zum Innehalten bei einem wärmenden Getränk und anregenden Gesprächen.
  • Auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen aus dem „Café Himmel un Ääd“ treffen sich im Sommer im Gartenraum zum Austausch.
  • Andachten gibt es hier, Fronleichnam-Prozessionen gab es schon und auch die Pilger vom „Jakobsweg“ machten hier Station, denn der Weg läuft mitten durch Schildgen.
  • Mitarbeitende der umliegenden Geschäfte verbringen hier ihre Mittagspause und fanden im Tippi einen angenehmen Ruheplatz. Das Tippi, bestehend aus 1.500 von Schildgener Frauen gestrickten und gehäkelten kleinen Quadraten, hat nach zwei Jahren im Gemeinschaftsgarten jetzt gerade auf einer Wiese der evangelischen Andreasgemeinde eine neue Bleibe gefunden. 
  • Die Bürger*innen aus Schildgen spenden Pflanzen, Zwiebeln und Samen oder tragen anderweitig zum Gelingen des frei zugänglichen Bürgergartens bei.
  • Ein Hobbytischler baut Futterhäuschen für die Vögel und Fledermauskästen mit Hilfe der Jugendlichen von „FrESch“.
  • Ein Insektenhotel existiert, gebaut von einem Rentner aus Schildgen, wird bereits von Wildbienen bewohnt und darf bei den naturliebenden Gartengestaltern*innen nicht fehlen.

Ein Garten der Bildung und der Hilfe

Biodiversität (biologische Vielfalt) wird großgeschrieben. Die Garten-Akteure beteiligten sich beispielsweise 2022 an einem Biodiversitätsprojekt, dem „Biodiversitäts-Check“ (BiCK) des Erzbistums Köln und der biologischen Station Rhein-Berg in Kooperation mit der Pfarrgemeinde, „Himmel un Ääd“ und dem Ortsausschuss von Schildgen. Im Laufe des Projektes fanden ein Online-Meeting und ein offener Workshop zum Naturnahen Gärtnern statt. Es ist demnach auch ein Garten der Bildung.

Alle unterstützen sich gegenseitig und nicht nur bei der Gartenarbeit. Geht es jemanden mal nicht gut, findet sich im Garten immer jemanden zum Reden. Man hält zusammen, verabredet sich zu gemeinsamen Ausflügen und Wanderungen und plant miteinander neue Aktionen. In diesem Jahr sind beispielsweise ein Garten-Sommer-Dinner und ein Workshop rund um das Thema biodiverses Gärtnern geplant.

Spenden und helfende Hände willkommen

Für den Erhalt dieses beeindruckenden Gartenprojektes und seinen Aktionen gibt es kein eigenes finanzielles Budget mit Ausnahme zeitlich begrenzter Projektfinanzierungen wie beim BiCK-Projekt. Die Gartenakteure wirtschaften daher sparsam und sind erfreut über jede Spende, ob Geld- oder Sachspende. 

Es ist ein Ort, an dem sich Menschen begegnen und im Einklang mit der Natur agieren. Dieser naturnahe Garten ist dem Engagement von Gartenliebhabern*innen zu verdanken.

Viel mehr Fotos und Beiträge zu den Aktivitäten im Gemeinschaftsgarten finden Sie auf der Website von Himmel un Ääd.

Uta und Birgitta arbeiten beispielsweise mit, weil es ihnen Spaß macht, bei der Imkerin Uta nicht nur auf ihre Bienen bezogen. Klaus kam über eine Pflanzenspende zum Garten und blieb. Anne freut sich, hier endlich mehr Platz zum Gärtnern als in ihrem Refugium zu Hause zu haben. Die Motive zur Mitarbeit jedes*r Einzelnen sind so vielfältig wie die Biodiversität und doch fügt sich alles zu einem großen grünen und blühenden Ganzen zusammen.  

Sie finden den Garten an der Altenberger-Dom-Straße 140, hinter dem alten Pfarrhaus neben der Herz-Jesu-Kirche. Weitere Helfer*innen sind in Schildgen willkommen. Bei Interesse bitte bei Anne Flossdorf (anne.floss@web.de) melden.


Hintergrund: Mit der Serie „Mehr Grün für die Stadt“ …

… will die Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Dazu gehört auch das aktuelle Projekt „Jeder m² zählt“, in Kooperation der VHS Bergisch Gladbach, des Vereins NaturGarten e.V. und der Initiative „Blühendes GL“. Diese Gartenprojekte leisten mit ihrem Engagement wertvolle Beiträge für mehr Grün in der Stadt und somit für mehr Lebensqualität der Bergisch Gladbacher.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.