Die Erweiterung des Schulzentrums im Kleefeld ist im Rohbau fertig. Foto: Redaktion

Noch bis zum heutigen Mittwoch läuft das Verfahren für die Vergabe der Plätze an den weiterführenden Schulen in der zweiten Runde. Doch bereits am Dienstagabend erzwang die CDU im Schulausschuss die Veröffentlichung der Anmeldezahlen in der ersten Runde – und legte damit Ungleichgewichte in Bergisch Gladbachs Schulsystem offen.

Eine Änderung des Anmeldeverfahrens für die weiterführenden Schulen durch die Stadtverwaltung hatte in diesem Frühjahr in der Elternschaft für Irritationen und in einigen Schulen für Ärger gesorgt. Daher hatten Grüne, SPD und FWG einen Antrag für den Ausschuss für Schulen und Gebäudewirtschaft (ASG) am Dienstag formuliert, um Klarheit in die Sache zu bringen.

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Das führte jedoch, mitten im laufenden Anmeldeverfahren, in der Stadtverwaltung und auch in den Schulleitungen zu Unruhe. Man möge doch erst einmal das laufende Verfahren zu Ende bringen und dann über Konsequenzen für die Zukunft diskutieren, forderte Felix Bertenrath, Leiter der Otto-Hahn-Realschule und Sprecher der weiterführenden Schulen im ASG.

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Bertenrath plädierte dafür, den Antrag „ohne Debatte und Entscheidung“ zu vertagen. Nicht zuletzt im Interesse der einzigen verbliebenen Hauptschule der Stadt, die nicht weiter schlecht geredet werden dürfe. Der Vertagung stimmten die Antragsteller sofort zu, und laut Helga Kivilip auch die CDU-Fraktion.

Dennoch forderte Robert Kraus (CDU), dass die Verwaltung die Anmeldezahlen in der ersten Runde schon jetzt öffentlich mache. Auch die Verwaltung verwies darauf, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei, die zweite Runde der Vergabe der Plätze noch laufe. Sie bot daher an, die Zahlen im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung zu nennen.

Ein Vorschlag, der bei den anderen Fraktionen auf Zustimmung stieß, aber nicht bei Kraus. Er pochte auf das Informationsrecht der Ratsmitglieder; eine Verschiebung in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung sei mit der Gemeindeordnung nicht zu rechtfertigen. Beim Tagesordnungspunkt „Anfragen der Ausschussmitglieder“ wiederholte Kraus seine Forderung – und die Fachbereichsleiterin Barbara Kirschner folgte.

Demnach sah die Anmeldelage in der ersten Runde wie folgt aus:

Schule AnmeldungenAblehnungenfreie Plätze
Hauptschule Kleefeld1452
Realschule Kleefeld 1869
Realschule Herkenrath73
Johannes-Gutenberg-Realschule676
Otto-Hahn-Realschule5121
Nicolaus-Cusanus-Gymnasium8436
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium16848
Gymnasium Herkenrath10317
Otto-Hahn-Gymnasium10811
Integrierte Gesamtschule Paffrath1797
Nelson Mandela Gesamtschule897

Hinweis der Redaktion: Die Auflistung ist nicht vollständig, die Zahlen für das AMG wurden nicht vorgetragen. Zudem fehlen die Anmeldungen von Schüler:innen aus den Nachbargemeinden, die erst nach der Verteilung der gemeindeeigenen Schüler:innen vergeben werden. Und es fehlen die Plätze, die an den Schulen des gemeinsamen Lernens freigehalten werden müssen. Wir werden die offenen Fragen klären und die Angaben vervollständigen.

Aus den Zahlen geht zunächst hervor, dass in Bergisch Gladbach insgesamt, vor der Berücksichtigung von Schüler:innen aus Nachbargemeinden, deutlich mehr Plätze an den weiterführenden Schulen mehr zur Verfügung stehen, als aktuell benötigt werden.

Bei den Realschulen gibt es am Kleefeld viele freie Plätze, in Herkenrath und auch an der JGR wird es knapp.

Bei den Gymnasien ist nur das DBG überlaufen, an den anderen Gymnasien gibt es aber noch freie Plätze. (Das AMG wurde nicht genannt.)

Bei den Gesamtschulen gibt es bei der IGP einen kleinen Überhang, an der Nelson-Mandela-Gesamtschule einige wenige freie Plätze.

Ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage gibt es bei der Hauptschule im Kleefeld, der einzigen noch verbliebenen Hauptschule der Stadt. Die hier genannten 14 Anmeldungen reichen noch nicht einmal, um auch nur eine Eingangsklasse der eigentlich zweizügigen Schule annähernd zu füllen.

Zuletzt hatte Schulleiterin Sabine Hantel darauf hingewiesen, dass viele Eltern ihre Kinder trotz Hauptschul-Empfehlung zunächst bei Gesamt- oder Realschule anmelden, die dann erst in der 7. oder 8. Klasse in der Hauptschule landeten.

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Genau diesen Punkt hatte auch Schul-Sprecher Bertenrath gemacht. Es gebe in Bergisch Gladbach mit den beiden Gesamtschulen ein gut funktionierendes integriertes Schulsystem. Aber für die Funktion des nach wie vor dominierenden dreigliedrigen Systems sei die Hauptschule im Kleefeld sehr wichtig; ihr Ruf dürfe keinesfalls weiter beschädigt werden.

Mit dem für das kommende Schuljahr zur Verfügung stehende neue Erweiterungsgebäude sowie einigen Landesförderungen ist die Hauptschule im Kleefeld auch sehr gut aufgestellt. Zudem stehen auch den Schüler:innen der Hauptschule alle Berufsabschlüsse bis hin zum Studium offen.

Den Antrag von Grünen, SPD und FWG zum Anmeldesystem vertagte der Ausschuss einstimmig in eine Sondersitzung des Ausschusses Anfang Mai.

Einen Bericht über die weiteren Debatten und Entscheidungen des ASG finden Sie hier.


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  1. Das DBG bietet als einziges Gymnasium zumindest an 3 Tagen ein Ganztagskonzept. Könnte vielleicht auch ein Grund für die Anmeldezahlen sein!?

  2. Die konsequente Wahrnehmung des Informationsrechts durch selbstbewusste Stadtratsmitglieder wie Herrn Kraus (CDU) ist positiv zu bewerten.

    Im nicht-öffentlichen Teil des Ausschusses sollten Themen nur aufgrund von besonderem Interesse beraten werden, dies sollte die Ausnahme bleiben.

    1. Zumindest hatte die CDU damit Erfolg Irritationen bei den Eltern auszulösen, die man sich hätte sparen können, hätte man (wie wohl sonst auch) einfach auf den Abschluss des Verfahrens gewartet.

      “Die Veröffentlichung nicht vollständiger Zahlen zu den Anmeldungen für die weiterführenden Schulen hatten bei Schulleitungen und Eltern Unruhe ausgelöst.”
      https://in-gl.de/2025/03/20/genug-schul-plaetze-fuer-alle-gladbacher-kinder/

      Ich kann keinen echten Mehrwert bei der “konsequente Wahrnehmung des Informationsrechts” erkennen. Weder für die Politik noch für die Bürgerschaft.

  3. Gibt es diese Daten auch für das letzte Jahr? Waren in der ersten Runde Anmeldungen von nicht in BGL wohnhaften Kindern möglich? Wie gliedern sich die Ablehnungen in “Einheimische” und “Auswärtige”? Warum ist das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium so stark überlaufen, obwohl an den anderen Gymnasien recht viele Plätze frei sind. Warum steht das Albertus-Magnus-Gymnasium nicht in der Liste?

    1. Wir haben protokolliert, was im Ausschuss vorgetragen wurde, das AMG ist bei der Auflistung offenbar vergessen worden. Die Anmeldungen von „auswärtigen“ Schüler:innen werden erst in der zweiten Anmelderunde berücksichtigt. Daher hat die Verwaltung mehrfach betont, dass diese Zahlen vorläufig und unvollständig sind.

      1. Das AMG ist aufgrund seiner geographischen Lage und seiner Verkehrsanbindung an die Linie 1 sowie dem Busbahnhof Bensberg und als einzige Schule mit englisch-bilingualen und naturwissenschaftlichen Profilzweigen traditionell attraktive Wunschschule für Gladbacher, die dieses Profil suchen, aber auch für Kölner oder Rösrather oder Overather Schülerinnen und Schüler. So sind auch in den vergangenen Jahrgängen alle Klassen voll belegt. Da ein Bergisch Gladbacher Ratsbeschluss die Bevorzugung gemeindeeigener Kinder vorschreibt, müssen am AMG immer die kompletten Anmeldephasen abgewartet werden, um die Zusagen erteilen zu können. Aktuell sind 65 Gladbacher und 50 gemeindefremde Kinder angemeldet, insgesamt also 115 Kinder, so dass weitere Gladbacher aufgenommen werden können, die an anderen Gladbacher Gymnasien keinen Platz bekommen haben. Dennoch müssen – nach Versorgung aller Gladbacher – wahrscheinlich auch am AMG wieder Absagen erteilt werden, vor allem an Overather, Rösrather oder Kölner Kinder. Das darf die Schulleitung immer erst nach Abschluss der kompletten Verfahrens für ganz Gladbach entscheiden. Die Zahlen der ersten Anmeldephase lagen der Stadtverwaltung seitens des AMG vor! Sie sind vermutlich versehentlich überlesen worden, es wurde aber in der Sitzung auch nicht nachgefragt, wie berichtet wurde.

    2. “Warum ist das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium so stark überlaufen, obwohl an den anderen Gymnasien recht viele Plätze frei sind.”

      Die Frage können sie sich selber beantworten, oder?
      Weil die Eltern die Kinder beim DBG angemeldet haben und nicht in den anderen Schulen…

      1. Wie soll man sich die Frage selbst beantworten? Es muss doch aktuelle Gründe dafür geben, warum viele Eltern an genau dieser Schule die Kinder angemeldet haben. Zumal in den Vorjahren andere Schulen überlaufen waren.

      2. Die Frage lässt sich vermutlich nicht so einfach seriös beantworten. Wenn im Kommentar weiter oben selbst der Schulleiter des AMG an erster Stelle Lage und Verkehrsanbindung nennt, kann es kaum belastbare Daten zu den Gründen geben, sondern anscheinend nur Vermutungen.

      3. Das DBG hat einfach ein unglaubliches Einzugsgebiet. Dies erstreckt sich von Bensberg über Refrath, Stadtmitte bis Hebborn, Gronau und Paffrath.
        Zudem ist eine gute Anbindung mit dem Bus gewährleistet und es genießt einen sehr guten Ruf. Spricht sich rum.

      4. Müsste man ne Umfrage machen, im Zweifelsfall bleibt es Spekulation:
        Lage
        Die Änderung des Anmeldeverfahrens (ggf haben manche deshalb drauf verzichtet, bei den Schulen anzumelden, die bisher früher dran waren als der Rest)
        Sanierungszustand im Vergleich zu anderen Alternativen
        Bekannte, deren Sohn im DBG keinen Platz bekommen hat, haben vor allem die gute Info Veranstaltung hervorgehoben (im Vergleich zur Konkurrenz)

      5. Ich denke, dass man viele Kritierien berücksichtigen müsste, um zu einem Ergebnis zu kommen.
        Einzugsgebiet, Bauzustand, zukünftige Bauentwicklung, Geschwisterverhalten, Image, Qualifikation der Grundschüler etc.

        Am Ende, für alle Gladbacher Kinder ist ein Schulplatz vorhanden, wenn auch nicht immer die direkte “Traumschule” und das ist doch OK.