Eine Pegasus-Mannschaft bei der Teambesprechung.

Über die großen Vereine ist viel bekannt, die kleineren müssen oft um Aufmerksamkeit kämpfen. Viele dieser Randsportarten werden täglich mit verschiedensten Problemen konfrontiert. Welche Probleme das sind, wie sie behoben werden und welche Rolle die Stadt in der Unterstützung spielt, erläutern Vertreter der Vereine und des Stadtsportverbands.

Vor allem die großen Sportvereine wie der SV 09, SV Blau-Weiss Hand oder der THC Rot-Weiß sind in Bergisch Gladbach bekannt. Sie sind aber oft überfüllt und für neue Mitglieder ist kein Platz. Deshalb auf Sport zu verzichten ist weder einfach, noch wirklich gut, da Sport für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Aspekt für die Gesundheit und die persönliche Entwicklung ist.

Eine Alternative zu Fußball, Hockey, Tennis und Co. sind die Randsportarten in kleineren Vereinen, die meistens nicht so überlaufen sind. Aber wie geht es den Sportvereinen, die eher weniger bekannte Sportarten vertreten und warum sind sie nicht so populär?

Antworten auf diese Fragen kann unter anderem Dettlef Rockenberg liefern, ehemaliger Leiter des städtischen Fachbereichs Bildung, Schule, Kultur und Sport, und jetzt als Vorsitzender des Stadtsportverbandes aktiv. Auch die Vereine selber sprechen über ihre Erfahrungen. So zum Beispiel der Karateverein Rhein-Berg Karate Bergisch Gladbach e.V. und der Korfballverein SG Pegasus Rommerscheid 1991 e.V..

Allgemeine Probleme

Laut Dettlef Rockenberg haben die Randsportvereine eigentlich dieselben Probleme wie alle anderen auch. Ihnen fehlt oft ein eigenes Trainingsgelände und sie sind deshalb auf städtische Sporthallen angewiesen. Eigene Trainingsstätten sind wiederum mit hohen Kosten zum Beispiel für die Pflege, Ausrüstung und Miete verbunden.

Die Vereinseigene Trainingsstätte von Rhein-Berg Karate Bergisch Gladbach e.V.

Außerdem ist die Führung eines Vereins eine Aufgabe mit sehr viel Verantwortung, bemerkt Rockenberg. Auch die Trainer werden immer weniger, weil diese nur einen geringen Lohn für ihre Tätigkeiten bekommen. Das führt zu einer geringen Bereitschaft der Mitglieder Führungspositionen zu übernehmen, weshalb die jungen Leute mit ihren Sichtweisen in diesen Positionen fehlen.

Probleme und Lösungen in den Vereinen

Dennoch ist klar, dass Randsportarten stärkere finanzielle Probleme haben als große Vereine, was auch mit der Anzahl der Mitglieder und der Popularität der Sportart zusammen hängt.

Mit jeweils ungefähr 200 Mitgliedern liegen zum Beispiele die Vereine Rhein-Berg Karate und die SG Pegasus deutlich unter den Mitgliederzahlen der großen Sportvereine in der Umgebung. Beide Vereine konnten sich zwar schon mehrfach auf nationalen und internationalen Turnieren beweisen und Titel sichern, sind aber trotzdem eher unbekannt.

Um die Vereinsarbeit dennoch zu ermöglichen setzen die beiden Vereine auf unterschiedliche Strategien. Während Rhein-Berg Karate sich überwiegend durch die Mitgliedsbeiträge und den Verkauf von Equipment an die Mitglieder finanziert, setzt der SG Pegasus auf Sponsoren und Spenden.

,,Natürlich bemühen wir uns mit der Mitgliedergewinnung durch verschiedene Aktionen und Angebote finanziellen Spielraum zu schaffen. Doch vor allem für die Anschaffung von Sportgeräten, wie im Korfball neuen Körben und Bällen, und um unsere Angebote ausweiten zu können, sind wir auf Sponsoren und auch auf Spenden angewiesen,” schreibt der Verein auf seiner Website.

Weitere Informationen:

Rhein-Berg Karate: Website, Adresse: Britanniahütte 10, 51469 Bergisch Gladbach Telefon: 0171 / 612 7801 E-Mail: info@rhein-berg-karate.de

SG Pegasus: Website, Adresse: Hebborner Feld 14, 51467 Bergisch Gladbach Telefon: 02202 244192 E-Mail: info@sg-pegasus.de

Für kleinere Randsportvereine sind Sponsoren wichtig, jedoch lassen sich die nicht leicht finden. Hier wäre eine Förderung und Unterstützung der Stadt beziehungsweise des Stadtsportbundes notwendig.

Laut Alexander Heimann, dem 1. Vorsitzenden von Rhein-Berg Karate, gibt es eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt, jedoch nur auf Beantragung der einzelnen Vereine. Außerdem fielen diese geringer aus als für die großen und bekannten Vereine, da die Höhe der Zuschüsse häufig abhängig von der Anzahl der Mitglieder sei.

Die finanziellen Herausforderungen, vor denen die Randsportvereine stehen, spüren auch die Mitglieder und deren Eltern. Wenn es Vereinen an Geld mangelt müssen oft die Eltern einen Teil der Kosten tragen. Vor allem im Leistungssport sei dieses Problem präsent, da sich der Verein nicht immer alle Gebühren für beispielsweise Turnierteilnahmen leisten kann und die Kosten dann auf die Mitglieder zurückfallen, erläutert Alexander Heimann.

Fehlende öffentliche Aufmerksamkeit

Ein weiterer Nachteil, den die Kleinen gegen über Großen haben, ist die fehlende Aufmerksamkeit. Während in den lokalen Medien nahezu über jedes Fußballspiel des örtlichen Vereins berichtet wird, werden die großen Erfolgen der kleinen Vereine nur selten erwähnt. Deshalb sind die kleinen Vereine darauf angewiesen selber Werbung zu machen, wofür dann Geld investiert werden muss, was wieder an anderen Stellen fehlt.

Wenn man sieht, welche Herausforderungen die Vereine in halbwegs normalen Zeiten haben, kann man sich schon denken, wie schwer die Corona-Pandemie gewesen sein muss. Bei vielen Vereinen halten die Folgen bis heute an.

„Unser größtes Problem während Corona war, dass wir kein Training geben konnten, da wir eine Indoor-Sportart sind. Das hat auch dazu geführt, dass wir ungefähr 100 Mitglieder verloren haben, welche auch leider nie zurück gekommen sind. Zum jetzigen Zeitpunkt, ca. drei Jahre nach der Pandemie, haben wir den dadurch entstandenen Schaden wieder aufgeholt.” – Alexander Heimann

Unterstützung durch die Stadt

Zum Thema Unterstützung kann Dettlef Rockenberg genaueres sagen. Grundsätzlich gebe es fünf Unterstützungsmaßnahmen der Stadt für die Vereine. Eine der Maßnahmen ist die meist kostenlose Verfügbarkeit der städtischen Sporthallen, für alle Vereine, die keine eigenen Trainingsplätze haben. Ein weiterer Punkt ist ein Zuschuss von vier Euro, die Vereine für jedes Mitglied unter 18 Jahren erhalten.

Auch von der Sportpauschale, die das Land den Kommunen zur Verfügung stellt, werden seit neustem ein Drittel des Geldes auf die einzelnen Vereine aufgeteilt.

Der Leiter des Stadtsportverbandes und die Geschäftsführer die Vereine sind sich jedoch einig, dass die finanzielle Unterstützung nicht ausreicht und angehoben werden müssten.

Dafür hat Rockenberg auch zwei konkrete Vorschläge: Die finanzielle Förderung der Vereine sollte regelmäßig in die Finanzplanung der Stadt mit einbezogen werden. Zudem könnte die Stadt Bergisch Gladbach, wie es schon andere Kommunen machen, den Vereinen Jubiläumszuschüsse zahlen.

Wirkung auf Mitglieder

Auch wenn die Randsportvereine vor einigen Problemen stehen, wird die Atmosphäre im Verein davon in der Regel nicht beeinflusst. Sie haben auch Vorteile, die große Vereine oft nicht bieten können: Durch die kleinere Mitgliederanzahl kennt eigentlich jeder jeden und es herrscht eine fast familiäre Beziehung zwischen den Mitgliedern.

Das empfindet auch Simon Harrer, selber ein erfolgreiches und langjähriges Mitglied von Rhein-Berg Karate:

„Ich fühle mich hier zu jeder Zeit gut aufgehoben und es herrscht eine tolle Atmosphäre. Hier sind viele tolle Leute, die über die Zeit auch zu meinen Freunden geworden sind. Ich freue mich immer auf jedes Training.“ – Simon Harrer

Angebot der Vereine

Sowohl Rhein-Berg Karate als auch die SG Pegasus bieten Kinder- und Erwachsenentraining an. Bei Interesse wird in beiden Vereinen zu kostenlosen Schnupperstunden zu den gegebenen Trainingszeiten eingeladen.

Angebot Rhein-Berg Karate

Rhein-Berg Karate bietet Kindertraining ab 3 Jahren in der eigenen Sportstätte an. Die Kinder werden spielerisch und mit viel Bewegung an die einzelnen Elemente des Karates herangeführt. Mit zunehmendem Alter und Fähigkeiten steigen die Kinder in den Gruppen auf, hier lernt man nicht nur Karate sondern hat auch Kraft-, Schnelligkeit- und Ausdauertraining. Neben den körperlichen Fähigkeiten fördert Karate außerdem die Konzentration und das Selbstbewusstsein.

Bei Talent und Motivation werden die Mitglieder als auch in die Welt des Leistungssports eingeführt und können auf verschiedensten Wettkämpfen ihr Können unter Beweis stellen.

In dem Verein absolvieren die Mitglieder außerdem regelmäßige Prüfungen, bei denen ihre Lernfortschritte aus dem Training getestet werden. Sind diese Prüfungen erfolgreich, werden die Mitglieder mit neuen Gürtelfarben und offiziellen Urkunden belohnt.

Durch Mitgliedschaften im Deutschen Karate Verband und dem Deutschen Olympischen Sportbund ist Rhein-Berg Karate auch international anerkannt und kann auch an internationalen Turnieren teilnehmen.

Angebot SG Pegasus

Bei der SG Pegasus steht der Teamsport Korfball an erster Stelle. Dadurch, dass Korfball als einzige Sportart in einem Team mit gemischten Geschlechtern gespielt wird, ist der Sport einzigartig.

Das Training findet hier ab der F-Jugend, also einem Alter von 6 Jahren, statt und reicht bis zu den Seniorenmanschaften.

Trainiert wird in verschiedenen städtischen Sporthallen, es kann aber sowohl in der Halle als auch auf dem Feld gespielt werden.

Durch eine Mitgliedschaft des Vereins in der Korfball Liga NW wird auch hier den Mitgliedern ermöglicht, auf Turnieren und in einem Ligasystem zu spielen.

ist Schülerin der IGP und hat in der Redaktion des Bürgerportals ein Praktikum absolviert.

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