Angesicht der aktuellen Debatte über die Migration rät die Caritas RheinBerg zur Besonnenheit. Und veröffentlicht eine Argumentationshilfe im Hosentaschenformat, damit man einigen gängigen Parolen in der Migrationsdebatte Contra geben kann.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Caritas RheinBerg

Als Reaktion auf eine denkwürdige Woche im Bundestag, die sich in mehr als hunderttausend Demonstrierenden in Berlin und zahlreichen weiteren Städten im Land widerspiegelt, ruft die Caritas RheinBerg gemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband zur Besonnenheit und einer differenzierten Betrachtung auf und warnt vor falschen Versprechungen und einer gezielten Nutzung des Themas Migration im Wahlkampf. 

Die schrecklichen Anschläge, wie sie in den letzten Monaten in Solingen, Magdeburg und Aschaffenburg begangen wurden, haben unendliches Leid verursacht und erschüttern zutiefst das Gefühl vieler Bürger*innen in diesem Land, noch sicher leben zu können.

„Es ist richtig und notwendig, dass die Politik diese Verunsicherungen ernst nimmt. Tragfähige Lösungen brauchen Augenmaß ebenso wie Entschlossenheit und dürfen die Grundrechte nicht schleifen, denen wir seit 75 Jahren Frieden und Freiheit verdanken“, mahnt Frau Welskop-Deffaa (Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes).

„Die beiden großen Kirchen weisen hiermit darauf hin, dass die nun vorgeschlagenen Gesetzesänderungen nach aktuellem Wissensstand keinen der Anschläge verhindert hätten.

Neben Protest scheint Aufklärung und Transparenz nötig

Der Caritasverband für den Rheinisch-Bergischen Kreis e.V. berät mit dem Fachdienst für Integration und Migration schon seit vielen Jahrzehnten Menschen, die vor Kriegen und Verfolgung nach Deutschland geflohen sind. Diese Menschen werden zunehmend verantwortlich gemacht für alle Probleme im Land, vor allem für die Sicherheit. Neben dem sichtbaren Protest scheint Aufklärung und Transparenz nötig.

Vor diesem Hintergrund hat der Caritasverband des Rheinisch-Bergischen Kreises gemeinsam mit dem Caritasverband Mettmann ein kompaktes Infoheft im Pixibuchformat mit dem Titel „Taschenheld*in“ herausgebracht. Es bietet nicht nur wertvolle Informationen, sondern räumt auch mit Vorurteilen und Falschinformationen auf, die Migrantinnen und Migranten betreffen.

Herausgegeben und erarbeitet haben das Heft Mitarbeitende der Fachdienste für Integration und Migration der beiden Verbände, federführend waren die beiden jeweiligen Beauftragten für die Caritas-Kampagne „vielfalt. viel wert.“ 

Workshops spüren Vorurteile auf

In naher Zukunft sollen in Schulen, Ehrenamtsinitiativen und anderen Zusammenhängen Workshops mit dem Heft stattfinden. Themen sind Ursprünge und Analyse gängiger Vorurteile und Falschaussagen und wie diese widerlegt werden können. Die Teilnehmenden lernen, wie sie Faktenchecks zu diskriminierenden Aussagen durchführen und sich argumentativ mit ihnen auseinandersetzen können.

Der erste Workshop findet im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ unter dem Titel „Parolen Paroli“ statt, weitere werden folgen.

Das Heft ist kostenlos beim Caritasverband RheinBerg erhältlich, Interessent*innen können sich per Mail an fim@caritas-rheinberg.de wenden. Außerdem ist es auch online verfügbar.

„Caritas öffnet Türen“

Das Motto der Caritas-Jahreskampagne „Da kann ja jeder kommen. Caritas öffnet Türen.“ unterstützt darüber hinaus unser Engagement im Kontext von Migration, Flucht und Integration.

Die Dienste und Einrichtungen der Caritas Rheinberg stehen Menschen unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder vom ausländerrechtlichen Status offen und unterstützen sie in ihrer Teilhabe in rechtlicher, sozialer, ökonomischer, politischer und kultureller Hinsicht.

Daneben trägt die Caritas durch strukturelle bzw. politische Arbeit und Vernetzung im Sozialraum zu Zusammenhalt und einem guten Zusammenleben bei. Integrationspolitik ist auch Sozial- und Gesellschaftspolitik.

Hintergrund

Der Caritasverband für den Rheinisch-Bergischen Kreis e.V. ist Träger von rund 35 Diensten und Einrichtungen rund um ambu­lante Pflege, Senioren-, Familien-, Kinder- und Jugend­hilfe, Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen oder mit Behin­derung sowie von Beratungsdiensten. Er be­treibt neun Kinderta­gesstätten.

Mit rund 500 Mitarbeiten­den gehört er zu den gro­ßen Arbeitgebern im Rheinisch-Bergischen Kreis. Hinzu kommen rund 360 ehrenamtlich en­gagierte Menschen.

Unter dem Motto "Caritas RheinBerg – Der Mensch zählt" ist der Caritasverband für den Rheinisch-Bergischen Kreis e.V. heute wie vor 50 Jahren bestrebt, seinen Auftrag als Sozialdienst der katholischen Kirche, als Verband der freien Wohlfahrtspflege und als Mitgliederverband zu erfüllen.

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  1. >>Die beiden großen Kirchen weisen hiermit darauf hin, dass die nun vorgeschlagenen Gesetzesänderungen nach aktuellem Wissensstand keinen der Anschläge verhindert hätten.<< Das ist doch mal ein Spruch!

    Aktueller Wissensstand ist auch, dass wir es in der Regel mit einem MigrationsVordergrund zu tun haben, nämlich bei allen Zugereisten, und "sozial Schwache" auch ein Unwort ist, die haben nämlich einfach nur kein Geld. Sozial schwach sind die SuperReichen, die mit ihrer Gier die Planetin Erde ruinieren und sich z.B. gerne Richtung Mars davonstehlen würden.

    Schöne Idee von den Caritassen, so ein paar Argumentationshilfen kann Man/ Frau auch schön mal im Bus liegenlassen…
    Da ist die Kirchensteuer gut angelegt worden !

  2. Gute Initiative! Wenn ich mir manche Kommentare hier ansehe, gibt es so einige Mitbürger:innen, die dringend diese Broschüre brauchen, um mal ein paar Fakten zum Thema zu lernen…

    1. Wenn das helfen würde, wäre es schön. Ein Problem im Diskurs um die Migration ist allerdings gerade, dass von interessierter Seite absichtsvoll kontrafaktisch argumentiert wird. Denen können Sie Fakten nennen, wie Sie wollen.

  3. Na dann möge die Caritas sich mal auf die Höhe der Ereignisse sich begeben. Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben und arbeiten, sind sicher nicht das Problem, dass Frau Merkel mit dem Satz “Wir schaffen das” in die Welt setzte. Der Zuzug militanter Migranten, mit bereits kriminellen Hintergrund aus ihrem Land flüchtend, hier ich nicht integrieren wollen sondern weitere Kriminalität in unser Land bringen, sind das Übel. Da hilft auch kein Schönreden, Herr Thiel, hier hilft nur entsprechendes Vorgehen der Ordnungskräfte, was in der Vergangenheit reichlich ungenügend ausfiel.

    1. Haben Sie Sorge, dass man Ihnen die Behauptungen wegnimmt, und wiederholen sie deshalb schnell noch einmal?

    2. Auf der Höhe der Zeit ist man sicher nicht, wenn man glaubt, jede*r Geflüchtete würde mit einem Messer in der Tasche nach Deutschland kommen, um hier Menschen umzubringen und sich anschließend auf Kosten des Staates die Zähne machen zu lassen. In der Realität gibt es unter Migrant*innen prozentual genauso viele Menschen mit kriminellen Neigungen wie unter Deutschen – wir sind halt alle Menschen. Allerdings gibt es nach unserer Erfahrung zwei Faktoren, die dieses Verhältnis in eine jeweils andere Richtung beeinflussen:

      1. Den Menschen, die zu uns fliehen ist bewusst, dass sie hier als Fremde wahrgenommen werden und bemühen sich nach Kräften, sich wie Gäste zu benehmen, auch wenn ihnen anderes unterstellt wird. Sie wollen Deutsch lernen, arbeiten, Steuern zahlen und ihre Dankbarkeit zeigen für die Sicherheit, die sie hier genießen dürfen. Und nein, niemand kommt wegen der Sozialsysteme. Der mit Abstand wichtigste “Pull-Faktor” (wenn man dieses Unwort mal benutzen möchte) ist die Sicherheit in diesem Land, sowohl rechtlich als auch gesellschaftlich.

      2. Die allermeisten von den Menschen, die seit 2015 zu uns geflohen sind, haben nicht nur traumatische Erlebnisse in der Heimat, sondern auch eine teils unvorstellbar grausame und lange Flucht hinter sich. Wir kennen Menschen, die im Mittelmeer ihr Kind haben ertrinken sehen. Die uns detailliert von Vergewaltigungen, Raubüberfällen, Gefängnis und Folter berichten können. Kurz: sie kamen hier hochgradig traumatisiert an. Jeder Mensch, der sich mit dem Thema ein wenig auskennt weiß, dass man zur Bewältigung von Traumata einerseits Sicherheit braucht, andererseits Verständnis. Ein jahrelang unsicherer Aufenthaltsstatus und so gut wie keine Therapiemöglichkeiten in irgendwelchen Heimatsprachen (das ist die Realität) sind also genau das Gegenteil dessen, was diese Menschen brauchen. Trotzdem behalten die meisten die Hoffnung, dass sie sich hier ein neues Leben aufbauen können und “drehen nicht durch”. Manche leider doch, und ich wundere mich eher manchmal, dass es nicht mehr sind. Unter dem Strich aber kommen diese Menschen nicht als Kriminelle, sondern sondern als Traumatisierte, und wir helfen ihnen nicht. Das ist unser Armutszeugnis und unser Versäumnis.

      1. Zu 1.)
        Diese Sicherheit gibt es nur in Deutschland, nicht in der restlichen EU?

        Zu 2.)
        Wäre da Hilfe vor Ort nicht besser?
        Hier ein neues Leben aufbauen? Also doch wirtschaftliche Interessen und kein Rückkehrwunsch?

      2. Hilfe vor Ort na sicher, der allergrößte Teil der Geflohenen befindet sich im Herkunftsland oder in unmittelbarer Nachbarschaft. Es wäre sehr geholfen, wenn den Menschen dort eine Perspektive gegeben wird, so dass sie aus freien Stücken entscheiden können, ob sie dort bleiben wollen.

        Fällt es Ihnen tatsächlich so schwer, sich in andere Menschen hineinzuversetzen? Und dann vielleicht noch anzuerkennen, dass es auch ambivalente Gefühle und Wünsche für die eigene Zukunft geben kann? Glauben Sie, die meisten der Menschen, die eine solche Flucht auf sich genommen haben, haben das leichtfertig getan? Für die paar Kröten auf der Bezahlkarte und einen Platz in der Sammelunterkunft in Deutschland? Würden Sie das tun? Nein? Warum unterstellen Sie es dann anderen?

      3. Zu 1.)
        Deutschland soll also die restliche EU alleinlassen, statt seinen Teil beizutragen?
        Wie asozial wäre das denn bitte?

        Zu 2.)
        In Syrien herrscht seit 2011 Bürgerkrieg, in Afghanistan seit 1979 (mit Unterbrechungen). Auch bei anderen Ländern ist völlig unklar, ob und wann eine sichere Rückkehr möglich wird. Zum Zeitpunkt der Flucht wissen die allermeisten Flüchtenden nicht, ob sie ihre Heimat jemals wiedersehen werden – oder ob ihre Familie und Freunde dann noch leben.
        Sollen sie also jahrzehntelang in EUropa auf gepackten Koffern sitzen und hoffen, dass vielleicht morgen…? Oder sollten wir sie unterstützen, sich hier zu integrieren und ein Leben aufzubauen, ob nun temporär oder dauerhaft?

  4. Das könnte auch von der Kahane stammen :D
    Zu jedem Punkt gibt es nicht extremistische Punkte, in der man eine ähnlich gelagerte Kritikpunkte an der Migration gut belegen könnte.
    Ob man das jetzt politisch gleich sieht, ist ja jedem überlassen, Argumente und Zahlen dafür gibt es aber.
    Dies einfach als falsch darzulegen, da macht es sich die Caritas zu einfach.

    #07
    “Der Anteil von Migrant*innen im Niedriglohnsektor
    liegt mit 35 Prozent deutlich höher als jener der
    Deutschen mit 17 Prozent.”
    Wer sind denn die restlichen 48%, Außerirdische?

    Die christlichen Kirchen werden sich noch umschauen in der Zukunft. Genau aufgrund solcher Dinge und vieler anderer Skandale verlassen die Menschen in Scharen die Kirchengemeinden.
    Aber gut, in den letzten Jahrzehnten haben sie sich ja immer nach dem Zeitgeist gerichtet anstatt eine klare Linie beizubehalten. Das wird sich in Zukunft sicherlich nicht ändern.

    1. “Wer sind denn die restlichen 48%, Außerirdische?”

      Ich vermute damit ist gemeint, dass 35% der Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft im Niedriglohnbereich arbeiten, während 17% der deutschen Staatsbürger im Niedriglohnbereich arbeiten.

      Wirkt ein wenig überstürzt und vermutlich mussten längere Texte auf den passenden Umfang gekürzt werden. Die Kategorien gehen hier ja auch durcheinander. Ich vermute hier meint Begriff “Migrant*innen” tatsächlich Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die sich in Deutschland aufhalten und “Deutsche” Staatsbürger*innen mit und ohne Migrationsgeschichte. An anderen Stellen im Heft ist aber häufig von Geflüchteten, Asylbewerber*innen oder auch Menschen mit Migrationshintergrund die Rede. Glaube das verwirrt eher als das es hilft.

      1. Hallo,
        tatsächlich ist es genau so wie Sebastian sagt, 35% der Menschen ohne deutschen Pass arbeiten im Niedriglohnsektor (wenn sie denn arbeiten dürfen, s. #10) und 17% der Menschen mit deutschem Pass.
        Tatsächlich ist diese Formulierung etwas missverständlich, aber mit ein wenig Verstand durchaus zu erschließen. Wir werden sie in der nächsten Ausgabe anpassen.

        Tatsächlich schwanken die Zahlen etwas je nach Quelle und Datenstand, der DGB spricht z.B. von 32,2% der Ausländer*innen gegenüber 13,6% der Deutschen (Stand 2023: https://www.dgb.de/aktuelles/news/ein-drittel-der-menschen-mit-auslaendischer-staatsangehoerigkeit-arbeitet-in-deutschland-zum-niedriglohn/). Das Verhältnis und die Grundaussage bleiben aber gleich: Menschen mit Migrationsgeschichte finden schwerer hochqualifizierte Jobs als Menschen ohne Migrationsgeschichte, und egal in welchem Job sie arbeiten, wir brauchen ihre Arbeitskraft. Würden die Menschen fehlen (Stichwort “Remigration”), wäre der Arbeitskräftemangel in allen Bereichen noch eklatanter als er sowieso schon ist.

      2. Hallo,
        an Ihrer Grundaussage und Intention zweifle ich gar nicht. Es ist ja auch absurd, dass es Menschen mit nichtdeutschen Abschlüssen und Erwerbsbiografien in Deutschland so schwer gemacht wird.

      3. Bei der Remigrations-Diskussion ging es nicht um die arbeitenden Menschen, das sollten sie nicht falsch darstellen.

        “Menschen mit Migrationsgeschichte finden schwerer hochqualifizierte Jobs als Menschen ohne Migrationsgeschichte…” Und das hat natürlich nichts mit der Qualifikation zu tun, oder? ;)

      4. Da gibt es zahlreiche Faktoren. Sprachkenntnisse zählen dazu, Probleme bei der Anerkennung im Ausland erworbener Berufsabschlüsse (dann ist man faktisch qualifiziert, hat aber auf dem Papier keine formale Qualifikation) etc. pp. Nicht zu vergessen die Ungleichbehandlung in Bewerbungsverfahren: Dass bei gleicher Qualifikation Bewerber mit z.B. orientalischen Namen eher Absagen bekommen, ist in Praxisexperimenten bestätigt worden.

  5. Der Caritas seiGRÖSSTER DANK für HERZöffnende Menschlichkeit und dafür, sich mit ARGUMENTEN der braunen Hetze entgegenzustellen.
    Und für ihren wichtigen Beitrag für sachliche Problemlösungen.
    Ein Leuchtturm in der von Brandstiftern aufgeheizten Situation.

  6. Ich weiß nicht wie zielführend es ist in der aktuellen Situation ein Buch im Pixibuchformat den Leuten zu verteilen wie sie ein Taschenheld*in werden können.

    Man sollte den Realitäten auch mal ins Auge sehen und gucken wie man wieder Sicherheit schafft. ;)

    1. Der Rat, den Realitäten ins Auge zu sehen, scheint mir eher denjenigen gegenüber angebracht, die jedes Problem in Deutschland mit Migration begründen wollen.