Die Integrierte Gesamtschule Paffrath gehörte zu den beiden Schulen, die mehr Anmeldungen als Plätze zur Verfügung hatte. Foto: Redaktion

Soll es doch wieder ein vorgezogenes Verfahren für die Gesamtschulen geben? Oder soll die Anmeldung für alle Schulformen gleichzeitig stattfinden? Nach dem Streit in diesem Jahr muss darüber jetzt der Schulausschuss entscheiden. Die Verwaltung bewertet das neu eingeführte Prozedere rückblickend als erfolgreich – auch, weil es weniger Ablehnungen als im Vorjahr gab. Allerdings gab es auch weniger Schüler:innen.

Die Stadtverwaltung zieht ein positives Fazit des geänderten Anmeldeverfahrens für weiterführende Schulen – und plädiert dafür, dieses im nächsten Schuljahr beizubehalten. Grüne, SPD und die Freie Wählergemeinschaft (FWG) hingegen hatten ein vorgezogenes Anmeldeverfahren für die Gesamtschulen für das Schuljahr 2025/2026 beantragt. Im kommenden Schulausschuss am 6. Mai stimmt die Politik über den Antrag ab.

Die Verwaltung begründet ihre positive Bewertung des neuen Verfahrens unter anderem damit, dass dadurch insgesamt weniger Schüler:innen abgelehnt werden mussten: Im aktuellen Jahr wurden – in der ersten Anmeldephase –  55 Kinder abgelehnt, im vorherigen waren es noch 165. Das neue Verfahren führt der Verwaltung zufolge also zu einer „besseren und gerechteren Verteilung der Schulplätze“.

Mehr zum Thema

Genug Schul-Plätze für alle Gladbacher Kinder

Nach der Bekanntgabe der ersten Zahlen zu den Anmeldungen für die weiterführenden Schulen waren einige Fragen offen geblieben. Wir haben mit dem Leiter des AMG gesprochen und bei der Stadt nachgefragt. Dabei zeigt sich: Die Lage an den Schulen ist eigentlich ganz entspannt – mit einer Ausnahme.

Zum Hintergrund: Die Verwaltung hatte das bislang praktizierte Verfahren der vorgezogenen Anmeldung für einzelne Schulen kurzfristig für das Schuljahr 2025/2026 geändert.

Zuvor hatte es für die Integrierte Gesamtschule Paffrath (IGP), die Otto-Hahn-Realschule (OHR) und das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) einen vorgezogenen Anmeldezeitraum gegeben. Dort abgelehnte Kinder hatten dann die Möglichkeit, sich in dem kurze Zeit später startenden Hauptverfahren an einer anderen weiterführenden Schule anzumelden.

Nur ein Verfahren für alle

In diesem Jahr hingegen gab es nur ein Verfahren für alle weiterführenden Schulen und Schulformen mit zwei Phasen: Nach einer ersten Anmeldephase wurden Zu- und Absagen verschickt; anschließend konnten abgelehnte Kinder an den Schulen mit freien Kapazitäten angemeldet werden. 

Mehr zum Thema

So unterschiedlich sind die weiterführenden Schulen ausgelastet

Im Vorfeld war die Aufregung rund um die Anmeldung für die weiterführenden Schulen groß. Die im laufenden Prozess veröffentlichten ersten Zahlen erhitzten die Gemüter zusätzlich. Nun ist das offizielle Verfahren beendet. Neben den Bergisch Gladbacher Schüler:innen konnten auch viele Kinder aus Nachbarkommunen aufgenommen werden. Damit sind einige Schulen voll, andere haben noch viele freie Plätze.

Nach Abschluss der ersten Phase gab es an allen Schulformen noch freie Plätze. Lediglich zwei einzelne Schulen mussten Schüler:innen ablehnen: die IGP und das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG). Die Realschule Herkenrath hat ihre Kapazitätsgrenze genau erreicht.

Damit standen den Familien in der folgenden zweiten Anmeldephase noch neun Schulen sowie sämtliche Schulformen zur Auswahl zur Verfügung. 

Nach dem Abschluss des gesamten Verfahrens und beiden Phasen hatten die beiden Gesamtschulen keine freien Kapazitäten mehr. An den Gymnasien gab es noch 11 freie Plätze, an den Realschulen noch 83 und an der stadtweit einzigen Hauptschule 65. 

Genügend Plätze für alle Schüler:innen

Künftige Fünftklässler, die jetzt noch nicht angemeldet sind, können weiterhin an den Schulen aufgenommen werden, die noch freie Kapazitäten haben.

Die Stadtverwaltung bewertet das Verfahren als erfolgreich, weil alle Schüler:innen an ihrer Erst- oder Zweitwunschschule aufgenommen werden konnten und im Stadtgebiet „ausreichend Schulplätze zur Verfügung stehen, um den Bedarf für jede Schulform zu decken“. 

Bislang konnten über die Bergisch Gladbacher Kinder hinaus auch 86 sogenannte gemeindefremde Kinder an Schulen in Bergisch Gladbach aufgenommen werden. 

HintergrundGemeindefremde Kinder

…sind solche, die in einer Nachbarkommune wohnen und die gewünschte Schulform auch dort zur Verfügung haben. Gemeindeeigene hingegen sind dagegen solche Kinder, die in Bergisch Gladbach wohnen oder in deren Heimatkommune es die gewünschte Schulform nicht gibt. 

Ein Beispiel: Odenthaler Kinder gelten bei der Anmeldung an Bergisch Gladbacher Gymnasien und Realschulen als gemeindefremde Kinder, an Gesamtschulen oder der Hauptschule jedoch als gemeindeeigene Kinder.

Gemeindeeigene Kinder haben gegenüber gemeindefremden Kinder immer Vorrang. Schulen dürfen gemeindefremde Kinder nur dann aufnehmen, wenn nach der zweiten Anmeldephase alle gemeindeeigenen Kinder zum Zug gekommen sind und danach noch Kapazitäten frei sind. 

Weniger Schüler:innen

Erwähnt werden muss in dem Zusammenhang, dass die Anmeldezahlen insgesamt niedriger sind als im Vorjahr: Für das Schuljahr 2025/2026 liegen 1180 Anmeldungen vor, 2024/2025 waren es noch 1358 – bei gleichbleibender Anzahl von Schüler:innen an den städtischen Grundschulen. 

Eine Erklärung für den Rückgang hat die Verwaltung derzeit nicht. Bei der Schulwahl entscheiden letzten Endes die Eltern – unabhängig von der jeweiligen Schulempfehlung – und diese Entscheidungen „zu antizipieren gelingt regelmäßig nicht“, so die Verwaltung.

Während die Anmeldungen an den Realschulen (minus sechs Prozent) und Gesamtschulen (minus drei Prozent) zurückgegangen sind, stiegen sie an den Gymnasien deutlich (um 9,5 Prozent) und an der Hauptschule minimal um 0,2 Prozent.

Bezirksregierung hat das letzte Wort

Angesichts der diesjährigen Anmeldezahlen hält die Verwaltung es ohnehin für fraglich, ob die Bezirksregierung Köln ein vorgezogenes Verfahren für die Gesamtschulen genehmigen würde, wie es der gemeinsame Antrag von Grünen, SPD und FWG es fordert.

Die Fraktionen hatten ihren Antrag damit begründet, dass diese Praxis in anderen Kommunen (beispielsweise Köln) bereits gängig sei und ein vorgezogenes Verfahren aus ihrer Sicht den Eltern „eine deutlich größere Planungssicherheit“ böte.


Sie finden diesen Artikel gut? Sie sind mit unserer Arbeit zufrieden? Dann können Sie uns gerne mit einem Einmalbeitrag unterstützen. Das Geld geht direkt in die journalistische Arbeit.

Oder Sie werden Mitglied im Freundeskreis, erhalten exklusive Vorteile und sichern das Bürgerportal nachhaltig.


Dokumentation

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.