Claudia Timpner und Anne Sieben. Foto: Philipp J. Bösel

Ein Leben, an das man sich gewöhnt und angepasst hat. Bis jemand beginnt, unbequeme Fragen zu stellen. In „Die dritte Kolonne – Ein Stück für zwei Frauen und eine Gegensprechanlage“ treffen zwei Frauen aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwischen den Themen Einsamkeit, Anpassung und dem Versuch, aus dem System auszubrechen, kann man sich im THEAS-Theater bald die Frage stellen: Wann fühlt man sich eigentlich selbst als Mensch?

An einem kleinen Tisch im Untergeschoss eines Medikamentengroßhandels sitzt eine Frau und sortiert Bestellformulare. Die Atmosphäre um sie herum wirkt kalt, künstlich und monoton. Es gibt keine Fenster, keine frische Luft und bis auf ihre jüngere Kollegin auch keine Menschen. Nur eine Gegensprechanlage ermöglicht den Kontakt nach außen. Ein Leben, an das sich die Frau gewöhnt und angepasst hat.

„Am besten ist, nicht nachdenken und weiterarbeiten. Heute gibts Gott sei Dank zu tun.“, erklärt sie ihrer jungen Kollegin. Diese hat eine deutlich dynamischere Sichtweise auf die Dinge, sie ist emotional und hinterfragt die vorgegebenen Arbeitsabläufe: Was hat es zum Beispiel mit der ersten und zweiten Zahlenkolonne auf den Bestellformularen auf sich? Warum sind Medikamente eigentlich immer „gegen“ etwas?

Fragen, auf die ihre ältere Kollegin keine Antwort zu finden mag – denn das System hat sie noch nie hinterfragt. Immer wieder geraten die Kolleginnen aneinander. Vor allem, wenn die junge Kollegin unbequeme Fragen stellt. Doch sind sich die beiden Frauen vielleicht doch ähnlicher als sie anfangs dachten?

Eine Frage, auf die man im THEAS-Theater bald eine Antwort finden kann. Denn dort kommt das Stück „Die dritte Kolonne – Ein Stück für zwei Frauen und eine Gegensprechanlage“ bald auf die Bühne. Das 1979 durch den Schweizer Satiriker Franz Hohler erschienene Stück erhält im THEAS durch den Regisseur Richard Zapf einen „modernen Anstrich“.

Anne Sieben und Claudia Timpner. Foto: Philipp J. Bösel

„Das Stück stammt aus einer anderen Zeit, und wir haben überlegt, wie man es heute anders erzählen kann“, erklärt Regisseur Richard Zapf. „In den 80ern war das Thema, dass Maschinen die Arbeit der Menschen übernehmen, sehr präsent – heute stecken wir mittendrin. Das Stück hat dadurch eine andere Brisanz bekommen, und wir wollten sehen: Wie kann man das neu erzählen? Wir wollten die Einsamkeit mehr in den Raum stellen“, fügt er hinzu.


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Es fühle sich gut an, das Stück zu spielen, so Claudia Timpner, die die Rolle der älteren Mitarbeiterin übernommen hat. „Wir sagen meistens nicht das, was wir denken, denn darunter ist immer noch eine andere Ebene. Manchmal aber bricht es halt raus“, so beschreibt Timpner eine Situation, die fast allen Menschen aus dem „realen“ Leben bekannt sein wird.

„Es sind immer diese kleinen Momente der Wahrhaftigkeit“, fügt sie hinzu. Ihre Schauspielkollegin Anne Sieben ergänzt, dass sie in ihrer Rolle deutlich freier agieren könne, da sie versucht, ihre ältere Kollegin „da rauszubringen“.

Es ist ein Theaterstück zwischen den Themen Schizophrenie, Einsamkeit, Anpassung und dem Versuch, aus dem System auszubrechen. Es ist skurril, absurd, tragisch und traurig zugleich und lädt dazu ein, sich selbst zu fragen: Wann fühlt man sich eigentlich selbst als wahrer Mensch?

Das Stück eröffnet den Zuschauer:innen die Möglichkeit, selbst Antworten auf diese Frage zu finden. „Ich bin ein großer Fan davon, dem Publikum das Denken zu überlassen und ihnen den Raum zu lassen, etwas in das Stück hineinzuinterpretieren“, so Zapf.  

Die Premiere des Zwei-Personen-Stücks findet am 24. Mai im THEAS-Theater um 20 Uhr statt.

Weitere Termine:

  • Sonntag, 25.05.2025 um 18 Uhr
  • Freitag, 13.06.2025 um 20 Uhr

Reservierungen und Karten gibt es online unter www.theas.de oder per Mail unter theas@theas.de, telefonisch unter 02202/92765015 sowie an der Abendkasse.


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