Aus Dunkelrot wird Magenta: Der Bergische Löwe erstrahlt dieser Tage in einem etwas anderen Farbton. Das liegt daran, dass hier die Weltpremiere eines Musicals stattfindet, das die großen Bühnen erobern soll: „Kick Like a Woman“. Fotograf Thomas Merkenich und Reporterin Laura Geyer waren vor Ort und erzählen die ganze Geschichte in einer Fotoreportage.
Fotos: Thomas Merkenich. Text: Laura Geyer
Conny Walter ist ein junges Mädchen, das zu Beginn der 1980er Jahren seinem Vater abends die Arbeitsschuhe aus- und die Pantoffeln anzieht, für die Familie kocht, seit die Mutter verstorben ist, und in der Kneipe jobbt. Dass Conny eigentlich davon träumt, Fußball zu spielen, will der Vater nicht hören. Sie soll lieber mal ein hübsches Kleid anziehen und sich damit auf seiner Baustelle zeigen, um die Kollegen zu beeindrucken.
So beginnt die Geschichte des Musicals „Kick Like a Woman“, das derzeit im Bergischen Löwen vor-aufgeführt wird: In sogenannten „Tryout“-Vorstellungen probieren die Macher:innen aus, wie die Inszenierung auf der Bühne funktioniert. Die Zuschauer:innen können das Ganze bewerten, bevor es, so der Plan, die großen Bühnen im deutschsprachigen Raum erobert.
Mauerblümchen Conny ist schon immer etwas anders. Sie träumt davon, Fußball zu spielen und jobt in den „Adlerstuben”. Dort trifft sie auf die lebenslustige Stürmerin der SSG 09, „Schlumpf“ Bauer und wird eingeladen, das Training zu besuchen.
Dass die Weltpremiere mit den Probe-Vorstellungen in Bergisch Gladbach stattfindet, ist natürlich kein Zufall. „Kick Like a Woman“ basiert auf der wahren Geschichte des hiesigen Frauenfußballclubs SSG 09, der 1981 die informelle Weltmeisterschaft im Frauenfußball gewann – stellvertretend für Deutschland, das zu der Zeit keine Nationalmannschaft hatte.

Jedes Wochenende läuft die Sport Show im TV und der Moderator erscheint mit viel Pomp auf der Bühne. Die Sport Show bildet die Rahmenhandlung, mit einer eigenen Showband, und einem blasierten Moderator.
Passenderweise wurde das Musical zudem von zwei Bergisch Gladbachern produziert: Frank Blase und Marc Schneider, die auch hinter dem Kölner Musical „Himmel und Kölle“ stecken.
Aber zurück zur Story: Durch Zufall landet Conny bei der SSG 09 und steigt in das Training ein.
Beim ersten Training lernt Conny Vereinsvorstand Werner Gutgesell kennen. Die künftigen Mitspielerinnen in der Kabine eröffnet für Conny einige Überraschungen.

Beim DFB geht ein Fax ein, die Frauen-Nationalmannschaft wird für die WM in Taipeh angefragt. Erst da stellt der Präsident fest, dass es keine Nationalmannschaft der Frauen gibt. Seine Sekretärin hat die Idee, die beste Vereinsmannschaft zur WM zu schicken und schafft es letztlich, den Präsidenten zu überzeugen – und die Einladung geht an die SSG 09 Zwar lehnt der DFB jegliche Unterstützung ab, aber das entfacht ihren Eifer noch mehr.
Also fliegt die SSG 09 nach Taiwan. Im ersten Spiel ist die Mannschaft euphorisiert, die Stimmung international.
Das nächste Spiel gegen Taiwan verläuft nicht gut. In der Kabine herrscht Katerstimmung.
Wirklichen Fußball sieht man (wenig verwunderlich) auf der Bühne kaum, umso genialer ist die Inszenierung der WM-Spiele, bei der man zum Beispiel einmal nur der Schiedsrichterin (!) und dem Fanblock beim Mitfiebern zusieht und trotzdem ein richtiges Fußball-Gefühl bekommt.
Dieser Effekt hat im Übrigen viel damit zu tun, dass die Inszenierung ein spektakuläres, neuartiges Bühnenbild verwendet: Mit mobilen LED-Screens wechseln die Kulissen in Sekundenschnelle.
So springen die Zuschauer:innen fast wie im Film zwischen Connys Wohnzimmer, der Kneipe, dem Stadion und einem taiwanesischen Schlangenmarkt hin und her (Kompliment an Bühnenbildnerin Britta Tönne und Illustrator Fufu Frauenwahl).
Cool, wie Connys Bruder in der Kneipe „Gläser“ spült und ins (LED-)Regal stellt, wo sie sogleich auf dem Screen aufblinken. Oder wie DFB-Sekretärin Erika Fuchs das virtuelle Fax mit der Einladung nach Taipeh „abreißt“ und dem Präsidenten Harald Altburger auf den Tisch „legt“.
Zurück nach Taiwan: Nach dem holprigen Start holt das Team der SSG 09 langsam auf und gewinnt schließlich, wie in der Realität, die Weltmeisterschaft. Der Pokal geht nach Bergisch Gladbach.
Conny schaut die Sport Show nicht mehr vor dem heimischen TV-Gerät, sondern ist Teil der Show. Allerdings ist der errungene WM-Titel der Frauen eher eine Randnotiz. Der Moderator belächelt den Frauenfußball noch immer. Und die Prämie des DFB für den Titel ist ein schlechter Witz.
Nebenbei bringt das Musical eine ganze Reihe sensibler Themen auf die Bühne (Achtung, Spoiler): Trainerin Helga Schwarzberg gesteht in einem emotionalen Lied, so hart zu ihren Spielerinnen zu sein, weil sie die Liebe ihres Lebens verprellt hat. Der Grund dafür scheint nach wie vor aktuell: Kind und Karriere, insbesondere im Fußball, waren damals nicht vereinbar.

Spielerin Schlumpf fordert das heraus (schließlich könnten sich auch Männer um Babys kümmern) und sagt in einem Ausblick am Ende, dass sie die erste Profifußballerin mit Kind geworden sei.
Der Vereinsvorstand der SSG 09, Werner Gutgesell, outet sich, und Hauptfigur Conny verliebt sich in die taiwanesische Spielerin Lai – was zum Happy End des Musicals führt.
Alles in allem lief die Uraufführung mehr als vielversprechend. Ein paar kleinere technische Problemchen zu Beginn wurden schnellstens behoben. Die Darstellerinnen und Darsteller zeigte herausragende Leistungen, bewegten und berührten das Publikum, das immer wieder Szenenapplaus spendete und am Ende stehende Ovationen gab.
Weitere Spieltermine im Bergischen Löwen
Montag, 23. September – 19.30 Uhr
Dienstag, 24. September – 19.30 Uhr
Mittwoch, 25. September – 19.30 Uhr

Eintrittskarten zu 28 Euro gibt es im Ticketbüro, über das Online-Buchungstool des Bergischen Löwen und über KölnTicket. Für Vereine und Frauen-Fußballteams wird es spezielle Ermäßigungen geben. Mehr Infos
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Moin,
ich finde die Story total toll und möchte sie hier im Norden (Hamburg) auf die Bühne bringen. Wo finde ich Texthefte?
Tommy Smidt