Die Vorbereitungen für die Bundestagswahl laufen auf Hochtouren. Doch wie wird dieses politische Ereignis in den Schulen thematisiert? Welche Veranstaltungen zur Demokratiebildung werden umgesetzt, um die Schüler:innen auf die Wahlen vorzubereiten? Wir haben uns einen Überblick über die Aktionen der weiterführenden Schulen verschafft.

In der Integrierten Gesamtschule Paffrath (IGP) öffnet ein Schüler eine Wahlurne – 16 weitere Schüler:innen und vier Lehrkräfte schauen ihm gespannt zu. Eine Wahlurne in einer Schule? Was hat es damit auf sich? Die IGP nimmt in diesem Jahr an der Juniorwahl teil, bei der die Schüler:innen Demokratie erleben und erlernen sollen.

Gewählt wird wie bei den Erwachsenen: Es gibt einen Wahlvorstand, ein Wählerverzeichnis, Wahlbenachrichtigungen, Wahlkabinen und eine Wahlurne. Gewählt werden können die Politiker:innen, die im Wahlkreis der Schule kandidieren.

Anastasia und Evelin, zwei Schülerinnen der IGP, erklären: „Es werden Schüler aus den Jahrgängen ausgewählt, die sich darum kümmern, dass während der Wahl alles funktioniert.“ Im Vorhinein seien sie im Unterricht gut auf die Wahlen vorbereitet worden, erklärt Burkhard Müsken, Politiklehrer an der IGP.

Insgesamt haben in der IGP 456 Schüler:innen ab der neunten Jahrgangsstufe an den Wahlen teilgenommen, das entspricht einer Wahlbeteiligung von 83 Prozent. Nun müssen die Stimmen ausgezählt werden: Dafür sortieren die Wahlhelfer:innen die Stimmzettel vorerst nach den abgegebenen Erststimmen, zählen diese zusammen und wiederholen dies in einem zweiten Durchlauf mit den Zweitstimmen – ungültige Stimmzettel werden aussortiert.

Die Ergebnisse der Juniorwahl auf Bundes- und Landesebene stehen ab Sonntag, 23. Februar, ab 18 Uhr auf der Website der Juniorwahl.

Thementage zu Verschwörungstheorien

Auch am Gymnasium Herkenrath nehmen die Schüler:innen an der Juniorwahl teil. „Ab der achten Klasse wählen bei uns alle Schüler:innen. Sie werden im Politikunterricht und in den sozialwissenschaftlichen Kursen in der Oberstufe darauf vorbereitet“, erklärt Philipp Eden, Vorsitzender der Fachschaft Politik am Gymnasium Herkenrath.

Anfang Februar setzten sich die Schüler:innen der Jahrgangsstufe 10 im Rahmen der Thementage mit den Themen „Verschwörungstheorien“ und „Fake News“ auseinander, erarbeiteten die Wahlprogramme der Parteien und stellten diese vor. 

„An unserer Schule haben wir in den letzten Jahren die politische Bildung weiter vorangebracht“, betont Eden. So wird seit dem vergangenen Jahr in der Jahrgangsstufe 10 eine Bildungsfahrt nach Berlin durchgeführt, bei der die Demokratiebildung im Vordergrund steht.

Zudem besuchte Franziska Broich, eine Mitarbeiterin der EU, das Gymnasium Herkenrath kurz vor der Europawahl und kam dort mit den Oberstufenschüler:innen ins Gespräch. Für die Kommunalwahl im Herbst sei bereits jetzt eine Podiumsdiskussion in Planung, so Eden.

Schüler:innen diskutieren in Brüssel

Am Albertus-Magnus-Gymnasium werden die Wahlen ebenfalls im Politikunterricht  thematisiert und im Rahmen der Juniorwahl erprobt. Gemeinsam mit den Schülervertretungen des Otto-Hahn-Gymnasiums und des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und der Bezirksschülervertretung wurde eine Podiumsdiskussion mit den Kandiat:innen des Kreises organisiert, eine zweite Veranstaltung musste jedoch abgesagt werden. Details dazu in diesem Beitrag:

Podiumsdiskussion abgesagt

AfD Rhein-Berg lässt sich von Matthias Helferich verstärken

Matthias Helferich gilt sogar innerhalb der AfD als zu radikal, hat sich selbst als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet und wurde trotz eines laufenden Ausschlussverfahrens auf Platz 6 der Landesliste für den Bundestag gewählt. Mit diesem Mann tritt nun die AfD Rhein-Berg offensiv an, präsentiert ihn beim „populistischen Ascherfreitag“ in Overath und wollte ihn auf ein Podium im Otto-Hahn-Gymnasium schicken.

Im Januar nahmen 40 Schüler:innen der Q2 an Informations- und Fachgesprächen in Brüssel teil. Mit den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, den Mitarbeitenden der Europäischen Kommission und des Rats der EU konnten die Schüler:innen über die Bedeutung der Bundestagswahlen für die Europäische Politik diskutieren, erklärt Daniel Klisch, Fachvorsitzender der Fachschaft Sozialwissenschaften am AMG.

Oberstufenschüler:innen haben zudem Informationsplakate erstellt, die die Leitideen und Werte aller Parteien sowie deren Positionen zu bestimmten Themen abbilden. Diese Plakate werden der Schülerschaft im Atrium der Schule in einer Ausstellung präsentiert. Dabei betont Klisch: „Die Plakate sind derart gestaltet, dass sie ausschließlich der Information und nicht der Parteiwerbung dienen“.

Plakate, Wahl-O-Mat und KI-Tool

Auch an der Nelson-Mandela-Gesamtschule wird die Juniorwahl durchgeführt. Die Schüler:innen des Sowi-Leistungskurses haben Plakate gestaltet, die die Wahlprogramme der verschiedenen Parteien vorstellen, erklärt Lina Ebbers.

Damit die Schüler:innen des Berufskollegs kaufmännische Schulen bestmöglich auf die Juniorwahlen vorbereitet sind, haben sie sich vorab mit dem Wahl-O-Mat und dem KI-Tool „Wahl Chat“ auseinandergesetzt und wurden durch entsprechendes Unterrichtsmaterial vorbereitet. Durchgeführt wird die Juniorwahl im Rahmen des Politikunterrichts, so Vanessa Stephany.

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Der lokale Wahl-O-Mat hilft beim Kandidaten-Check

Nicht die Parteien und die Politik bestimmen die Themen des Wahlkampfes, sondern die Bürgerinnen und Wähler: Nach diesem Prinzip haben wir Themen und Fragen gesammelt, sie von der einen Kandidatin und den sieben Kandidaten beantworten lassen. Das Ergebnis ist ein lokaler und analoger Wahl-O-Mat, mit dem Sie die Kernpositionen rasch vergleichen können.

Das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium nimmt seit mehreren Jahren regelmäßig an der Juniorwahl teil. Nachdem die Schüler:innen im Unterricht ausführlich auf die Wahlen vorbereitet wurden, durften sie im Anschluss im schuleigenen Wahllokal – mit Wartebereich, Wahlvorstand und Wahlkabinen – selbst wählen. 

Nun warten die Schüler an allen Schulen auf ihre Wahlergebnisse der Juniorwahl und sind gespannt, ob es Unterschiede zu dem Ergebnis der Bundestagswahl gibt.

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  1. Ich bin positiv beeindruckt von der jetzigen Jugend zwischen 16 und 20 Jahren an den weiterführenden Schulen.
    Schon zur Europawahl habe ich persönlich, u. a. als Organisator bei Podiumsdiskussionen in Odenthal und Kürten, feststellen dürfen, dass sich die Schüler, gut vorbereitet, mit den Themen befasst hatten.

    Das hat sich bei der Bundestagsvorbereitung in Form einer weiteren Podiumsdiskussion in der Gesamtschule Kürten bestätigt.
    Es wurde qualifiziert mit den demokratischen Bundestagswahlkandidaten, kritisch diskutiert.
    Offenbar sind die Jugendlichen differenziert, teils kritisch gegenüber den jeweiligen Positionen der Parteien eingestellt, d. h., sie hinterfragen die Positionen und bilden sich ihre eigenen Haltungen und Meinungen dazu.
    Die Polarisierungen in der Gesellschaft spiegeln sich auch da wider, obwohl es andere Themenschwerpunkte gibt, andere Themen wichtiger erscheinen, als bei den “Erwachsenen”.
    Z. B. kommen die Themen, Klimawandel und die Organisation der Bildung, besonders der Infrastruktur (Beispiel Toiletten und gesamter Zustand der Schulen), z. Zt. aus Sicht der Schüler viel zu kurz.
    Die unsäglichen Abschiebedebatten, mit den täglichen Überbietungen der ultrarechten Partei, aber auch der gemäßigten Parteien, über die unrealistischen Abschiebeforderungen, belasten die Diskussionen auch da schwer.
    Viele verstehen überhaupt nicht mehr, warum ihre Mitschüler, mit denen sie z. T. seit Jahren erfolgreich die Schulbank drücken, die vollständig integriert sind, abgeschoben werden sollen.
    Wie sollten sie das auch verstehen??
    Das sind unsere kommenden Azubis, Studenten, Mitarbeiter , Mitbürger, die übrigens auch in die Sozialsysteme einzahlen werden.

    Erstaunt habe ich festgestellt, wie informiert und reflektiert die überwiegende Mehrzahl der Schüler die hohlen Parolen der AFD als solche erkennen und ablehnen.

    Ich frage mich allerdings auch, ob, und wenn ja, wie das bei den anderen Schulformen gelebt wird, Haupt-, Berufskollegs und Realschulen, darüber lese ich bisher (fast) nichts. Auch wenn da die Schüler im allgemeinen jünger sind, gibt es da Bedarf, insbesondere bei den ab/über Sechzehnjährigen.

  2. Schöne und wichtige Aktion. Vielleicht auch ein Anlass darüber nachzudenken, dass nur 70% der Menschen, die dauerhaft in Deutschland leben bei der Bundestagswahl wählen dürfen. Darin könnte man schon ein Repräsentationsdefizit sehen.