Autor Hendrik Cremer im Gespräch mit Moderator Michael Schubek. Foto: DeVi

Auf Einladung des Vereins Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt hat Hendrik Cremer sein aktuelle Buch über die AfD vorgestellt – und ist auf großes Interesse gestoßen. Der Jurist und Experte für Rechtsextremismus warnt eindringlich vor der unterschätzten Gefahr, die von der Partei für die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgeht.

Wir veröffentlichen einen Beitrag des Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt e.V.

Der Verein Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt e.V. hatte für Montagabend in der VHS Bergisch Gladbach zu einer Buchvorstellung mit Diskussion eingeladen. Dr. Hendrik Cremer präsentierte sein Werk „Je länger wir schweigen, desto mehr Mut werden wir brauchen. Wie gefährlich die AfD wirklich ist”.

Michael Schubek, Mitglied im Verein Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt e.V., moderierte den Abend. Die Veranstaltung war gut besucht: Rund 90 Interessierte aus Zivilgesellschaft und Politik nahmen teil.  

Hendrik Cremer, ein renommierter Jurist und Experte für Rechtsextremismus und Rassismus, beleuchtet in seinem Buch die Entwicklung der AfD zu einer rechtsextremen Partei. Er warnt eindringlich vor der unterschätzten Gefahr, die von ihr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgeht.

Der Autor, der beim Deutschen Institut für Menschenrechte tätig ist, hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen verfasst und war mehrfach als Sachverständiger im Bundestag und in Landtagen geladen.  

Im Gespräch mit Michael Schubek betonte Cremer, dass die AfD nicht nur rechtspopulistisch, sondern eindeutig rechtsextrem sei und sich in ihren Ansichten gegen die Garantie der Menschenwürde richte.

Er erläuterte, wie die Partei eine national-völkische Ideologie verfolge und sich seit Juni 2022 deutlich radikalisiert habe. Besonders alarmierend sei, dass es innerhalb der Partei keine gemäßigten Stimmen mehr gebe und sie zunehmend gewaltbereit agiere. 

Macht ein Parteiverbot Sinn?

Die anschließende Diskussion war sehr lebhaft. Es wurde unter anderem debattiert, ob ein Verbot der AfD sinnvoll sei. Cremer zeigte sich optimistisch, dass der am selben Tag von 124 Bundestagsabgeordneten eingereichte Antrag Erfolg haben könnte.

Maik Außendorf, Bundestagsabgeordneter für Bergisch Gladbach von Bündnis 90/Die Grünen, der ebenfalls anwesend war, zeigte sich zurückhaltender. Er plädierte zunächst für die Erstellung eines Gutachtens, um die Erfolgsaussichten eines Verbotsantrags zu prüfen.  

Kontrovers wurde auch besprochen, welche Gründe dazu geführt haben, dass sich erneut eine so rechte Gruppierung politisch etablieren konnte. Zudem wurden zahlreiche Ideen ausgetauscht, wie man am besten mit der AfD umgehen sollte.

Cremer riet dazu, AfD-Vertretern keine Bühne in Talkshows zu bieten. Stattdessen solle man zivilgesellschaftlich und in persönlichen Gesprächen deutlich gegenhalten.  

Der Verein Bergisch Gladbach für Demokratie und Vielfalt e.V. setzt sich für die Stärkung demokratischer Werte und kultureller Vielfalt in der Stadtgemeinschaft ein.  

Weitere Informationen zum Verein und seinen Aktivitäten finden Interessierte auf der Website des Vereins (www.gl-devi.de) oder auf Instagram unter @gl.de.vi.  

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  1. Wenn wir eine Bücher lesende Gesellschaft wären, gäbe es diese Erfolge der Rechtspartei sicherlich nicht. Die mehrheitlich beliebten Talkshows dagegen servieren auf bequeme Weise Meinungshülsen, welche sich mit häufigen Wiederholungen in der Masse der Köpfe als angeblich “leicht verständliches Wissen” festsetzen. In einer immer komplexer werdenden Welt werden diese einfachen Lösungsangebote besonders dann mit Freuden angenommen, wenn das “belastende” Wissen weitest gehend genug fehlt.
    AfD und auch Trump haben somit im Gegensatz zu kaum noch sich verständlich machenden Nabelschau-Parteien, wie z.B. FDP, alles richtig gemacht, um ihre Popularität durch öffentliche und insbesondere TV-Auftritte zu steigern. Ihnen kann man jedenfalls keinen Vorwurf machen – die Erfolge geben ihnen Recht. Unsere Interesse (und unserer Sorge!!!!) sollte daher vielmehr der Wählerschaft gelten. Zur Erlangung dieses Perspektivwechsels gebe ich nun meine Buchempfehlung ab: “Wir Triggern uns zu Tode” von Bernhard Hommel. Untertitel: “Psychogramm einer neurotischen Gesellschaft”. Hier lohnen sich dann auch Diskussionsansätze wieder – über die v.g. Autokraten selbst ist bereits viel zu viel gesagt, sorry, geschrieben worden….
    Für die anstehende Bundestagswahl wünsche ich insbesondere den nachfolgenden Generationen nur noch “Viel Glück!”

  2. Mal eine Frage

    War eigentlich einer der Kommentatoren bei der Lesung anwesend ?
    Ich fand die Veranstaltung sehr informativ und hat mich nochmal sehr nachdenklich bzgl. dieser AFD gemacht.
    Vielen Dank an die Organisatoren für diesen äusserst informativen Abend.

  3. Verehrte (Anti)Demokraten.
    Ohne die AfD würde sich nach Kandel, Illerkirchberg, Frankfurt, München, Stuttgart, Solingen, Würzburg, Wiesbaden, Magdeburg, Aschaffenburg usw. überhaupt nichts ändern. Der wahre Faschist findet der Mitdenkende Bürger einzig in der linksradikalen Antifa von gewissen Parteien bezahlt. War ja eindeutig in Riesa und Hamburg ersichtlich. Daher rate ich zur Mäßigung. Immerhin steht die USA mehrheitlich hinter der AfD und ist noch immer der Alliierte.
    MfG Joachim Firnkorn

    1. Soso, die USA stehen also mehrheitlich hinter der AfD? Beruht das denn auf Gegenseitigkeit? Ist das eigentlich logisch? Haben Sie schonmal gehört, wie sich Bernd Höcke in seinen Reden über die USA äußert?

      1. Die Mehrheit der US-Amerikaner:innen hat vermutlich noch nie von der AfD gehört.
        Wie dem auch sei, die Unterstützung von Trump, Musk und Co. für die Partei sollte deren Anhänger:innen zu denken geben. Wer permanent “America first” ruft, dem geht es ganz offensichtlich um die Stärkung der USA – auch gegen die europäischen “Verbündeten”.

    2. So viele Verschwörungserzählungen in einem einzigen Beitrag – das muss erst mal jemand nachmachen.

  4. Eine gute und wichtige Veranstaltung (von der ich leider erst jetzt erfahre) – danke dafür!

    Dass sich die AfD zur rechtsextremen Partei entwickelt, war seit ihrer Gründung klar. Sie hatte nie ein kohärentes eigenes Programm, war immer nur “dagegen” – egal worum es ging. So forderte sie zu Beginn der Corona-Pandemie strengere Regeln – und als diese kamen und z.T. nicht populär waren, war sie plötzlich gegen die Einschränkungen.
    Wo es nur darum geht, alles zu verteufeln, was “die da oben” machen, ohne jemals eigene Lösungen anzubieten, setzen sich immer die lautesten, radikalsten Schreihäls:innen durch. Entsprechend wurden parteiintern die “Gemäßigten” immer weiter an den Rand gedrängt, ablesbar (nicht nur) am Wechsel der führenden Köpfe. Inzwischen ist es ein offenes Geheimnis, dass der Faschist B. Höcke der eigentliche Parteichef ist.

    Ein Verbotsantrag ist eine Möglichkeit, aber nicht ohne Risiken. Wichtiger wäre eine Politik, die tatsächlich die Lebenssituation der breiten Bevölkerung verbessert: Durch höhere Einkommen, bezahlbaren Wohnraum und Energie sowie echte soziale Absicherung.

    nb…ist es wirklich nötig, im Kommentarbereich über jedes noch so dumme Stöckchen zu springen?

  5. Informationsergänzung:
    Das Institut war auch mal Thema im Bundestag:
    https://dserver.bundestag.de/btp/20/20112.pdf#P.13798

    Eine ehemalige Stasi-Agentin sitzt im Kuratorium:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Anetta_Kahane

    Das Institut wird mit 5 Mio. jährlich vom Bund unterstützt, für 70 Mitarbeiter.
    Ob er das Buch wohl in seiner Freizeit geschrieben hat? ;)
    Und dann kommt ein solches Werk zustande? Eine Rezension im Netz:
    “Die Argumentation des Autors ist völlig einseitig. Außer Menschenrechten und Asyl fällt ihm scheinbar nichts ein. Das Buch ist eine einzige Sammlung von Aussagen und Kundgebungen unterschiedlicher AFD Politiker, die nach Themen und Unterthemen sortiert, zusammengestellt wurden. Die Aufreihung von Zitaten erscheint endlos und ermüdend. Eine grundlegende Analyse des AFD Parteiprogramms fehlt gänzlich. Themen wie Krieg, Natomitgliedschaft, EU und Wirtschaft werden nicht angesprochen Dafür geht es gebetsmühlenartig immer wieder um Menschenrechte und Demokratie.
    Die endlosen Zitate von AFD Politikern mögen für sich ganz eindrucksvoll sein, sie allein werden dem Thema jedoch nicht gerecht.
    Mein Fazit; die Lektüre war nicht umsonst, aber insgesamt nicht zufriedenstellend.”

    1. Guten Morgen,
      was ist denn das für ein Kommentar? Waren Sie an dem Abend anwesend? Mutmaßungen, ob er das Buch in der Freizeit geschrieben hat? “Eine Rezension aus dem Netz” ohne Belege und ohne Hinweis woher?
      Hier mal ein Auszug aus einer anderen Rezension:»Die AfD ist gefährlich ›für das friedliche Zusammenleben der Menschen in Deutschland‹. Sie zielt darauf ab, ›die Garantien des Grundgesetzes zu beseitigen‹. Sie will ›die freiheitliche rechtsstaatliche Demokratie als historische Errungenschaft zerstören‹. Hendrik Cremer begründet diese seine Feststellungen klar, verständlich und gut belegt. (…) Wer die Grundrechte liebt, der weiß nach der Lektüre des Buches, warum es sie vor der AfD zu schützen gilt.« — Heribert Prantl ― Süddeutsche Zeitung online Published On: 2024-02-18

    2. Ich habe Ihren Rezensenten gefunden: Nennt sich “Hirsch” und ist unter dem Buch von Herrn Cremer auf Amazon publiziert.

      1. Das ist also eine Leserrezension, bei der man weder Hintergrund noch Kompetenz noch Absicht oder Auftraggeber des Rezensenten kennt. Dann hat sie eigentlich keinen höheren Wert, als wenn bei Facebook oder X jemand das Buch mit „Daumen runter“ kommentieren würde.

    3. Guten Tag Herr Orbach.
      Die Rezension sollte doch nur zeigen, dass es in dem Buch eine Aneinanderreihung von Zitaten gibt, an denen man sich abarbeitet. Programmthematisch ist da wohl wenig.
      Es ist wird doch immer das “inhaltliche Stellen” gefordert. Warum nutzt man dies nicht in einem Buch.

      Ein ähnliches Buch ließe sich wohl auch über die Zitate junger Grüner im Netz schreiben oder über Linke. Die könnte man anhand dieser Zitate einzelner auch als Gefahr sehen. Aber machen wir das? Nein, weil man immer das gesamte im Blick halten muss.

      Und ja, die AfD hat mit vielen Mitgliedern ein Problem und sie werden auch so nie koalitionsfähig sein. Aber wo ist dann das Problem? Wo die Gefahr für die Demokratie? Oder haben Sie Angst, dass die Bürgerinnen und Bürger irgendwann die Nase voll haben und es dann doch irgendwann reicht? Wenn es soweit kommt, lag das aber nicht an der AfD sondern am Versagen der anderen Parteien.

      1. Bezüglich der AfD und ihrer politischen Position: Die Problematik liegt nicht nur in der Koalitionsfähigkeit, sondern auch in den Auswirkungen, die ihre Rhetorik und Politik auf das gesellschaftliche Klima und die demokratischen Werte haben können. Die Gefahr für die Demokratie besteht darin, dass extremistische Positionen normalisiert und gesellschaftliche Gräben vertieft werden. Es ist verständlich, dass Frustration über das Versagen anderer Parteien besteht, aber die Lösung liegt in einer konstruktiven und demokratischen Auseinandersetzung, nicht in der Unterstützung von extremistischen Positionen.

      2. Welche extremistischen Positionen entnehmen Sie dem Programm?
        Keine Sorge, wähle nicht blau, aber ich empfinde sie als positives Korrektiv in der Parteienlandschaft.
        Wer weiß, ob sich Merz heute so geäußert hätte, wenn es die AfD nicht geben würde.

      3. Ich fürchte, ihre Rückfrage ist ernst gemeint. Einige Punkte im Programm der AfD, wie die Infragestellung der Europäischen Union, die Ablehnung des Islam als Teil Deutschlands etc. können als extremistisch angesehen werden, da sie zudem oft mit einer Rhetorik verbunden sind, die Ausgrenzung und Spaltung fördert. Weiterhin ist es m.E. wichtig, dass ein vermeintliches Korrektiv nicht auf Kosten der demokratischen Werte und des gesellschaftlichen Zusammenhalts geht. Die Herausforderung besteht darin, konstruktive Kritik und neue Ideen zu integrieren, ohne dabei extremistische Tendenzen zu normalisieren. Herr Merz und viele andere Politiker erweisen der Demokratie keinen Dienst, wenn sie sich mit ihren Äußerungen den Positionen der AfD zu deutlich annähern.

      4. „Programmthematisch ist da wohl wenig.“ – Das lässt darauf schließen, dass Sie das Buch selbst nicht kennen. Statt dessen suchen Sie sich eine der mit 19% deutlich in der Minderheit befindlichen Negativrezensionen heraus und beziehen daraus Ihr Wissen über das Buch? Eine Rezension übrigens, die sich in bester Gesellschaft mit anderen befindet, die mit „Links grüne versiffte Propaganda“, „Pro AFD!!“, „Vorsicht. Desinformation eines Grünen“, „ Totaler Nosens 0 Fakten linkes Gedanken gut !“ und dergleichen überschrieben sind.

        Da hätten Sie auch diese wählen können: „Unglaublich das so was veröfendlicht wird.. ok von SPIEGEL kann man ja nichts anderes erwarten .. aber selbst für dieses Blatt ist das ein neuer Tief Punkt.“ Die ist eigentlich noch prototypischer.