Die Einrichtungsfläche zieht sich an den alten Industriegleisen entlang. Fotos: Redaktion

Die Deutsche Bahn hat am S-Bahnhof und damit mitten in der Innenstadt von Bergisch Gladbach eine sogenannte Baustellen-Einrichtungsfläche angelegt. Die Dimensionen lassen auf ein langfristiges Projekt und starke LKW-Frequenz schließen. Wir haben bei Bahn und Stadt nachgefragt, was dort passiert und wie der Verkehr geregelt wird.

Rund 7000 Quadratmeter hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Wochen an den alten Gleisen zwischen S-Bahnhof und Jakobstraße mit unzähligen LKW-Ladungen Schotter planiert sowie Baucontainer aufgestellt. Es handele sich um eine Baustelleneinrichtungsfläche, so die erste Auskunft.

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Nach einigen Tagen ergänzte die Pressestelle der Bahn in Düsseldorf: Hintergrund seien die Arbeiten der Bahn-Tochter DB InfraGO für ein neues Stellwerk in Köln-Mülheim. Am 10. April sollen Bauteams mit ersten Maßnahmen beginnen. Dann wird – wie bekannt – die S 11 bis zum 3. Juli gesperrt. Weitere Sperrzeiten werden folgen.

Die weiteren Fragen (bis wann wird die Fläche genutzt, in welchem Ausmaß und über welche Routen werden Materialien transportiert) blieben vorerst unbeantwortet: „Weitere Informationen zum Projekt sowie zu den verkehrlichen Auswirkungen geben wir rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten bekannt“, so die knappe Antwort an das Bürgerportal.

Es ist davon auszugehen, dass diese Fläche für längere Zeit genutzt wird, bis irgendwann das zweite Gleis für die S 11 fertig gebaut ist. In den Sitzungen des Verkehrsausschusses hatte die Stadtverwaltung mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bahn dafür große Einrichtungs- und Lagerfläche benötigt.

Nicht nur am Bahnhof, sondern auch im Gleisdreieck am Kuhler Busch und in Duckterath. Dort soll der Park & Ride-Platz in Beschlag genommen werden (der dann offenbar ersatzlos wegfällt).

Der Bahnhof ist Anlaufstelle von vielen Schwerlastern. Foto: Redaktion

Wie der LKW-Verkehr geregelt wird, dazu von der Bahn bislang kein Wort. Bei der Einrichtung der Einrichtungsfläche waren die schweren Laster aus allen Richtungen, über die Stationsstraße und die Rampe zur Paffrather Straße, über die Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße und auch durch die sehr enge Jakobstraße gependelt, zum Teil mit hohem Tempo.

Das könnte in den nächsten Monaten oder gar Jahren zu Problemen führen. Zumal an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße bald wieder gearbeitet wird, auf dem Koettgengelände gegenüber der Isotec-Zentrale ein gr0ßes Wohnungsbauprojekt startet und in der Jakobstraße eine Kita gebaut werden soll.

Nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt

Die Stadt hat auf den Schwerlastverkehr im Auftrag der Bahn kaum Einfluss. „Die Planung und Abwicklung der Baustellenlogistik liegt nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Entsprechende Detailinformationen können derzeit ausschließlich von der Deutschen Bahn als Bauherr bereitgestellt werden“, so die Antwort der Stadtverwaltung auf eine entsprechende Anfrage.

Nur für echte Großraum- und Schwertransporte gebe es ein Verfahren, bei dem die Stadt durch den Kreis angehört wird. Für den normalen Baustellenandienungsverkehr gelte dagegen nur die Straßenverkehrsordnung.

Immerhin: Mit Blick auf die Baustelle auf der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße habe ein Abstimmungstermin der RheinEnergie als Bauherrin mit der Bahn stattgefunden.

Die Bauprojekte in der Jakobstraße, auf dem Koettgengelände sowie in der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße würden innerhalb der kommunalen Zuständigkeiten koordiniert und bei Bedarf mit weiteren Maßnahmen im Umfeld abgestimmt.

Zudem werde die Stadt die Situation rund um den S-Bahnhof beobachten und die Auswirkungen paralleler Vorhaben im Blick behalten.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Also wenn ich “Bahn” lese und bedenke, dass die Fläche direkt neben Schienen liegt, könnte man doch auch glatt auf die Idee kommen, dass dort mit der Bahn gefahren wird….

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    Hinweis der Redaktion: Anna Steinmetzer ist Ratsmitglied der Grünen

    1. Auf die Idee sind wir auch gekommen. Allerdings ist die Sache so einfach nicht: wenn die S 11 auf der Strecke fährt, ist kaum Platz für zusätzlichen Baustellen-/Güterverkehr. Wenn die S 11 nicht fährt, sind womöglich auch Bahnübergänge und Stellwerke nicht in Betrieb.

      Also haben wir die Bahn dazu befragt. Die Bahn hat sich jedoch leider dazu entschlossen, darauf vorerst nicht zu antworten.

      1. Das halte ich nicht für ganz plausibel. Der Takt der S 11 ist so locker, dass auch Güterverkehr dazwischen passen würde. Andere Strecken werden problemlos in deutlich höherem Takt befahren, auch wenn man den eingleisigen Abschnitt berücksichtigt.

      2. Wie gesagt, unsere Fragen dazu liegen der Bahn vor. Theoretisch ist das wahrscheinlich möglich, aber der Bahn gelingt es ja bei weitem nicht, den 20-Minuten-Takt stabil einzuhalten.

  2. S-Bahn-Ausfall, P+R-Parkplatz weg – wie dämlich kann man sich eigentlich anstellen, um den ÖPNV abzuwickeln?
    Eine “Stärkung” ist das sicher nicht.

  3. Was soll es Bergisch Gladbach angehen, wenn in China ein Sack Reis umfällt? DAas gilt ebenso für eine Baustellen-Einrichtungsfläche, die für einen Bau in in Köln-Mülheim bereitgestellt wird. Die Folgen sind hier sattsam beschrieben. die augenscheinliche Ohnmacht der Stadt gegen die Macht der Bahn zeigt sich in so vielen Beispielen, dass es zum Himmel schreit. Die Bahn scheint die Flächen der Stadt weidlich auszunutzen, bis ihre eigenen Projekte stehen, wonach sie die Stadt nicht mehr brauchen und die Linie 11 in den Himmel geschrieben ist. DAs ist ein echter Skandal, passt aber ins Bild, dass die Stadt seit Jahrzehnten von sich gibt.

    1. Die in Frage stehende Fläche gehört wohl der Bahn. Da darf sie im Prinzip tun und lassen, was sie will.

  4. Um in Köln-Mülheim ein neues Stellwerk zu bauen, werden in Bergisch Gladbach die Straßen durch den für das Stellwerk benötigten Schwerlastverkehr kaputt gefahren. War in K-Mülheim kein Platz für die Bereitstellungsmöglichkeit?
    Der Kreisel an der Paffrather und die Jo-Wi-Li-Str. sind gerade erneuert worden.
    Die Rampe zur Paffrather über die Stationsstraße zu nutzen schreit förmlich nach ” das geht nicht gut” und die, schon für den normalen PKW-Verkehr, zu enge und marode Jakobstraße ist dann endgültig hinüber.
    Schilda lässt grüßen!

  5. “Nicht nur am Bahnhof, sondern auch im Gleisdreieck am Kuhler Busch und in Duckterath. Dort soll der Park & Ride-Platz in Beschlag genommen werden (der dann offenbar ersatzlos wegfällt).”

    Und damit wird den nächsten Bahnpendlern aus Bergisch Gladbach das Leben schwer gemacht. Wer sein Auto nicht an der Bahn parken kann, wird wohl kaum die S11 nehmen.

    Für mich ergibt sich langsam ein Gesamtbild. Meine Mutmaßung: Bevor wir jemals ein zweites Gleis sehen werden, wird die Bahn die eingleisige Strecke eher ganz stilllegen und die S11 in Köln-Dellbrück enden lassen.

    Behält man diese Annahme im Hinterkopf, ergeben die massiven Verspätungen, häufigen Ausfälle und nun auch der Wegfall der P&R-Parkplätze plötzlich einen Sinn. Man macht die S11 für uns Bergisch Gladbacher so unattraktiv wie möglich.

    Und die Stadt schaut tatenlos zu, wie ihr eine wichtige Lebensader abgedreht wird, statt endlich für Alternativen zu sorgen.

    1. “Für mich ergibt sich langsam ein Gesamtbild. Meine Mutmaßung: Bevor wir jemals ein zweites Gleis sehen werden, wird die Bahn die eingleisige Strecke eher ganz stilllegen und die S11 in Köln-Dellbrück enden lassen.”

      Da habe ich auch schon augezwinkernd drüber spekuliert. Inzwischen ist der Gedanke leider gar nicht mehr so abwegig…
      Fraglich, wie die Bahn denn irgendwann die ganzen Fahrgäste zurückgewinnen will, die jetzt gezwungenermaßen aufs Auto (oder besser: aufs Fahrrad) umsteigen.

      Übrigens plant die Bahn ja sogar noch mal in die Leittechnik und die Schrankenanlage zu investieren. Immerhin. Spricht dann allerdings nicht dafür, dass der zweigleisige Ausbau in absehbarer Zeit stattfinden wird. Wenn überhaupt.

  6. „Die Stadt hat auf den Schwerlastverkehr im Auftrag der Bahn kaum Einfluss.“ – aber sehr wohl auf allgemeine verkehrslenkende Maßnahmen wie Tempobegrenzungen, Gewichtslimits und dergleichen. So könnte man zumindest beeinflussen, welche Strecken die Lkw befahren dürfen und welche nicht.