Die Galerie Kunstkabinett Partout in Herkenrath präsentiert den japanischen Künstler Masaki Hagino mit bekannten und neuen Gemälden und einer philosophischen Rauminstallation. Im Gespräch während der Arbeit an mehreren Gemälden erzählt er über Prägung, subjektive Wahrnehmung und seine besondere Arbeitsweise.
Mehrere Leinwände mit groben Skizzen lehnen an einer Staffelei; die Tische im Raum sind vollgestellt mit Ölfarben, Pinseln und einem Bügeleisen mit Bienenwachs. Es riecht nach Lackfarbe.
Die Galerie Partout lädt zur öffentlichen Malaktion mit dem japanischen Künstler Masaki Hagino ein. Er malt stets an mehreren Bildern gleichzeitig – schon wegen der langen Trocknungszeiten der Ölfarbe. Vor Publikum zu malen sei ihm nicht fremd, sagt er. Er zeige, wie er arbeite, und das Interesse der Menschen entstehe daraus ganz von selbst. „Es geht mir darum, ins Gespräch zu kommen“, erklärt er.
Seit mehr als zehn Jahren ist der Japaner mit Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum und dem Kunstkabinett Partout befreundet – und immer wieder „Artist in Residence“: für zwei Wochen zu Gast und künstlerisch tätig in Herkenrath. Er habe schon an verschiedenen Orten, von der Garage bis zum Dach der Galerie, gemalt. „Da war es mir ein Bedürfnis, einmal zu zeigen, was er macht“, sagt Clemens-Schierbaum.
Sie lernte Hagino 2014 auf der Kunstmesse „art’pu:l“ in Pulheim kennen und war beeindruckt von seiner einzigartigen malerischen Technik, erzählt die promovierte Kunstwissenschaftlerin. Der 1987 in Japan geborene Hagino studierte ab 2006 Design und Architektur an der Universität Nagoya. Er wollte zeitgenössische Kunst im Ausland studieren – zunächst für ein halbes Jahr als Gaststudent in Philadelphia (USA), dann in Deutschland, auch weil es hier keine hohen Studiengebühren gibt.

Außerdem kannte er viele deutsche Künstler wie Gerhard Richter und Thomas Ruff. Sein Diplom machte er an der Hochschule Burg Giebichenstein der Kunsthochschule in Halle und besuchte nebenbei Vorlesungen in Neurowissenschaften.
Installation mit einem irischen Gedicht
Der auffällige Geruch in der Galerie stammt von der eigens für die Einzelausstellung geschaffenen Installation des Künstlers. Auf dem nackten Steinboden der Industriehalle hat Hagino seine Arbeit und Teile des Konzeptes „Dekonstruktion der Gemälde“ aufgebaut – jene Installation, mit der er sich für den „Art Award“ des Aesthetica Magazine in Großbritannien beworben hat und die in der Longlist vertreten ist.
In einem Radius von etwa 2,5 Metern hat er Strohhalme kreisförmig ausgelegt. Am Rand stehen zwölf Pampasgras-Halme aufrecht, die sich im Luftzug bewegen können. Jeder Halm ist mit einem einfarbigen, aufgesprühten Kreis markiert – sie symbolisieren die Winde und deren unterschiedliche Wahrnehmung.

Symbolismus sei ein frühes Thema seiner künstlerischen Arbeit, erzählt der Künstler. Das von keltischer Tradition inspirierte Gedicht „Creation of the Winds with Their Colours“, im Mittelalter von Mönchen niedergeschrieben, beschreibt Naturgottheiten, verkörpert durch zwölf Winde aus verschiedenen Richtungen, denen jeweils eine Farbe zugeordnet ist.
Masaki Hagino – ER, DIE KUNST UND WIR
21.3. -30.5.2026
Vernissage: 21.3., 17 Uhr
Einführung Dr. Ursula Clemens-Schierbaum
Finissage: 30.5.2026, 17 Uhr
Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h
und nach Vereinbarung
02204 42 52 38
Website – Künstlerseite
Subjektive Ideen vom Baum
Als zeitgenössischer Künstler habe er den Anspruch, „etwas Neues zu entdecken, etwas Neues zu machen – aus Sicht der Kunstgeschichte“, sagt er. Sein künstlerisches Konzept dreht sich um den Begriff der Subjektivität.
Seine Galeristin erklärt das Thema so: „Wie nehme ich die Welt subjektiv wahr – als Künstler und als Betrachter?“ Und weiter: „Er gibt seine Wahrnehmung ins Bild, und wir betrachten es, zerlegen es im Kopf und setzen es neu zusammen.“
Geboren 1987 in Nagoya, Japan. Kunst- und Designstudium an der Städtischen Universität Nagoya (Schwerpunkt Malerei, Fotografie, Druckgrafik, Exzellenzpreis 2011), anschließend Kunstfotografie an der Penn State University/Philadelphia. 2013–2019 Studium Malerei/Grafik an der Burg Giebichenstein Halle (Diplom CMFA). Nach Aufenthalten in Amsterdam seit lebt und arbeitet er seit 2023 zwischen Deutschland und Japan.
Seit 2008 zahlreiche Ausstellungen in Japan, Europa und den USA. Ausgezeichnet u. a. mit dem KUNST AWARD HEUTE (2016) und dem Förderpreis der Yoshino Gypsum Art Foundation (2018); Projektförderungen u. a. von der Stiftung Kunstfonds (2021) sowie der Okada Cultural Foundation und Nomura Foundation (2024, 2026).
Zur Person
Auswahl von Einzel- und Gruppenausstellungen
Theoretische Grundlage sei eine Konstruktionstheorie aus zwei Gegenpolen, wie sie der französische Philosoph Jacques Derrida beschreibt. Es geht Hagino um die Dreiecksbeziehung zwischen Künstler, Gemälde und Betrachter.
Manche kennen und verbinden seine Arbeiten mit Waldmotiven; dabei wählt er häufig Bäume als Thema – vor allem, weil sie eine zylindrische Form haben, ohne gerade Linien. Die Rundung sei wichtig, um perspektivische Verzerrungen zu vermeiden.
Doch ginge es ihm weniger um den Wald an sich, sondern um die „Idee eines Baumes“, also darum, welche Perspektive ein einzelner Betrachter auf einen Baum hat. Diese Sichtweise hänge von individuellen Prägungen und kulturellem Hintergrund ab. „Egal, wie schön man als Künstler etwas darstellt – der Betrachter formt daraus sein eigenes Bild“, sagt Hagino.
Kunst zum Vervollständigen
Clemens-Schierbaum sieht in seiner Kunst ein Angebot an die Betrachter, sie in Gedanken selbst zu vervollständigen. Seine malerische Schichtung der Farben sei seine Interpretation subjektiver Wahrnehmung. Er vergleiche das mit der abstrahierten Darstellung der Realität im Kubismus.
Der größte Baum in seinem Gemälde ist auf der untersten Farbschicht angelegt, die kleineren, jüngeren Bäume im Vordergrund auf höheren Malschichten – also entgegengesetzt zur üblichen Perspektive, die Größeres vorne und Kleineres im Hintergrund zeigt, um Räumlichkeit zu erzeugen.
Damit bezieht sich Hagino bewusst auf die europäische Tradition der Malerei und ihre Fluchtperspektive. In Japan hingegen wird traditionell mit Luftperspektive gearbeitet, die Raum durch klare und unscharfe Linien sowie atmosphärische Tiefe ausdrückt.
Hagino schichtet Ölfarbe und trägt anschließend weißen Bienenwachs mit dem Bügeleisen auf, um Unschärfen und zusätzliche Tiefe zu erzeugen. „Ich male unfertige Bilder, damit der Betrachter sie in seinem Kopf selbst zusammensetzt“, sagt er.

Wer nun neugierig auf den Künstler und seine Arbeitsweise geworden ist, hat am Tag der Vernissage (Samstag, 21.3., 17 Uhr)Gelegenheit, selbst mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Weitere Fotos zur Ausstellung
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