Zum Jubiläum der Bergischen Wandertage ist der Park von Haus Lerbach zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder geöffnet worden. Nach der Sanierung von Schloss und Park soll das wieder zur Normalität werden, bekräftigte Heribert Landskron-Reißdorf. Im Gespräch mit dem Bürgerportal berichtete er, wie die Arbeiten im Park voran kommen.

Am Samstag hat das Eigentümerehepaar Ute Reißdorf und Heribert Landskron-Reißdorf zum 10. Jubiläum der Bergischen Wanderwochen das große Tor zum Park von Schloss Lerbach für die Öffentlichkeit geöffnet. „Ich freue mich, dass endlich wieder Leben hier ist“, begrüßte Landskron die Gäste.

Haus Lerbach soll wieder ganz im Sinne der Tradition Anna Zanders für die Öffentlichkeit zugänglich werden, betonte Landskron. Ihm und seiner Frau würden es gefallen, wenn Wanderer oder Radfahrer hier einkehrten. Es gebe schon genügend Hotels, die sich „abschotten“, das solle in Haus Lerbach auf keinen Fall geschehen.

Die Eigentümer haben vieles vor, von klassischen und modernen Konzerten, über eine Neuauflage des „Goldene Ei“ (Osteraktion für die Familie), Weihnachtsmarkt und Parkführungen bis hin zu Hinweistafeln zur Geschichte von Haus Lerbach an markanten Punkten. Also ganz wie früher, als Haus Lerbach jahrelang kultureller Mittelpunkt war.  

Hinweis der Redaktion: In einem weiteren Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger präzisierte Landskron den Zeitplan: Der Park solle bereits im Frühjahr 2025 geöffnet werden. Bis zum Sommer hoffe man auf die Baugenehmigung, voraussichtlich 2027 könne das Hotel eröffnen (und damit ein Jahr später als zunächst kalkuliert).

Auch ein hauseigener Kräutergarten bzw. Gemüsebeet für die Gastronomie wie zu Zeiten der Spitzenköche Dieter Müller und Ni Henkel solle wiederhergestellt werden, unter Umständen auch eine Streuobstwiese. Alle Aus- und Umarbeiten erfolgen, so Landskron, in enger Absprache mit den Denkmalschutzbehörden.

Erkunden Sie mit unserer Panoramatour Schloss Lerbach von innen und außen. Ein Doppelklick öffnet und schließt die volle Ansicht, mit der besten Wirkung auf einem größeren Bildschirm, auf dem Handy im Querformat. Sie können über die blauen Punkte und die Navigation oben verschiedene Perspektiven ansteuern. Sie können die Ansicht drehen, Details heranzoomen. Hinter den roten Symbolen finden Sie Texte, historische und aktuelle Fotos. Manche Infos sind ein wenig versteckt. Die Aufnahmen wurden im Frühjahr 2023 gemacht.


Im Gespräch mit dem Bürgerportal berichtet Landskron, was in den vergangenen zwei Jahren im weitläufigen Park bereits geschehen ist: „Es sieht oft so aus, als sei bisher kaum etwas passiert, doch dies täuscht.“

Neben Boden- und Schadstoffuntersuchungen haben man eine Bestandsaufnahme des historischen Baumbestands mit Hilfe einer Drohne gemacht. Jeder Baum beschrieben und vermerkt, welcher stehenbleibt und welcher ersetzt werden muss. Die Forstwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft habe zudem einen Maßnahmenkatalog erstellt, Markierungen im Park verweisen auf geschädigte Bäume.    

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Den Park von Schloss Lerbach wieder entdecken

Unter den neuen Eigentümern soll auch der Park von Schloss Lerbach aufblühen und geöffnet werden. In einer Serie beschäftigt sich unsere Autorin Annette Voigt mit diesem Park, der in der Erinnerung vieler Bergisch Gladbacher:innen so wichtig ist. Diese Erinnerungen spielen in der Serie eine Rolle, die Geschichte des Parks und sein Potential. Wir starten mit einer Entdeckungstour durch den geschlossenen Park, so wie er sich heute präsentiert. Mit Spuren der Verwilderung und dennoch ein brillantes Kunstwerk mit vielen stimmungsvollen…

Nach dem Kauf des Areals habe das Ehepaar Reissdorf sehr viele Unterlagen gefunden, die für die begonnenen Umbauarbeiten von Schloss und Park von großer Bedeutung seien, erzählt Landskron-Reissdorf. So konnte unter anderem anhand eines alten Parkplans von Albert Brodersen ermittelt werden, dass zur Terassierung 15 Meter Erde aufgeschüttet wurde.                

Heribert Landskron-Reissdorf mit der Autorin Annette Voigt

Englischer Gartendesigner für Konzept verantwortlich

Der englische Gartendesigner Pip Morrison sei bereits mehrmals aus England angereist. „Eine vorsichtige Anpassung des 26 großen Hektar großen Parks erfolgt, um diesen im Sinne des Parkgestalters Albert Brodersen zum ursprünglichen Glanz zu bringen.“  

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Zwei Gartenfreunde in Lerbach: Anna Zanders und Albert Brodersen

Den Park von Haus Lerbach verdankt Bergisch Gladbach vor allem zwei Berlinern: Die „Schloss“-Herrin Anna Zanders und der Gartengestalter Albert Brodersen teilten vor gut 100 Jahren ihre Garten- und Naturliebe und schufen in Bergisch Gladbach ein grünes Refugium, das in seinen Grundzügen nach wie vor erkennbar ist – und mit der Sanierung von Schloss Lerbach wieder zur Blüte gebracht wird.

Die für Landskron tätige Gartenarchitektin Andrea Lechte hatte in England studiert und dort Pip Morrison kennen und schätzen gelernt. „Mr. Morrison hat so einen tollen Parkblick. Mit ihm durch den Park zu gehen verschaffe eine ganz neue Perspektive“, erläutert Landskron seine Wahl.

Während Morrison die Parkumgestaltung im Kontext zum historischen Erscheinungsbild konzipiere, überwache Frau Lechte die konkreten Umgestaltungsarbeiten im Park. Das Ingenieurbüro für Garten- und Landschaftsplanung Riedmann ergänze die Schwerpunkte Naturschutz und Landschaftsökologie, um die vielfältigen aktuellen Ansprüche an Flora und Fauna zu berücksichtigen. Wie beispielsweise klimaresistente Pflanzen, Gehölze und Bäume. Auch die im Park lebenden Fledermäuse seien bereits erforscht worden.

Um bis 2044 C02-neutral werden zu können, werde eine „Biodiversität-PV(Photovoltaik)-Anlage“ (Solarstromanlage) angestrebt. Diese Projekt hänge aber noch von vielen Auflagen ab. 

„Pleasure Grounds“ werden wieder hergestellt

Ein anschauliches Beispiel für ein historisches Gartenbild, also zu Zeiten der Parkentstehung, ist die Wiederherstellung des „Pleasure Grounds“ auf der Terrasse des Schlosses und vorm Treppenaufgang. An dieser Stelle existierten damals üppig blühende Blumenkübel und quadratisch eingefasste Rosenbeete. Die Einfassungen dafür sind noch vorhanden.

Foto: Reproduktion eines Fotos von 1920 aus dem Archiv der „Stiftung Zanders Papiergeschichtliche Sammlung“ / Christiane Kuhnle / TH Osnabrück

„Pleasure Ground“ meint die blumenreiche Bepflanzung in der Nähe eines Schlosses bzw. Herrenhauses und ist typisch für den englischen Landschaftsgarten der späten Epoche. Der erste Schritt zur Terrassenbepflanzung ist gemacht, neue Platten sind bereits verlegt.

Die Erweiterung des Hotelbetriebs von 60 Betten auf 120 Betten sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen erforderlich, dazu stehe man im regelmäßigen Kontakt mit der städtischen Bauaufsichtsbehörde.

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Schloss Lerbach wird 2026 ein Dorint-Hotel

Nach Sanierung und Ausbau soll Schloss Lerbach 2026 als Vier-Sterne-Superior Dorint Hotel wieder seine Türen öffnen. Die Kölner Hotel-Kette hat für den Betrieb bereits sehr konkret Pläne, vom 140-Plätze-Restaurant und einem Bankett-Bereich bis hin zum Weinkeller.

Der Erweiterungsbau wird hinter dem Schloss auf den früheren Gemüsebeeten von Anna Zander gebaut. Aber so, dass „die Blickachsen in Richtung Gartenhaus bestehen bleiben und man diesen Erweiterungsbau vom Wirtschaftshof aus nicht sieht,“ betont Landkron.

Architektur und Park bilden eine Einheit und sollen in die bestehende Landschaft angepasst werden. Besonders Pip Morrison lege auf diese gesamtheitliche Betrachtung größten Wert und beziehe daher die an Haus Lerbach angrenzende Umgebung mit ein.

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  1. Interessant, dass Schloss Lerbach vor 100 Jahren eine komplette Fassadenbegrünung hatte. Vorbildlich für viele Gebäude in der Stadt. War das damals Mode oder waren man der Zeit um 100 Jahre voraus?

    1. Das war immer mal wieder Mode. Die auf dem Foto oben zu sehende Begrünung scheint ein traditioneller Spalierbewuchs zu sein, der mit heutigen Fassadenbegrünungen nicht ganz vergleichbar ist. Aber auch die ebenfalls bodengebundene Begrünung mit Selbstklimmern wie Efeu oder Wildem Wein hat eine lange Geschichte.

      Aktuell intensiver diskutiert werden wandgebundene Begrünungssysteme. Da gibt es inzwischen ziemlich eindrucksvolle Anwendungsbeispiele.

  2. Die wichtigste Frage ist eigentlich: Wann wird der Park wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht? Warum kann das nicht sofort geschehen, wenn der Besitzer sich angeblich über neues Leben im Park freut?

    1. Es wurde ja mehrfach im Artikel erwähnt, dass im Park noch Arbeiten zu erledigen sind. Das geht in aller Regel besser, wenn den Arbeitern nicht die Leute um die Füße laufen, und manches wird auch aus Sicherheitsgründen nur auf einem gesperrten Gelände möglich sein.